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Sonntag, 17. Juni 2018

Laut einem Bericht der iranischen Nachrichtenagentur Tabnak fehlt vielen Schulen im Iran nicht nur ein Sportplatz, Laboratorien oder eine Schulbücherei, in ärmlichen Gegenden sind viele Schulen nicht einmal mit Toiletten ausgestattet.
Seyyed Mohammad Batha‘i, der aktuelle Kultusminister des Irans, erklärte kürzlich auf einer Sitzung des Obersten Organisationsstabs zum Ausbau und zur Förderung der Leibeserziehung (Setade °aliye tashkilatiye gostaresh wa erteqaye fa°aliyathaye tartibe badani), dass er kürzlich beim Besuch einer Schule festgestellt habe, dass sie über keine Toiletten verfügte. In der Nähe sei aber ein Gebäude mit Toiletten gewesen. „Na, was will man mehr?“ sagte der Minister: „Sollte man diese Möglichkeit nicht den Schülern zur Verfügung stellen?“
Statt also Haushaltsmittel bereit zu stellen, damit die Schulen für Toilette ausgestattet werden, sieht der Minister die praktische Lösung darin, sie in Nachbargebäude zu schicken.
Doktor Kamran, Parlamentsabgeordneter von Isfahan, kritisierte im Gegenzug gegenüber, dass für die Renovierung der Toiletten im siebenstöckigen iranischen Parlament rund 300 Millionen Tuman ausgegeben werden. Der Auftrag wurde ohne Versteigerung vergeben.
Dies zeigt nur, dass das ohnehin recht kleine Budget (die Hauptsummen des Erdölexports wandern verdeckt in die Taschen der Pasdaran und ihres Umfelds) eher der Selbstbedienung der Entscheidungsträger dient als dem Land.

https://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=157362
vom 14. Juni 2018 (24. Chordad 1397)

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Mittwoch, 13. Juni 2018

STREIT IM GEMEINSAMEN HAUS EUROPA

Erinnern wir uns doch einmal an die Ereignisse der letzten 3 Jahre zurück, soweit sie die Flüchtlinge betreffen.

„Im Jahr 2015 beantragten 1.322.825 Menschen in den Ländern der Europäischen Union Asyl; 2016 waren es 1.259.955. 2017 hatte sich die Zahl mit 649.855 Erstanträgen fast halbiert. Weltweit waren 2015 nach Angaben des UNHCR 65,3 Millionen Menschen auf der Flucht.“ (Wikipedia, Flüchtlingskrise in Europa ab 2015, mit Berufung auf Eurostat, NZZ und UNHCR)

Die Flüchtlingsströme von 2015

Ein Blick zurück: Im Verlauf der Monate März bis August kamen mehr als 600.000 Flüchtlinge über Griechenland und die Balkanroute in die EU, wo sie teilweise die Transportrouten blockierten, und Frauen auf der Straße Kinder bekamen. Ungarn, Slowenien Österreich und Kroatien bauten entweder Zäune oder beorderten das Militär zur Grenzkontrolle oder beides – wodurch die Schengen-Vereinbarungen über das freie Grenzregime gefährdet waren.
Den Höhepunkt dieses Chaos, wo alle möglichen Innenminister japsend Statements vor laufenden Kameras abgaben und Tausende hilfsbereiter Menschen Essen und Decken zu Flüchtlingslagern, Bahnhöfen und Grenzstationen schleppten, bildete der Fund eines Tiefkühllasters auf der österreichischen Ostautobahn bei Parndorf mit 71 Toten am 26. August. Sie waren in dem hermetisch verriegelten Container, in den die Schlepper sie gepfercht hatten, erstickt.

Um diese Zustände in den Griff zu bekommen, verkündete die deutsche Bundeskanzlerin am 31. August 2015, daß Deutschland alle Flüchtlinge aufnehmen würde und die anderen Staaten sie doch bitte durchlassen sollten, wenn sie nach Deutschland wollten. Ihr Ausspruch „Wir schaffen das!“ wurde ihr von moralischen Gutmenschen zugutegehalten, von national und völkisch denkenden Mitbürgern und Politikern jedoch sehr übel genommen. Wie sich später herausstellte, hatte sie bezüglich der Fortsetzung dieser Aufnahmepolitik Vorstellungen, die sich nicht verwirklichen ließen. Sie wollte sich nämlich zur obersten Asylverwalterin der EU machen.

Das kurze und selektive Gedächtnis der medial und von Fake news geprägten öffenlichen Besprechung verdreht im Rückblick Ursache und Wirkung und wirft Angela Merkel vor, sie hätte durch ihre deplazierte Großzügigkeit den Flüchtlingsstrom erst verursacht.
Vergessen sind hierbei die seinerzeit regelmäßig ins Haus gelieferten Bilder von Flüchtlingsbooten im Mittelmeer, vor Booten und Menschen fast übergehender griechischer Inseln, überfüllte Züge in Ungarn, Flüchtlingschaos in Traiskirchen und die Toten von Parndorf.
Vor allem aber ist die Politik der EU in den vergangenen Jahren in Syrien, Afghanistan, Libyen und anderen Teilen Afrikas fein heraußen, und auch die mangelnde Unterstützung der EU-Mitgliedsstaaten gegenüber der UNHCR.
Nein, Angie ist schuld an allem!

EU-Einigkeit im September 2015: Quoten

Am 22. September 2015 wurde angeblich eine Einigung darüber erzielt, von der bis dahin fast einer angekommenen Million Flüchtlingen ganze 120.000 auf die EU-Staaten nach einem bestimmten Schlüssel zu verteilen.
Diese „Einigung“ war aber gar keine.

Erstens stimmten einige Staaten dagegen, andere enthielten sich der Stimme. Genaueres sickert seither zwar nach außen, aber schon damals waren offensichtlich eine beträchtliche Anzahl von EU-Staaten gegen diese Quotenregelung.

Zweitens war die vereinbarte Anzahl gegenüber den wirklich angekommenen und irgendwie aufzunehmenden Flüchtlingsmengen sowieso lächerlich. Aber sie war auch nur als Anfang einer Flüchtlingspolitik gedacht, im Zuge derer Deutschland sich zur Führungsmacht Europas aufschwingen und die Immigrationspolitik der EU dirigieren wollte. Dieser Plan ist, soviel kann man bereits sagen, gründlich in die Hose gegangen und Deutschland blieb auf den großzügig eingeladenen Flüchtlingen sitzen.

Drittens, und das war offenbar auch noch ein Zugeständnis an die widerspenstigen Partner, bezog sich diese Verteilungsmenge von 120.000 nur auf solche Flüchtlinge, die aus Staaten stammen, die eindeutig als Fluchtländer qualifiziert sind, weil die EU-Staaten von ihren Führungsmannschaften nicht viel halten: Syrien, der Irak und Eritrea. Sogar das von ständigen Attentaten und Kriegshandlungen erschütterte Afghanistan gilt als „sicher“ und Afghanen werden dorthin abgeschoben, seit die völlig machtlose Regierung von Ashraf Ghani (vermutlich gegen entsprechendes Bakschisch und/oder Drohungen) ihre Unterschrift unter ein Schubabkommen gesetzt hat.
Alle anderen Staatsbürger fallen sowieso nicht unter diese Quotenregelung, und es ist daher kein Wunder, wenn sogar von den anvisierten 120.000 Personen nicht einmal ein Viertel tatsächlich in diejenigen anderen Staaten verschickt wurde, die sich ursprünglich zu ihrer Aufnahme bereit erklärt hatten.

Deal mit der Türkei

Nachdem sich gezeigt hatte, daß sich die Flüchtlingsfrage nicht für deutsche Machtambitionen instrumentalisieren ließ, reiste eine recht kleinlaute Angela Merkel im Oktober in die Türkei.

Der Spiegel meldete im Vorfeld mit einer gewissen Häme:

„Die Kanzlerin gerät zunehmend unter Handlungsdruck. Für den Zeitraum vom 5. September bis zum 15. Oktober meldeten die 16 deutschen Bundesländer insgesamt 409.000 Neuankömmlinge ans Bundesinnenministerium. Bis zu 10.000 Flüchtlinge überschreiten täglich die Grenze nach Bayern.“ (Spiegel, 18.10. 2015)

Merkel bot Erdogan an: Visafreiheit für türkische Staatsbürger, Beschleunigung des türkischen EU-Beitritts, und einen Haufen Geld! – wenn er ihr nur weitere Flüchtlinge auf der Türkeiroute vom Leibe hielte und einen Teil der illegal eingereisten Migranten auch wieder zurücknähme.

Sie bettelte ihn richtig an, wie man auf den Fotos dieses Treffens sieht: Bitte, lieber Sultan, retten Sie mir meinen Thron!
Und Erdogan ließ sich nicht lumpen. Wenn eine Dame, und noch dazu eine mächtige, sich ihm so vor die Füße wirft, da kann man schon einmal gnädig sein. Noch dazu, wenn die Kasse stimmt.

Erdogan hat seinen Teil des Deals erfüllt. Eine Zeitlang erschossen türkische Grenzbeamten syrische Flüchtlinge an der Grenze, um die nötige Abschreckungswirkung zu erzielen.
Das macht allerdings unseren auf die europäische Wertegemeinschaft pochenden Medien wenig aus, weil das geschieht „hinten, weit, in der Türkei,“ wo „die Völker aufeinander schlagen“ und geht uns hier, die am Fenster unsere Gläschen trinken, gar nichts an.

Die Versprechungen der Kanzlerin blieben allerdings weitgehend unerfüllt. Von der Visafreiheit für Türken wollten verschiedene EU-Politiker nichts wissen, unter anderem mit dem begründeten Verdacht, daß viele der Flüchtlinge dann mit einem gefälschten türkischen Paß erst recht wieder in der EU landen würden. Der Putsch in der Türkei 2016 und der danach verhängte Ausnahmezustand waren ein willkommener Vorwand, sowohl die Visa-Angelegenheit als auch die Beitrittsfrage auf die lange Bank zu schieben.

Um Erdogan jedoch nicht ganz zu verprellen, blieben die Zahlungen von mehreren Milliarden Euro aufrecht, eine Art Ablaßhandel der EU, und daran stößt sich jetzt die neue italienische Regierung.

Die zentrale Mittelmeerroute

ist nämlich von den Türkei-Abmachungen nicht betroffen. (Genausowenig übrigens wie die westliche über Marokko, Algerien und Spanien, die seit ca. einem Jahr auch wieder verstärkt in Anspruch genommen wird.)

Die Route durch die zentrale Sahara ist die klassische, über die schon in alten Zeiten der Trans-Sahara-Handel abgewickelt wurde. Solange Ghaddafi am Ruder war, blieb sie jedoch bedeutungslos für die Flüchtlingsströme. In Libyen wurden die Flüchtlinge aus Schwarzafrika festgesetzt und entweder in ungemütlichen Lagern schlecht beahndelt, oder sie erhielten Jobs auf den Ölfeldern Libyens. Da es sich herumsprach, daß durch Libyen kein Durchkommen war, war auch der Andrang gering, sie wählen damals andere Routen.

