Migrantische Kundgebung gegen Antisemitismus

bearbeitet von clandestino am 19.11.2003 20:51 Uhr
Ankündigungen Migrantische Initiative gegen Antisemitismus schreibt:

Antisemitizmle Her Yerde Mücadele!
Gedenkkundgebung für die Opfer der Anschläge von Istanbul

Antisemitische Anschläge sind weltweit zur mörderischen Realität geworden, ob in Tel Aviv, Paris oder Düsseldorf, zuletzt in Istanbul. Wir, mehrheitlich Menschen mit türkischem und kurdischem Hintergrund, sehen uns in der Verantwortung, unsere Abscheu gegen den antisemitischen Terror öffentlich kundzutun. Es geht nicht nur um den Terror islamistischer Gruppierungen, sondern auch darum, dass in der türkischen Gesellschaft der Antisemitismus stets verbreitet war. Mehr denn je sind türkische Jüdinnen und Juden Bedrohungen ausgesetzt und fühlen sich in ihrem Heimatland nicht sicher.
      In Deutschland, dem Land des Holocaust, artikuliert sich der Antisemitismus wieder offen. Walser und Hohmann, Karsli und Möllemann sind nur der Ausdruck einer Stimmung, die sich in allen gesellschaftlichen Schichten und quer durch alle politische Spektren findet. Der Antisemitismus wächst auch in Teilen der nichtdeutschen Communities. Es ist ein Skandal, dass Menschen, die sich als Juden zu erkennen geben, in Kreuzberg oder Neukölln Angst haben müssen. Wir, migrantische Berlinerinnen und Berliner, finden diesen Zustand unerträglich. [Weiter...]

Am Samstag findet in Berlin der so genannte al-Quds-Tag statt. Es handelt sich hierbei um eine der vielen weltweiten Demonstrationen, die vom iranischen Mullahregime gesteuert werden und in denen regelmäßig antisemitische Parolen skandiert und Vernichtungsdrohungen gegen Israel ausgesprochen werden. Nach den bisherigen Erkenntnissen der türkischen Behörden wurden die islamistischen Attentäter von Istanbul im Iran ausgebildet. Sie haben vollzogen, was Islamisten auf den al-Quds-Demonstrationen propagieren. Deshalb protestieren wir entschieden gegen diesen Aufmarsch.
      Als nichtdeutsche Menschen in diesem Land wissen wir, was es heißt, Diskriminierung, Ausgrenzung und Gewalt ausgesetzt zu sein. Auch wenn es nicht der Grund für unsere Solidarität mit jüdischen Menschen ist, möchten wir an eines erinnern: Als in Mölln, Rostock, Solingen und anderswo Menschen ermordet wurden, weil sie aus der Türkei, aus Vietnam oder aus Angola stammten, als deutsche Volksparteien Unterschriften gegen Ausländer sammelten, waren es Vertreter der jüdischen Gemeinde, die bedingungslos Widerstand gegen Rassismus leisteten. Die migrantischen Communities haben die jüdischen Menschen in diesem Land bei der Bekämpfung des Antisemitismus bislang allein gelassen. Es ist längst Zeit, dass wir ihnen beiseite stehen. Es ist längst Zeit, dass wir in unserem sozialen und beruflichen Umfeld, in unseren Vereinen und Organisationen gegen den Judenhass Stellung beziehen.

Gegen den weltweiten antisemitischen Terror!

Gegen Antisemitismus, wo in welcher Gestalt auch immer!

Solidarität mit Jüdinnen und Juden, in Berlin, Jerusalem, Istanbul und überall!

Kundgebung: Freitag, 21.11.2003, 18 Uhr Heinrichplatz, Berlin-Kreuzberg

ALLE, DIE UNSERE ANLIEGEN TEILEN, SIND AUFGERUFEN, SICH AN DER KUNDGEBUNG ZU BETEILIGEN.