Nach dem von den USA, Frankreich und GB betriebenen Sturz Ghaddafis öffnete sich erstens diese Route. Außerdem erschloß sich in dem völlig zugrunde gegangenen Libyen wenigstens eine Geschäftssphäre und das Schlepperwesen blühte auf. Davon ist vor allem Italien als Zielland betroffen, in geringem Maße auch Malta.

Solange Italien nichts tat und die auf irgendwelchen Schlauchbooten im Meer kenternden Afrikaner ihrem Schicksal überließ, füllte sich die Insel Lampedusa mit Wasserleichen und ihr Friedhof mit Wasserleichengräbern. Um die schiefe Optik loszuwerden, startete Italien eine Rettungsschiff-Aktion, die neue Flüchtlingsströme nach Italien lenkte.
Das Ende der Operation „Mare Nostrum“ der italienischen Marine und seine Ablöse durch das von Frontex geleitete „Triton“ im Jahr 2015 erhöhte wieder die Anzahl der Todesopfer, ließ aber die Flüchtlingsströme nicht versiegen, obwohl 2015 viele Flüchtlinge den Weg über Griechenland wählten. Auch 2015 kamen mehr als 100.000 Flüchtlinge nach Italien.

2016 waren es 181.436, 2017 immer noch 119.000. Heuer soll sich die Zahl reduziert haben, bisher kamen angeblich nur etwa 13.000 Flüchtlinge von Libyen nach Italien.

Die EU versuchte eine libysche Regierung zu implementieren, erfolglos. Sie sitzt zwar dort, hat aber nichts zu sagen.
Schließlich wurden von italienischer Seite Abmachungen mit verschiedenen libyschen Milizen getroffen, die Flüchtlinge zurückzuhalten. Denen muß man dafür natürlich etwas zahlen, weil sie verlieren ja eine Einkommensquelle. Außerdem wurden sie angehalten, ihre „Küstenwache“, also die unter ihrer jeweiligen Oberhoheit stehenden Schlepper oder nicht-mehr-Schlepper gegen ausländische Schiffe einzusetzen, die sich der Rettung von in Seenot geratenen Flüchtlingen verschrieben haben. Die libyschen Milizen haben diesbezüglich einige Arbeit geleistet und viele dieser zivilen Rettungsschiffe durch Drohungen oder Gewaltanwendung vertrieben.
Außerdem mußten diese libyschen Milizen auch eine Verwendung für die solchermaßen an der Weiterreise gehinderten Migranten finden. Ende 2017 machten Bilder über angekettete Schwarzafrikaner und Sklavenmärkte die Runde durch die Medien. Nein, sowas! Ein Skandal! Diese menschenverachtenden libyschen Milizionäre! Wieder einmal wurden sehr bleich Menschenrechtsverletzungen dingfest gemacht, die mit „uns“, der feinen EU, natürlich gaaaar nichts zu tun hatten.

Italiens neuer Besen und seine Kritiker, oder: eine EU-Komödie

Der inzwischen zum Innenminister avancierte Matteo Salvini will in der Migrationspolitik eine harte Linie fahren, wie auch schon im Wahlkampf angekündigt. Er machte eine Ankündigungstour durch Süditalien und ließ die Häfen sperren, sodaß über 600 von einer NGO gerettete Flüchtlinge im Meer festsaßen.

Die Medien warnten mit Getöse: eine humanitäre Katastrophe droht! Dieser Salvini!

Statt der angekündigten Katastrophe begann um diese Flüchtlinge und ihr Schiff eine typische EU-Komödie, und die Parteien- und Staatenkonkurrenz ging los. Verschiedene süditalienische Städte stellten sich gegen den Innenminister und luden das Schiff ein, in ihrem Hafen anzulegen.
Die meisten dieser Städte haben einen schlechten Ruf. Stadträte und Bürgermeister sind vermutlich heiß drauf, sich hiermit gegenüber verschiedenen Mafia-Verdächtigungen reinwaschen, wie in Neapel, Palermo oder Reggio Calabria.
Aber vielleicht hatten sie auch wirklich nur die besten Absichten …

Malta weigerte sich ebenfalls, das Flüchtlingsschiff anlegen zu lassen, aber die neu an die Macht gekommene spanische Minderheitenregierung sprang in die Bresche und präsentierte sich als Retter in der Not. Jetzt werden die 630 Personen an Bord des Schiffes „Aquarius“, das für so eine weite Reise gar nicht vorgesehen ist, in Schiffe der italienischen Küstenwache umgepackt und nach Valencia geschippert, was für Italien den Vorteil hat, daß dieses von „Ärzten ohne Grenzen“ betriebene Rettungsschiff einmal für eine Woche oder länger niemanden retten kann. Also ist Italien erfreut, auch darüber, daß es keinen Konflikt zwischen Innenministerium und Mezzogiorno-Städten gibt, die dem Image des neuen Ministers schaden könnten.

Noch froher ist Frankreichs Premierminister, der sich bei dem spanischen Premier bedankt hat, daß er die hartherzige Entscheidung Salvinis noch zu einem guten Ende geführt hat. Die Freude, daß Frankreich, das ja auch einige Häfen im Mittelmeer hat, nicht mit diesen Flüchtlingen behelligt wird, ist unübersehbar. Um so mehr, als sich dort ausgerechnet Korsika auch bereit erklärt hätte, sie aufzunehmen, um der Zentralregierung in Paris eins auszuwischen.

Unglaublich, was für ein Griß auf einmal um ein paar Flüchtlinge ist, die sonst keiner haben will …

Macron bezeichnete das Verhalten der italienischen Regierung als „ekelerregend“ und „verantwortungslos“, worauf Innenminister Salvini ihn dazu aufforderte, doch endlich einmal die 9.000 Flüchtlinge aufzunehmen, zu denen sich Frankreich im September 2015 verpflichtet, aber sie bis heute nicht aufgenommen hat. Und außerdem sollte er sich entschuldigen.

Die spanische Zeitung El País hat einen Reporter abgestellt, der auf der „Aquarius“ mitfährt und von dort live berichtet. Im Hafen von Valencia wartet vermutlich die Blasmusik, wenn so etwas dort zu den örtlichen Gepflogenheiten gehört.

In der Zwischenzeit dürfen vor der libyschen Küste Leute ungestört ertrinken …

Die Stahlarbeiter der Fabrik „Goruhe Melliye Fulad“ in Ahwas haben auf ihrem Protestmarsch vom Montag, den 11. Juni 2018, unter anderem folgende Parolen gerufen:
„Suriye-ro raha kon – fekri be hale ma kon“ – Lass Syrien in Ruhe und denk mal an uns.
„Hoquqa-ro nemidan, marg bar amrika – doshmane mun haminjas, dorugh migan amrikast“ – Sie zahlen die Löhne nicht (und rufen) Tod über Amerika, aber unser Feind ist hier, sie lügen, wenn sie
sagen, es sei Amerika.
Laut einer Meldung der iranischen Nachrichtenagentur ILNA sind am Montag 4000 Stahlarbeiter in Ahwas auf die Straße gegangen. Sie forderten die Zahlung der ausstehenden Löhne und
Sozialversicherungsbeiträge, ohne die sie keine ärztliche Behandlung erhalten, und sie verlangten eine Klärung der Besitzverhältnisse.
Aus dem Ministerium für Kooperativen, Arbeit und Wohlfahrt sowie aus der Provinzverwaltung heißt es, dass das Eigentum an der Stahlfabrik an die Nationalbank (Banke Melli) zurückgegangen
sei. Dem steht entgegen, dass der momentane Eigentümer, Abdolresa Mussawi, sowie seine Direktoren nach wie vor in der Firma anwesend sind.

Drohung des Polizeichefs
Der Kommandant der Sicherheitskräfte von Ahwas warnte die versammelten Arbeiter, es sei eine ernsthafte Option, dass die Firma den Konkurs erkläre und stillgelegt werde, so dass die Arbeiter
dann nur das Arbeitslosengeld erhielten. Er erklärte auch, dass ein Budget zur Verfügung gestellt werde, damit die Firma wieder tätig werden könne. Dass hier der Polizeichef Argumente vorträgt,
die in einer Marktwirtschaft üblicherweise von den Vertretern des Kapitals geäußert werden, zeigt deutlich, dass die Wirtschaft im Iran nach anderen Regeln funktioniert.

Besuch bei den Abgeordneten
Die erzürnten Arbeiter statteten auch den Wahlbüros von drei Abgeordneten der Stadt im Parlament ab, schlugen dort die Scheiben ein und demolierten einige Gegenstände, um so ihren Unmut über
deren Untätigkeit kund zu tun.

Vorladung der Sicherheitspolizei
Von den protestierenden Arbeitern erhielten sieben in der vergangenen Woche eine Vorladung von der Sicherheitspolizei (Polise amniyat) von Ahwas. Sie lehnten es ab, der Vorladung zu folgen,
solange sie nicht schriftlich eingehe. Frühere Festnahmen von Arbeitern der Stahlfabrik endeten mit deren Freilassung, nachdem ihre Kollegen protestiert hatten.

https://www.radiofarda.com/a/iran_saqez_ahwaz_workers/29283510.html
edameye e°teraze kargarane goruhe melliye fulad. hamshahri be gush bash, ahwaz saheb nadare
vom 11. Juni 2018 (21. Chordad 1397)

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Dienstag, 12. Juni 2018

Identitätspolitik, Neue Rechte und der Niedergang der liberalen Ordnung

Fr. 21.9. – So. 23.9.2018

Tagungshaus Mühlrain (Niederbeisheim)

Vorträge und Workshops von und mit: Ernst Lohoff, Volker Weiß, Norbert Trenkle, Lothar Galow-Bergemann, Stefan Meretz und Simon Sutterlütti

Einladung und Programm folgen in den nächsten Tagen.

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Montag, 11. Juni 2018

Keynote Lecture at the International Conference
Rethinking the Future of Work
April 27 – 28, 2018 – ICUB Research Institute of the University of Bucharest

by Norbert Trenkle

Link to the video: Part 1 / Part 2           Link to the german version

1.

When Siemens’ CEO Josef Kaeser announced in November 2017 that his company was going to cut some 7,000 jobs worldwide and close several production sites in Germany, it triggered predictably fierce protest and criticism. People asked: why are they making cuts while the company makes high profits. The well-known grievance came from all sides that once again here was a company submitting to the dictates of the financial markets and the shareholders and that the “honest work” that made the company successful in the first place does not count anymore. Some liberal-minded journalists were even worried that the actions of the head of Siemens would damage the legitimacy of the capitalist system. In the Süddeutsche Zeitung, writer Detlef Esslinger wrote in November, 2017, that, “If you want, is for people to ultimately grow desperate with the market economy, capitalism, and globalization, then you have to act like Kaeser & Company. They are fostering the worst clichés about gluttons who are never satisfied that the stock market rates are high enough.”

In fact, the Siemens case highlights the status of labor as well as the power relations between labor and capital in the current era of the global capitalist system. Obviously, the dynamics of capital accumulation have shifted toward the financial markets over the last three decades and this has had drastic consequences for living and working conditions in society. But that is not due to the greed of any globally acting managers, bankers and investors. There are structural reasons that can be explained by the objectified historical dynamics of capitalist society. In order to understand how labor has been increasingly degraded over the last three decades, we must therefore look more closely at these historical dynamics first.

It should be stated in advance that the historical dynamics underlying capitalist society have a historically specific character. Here I am not referring to a trans-historical logic of social development as traditional Marxism would have it (placing it well within the Enlightenment tradition). Instead, I am referring to a dynamic that is the product of an internal contradiction in capitalist society and therefore applicable to that society only. The first moment of this contradiction is the compulsion to relentless accumulation of capital. Capital is nothing more than value that must be valorized, which is to say augmented. Value empirically takes the form of money and in that sense its valorization can be illustrated in Marx’s famous formula M–C–M’ [M prime], that is money–commodity–more money. We can call this an end-in-itself motion because the same thing is at the beginning and the end of this endless augmentation loop: money is turned into more money. Value (in the form of money) therefore again and again refers to itself alone and the sole objective of this movement is the constant accumulation of surplus value. By its own internal logic, this end-in-itself motion does not recognize any limits. Because of its purely abstract-quantitative nature, it must, in principle, continue endlessly. That is the basis for the incessant drive for growth in capitalist society—which, as we all know, is destroying the basis of human existence on earth.

This drive toward incessant accumulation of capital now confronts a second moment, namely the compulsion to constantly develop productive power or, as we say these days, perpetually increasing productivity. This compulsion, which is produced by competition between the individual capitals, exists in an internal contradiction with the endless self-refering motion of the valorization of value. Because increasing productivity always leads to a reduction in the expenditure of labor per commodity and, consequently, to a reduction in the share of value represented by each individual commodity. This is because value is not valorized in a vacuum but rather is based on the fact that labor power is expended in the production of commodities. Capital acquires labor power in order to apply it to the production of commodities and skim the added value, which is possible, because the reproduction of labor power costs less than the surplus value it produces during working hours. If the expenditure of labor per commodity is therefore reduced, due to increased productivity, then the share of value represented by each commodity also decreases. And that represents a tendency that opposes the end-in-itself motion of capital valorization, which only can go on, if  more value is constantly produced.

2.

But from a historical perspective, this inherent contradiction in the logic of capitalist dynamics has been no obstacle to the valorization of capital. The effects of productivity have been compensated and overcompensated by accelerated expansion into new markets and development of new manufacturing sectors for mass production. The reduction in the value of individual commodities has thus been offset by accelerated overall growth such that more and more value has been skimmed off the bottom line. This dynamic took on particular force during the relatively short era of Fordism, particularly during the roughly thirty years after World War II. In the capitalist centers, that period is regarded as a kind of golden age because it was the first time the wage-dependent majority of the population was able to participate in capitalist wealth in a significant way. But that era (which has been romanticized in retrospect) came to an end in the mid-1970s when the Fordist boom reached its limit and a new productivity boost began, this time based on new information and communication technologies: the Third Industrial Revolution.

The Third Industrial Revolution represents a qualitative break in the history of productivity growth. This is because microelectronics facilitated a radical reorganization in production overall such that labor lost the central importance that it previously had and knowledge—or, more precisely, the application of knowledge to production—became the main productive force. But this upheaval had devastating consequences for capital valorization. With the massive displacement of labor from production, the source of surplus value, which had previously fueled the end-in-itself motion of valorization of value, dried up. This is empirically demonstrable in the fact that global material production output (which is to say the mass of produced commodities) has increased many times over since the 1980s while the number of workers in the core sectors of global market production has declined considerably during the same time period. The development of new manufacturing sectors for mass consumption has done nothing to change that because they have been organized on the terms of process automation. As a result, the world has been drowning in a rapidly growing flood of commodities (leading to the accelerated destruction of natural resources), but they represent an increasingly declining amount of value because they can be produced with less and less labor power.

That is why the crisis of Fordism grew into a fundamental crisis of capital valorization that could no longer be resolved in the same way that previous major crises had been in the history of capitalism. The development of new growth areas for the application of labor power to commodity production was and is no longer possible at the existing level of production. Even the Keynesian methods of business revival as they were applied everywhere in the 1970s came to nothing and only led to a bubble in national debt because they were not able to fix the structural causes of the crisis. As a result, classical capitalism reached a historical limit that it could no longer overcome in the 1980s.

Although, after several attempts, another way out of the crisis of capital valorization emerged: the capital that could no longer be sufficiently invested in the so-called real economy evaded to the financial markets on a grand scale. Thus capital resumed its end-in-itself motion of augmenting money, however this was no longer based on the application of labor to production of commodities but rather on the accumulation of fictitious capital. Since then, this form of capital accumulation has determined the trajectory of capitalist society. And that implies, that labor has lost its previous status in the dynamics of capitalism. To understand, what this means for labor in society, we must first ask, what constitutes the specific character of the accumulation of fictitious capital and how does it differ from capital valorization through the application of labor to the production of commodities.

3.

The concept of fictitious capital comes from Marx’s critique of political economy, but it was only developed in fragments there in volume three of Capital. In our book Die große Entwertung (The Great Devalorization), Ernst Lohoff and I refer to these fragments and attempt to develop them and make them useful for an analysis of the contemporary crisis of capitalism. The essential points can be summarized as follows:

Fictitious capital arises whenever someone gives money to someone else in exchange for a title of ownership (a bond, share in a company, etc.) that represents a claim to that money and its augmentation (in the form of interest or dividends, for example). This process doubles the original sum: Now it exists twice over and can be used by both parties. The recipient can use the money to buy things, make investments, or acquire financial assets yet at the same time it has become monetary capital that yields a profit for the one who gave the money in the first place. Capital is thus augmented by the simple act of issuing a financial security. To put it another way: capital has been accumulated even though nothing has been produced. But this monetary capital consists of nothing more than a documented claim representing the anticipation of future value. Whether or not that anticipation is covered by value production only becomes clear in retrospect.

Anticipation of future value in the form of fictitious capital is a standard feature of capitalism. But it took on a completely different meaning over the course of the crisis in the wake of the Third Industrial Revolution. If the creation of fictitious capital once served to flank and support the process of capital valorisation (for instance through pre-financing large investments), now those roles have reversed because the basis for that process has fallen away. Capital accumulation is no longer significantly based on the exploitation of labour in the production of commodities like cars, hamburgers, and smartphones but on the massive issue of property titles like shares, bonds, and financial derivatives that represent claims to future value. As a result, fictitious capital itself has become the engine of capital accumulation while the production of commodities has been reduced to a dependent variable.

Of course, there is a critical distinction between this form of capital accumulation and the prior form of capitalist motion. Because it is based on the anticipation of value to be created in the future, it is a process of capital accumulation without capital valorisation. It is not based on the present exploitation of labour power in the process of producing value but on the expectation of future profits, which must ultimately be derived from additional exploitation of labour. But because this anticipation cannot be redeemed in light of the development of productive power, these claims must be renewed again and again and the anticipation of future value must be postponed further and further into the future. As a result, the financial property titles are subject to an exponential growth imperative. That is why the value of capital consisting of financial assets surpassed that of manufactured and traded commodities many times over long ago. These “runaway financial markets” are often criticised in public opinion as allegedly causing the crisis, but in fact, once the basis for valorisation was lost, this was the only way for capital accumulation to continue at all. That is why we refer in our book to the era of inverse capitalism, in order to delineate the current period from classical capitalism, which was based on the application of labor to commodity production.

The dominance of finance-industry accumulation does not mean that capital accumulation has been completely delinked from the real economy. In its way, capital accumulation in the finance industry always refers to certain reference points in the real economy. It does not assume that any valorization has happened in advance, but it does anticipate profit in the future. It is therefore dependent of hopes and expectations of future profit increases on the commodities markets, or at least certain commodities markets. For example: Every real estate boom is based on the prospect of increasing real estate prices and every rise in market prices is set in motion by the hope of future corporate profits.

The specific crisis vulnerability of the era of fictitious capital can be explained by the fictitious capitals dependence on profit expectations in the real economy hope. Whenever those forecasts turn out to be illusions and speculative bubbles burst, the accumulated fictitious capital loses its validity and the dynamics of accumulation stops. As most recently occurred during the global crisis of 2008, in such a situation, the economy is threatened with a downward spiral of devalorization in which the suppressed fundamental crisis process becomes manifest. There is only one way to prevent this: by creating new, even larger amounts of fictitious capital whose accumulation is fed by profit expectations in other areas of the real economy. But the longer the era of fictitious capital lasts, the more difficult it is to exploit new areas that provide hope for the real economy. The finance industry therefore cannot continue its accumulation endlessly. It has its own intrinsic limits, which are constantly getting closer. I will not go into further detail about these intrinsic limits but instead want to look at the consequences of fictitious capital accumulation for labor—and for the mass of people who rely on the sale of their own labor power.

4.

In the first place, we can say that, from an economic perspective, labor experiences a fundamental loss of significance for capital, when capital is no longer significantly augmented through the exploitation of labor power in the production of commodities and by appropriating the corresponding surplus value but rather refers directly to itself. When capital (in the form of titles of ownership) is sold as a commodity and the original capital is doubled in the course of that sale (if only for a limited time), then the capital fetish has reached its ideal form. The M–C–M’ [M prime] movement becomes the abridged M–M’ [M prime] movement, in which capital augments itself without its inconvenient detour through commodity production. But this clips the capital accumulation’s direct connection with the world of material goods and services. That production was only ever a means for the reproduction of money for its own sake, but it had to happen in order to keep the valorization cycle going. Now it does not even have this instrumental function anymore. And this implies, that the labor-power commodity is losing its central significance for the accumulation of capital.

During the era of classical capitalism, which was based on the valorization of value and came to an end with the crisis of Fordism, labor power was the basic commodity of capital accumulation because it was the only commodity whose use value consisted in producing more value than the cost of its own regeneration. For the sellers of the labor-power commodity, this special position meant, on one hand, having to serve capital every day and submitting to the compulsions of commodity production. On the other hand, it gave them a relatively strong negotiating position with respect to capital, allowing them to establish significant improvements in pay, working conditions, and social protections—at least in the capitalist centers. Moreover, the specific conditions of production of standardized mass labor, particularly in the Fordist era, facilitated broad union organizing.

But with the end of classical capitalism, this constellation of a relative balance of power between capital and labor has fallen apart completely. Automation of production and the establishment of a new transnational division of labor known as globalization were not the only things that have significantly weakened labor sellers’ negotiating position since the 1970s and ‘80s. Deregulation and flexibilization of working conditions and the targeted weakening of unions through neoliberal policies also contributed. But what was decisive for the long-term and sustained change in the power relations between capital and labor was the fact that the focal point of capital accumulation shifted from the exploitation of labor power in commodity production to the financial markets. As a result, the labor-power commodity lost its status as the basic commodity of capital accumulation and became the dependent variable of the dynamics of fictitious capital.

This is because, even if the accumulation of fictitious capital can never completely decouple itself from production for the goods economy, its relationship to this sector is nonetheless different from what it was under classical valorization of capital. In the era of inverse capitalism, as I said previously, activity in the real economy only fulfills one function for capital accumulation: it can provide hope for future expectations. Growth, or hope for growth, in particular regions or sectors is a starting point for the creation of new financial titles and as such give impulses for the accumulation of capital at the financial markets. But at the same time, the activity in the real economy fundamentally and structurally depends on a constant influx of fictitious capital. This applies to the consumption of goods and services that are paid for with revenues and credits from the financial sector, but also to investments in industry, raw materials, and above all the construction industry. Those investments can only happen while financial market dynamics remain in motion. In all these cases, labor power is set in motion, but it is completely dependent upon the economic conditions of fictitious capital.

Thus, fundamentally, in the era of inverse capitalism, material production (and, consequently, the expenditure of labor power) only happens to the extent that it is directly or indirectly induced through the accumulation of fictitious capital. The real economic sectors will boom only as long as they are fed by money produced in the financial sector, money which by this way simultaneously creates new reference-points for the continuation of its own self-referential dynamics. If this circle is broken for one reason or another, it immediately leads to a strong reversal in the spiral motion of accumulation, causing a massive devaluation of financial titles with immediate repercussions on activity in the real economy. This relationship is particularly direct in the construction industry because speculation on rising real estate prices is directly connected to the construction of buildings and the expansion of infrastructure. Moreover, the construction sector is always relatively labor-intensive because it cannot be automated to the same extent as industrial production. In every boom region it is therefore the biggest purchaser of labor power and has turned to be the greatest single position in GDP statistics. But for the same reason, the construction sector is also particularly susceptible to crises of fictitious capital, as the crisis of 2008 has most recently shown.

But also the industrial and raw materials sectors, particularly in export-oriented countries, are fundamentally and structurally dependent on the dynamics of fictitious capital. This is particularly apparent in the case of China, which buys up massive amounts of financial title, primarily from the United States, as a counter-value for the export of its commodities around the world. Without that mechanism, it could never have industrialized so rapidly, because this implied necessarily piling up an enormous and continuous export surplus that had to be compensated in some way by the importing countries. That is why, after the crash of 2008, the Chinese leadership bypassed the missing fictitious capital from abroad by creating fictitious capital domestically —primarily by creating tremendous amounts of credit through the state-controlled banks. As a consequence, China’s internal debt has swollen and represents an enormous global crisis risk today.

5.

Sellers of the labor-power commodity do not only notice labor’s extreme dependence on fictitious capital during the periods of acute financial crisis, but rather also during the normal course of the accumulation. In particular, immense pressure is produced by high yield expectations, which are measured by profits in the financial sector and are far above the norm under classical capitalism. In order to meet them, wage and labor conditions must be continuously pushed downward and working hours must be ruthlessly expanded. There is no site and no company that has been spread from this worldwide dumping contest. Pulling out of it is punished by withdrawal of capital, which, because its focal point is in the financial sector, has become almost infinitely flexible. Even the largest transnational companies and global market players are subject to this pressure. The previous example of Siemens is typical: it shows how the relationahips between labor and capital has been turned on its head in the era of inverse capitalism. If a global company had announced forty years ago that it would close a perfectly viable location and fire several thousand employees, the shareholders would have kicked out the managers for sabotaging the valorization of the company’s capital. Obviously locations were closed and mass layoffs occurred then as well, but that only happened when a factory lost money over the long term and could no longer be made competitive through rationalization. Ultimately, it was a matter of expanding investment opportunities for capital in the production of commodities for goods markets.

This logic no longer applies in the era of fictitious capital because creating new accumulation opportunities for capital no longer requires the expansion of production. Instead, the important thing is the continued reproduction of financial titles, which represent claims to future value. The current profitability of a particular production location is only a superficial reference point for that process. From that perspective, average profitability no longer appears to be sufficient, as the threatened Siemens location shows, because it cannot keep up with the financial markets’ profit targets and because it does not generate fantasies of future profit increases. That is why their closure pushes the shares of the affected company up, even though it amounts to the destruction of functioning capital. The fact that the company’s productive base has been reduced is irrelevant because the actual consequences in the real economy are secondary for the accumulation of fictitious capital. The crucial point is the creation of expectations of possibly high future profits that can be realized today.

Although if these expectations are not met, the shares or stocks can be divested in seconds and replaced with other financial titles. That is why fragmenting companies into various components that are then placed separately on stock exchanges is so popular in the world of management —a discipline that, incidentally, Siemens CEO Josef Kaeser commands quite well. The criterion for that kind of fragmentation is therefore not whether or not it makes sense for the company’s production technology or organization. What matters is, again, that new reference points for the accumulation of fictitious capital are created with each business unit that is sent onto the stock exchange (ideally with an imaginative name). The same logic has been and continues to be followed by the broad sale of public infrastructure and utilities. It is well known that privatization makes in no way services “more efficient,” despite what the neoliberal ideologues claim. In fact, they usually turn worse and more expensive. But here as well, new imaginary points for the accumulation of fictitious capital are created.

6.

The fact that labor has become a mere appendate of fictitious capital in the era of inverse capitalism has not harmed its moral status in society in the least. On the contrary: labor is under increasing pressure and has lost economic significance as well as social and political negotiating power. That’s why it has massively regained relevance in the last thirty years for the construction of individual as well as collective identities. In the 1970s and ‘80s, the capitalist work ethic and identification with work as one’s purpose in life came under criticism through the impact of the “crisis of labor,” as was widely discussed at the time, and in the wake of the cultural revolution of 1968. But with the political turn toward neoliberalism, which initiated the era of inverse capitalism, an ideological change took place. Initially, it were the neoliberal elites and the neoliberal-oriented social democrats who preached a return to the work ethic and, consequently, legitimized flexibilization and deregulation of labor relations above all as well as clear-cutting the welfare state. But after the devastating social effects of these policies became unmistakable, there was a new ideological turn. Idenfitication with work or labor broadly became the reference point for a regressive, nationalistic critique of neoliberalism and the financialization of capitalism. Populists on the right and the left now evoke the construct of “good, working people” and promise to put them back at the center of society. That is apparently supposed to happen by means of a return to the “market economy” based on mass labor, which will be regulated by a reinforced national state for the common good.

But what appears to be a radical criticism is in fact no less than a dangerous political regression. Basically the appeal to labor is identical to an affirmation of the core of capitalist society. The historical specificity of capitalist society is constituted precisely by the fact that it places labor at the center, unlike all other previously existing societies. Because commodity production always means that social relations are mediated through labor. But this form of mediation is necessarily reified and constitutes a certain form of abstract domination which is historically specific for capitalism. People do not interact with one another directly but rather via the products of their labor (that is, commodities) and the sale of their labor power. Thus the social relations are transformed in relations between things. The products of labor thereby gain power over their producers and exercise their reified compulsions on them. Marx called that the fetishism of commodity-producing society. These fetishistic compulsions not only have an outward impact on the individuals, they also form and shape them in a fundamental way. To put it bluntly, we can say that individuals under capitalism become subjects through labor, by treating all other members of society and the society as a whole, as objects. Labor is therefore intimately associated with the constitution of the modern subject. That is also why identification with one’s work seems so natural and indisputable.

The modern individuals are obviously not conscious about this fetishistic constitution. For them, labor appears to be a trans-historical constant that constitutes the essence of “humanity.” From that perspective, it is no surprise that criticism of capitalism is almost always accompanied by positive references to labor. That labor is at the core of human beeing, is the creed not only of liberalism but also of traditional Marxism, whose relation to labor took on a virtually religious overtone. It considered the working class to be the true subject of history and therefore the predestined bearer of social emancipation. According to this traditional Marxist vision, emancipation essentially meant establishing a society based on universal labor, but in which there was no such thing as capital anymore. In other words, it was a matter of liberating labor from capital and not of liberation humanity from labor.

But this conception is a contradiction in terms. A society in which social relations are focused on labor, conceptually is a society of commodity producers. And universal commodity production structurally implies abstract domination and also the existence of capital and the state. So-called “real existing socialism” was therefore nothing more than a variant of capitalism in which the state, in its way, adopted the function of a general capitalist. Capital is not an external force that submits labor, but rather capital and labor are both at the core of a society based on commodity production.

From that perspective, the great majority of the good old labor movement was not a movement against capitalism either but rather a movement for labor within capitalism. As such, in its time, it essentially helped to make life within the existing order a great deal more bearable and to gain liberties within the existing order. Likewise, its struggles helped to keep alive the idea of social emancipation in a certain way. On the contrary, the glorification of labor in the new populism had a completely different character. In the old labor movement, identification with work was a reference point for practical struggles for social recognition, improvement of working and living conditions, and political participation during the era of capital valorization based on mass labor. The new populism, by contrast, represents a reaction to the fundamental degradation of labor by the dynamics of capitalist crisis and is driven by the nostalgic desire to return to a long-gone era of capitalism.

In that sense, labor populism today—both its right- and left-wing variants—is, in the strict sense of the word, regressive. The fact that a return to an earlier stage of capitalism is impossible does not make it any less dangerous; that there is no way back, is precisely what makes populist politics to become increasingly aggressive in an unpredictable way (just think of Trump). The tendency toward nationalist partitioning is intensifying worldwide at the same time that authoritarism is advancing. Wherever the new populists come to power, they systematically dismantle the liberal democratic constitutional state by abolishing the classical division of powers and traditional checks and balances. They do it all, of course, “in the name of the people” and to allegedly “restore democracy.”

Today, the fight against this political regression is the paramount task of anyone who still holds onto the possibility of an emancipated society. But that struggle can only be won with an intensified critique of capitalism. The fact that it draws on widespread unease with capitalism is not the least of the reasons why authoritarian populism from the right or the left is so successful. But even if this unease points toward a vague awareness that capitalist society has reached its limit, it is being channeled primarily into the desperate desire to preserve the existing social order against the dynamics of its own crisis. The appeal to labor as a pillar of identity is a central motif in this. But since the “honor of work” in the traditional sense can no longer be kept up, what remains of that identity is only its contribution to social and racist exclusion and nationalist delineation.

A well-grounded critique of labor as the central principle of capitalist society is therefore not an intellectual make-work project but rather a crucial project for opening up a new perspective for social emancipation. The abolition of labor is in no way a utopian idea in that. Capitalism has been abolishing labor in a negative sense for a long time anyway. On one hand, it has largely made it superfluous through the productive power of knowledge and, on the other, it has degraded it to a mere appendage of the accumulation of fictitious capital. It would only be possible to regress to a point behind this stage through a social disaster. In contrast, it is necessary to use the enormous productive potential that capitalism has created to finally make a good life possible for the entire world. But that cannot happen without a fundamental social transformation.

The conditions for liberation from labor and for the creation of a society in which everyone acts according to his or her needs and abilities have existed for a long time. But that possibility has to be realized.

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Am 13. Tag ihres Streiks um Zahlung der ausstehenden Löhne und Versicherungsbeiträge haben die in einer freien Gewerkschaft organisierten Stahlarbeiter der stahlerzeugenden Firma Goruhe melliye san°atiye fulad in Ahwas ihren Streik vor der Provinzverwaltung, der von den Behörden ignoriert wurde, in eine Besetzung der Bahnstrecke von Ahwas nach Teheran umgewandelt. Sie besetzten die Brücke Pol-e Laschkar in Ahwas und stoppten so Schienen- und Straßenverkehr für anderthalb Stunden. Die Aktion scheint erfolgreich gewesen zu sein, denn die Streikenden berichten, dass ihnen mitgeteilt wurde, dass die Liste für die letzten drei ausstehenden Versicherungszahlungen (es geht dabei auch um die Krankenversicherung!) abgewickelt worden sei und dass die ausstehenden Löhne ebenfalls bezahlt würden. Die Arbeiter fordern weiterhin mehr Transparenz in Sachen Privatisierung der Firma und teilen mit, dass sie das Stahlwerk in eigener Regie führen würden, wenn von Unternehmerseite niemand tätig werde.
http://www.akhbar-rooz.com/article.jsp?essayId=87059
vom 10. Juni 2018 (20. Chordad 1397)
kargarane fulad, rah-ahane tehran-ahwaz-ra baraye sa°ati bastand

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Hauptvortrag auf der internationalen Konferenz
„Rethinking the Future of Work“
27. – 28. April 2018 – ICUB Research Institute of the University of Bucharest

Norbert Trenkle

Link zum Video (englisch): Part 1 / Part 2      englische Version

1.

Als Siemens-Chef Josef Kaeser im November 2017 ankündigte, dass der Konzern weltweit rund 7.000 Stellen streichen und einige Produktionsstandorte in Deutschland schließen wolle, löste das erwartungsgemäß heftige Proteste und Kritiken aus. Warum diese Einschnitte, so wurde gefragt, wo doch die Gewinne kräftig sprudeln? Überall erhob sich die hinlänglich bekannte Klage, dass sich hier wieder ein Konzern dem „Diktat der Finanzmärkte und der Aktienbesitzer“ unterwerfe und die „ehrliche Arbeit“, die das Unternehmen doch erst groß gemacht habe, nichts mehr zähle. Manch liberal gesinnten Journalisten trieb angesichts dessen sogar die Sorge um, der Siemens-Boss beschädige mit seinem Handeln die Legitimität des kapitalistischen Systems. „Wenn man will, dass die Leute endgültig an Marktwirtschaft, Kapitalismus und Globalisierung verzweifeln“, so Detlef Esslinger in der SZ vom 24.11.2017, „dann muss man es so anstellen wie Kaeser & Co. Sie nähren die schlimmsten Klischees über Gierschlünde, denen der Börsenkurs (oder auch die eigene Tantieme) nie hoch genug sein kann“.

Tatsächlich wirft der Fall Siemens ein Schlaglicht auf den Stellenwert der Arbeit und auf das Kräfteverhältnis zwischen Kapital und Arbeit in der aktuellen Epoche des kapitalistischen Weltsystems. Es ist offensichtlich, dass sich die Dynamik der Kapitalakkumulation in den letzten drei Jahrzehnten zu den Finanzmärkten verlagert hat und dass dies drastische Konsequenzen für die gesellschaftlichen Lebens- und Arbeitsbedingungen nach sich zog. Doch das liegt nicht an der Gier irgendwelcher global agierenden Manager, Banker und Investoren, sondern hat strukturelle Gründe, die sich aus der versachlichten historischen Dynamik der kapitalistischen Gesellschaft erklären lassen. Um zu verstehen, wieso die Arbeit in den letzten drei Jahrzehnten zunehmend degradiert worden ist, müssen wir daher zunächst diese historische Dynamik betrachten.

Vorangeschickt werden soll, dass die historische Dynamik, der die kapitalistische Gesellschaft unterliegt, einen historisch-spezifischen Charakter hat. Ich spreche hier also nicht von einer überhistorischen Logik geschichtlicher Entwicklung, wie es der traditionelle Marxismus tat – und sich damit ganz in die Tradition der Aufklärung stellte. Ich spreche von einer Dynamik, die aus einem inneren Selbstwiderspruch der kapitalistischen Gesellschaft resultiert und daher auch nur für diese Gesellschaft gültig ist. Das erste Moment dieses Widerspruchs ist der Zwang zur unaufhaltsamen Akkumulation von Kapital. Kapital ist nichts anderes als Wert, der verwertet – also vermehrt – werden muss. Empirisch erscheint der Wert im Geld, und insofern lässt sich seine Verwertung mit der berühmten Marx‘schen Formel G – W – G’ veranschaulichen. Geld – Ware – mehr Geld oder einfach ausgedrückt: aus Geld soll mehr Geld werden. Wir können hier von einer Selbstzweckbewegung sprechen, denn am Anfang und am Ende dieses unaufhörlichen Kreislaufs der Vermehrung steht immer dasselbe: Geld. Der Wert bezieht sich also – in der Gestalt des Geldes – immer wieder nur auf sich selbst, und der einzige Zweck dieser Bewegung ist die permanente Anhäufung von zusätzlichem Wert. Ihrer inneren Logik nach kennt diese Selbstzweckbewegung keine Grenzen. Da sie einen rein abstrakt-quantitativen Charakter hat, muss sie im Prinzip endlos fortgesetzt werden. Das ist der Grund für den unaufhörlichen Wachstumsdrang der kapitalistischen Gesellschaft – der, wie wir alle wissen, längst dabei ist, die natürlichen Lebensgrundlagen zu zerstören.

Diesem Drang zur unaufhörlichen Akkumulation von Kapital steht nun aber ein zweites Moment gegenüber. Es handelt sich dabei um den Zwang zur ständigen Entwicklung der Produktivkraft, oder wie man heute eher sagt: zur permanenten Steigerung der Produktivität. Dieser Zwang, der durch die Konkurrenz der Kapitalien untereinander erzeugt wird, steht aber in einem inneren Widerspruch zur endlosen Selbstzweckbewegung der Verwertung des Werts. Denn Erhöhung der Produktivität führt immer zur Reduktion des Arbeitsaufwands pro Ware und damit auch zur Verringerung des in jeder einzelnen Ware dargstellten Wertanteils. Denn die Verwertung des Werts geschieht ja nicht im luftleeren Raum, sondern beruht darauf, dass Arbeitskraft in der Produktion von Waren verausgabt wird. Das Kapital kauft Arbeitskraft an, um sie in der Produktion von Waren anzuwenden und den Mehrwert abzuschöpfen, Mehrwert, der daraus resultiert, dass die Reproduktion der Ware Arbeitskraft weniger kostet, als sie während der Arbeitszeit an zusätzlichem Wert produziert. Wird daher der Arbeitseinsatz pro Ware aufgrund von Produktivitätssteigerungen reduziert, sinkt auch der pro Ware dargstellte Wertanteil. Das aber stellt eine gegenläufige Tendenz zur Selbstzweckbewegung der Kapitalverwertung dar, die nur in Gang bleibt, wenn immer mehr Wert produziert wird.

2.

Historisch betrachtet stellte dieser, im Wesen der kapitalistischen Logik angelegte Selbstwiderspruch jedoch kein grundsätzliches Hindernis für die Kapitalverwertung dar. Die Produktivitätseffekte konnten durch eine beschleunigte Expansion in neue Märkte und die Erschließung neuer Produktionssektoren für die Massenproduktion kompensiert und überkompensiert werden. Die Wertminderung bei den einzelnen Waren wurde also ausgeglichen durch ein beschleunigtes Gesamtwachstum, so dass unterm Strich immer mehr Wert abgeschöpft werden konnte. Eine besondere Kraft entwickelte diese Dynamik in der relativ kurzen Epoche des Fordismus, insbesondere während der rund dreißig Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg. Diese Zeit gilt in den kapitalistischen Zentren als eine Art Goldenes Zeitalter, weil hier erstmals auch die lohnabhängige Mehrheit der Bevölkerung in nennenswerter Weise am kapitalistischen Reichtum beteiligt wurde. Doch diese Epoche – die übrigens im Rückblick sehr verklärt wird – ging Mitte der 1970er-Jahre zu Ende, als der fordistische Boom an seine Grenzen stieß und ein neuer Produktivitätsschub einsetzte, der auf den neuen Informations- und Kommunikationstechnologien beruhte: die Dritte industrielle Revolution.

Die Dritte industrielle Revolution stellt einen qualitativen Einschnitt in der Geschichte der Produktivitätsentwicklung dar. Denn auf der Grundlage der Mikroelektronik konnte die gesamte Produktion radikal reorganisiert werden, sodass die Arbeit ihre bisherige zentrale Bedeutung verlor und das Wissen – genauer gesagt: die Anwendung des Wissens auf die Produktion – zur Hauptproduktivkraft wurde. Dieser Umbruch zog aber verheerende Konsequenzen für die Kapitalverwertung nach sich. Denn mit der massenhaften Verdrängung von Arbeitskraft aus der Produktion versiegte auch die Quelle des Mehrwerts, die bis dahin die Selbstzweckbewegung der Verwertung des Werts gespeist hatte. Empirisch ablesen lässt sich dies daran, dass seit den 1980er-Jahren der stoffliche Produktionsausstoß – also die Masse an produzierten Waren – weltweit um ein Vielfaches gesteigert wurde, während gleichzeitig aber die Zahl der Arbeitskräfte in den Kernsektoren der Weltmarktproduktion deutlich zurückgegangen ist. Daran änderte auch die Erschließung neuer Produktionssektoren für den Massenkonsum nichts, denn diese wurden von vorneherein nach den Vorgaben der Prozessautomatisierung organisiert. In der Konsequenz wurde nun zwar die Welt in einer rasant wachsenden Flut an Waren ertränkt – mit der Folge einer beschleunigten Vernichtung der natürlichen Lebensgrundlagen – Waren, die aber eine immer geringere Masse an Wert repräsentieren, weil sie mit immer weniger Arbeitskraft produziert werden können.

Aus diesem Grund wuchs sich die Krise des Fordismus zu einer fundamentalen Krise der Kapitalverwertung aus, eine Krise, die nicht mehr auf die gleiche Weise gelöst werden konnte wie die vorherigen großen Krisen in der Geschichte des Kapitalismus. Die Erschließung neuer Wachstumsfelder für die Anwendung von Arbeitskraft in der Warenproduktion war und ist auf dem gegebenen Produktivitätsniveau nicht mehr möglich. Auch die keynesianischen Methoden der Konjunkturbelebung, wie sie in den 1970er-Jahren überall angewandt wurden, liefen ins Leere und führten nur zu einer Aufblähung der Staatsverschuldung, weil sie nicht in der Lage waren, die strukturellen Ursachen der Krise zu beheben. Damit war der klassische Kapitalismus bereits in den 1980er-Jahren an eine historische Grenze gestoßen, die sich nicht mehr überwinden ließ.

Allerdings fand sich nach einigen Suchbewegungen ein anderer – wenn auch nur vorübergehender – Ausweg aus der Krise der Kapitalverwertung: Das Kapital, das in der sogenannten Realwirtschaft keine ausreichenden Anlagemöglichkeiten mehr fand, wich in großem Stil auf die Finanzmärkte aus. Dort setzte es seine Selbstzweckbewegung der Geldvermehrung fort, die aber nun nicht mehr auf der Anwendung von Arbeitskraft in der Produktion von Waren, sondern auf der Akkumulation von fiktivem Kapital beruhte. Diese Form der Kapitalakkumulation bestimmt seitdem den Entwicklungsverlauf der kapitalistischen Gesellschaft. Und sie hat dazu geführt, dass die Arbeit ihren bisherigen Stellenwert für die kapitalistische Dynamik verloren hat. Wir müssen daher hier zunächst danach fragen, was den spezifischen Charakter der Akkumulation von fiktivem Kapital ausmacht und inwiefern sie sich von der Kapitalverwertung durch die Anwendung von Arbeitskraft in der Produktion von Waren unterscheidet.

3.

Der Begriff des fiktiven Kapitals entstammt der Marx‘schen Kritik der Politischen Ökonomie, wurde dort allerdings – im dritten Band des Kapitals – nur sehr fragmentarisch entwickelt. In unserem Buch Die große Entwertung haben Ernst Lohoff und ich an diese Fragmente angeknüpft und den Versuch unternommen, sie für eine Analyse der gegenwärtigen Krise des Kapitalismus weiterzudenken und fruchtbar zu machen. Die Quintessenz will ich hier kurz vorstellen.

Fiktives Kapital stellt, kurz gesagt, Vorgriff auf zukünftigen Wert dar. Aber was bedeutet das und welche Konsequenzen hat es für die Akkumulation des Gesamtkapitals? Beginnen wir mit der ersten Frage. Grundsätzlich betrachtet, entsteht fiktives Kapital immer dann, wenn ein Geldbesitzer einer anderen Person sein Geld überlässt und im Gegenzug dafür einen Eigentumstitel (Anleihe, Aktie etc.) erhält, der den Anspruch auf dieses Geld und seine Vermehrung (etwa in Form von Zinsen oder Dividenden) repräsentiert. Auf diese Weise verdoppelt sich die ursprünglich vorhandene Geldsumme. Sie existiert nun zweimal und kann von beiden Parteien genutzt werden. Der Empfänger kann das Geld für Konsum, Investitionen oder auch Finanzanlagen verausgaben, und für den Geber ist sein Geld zu Geldkapital geworden, das einen Gewinn abwirft. Durch den simplen Akt der Emission eines Finanztitels wurde also Kapital vermehrt – anders gesagt: es wurde Kapital akkumuliert – obwohl keinerlei Produktion stattgefunden hat. Das neu geschaffene Geldkapital besteht aber aus nichts weiter als aus einem verbrieften Anspruch, der den Vorgriff auf zukünftigen Wert repräsentiert. Ob dieser Wert auch tatsächlich einmal geschaffen wird, stellt sich erst im Nachhinein heraus.

Nun gehört der Vorgriff auf zukünftigen Wert in der Gestalt fiktiven Kapitals zum kapitalistischen Normalbetrieb dazu. Doch in der fundamentalen Verwertungskrise im Gefolge der Dritten industriellen Revolution erhielt er eine grundlegend neue Bedeutung. Diente die Schöpfung von fiktivem Kapitals bislang im Wesentlichen dazu, den Prozess der Kapitalverwertung zu flankieren und unterstützen (etwa durch die Vorfinanzierung großer Investitionen), so fand nun, da die Grundlage dieses Prozesses wegbrach, ein Rollenwechsel statt. Die Kapitalakkumulation beruhte fortan nicht mehr maßgeblich auf der Vernutzung von Arbeitskraft in der Produktion von Gütern wie Autos, Hamburgerbrötchen und Smartphones, sondern auf der massenhaften Emission von Wertpapieren wie Aktien, Anleihen und Finanzderivaten. Auf diese Weise wurde das fiktive Kapital selbst zum Motor der Kapitalakkumulation, während die Produktion von Gütermarktwaren zur abhängigen Variablen herabsank.

Diese Form der Kapitalakkumulation unterscheidet sich freilich in einem entscheidenden Punkt von der bisherigen Form kapitalistischer Selbstzweckbewegung. Da sie auf dem Vorgriff auf zukünftig zu produzierendem Wert beruht, handelt es sich um Kapitalakkumulation ohne Kapitalverwertung. Ihre Grundlage ist nicht die gegenwärtige Vernutzung von Arbeitskraft in der Wertproduktion, sondern die Erwartung künftiger realwirtschaftlicher Gewinne, die in letzter Instanz der zusätzlichen Vernutzung von Arbeitskraft entstammen müssten. Da diese Erwartung jedoch angesichts der Produktivkraftentwicklung nicht eingelöst werden kann, müssen die Ansprüche immer wieder erneuert, und der Vorgriff auf zukünftigen Wert muss zeitlich immer weiter in die Zukunft gestreckt werden. Das hat zur Konsequenz, dass die Masse der Finanztitel einem potenzierten exponentiellen Wachstumszwang unterliegt. Aus diesem Grund übertrifft schon seit Jahrzehnten das aus Finanztiteln bestehende Kapital längst den Wert der produzierten und gehandelten Gütermarktwaren um ein Vielfaches. In der öffentlichen Meinung wird dieses „Abheben der Finanzmärkte“ meist als vermeintliche Krisenursache kritisiert; tatsächlich kann jedoch die Kapitalakkumulation, nachdem die Grundlagen der Verwertung verloren gegangen sind, überhaupt nur noch in dieser Weise weiterlaufen.

Wir sprechen deshalb in unserem Buch von der Ära des inversen Kapitalismus, um die aktuelle Epoche von der des klassischen Kapitalismus, der auf der Anwendung von Arbeitskraft in der Warenproduktion beruhte, abzugrenzen.

Allerdings bedeutet die Dominanz der finanzindustriellen Akkumulation keine völlige Entkoppelung der Kapitalakkumulation von der Realwirtschaft. Auch die finanzindustrielle Kapitalbildung bleibt auf ihre Weise immer auf realwirtschaftliche Größen bezogen. Sie setzt zwar keine bereits stattgefundene Verwertung voraus, nimmt aber Gewinne aus der Zukunft vorweg. Daher ist sie abhängig von Erwartungen und Hoffnungen auf zukünftige Gewinnsteigerungen auf den Gütermärkten oder jedenfalls auf bestimmten Gütermärkten. Jeder Immobilienboom beruht auf der Perspektive steigender Immobilienpreise, und jede Hausse an den Börsen bezieht ihre Dynamik aus der Hoffnung auf künftige Unternehmensgewinne.

Diese Abhängigkeit von realwirtschaftlichen Hoffnungsträgern, auf die sich die Gewinnerwartungen beziehen, erklärt die spezifische Krisenanfälligkeit der Epoche des fiktiven Kapitals. Immer wenn sich solche Erwartungen als Illusionen erweisen und Spekulationsblasen platzen, verliert das angehäufte fiktive Kapital nachträglich seine Gültigkeit, und die Bildung von neuem fiktivem Kapital gerät ins Stocken. Wie zuletzt in der globalen Krise von 2008, droht dann eine wirtschaftliche Abwärtsspirale, in welcher der durch die Aufblähung des Finanzüberbaus überspielte basale Krisenprozess manifest wird. Verhindern lässt sich das nur auf einem Weg: durch die Schaffung neuer, noch größerer Mengen an fiktivem Kapital, dessen Akkumulation durch Gewinnerwartungen an andere Felder der Realwirtschaft genährt wird. Doch je länger die Epoche des fiktiven Kapitals andauert, desto schwerer fällt es, neue Felder realwirtschaftlicher Hoffnungsträger zu erschließen. Die finanzindustrielle Akkumulation kann also keineswegs endlos fortgesetzt werden. Auch sie hat ihre inneren Schranken, die mittlerweile immer näher rücken. Doch will ich hier nicht näher auf diese inneren Schranken eingehen, sondern danach fragen, welche Konsequenzen sich aus der Akkumulation des fiktiven Kapitals für die Arbeit ergeben – und damit für die Masse der Menschen, die auf den Verkauf ihrer Arbeitskraft angewiesen sind.

4.

Zunächst ergibt sich, dass die Arbeit, ökonomisch betrachtet, einen ganz grundsätzlichen Bedeutungsverlust erfährt, wenn das Kapital sich nicht mehr maßgeblich dadurch vermehrt, dass es Arbeitskraft in der Produktion von Waren vernutzt und den entsprechenden Mehrwert aneignet, sondern sich direkt auf sich selbst bezieht. Wenn Kapital in der Gestalt von Eigentumstiteln als Ware verkauft wird, und in eben diesem Verkaufsakt eine (wenn auch zeitlich befristete) Verdoppelung des Ursprungskapitals stattfindet, dann ist der Kapitalfetisch in seine vollendete Form gebracht. Aus der Bewegung G – W – G’ ist die abgekürzte Bewegung G – G’ geworden, in der das Kapital sich ohne den lästigen Umweg über die Warenproduktion vermehrt. Damit ist aber die direkte Beziehung der Kapitalakkumulation zur Welt der materiellen Güter und Dienstleistungen gekappt; deren Produktion war zwar immer nur ein Mittel für den Selbstzweck der Geldvermehrung, musste aber dennoch stattfinden, um den Kreislauf der Verwertung in Gang zu halten. Gleichzeitig verliert damit die Ware Arbeitskraft ihre zentrale Bedeutung für die Akkumulation des Kapitals.

In der Epoche des klassischen Kapitalismus, der auf der Verwertung des Werts beruhte und mit der Krise des Fordismus zu Ende ging, war die Arbeitskraft die Basisware der Kapitalakkumulation. Denn sie stellt die einzige Ware dar, deren Gebrauchswert darin besteht, mehr Wert zu produzieren als dessen Wiederherstellung kostet. Diese Sonderstellung bedeutete für die Verkäufer der Ware Arbeitskraft zwar einerseits, sich täglich in den Dienst des Kapitals stellen zu müssen und sich den Zwängen der Wertproduktion zu unterwerfen; andererseits verschaffte sie ihnen jedoch auch eine relativ starke Verhandlungsposition gegenüber dem Kapital, die es ihnen ermöglichte, zumindest in den kapitalistischen Zentren deutliche Verbesserungen bei der Bezahlung, den Arbeitsbedingungen und der sozialen Absicherung durchzusetzen. Hinzu kam, dass die spezifischen Produktionsbedingungen der standardisierten Massenarbeit vor allem in der Epoche des Fordismus eine breite gewerkschaftliche Organisierung begünstigten.

Mit dem Ende des klassischen Kapitalismus geriet diese Konstellation eines relativen Kräftegleichgewichts zwischen Kapital und Arbeit allerdings vollkommen aus den Fugen. Nicht nur führten die Automatisierung der Produktion und die Etablierung der neuen transnationalen Arbeitsteilung, bekannt als Globalisierung, seit den 1970er und 1980er-Jahren zu einer erheblichen Schwächung der Verhandlungsposition der Arbeitskraftverkäufer. Hinzu kamen noch die Deregulierung und Flexibilisierung der Arbeitsverhältnisse und die gezielte Schwächung der Gewerkschaften durch die neoliberale Politik. Ausschlaggebend für die langfristige und nachhaltige Verschiebung im Kräfteverhältnis zwischen Kapital und Arbeit war jedoch, dass sich der Schwerpunkt der Kapitalakkumulation von der Vernutzung der Arbeitskraft in der Warenproduktion hin zu den Finanzmärkten verschob. Denn damit verlor die Ware Arbeitskraft ihren Status als Basisware der Kapitalakkumulation und wurde zur abhängigen Variable der Dynamik des fiktiven Kapitals.

Denn auch wenn die Akkumulation des fiktiven Kapitals sich nie ganz von der güterwirtschaftlichen Produktion entkoppeln kann, ist ihr Bezug auf diesen Sektor doch ein anderer als bei der klassischen Kapitalverwertung. Realwirtschaftliche Aktivität erfüllt in der Ära des inversen Kapitalismus, wie oben schon gesagt, nur noch eine Funktion für die Kapitalakkumulation: Sie kann Hoffnungsträger für Zukunftserwartungen bereitstellen. Wachstum oder Wachstumshoffnungen in bestimmten Regionen oder Sektoren sind Anknüpfungspunkte für die Schaffung von neuen Finanztiteln oder für die Kurssteigerung von existierenden Finanztiteln und befördern so die Geldvermehrung an den Finanzmärkten. Gleichzeitig hängt aber der Fortbestand der realwirtschaftlichen Aktivitäten grundsätzlich und strukturell vom permanenten Zufluss von fiktivem Kapital ab. Das gilt für den Konsum von Gütern und Dienstleistungen, die mit Einkommen und Krediten aus dem Finanzsektor bezahlt werden; aber es gilt genauso für Investitionen im Industrie-, Rohstoff- und vor allem im Bausektor, die nur getätigt werden, solange die Dynamik an den Finanzmärkten in Gang bleibt. In allen Fällen wird zwar Arbeitskraft in Bewegung gesetzt, doch hängt sie voll und ganz von den Konjunkturen des fiktiven Kapitals ab.

Grundsätzlich gesprochen, gilt in der Ära des inversen Kapitalismus die Devise, dass stoffliche Produktion (und damit die Verausgabung von Arbeitskraft) nur stattfindet, soweit sie direkt oder indirekt durch die Akkumulation des fiktiven Kapitals induziert wird. Die realwirtschaftlichen Sektoren boomen also nur, solange sie aus im Finanzsektor geschöpftem Geld gespeist werden, das sich allerdings auf diese Weise zugleich die Bezugspunkte für die Fortsetzung seiner selbstreferentiellen Dynamik schafft. Wird dieser Zirkel aus dem einen oder anderen Grund unterbrochen, kommt es sogleich zu einer schubartigen Richtungsumkehr der Spiralbewegung und zur massenhaften Entwertung von Finanztiteln, und dies mit unmittelbaren Rückwirkungen auf die realwirtschaftliche Aktivität. Sehr direkt ist dieser Bezug insbesondere im Bausektor zu sehen, weil sich hier die Spekulation auf steigende Immobilienpreise direkt kurzschließt mit dem Bau von Gebäuden und dem Ausbau von Infrastrukturen. Hinzu kommt, dass der Bausektor immer noch relativ arbeitsintensiv ist, weil er nicht in dem gleichen Maße automatisiert werden kann wie die Industrieproduktion. Deshalb ist er in allen Boomregionen zum wichtigsten Nachfrager für Arbeitskräfte und zur größten Einzelposition in der BIP-Statistik avanciert. Allerdings ist er aus diesem Grunde auch besonders anfällig für Krisen des fiktiven Kapitals, wie sich zuletzt in der großen Krise von 2008 gezeigt hat.

Aber auch der Industrie- und Rohstoffsektor ist heute, vor allem in den auf Export orientierten Ländern, grundsätzlich und strukturell von der Dynamik des fiktiven Kapitals abhängig. Das ist besonders offensichtlich im Fall von China, das als Gegenwert für den Export seiner Waren in die ganze Welt massenhaft Finanztitel vor allem aus den USA aufkauft. Ohne diesen Mechanismus hätte niemals die rasante industrielle Aufholjagd gelingen können, die notwendigerweise mit einem riesigen Exportüberschuss einhergehen musste. Daher ging die chinesische Führung nach dem Crash von 2008 auch dazu über, das ausbleibende fiktive Kapital aus dem Ausland durch die Schöpfung von fiktivem Kapital im Inland zu kompensieren – hauptsächlich durch eine gewaltige Kreditschöpfung durch die staatlich kontrollierten Banken. In der Folge ist die interne Verschuldung Chinas ins Gigantische angeschwollen und stellt heute selbst ein gewaltiges globales Krisenrisiko dar.

5.

Die extreme Abhängigkeit der Arbeit vom fiktiven Kapital bekommen die Verkäufer der Ware Arbeitskraft aber nicht nur bei schweren Krisen zu spüren, sondern auch im ganz normalen Verlauf der Akkumulationsbewegung. Ungeheuren Druck üben vor allem die hohen Renditeerwartungen aus, deren Maßstab die Gewinne im Finanzsektor sind und die weit über dem liegen, was im klassischen Kapitalismus üblich war. Um sie zu erfüllen, werden die Lohn- und Arbeitsbedingungen immer weiter herabgedrückt und die Arbeitszeiten rücksichtslos ausgedehnt. Von dieser weltweiten Dumpingkonkurrenz bleibt kein Standort und kein Unternehmen verschont. Sich ihr zu entziehen wird mit dem Abzug von Kapital bestraft, das, weil es seinen Schwerpunkt im Finanzsektor hat, nahezu unendlich beweglich geworden ist. Auch die großen transnationalen Unternehmen und Weltmarkt-Player sind diesem Druck ausgesetzt. Das eingangs zitierte Beispiel der Firma Siemens ist typisch dafür; es zeigt, wie das Verhältnis von Arbeit und Kapital in der Ära des inversen Kapitalismus auf den Kopf gestellt wurde. Hätte vor vierzig Jahren eine Weltfirma angekündigt, einige durchaus rentable Standorte zu schließen und mehrere tausend Mitarbeiter zu entlassen, wäre die Geschäftsführung von den Anteilseignern sofort wegen Sabotage an der Verwertung des Firmenkapitals hinausgeworfen worden. Zwar gab es auch damals selbstverständlich schon Standortschließungen und Massenentlassungen, aber nur, wenn eine Fabrik dauerhaft Verluste abwarf und durch Rationalisierungsmaßnahmen nicht mehr konkurrenzfähig gemacht werden konnte. Letztlich ging es aber immer darum, die Anlagemöglichkeiten für das Kapital in der Produktion von Gütermarktwaren zu erweitern.

In der Ära des fiktiven Kapitals gilt diese Logik nicht mehr. Denn hier kommt es nicht mehr darauf an, die Produktion zu erweitern, um neue Verwertungsmöglichkeiten für das Kapital zu schaffen; was zählt, ist vielmehr die fortlaufende Vermehrung von Finanztiteln, die Ansprüche auf zukünftigen Wert repräsentieren. Die aktuelle Gewinnsituation eines bestimmten Produktionsstandorts ist dafür nur ein äußerlicher Bezugspunkt. Unter diesem Gesichtspunkt erscheint eine mittlere Rentabilität, wie sie einige der jetzt bedrohten Siemens-Standorte aufweisen, als einfach nicht hoch genug, weil sie nicht mit den an den Finanzmärkten erzielbaren Gewinnen mithalten kann und weil sie keine „Phantasien“ auf zukünftige Gewinnsteigerungen erzeugt. Deshalb treibt ihre Schließung den Aktienkurs des betreffenden Unternehmens nach oben, obwohl sie einer Vernichtung von Kapital gleichkommt. Dass die produktive Basis des Unternehmens geschmälert wird, spielt keine Rolle; denn für die Akkumulation des fiktiven Kapitals sind die tatsächlichen realwirtschaftlichen Konsequenzen sekundär; entscheidend ist vielmehr, dass Erwartungen auf möglichst hohe Zukunftsgewinne geschaffen werden, die heute schon realisiert werden können.

Erfüllen sich aber diese Erwartungen nicht, können die Aktien oder Anteilsscheine in Sekundenschnelle abgestoßen und durch andere Finanztitel ersetzt werden. Deshalb ist auch die Aufsplittung von Unternehmen in verschiedene Bestandteile, die dann separat an der Börse platziert werden, so beliebt – eine Disziplin, die der Siemens-Chef Josef Kaeser übrigens auch gut beherrscht. Das Kriterium für solche Aufsplittungen ist dabei nicht, ob sie produktionstechnisch und organisatorisch für das Unternehmen sinnvoll sind oder nicht. Worauf es ankommt, ist auch hier wieder, dass mit jedem Unternehmensteil, das an die Börse geschickt wird (möglichst noch mit einem phantasievollen Namen), neue Anknüpfungspunkte für die Akkumulation von fiktivem Kapital geschaffen werden. Der gleichen Logik folgte und folgt auch der breit angelegte Ausverkauf öffentlicher Infrastrukturen und Versorgungseinrichtungen. Diese sind bekanntlich durch die Privatisierung, anders als es die neoliberalen Ideologen behaupten, keinesfalls „effizienter“ geworden, sondern in der Regel schlechter und teurer; aber auch hier wurden neue Anknüpfungspunkte für die Akkumulation von fiktivem Kapital geschaffen.

6.

Dass nun aber die Arbeit in der Ära des inversen Kapitalismus zum bloßen Anhängsel des fiktiven Kapitals geworden ist, hat ihrem moralischen Status in der Gesellschaft keinesfalls geschadet. Ganz im Gegenteil – gerade weil die Arbeit zunehmend unter Druck geriet und an ökonomischer Bedeutung sowie sozialer und politischer Verhandlungsmacht einbüßte, hat sie in den letzten dreißig Jahren für die individuelle wie kollektive Identitätsstiftung wieder massiv an Bedeutung gewonnen. In den 1970er und 1980er-Jahren war unter dem Eindruck der damals breit diskutierten „Krise der Arbeit“ und im Gefolge der Kulturrevolution von 1968 die kapitalistische Arbeitsmoral und die Identifikation mit der Arbeit als Lebensinhalt in die Kritik geraten. Doch mit dem politischen Umschwung zum Neoliberalismus, der die Ära des inversen Kapitalismus einleitete, fand eine ideologische Wende statt. Es waren dabei zunächst die neoliberalen Eliten und die neoliberal gewendeten Sozialdemokraten, die ein Zurück zur Arbeits- und Leistungsethik predigten und damit vor allem die Flexibilisierung und Deregulierung der Arbeitsbeziehungen sowie den Kahlschlag des Sozialstaats legitimierten. Nachdem dann aber die verheerenden sozialen Auswirkungen dieser Politik unübersehbar wurden, kam es zu einer erneuten ideologischen Wende. Die Identifikation mit der Arbeit wurde nun in breitem Ausmaß zum Bezugspunkt für eine regressive, nationalistische Kritik am Neoliberalismus und der Finanzialisierung des Kapitalismus. Rechte und linke Populisten berufen sich nun auf das Konstrukt des „ehrlich arbeitenden Volkes“ und versprechen, dieses wieder in den Mittelpunkt der Gesellschaft zu stellen. Gelingen soll das angeblich mit einer Rückkehr in eine auf der Massenarbeit beruhende „Markwirtschaft“, die von einem wieder erstarkten Nationalstaat zum allgemeinen Wohl reguliert wird.

Was hier im Gestus der radikalen Kritik auftritt, ist aber in Wirklichkeit nichts anderes als eine gefährliche politische Regression. Schon ganz grundsätzlich betrachtet, ist die Anrufung der Arbeit identisch mit einem affirmativen Verhältnis zu dem Wesenskern der kapitalistischen Gesellschaft. Denn es macht gerade die historische Spezifik der kapitalistischen Gesellschaft aus, dass sie sich in Unterschied zu allen anderen bisher existierenden Gesellschaften um die Arbeit zentriert. Denn allgemeine Warenproduktion bedeutet immer auch zugleich, dass die gesellschaftlichen Beziehungen sich über die Arbeit vermitteln. Diese Form der Vermittlung hat aber notwendigerweise einen verdinglichten und damit herrschaftlichen Charakter. Sie stellt sich hinter dem Rücken der handelnden Personen dar, welche nicht direkt miteinander in Beziehung treten, sondern immer nur über den Umweg ihrer Arbeitsprodukte (also der Waren) und den Verkauf ihrer Arbeitskraft. Auf diese Weise gewinnen die Arbeitsprodukte Macht über ihre Produzenten und herrschen ihnen ihre versachlichten Zwänge auf. Marx hat das den Fetischismus der warenproduzierenden Gesellschaft genannt. Diese fetischistischen Zwänge wirken jedoch nicht nur äußerlich auf die Menschen ein, sondern formen und prägen sie auf grundlegende Weise. Zugespitzt kann man sagen, dass die Menschen im Kapitalismus zu Subjekten werden, indem sie sich über das Medium der Arbeit zu allen anderen Gesellschaftsmitgliedern, zur Gesellschaft als Ganzer und auch zu sich selbst als Objekten verhalten. Die Arbeit ist daher aufs Engste mit der modernen Subjektkonstitution verknüpft. Und deshalb erscheint die Identifikation mit der Arbeit auch als so selbstverständlich und unhinterfragbar.

Freilich ist dieser Zusammenhang den modernen Individuen keineswegs bewusst, denn es handelt sich ja um eine fetischistische Konstitution. Ihnen erscheint die Arbeit als eine überhistorische Konstante, die das Wesen „des Menschen“ ausmacht. So gesehen kann es nicht verwundern, dass auch die Kritik am Kapitalismus fast immer mit einem positiven Bezug auf die Arbeit einherging. Der Mensch wird zum Menschen durch die Arbeit: Das ist das Credo nicht nur des Liberalismus, sondern ebenso das des traditionellen Marxismus, dessen Bezug auf die Arbeit geradezu religiöse Züge annahm. Die Arbeiterklasse galt ihm als das wahre Subjekt der Geschichte und daher auch als prädestinierter Träger der gesellschaftlichen Emanzipation. Dieser traditionell-marxistischen Vorstellung zufolge bedeutete Emanzipation im Kern die Herstellung einer auf allgemeiner Arbeit beruhenden Gesellschaft, in der es jedoch kein Kapital mehr geben sollte. Es ging also, mit anderen Worten, um die Befreiung der Arbeit vom Kapital und nicht um die Befreiung der Menschen von der Arbeit.

Diese Vorstellung ist aber ein Widerspruch in sich. Denn eine Gesellschaft, in der die gesellschaftlichen Beziehungen sich um die Arbeit zentrieren, ist ihrem Begriff nach eine Gesellschaft von Warenproduzenten. Und allgemeine Warenproduktion setzt neben der Arbeit als gesellschaftlicher Vermittlung immer schon Kapital und Staat voraus. Deshalb war der sogenannte Realsozialismus auch nichts anderes als eine Variante des Kapitalismus, in welcher der Staat – mehr schlecht als recht – die Funktion des Gesamtkapitalisten übernommen hatte. Das Kapital ist keine äußerliche Macht, die sich die „an sich“ positive Arbeit unterwirft, sondern Kapital und Arbeit gehören beide gleichermaßen zum Wesen der auf Warenproduktion beruhenden Gesellschaft.

So betrachtet war also auch die gute alte Arbeiterbewegung in ihrer großen Mehrheit keine Bewegung gegen den Kapitalismus, sondern eine Bewegung für die Arbeit innerhalb des Kapitalismus. Also solche hat sie allerdings in ihrer Epoche ganz wesentlich dazu beigetragen, das Leben innerhalb der bestehenden Ordnung erträglicher zu gestalten und gesellschaftliche Freiräume zu erschließen. Zugleich hat sie durch ihre Kämpfe die Vorstellung einer gesellschaftlichen Emanzipation am Leben erhalten, an die wir heute allerdings nur noch in der Form der Kritik anknüpfen können. Demgegenüber hat die Verklärung der Arbeit im neuen Populismus einen ganz anderen Charakter. In der alten Arbeiterbewegung war die Identifikation mit der Arbeit noch ein Bezugspunkt für praktische Kämpfe um die gesellschaftliche Anerkennung, um die Verbesserung der Arbeits- und Lebensverhältnisse und um die politische Partizipation innerhalb der auf Massenarbeit beruhenden Epoche der Kapitalverwertung. Im neuen Populismus hingegen stellt sie eine Reaktion auf die grundsätzliche Entwertung der Arbeit durch die kapitalistische Krisendynamik dar und wird angetrieben von dem nostalgischen Wunsch, in eine längst vergangene Epoche des Kapitalismus zurückzukehren.

In diesem Sinne ist der Populismus der Arbeit heute – egal ob in seiner rechten oder linken Variante – im strengen Sinne des Wortes regressiv. Dass eine Rückkehr in den früheren Zustand des Kapitalismus unmöglich ist, macht ihn nicht weniger gefährlich; denn gerade das lässt die populistische Politik auf zunehmend unberechenbare Weise aggressiv werden (man denke nur an Trump). So verschärfen sich weltweit die Tendenzen zur nationalistischen Abschottung, während gleichzeitig nach innen die autoritäre Formierung voranschreitet. Überall, wo die neuen Populisten an die Macht kommen, demontieren sie systematisch den liberal-demokratischen Rechtsstaat, indem sie die klassische Gewaltenteilung und die tradierten Checks and Balances abschaffen; dies alles natürlich immer im „Namen des Volkes“ und zur angeblichen „Wiederherstellung der Demokratie“.

Der Kampf gegen diese politische Regression ist heute die vorrangige Aufgabe aller derjenigen, die noch an der Möglichkeit einer befreiten Gesellschaft festhalten. Aber dieser Kampf kann nur gewonnen werden, wenn die Kritik am Kapitalismus geschärft wird. Denn der autoritäre Populismus von rechts wie von links ist nicht zuletzt deshalb so erfolgreich, weil er sich auf ein verbreitetes Unbehagen am Kapitalismus bezieht. Doch auch wenn dieses Unbehagen auf ein diffuses Bewusstsein verweist, dass die kapitalistische Gesellschaft an ihre Grenzen stößt, kanalisiert es sich derzeit überwiegend in dem verzweifelten Wunsch, die bestehende Gesellschaftsordnung gegen die Schwerkraft ihre eigenen Krise zu bewahren. Die Anrufung der Arbeit als Stütze der Identität ist dabei ein zentrales Motiv. Da sich aber die „Ehre der Arbeit“ im altehrwürdigen Sinne nicht mehr herstellen lässt, bleibt von dieser Identität nur noch ihr Beitrag zum sozialen und rassistischen Ausschluss sowie zur nationalistischen Abgrenzung übrig.

Daher ist eine fundierte Kritik an der Arbeit als dem Zentralprinzip der kapitalistischen Gesellschaft keine intellektuelle Fingerübung, sondern von zentraler Bedeutung für die Eröffnung einer neuen Perspektive gesellschaftlicher Emanzipation. Die Aufhebung der Arbeit ist dabei keinesfalls eine utopische Vorstellung. Immerhin hat der Kapitalismus die Arbeit auf negative Weise ja schon längst aufgehoben. Er hat sie nämlich einerseits durch die Produktivkraft Wissen weitgehend überflüssig gemacht und andererseits zum bloßen Anhängsel der Akkumulation des fiktiven Kapitals degradiert. Hinter diesen Stand der Dinge zurückzugehen, ist nur noch möglich in Gestalt einer gesellschaftlichen Katastrophe. Dagegen gilt es, die ungeheuren produktiven Potentiale, die der Kapitalismus geschaffen hat, endlich zu nutzen, um allen Mensachen auf der Welt ein gutes Leben zu ermöglichen. Das ist allerdings ohne eine grundlegende gesellschaftliche Transformation nicht zu haben.

Die Bedingungen der Möglichkeit für eine Befreiung von der Arbeit und für die Herstellung einer Gesellschaft, in der jede und jede nach seinen und ihren Bedürfnissen und Fähigkeiten tätig wird, sind längst gegeben. Es gilt aber, diese Möglichkeit auch zu verwirklichen.

 

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Vor etwa zwei Jahren hat die Demokratische Partei Kurdistans – Iran (DPKI) beschlossen, auch mit bewaffneten Aktion gegen das Regime der Islamischen Republik Iran zu kämpfen.
Laut Äußerungen des militärischen Befehlshabers der DPKI, Kawe Bahrami, gegenüber der irakisch-kurdischen Agentur Rudaw haben DPKI-Kämpfer eine bewaffnete Aktion in Oschnawije durchgeführt. Dabei seien 27 Angehörigen der bewaffneten staatlichen Organe getötet oder verletzt worden.
Mahmud Pakpur, der Befehlshaber der Landstreitkräfte der Pasdaran, erklärte, am Freitag abend (18. Chordad 1397) sei eine terroristische Gruppe in Oschnawije in eine Falle der Sicherheitskräfte geraten. 7 Angehörige der terroristischen Gruppe seien getötet oder verletzt worden. Die terroristische Gruppe sei vollständig vernichtet worden.
Mahmud Pakpur sprach von weiteren zerstreuten Gefechten zwischen den Pasdaran und bewaffneten terroristischen Gruppen in Oschnawije und Sar-Abad. Dabei seien 6 Gegner ums Leben gekommen, 3 weitere seien verletzt worden.
Der Befehlshabter der DPKI-Kräfte bestritt Verluste auf seiner Seite.
In der Grenzregion von Sardascht sollen 2 weitere bewaffnete Angehörige der staatlichen Organe bei einem Gefecht mit bewaffneten Gegnern des Regimes umgekommen sein.
Die kurdische Webseite „Kurdestan wa Kurd“, die der DPKI nahesteht, bestritt, dass die DPKI an dieser Auseinandersetzung beteiligt gewesen sei. Es habe sich vielmehr um ein Gefecht zwischen Sicherheitskräften und den Pasdaran gehandelt!

http://news.gooya.com/2018/06/post-15646.php
vom 10. Juni 2018
dargiriye shadid beyne sepahe pasdaran wa hezbe demukrate kordestane iran – 27 pasdar koshte ya zaxmi shodand

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