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Das Kleingedruckte: Die folgenden Kommentare bekunden die Meinung derer, die sie gepostet haben. (Punkt)
Und weil's wiederholt zu Verwirrungen kam: Pippi Langstrumpf ist ein anonymer Account unter dem jedeR posten kann.
@kleiner Antideutscher (Score:0)
von Pippi Langstrumpf am 20.11.2003 20:46 Uhr (#3)
Ein Politiker ist eine Charaktermaske des Staates, indem er DESSEN Zwecke vollzieht. Private Überlegungen sind bei ihm per Amt den Belangen der Nation untergeordnet. Es gibt in jedem Land unterschiedliche Parteien mit unterschiedlichen Programmen, aber sie konkurrieren alle um die Ausgestaltung EINER Agenda: den Fortschritt der Nation. Dieser Fortschritt, der in der Vermehrung von Souveränität und Wachstum besteht, beinhaltet gewisse Notwendigkeit. Z.B. braucht es eine Armee, die dem Staat nach aussen Geltung verschafft und seiner zunächst national bornierten Ökonomie den Weg in die Welt bahnt - das nenne ich Imperialismus.
Wenn du sagst, Israel ist ein Staat, dann ist NOTWENDIGERWEISE das Volk MITTEL des Staates.
Wenn Israel eine kapitalistische Ökonomie ist, dann ist NOTWENDIG der Großteil des Volkes auf den Dienst am Kapital angewiesen, also zur Armut verdammt.
Deinem Widerwillen, die abstrakten Prinzipien von Staat und Kapital an Israel festzuhalten wäre nur zuzustimmen, wenn du beweisen könntest, wie ein kap. Staat ohne Militär und Klassengesellschaft denkbar wäre. Weil abstrakte Prinzipien - einmal methodisch gesprochen - in der konkreten Wirklichkeit ihre Gültigkeit entfalten, sonst wären es ja keine Prinzipien, liegt das alles bei Israel vor, was ich gesagt habe.
Dass ich mich nicht um die besondere Form des aktuellen isralelischen Staatsprogrammes geschert habe liegt nicht daran, dass es sie nicht gibt, sondern daran, dass hier in diesem Forum und auch in anderen Foren ständig gerade die PRINZIPIEN bestritten werden. Da wird gesagt, der Staat steht so zu seinen Bürgern, dass er sie schützt. Er schützt sie in der Tat, aber in der Form, dass er sie sich als Mittel erhalten will für sein Staatsprogramm, was mit einschliesst, dass er ihre Gesundheit dem Wachstum der Wirtschaft und dem Krieg (in unserem Fall gegen die Palästinener, Libanon, etc.) opfert. Von daher bekommt AUCH DEN JUDEN ihr Staat nicht gut.
Du sagst dann "sie haben ja auch keinen anderen Staat, besser einen wo sie Mittel sind als einen wo man sie gleich um die Ecke bringen will!". Und genau an dieser Stelle wird die Sache krumm. Weil sowohl du als auch ich keine Staatenlenker mit Armeen sind, MÜSSENTEN WIR UNS EIGENTLICH AUCH NICHT ALS SOLCHE IMAGINIEREN, also Überlegungen darüber anstellen, welche Rolle in der Staatenwelt Israel zugedacht werden könnte. Dem Theoretiker bleibt nichts anderes übrig, als zu schauen, was dort in Israel vorliegt und sich ein Urteil darüber zu bilden. Nicht einmal die MG könnte Israel seine Existenz betreiten, sowenig wie du sie Israel geben kannst. Das ist mal das eine. Du denkst wie ein wirklicher Politiker, machst dir eine Betrachutungsweise zu eigen, die nur in der Phantasie besteht - so ähnlich wie ein Kommentator in der Zeitung, der sich auch immer in die Rolle des Außenministers denkt und von da aus kluge Ratschläge verbreitet.
Nimm halt mal zu Kenntnis, dass - abgesehen von der Revolution - die Parteinahme für eine höhere Gewalt immer die Parteinahme eines ohnmächtigen Möchtgerns ist und immer eine Parteinahme für den Tod von Menschen ist. DIESEN UNSINN ERSPART MAN SICH BESSER, für mehr plädier ich in gar nicht!

Du sagst, Israel ist kein fertiger Staat sondern einer in Gründung, er führt noch seinen Staatsgründungskrieg. Das ist zutreffend. Aber jetzt müsste man doch mal schauen, was das für Israel heisst. Nation heisst ja Volk + Land. Wen definiert der Staat Israel als sein Volk? Und welches Land definiert Israel als sein Land? Und was hat er mit Volk und Land vor, wenn dort die Rechtsordnung des Staates gilt? Und - last but not least - bekommt das den Leuten gut und schlecht?
Das wären alles so Fragen, die man sich stellen könnte.

Du guckst indes durch deine deutsche Antifa-Brille. Das ist an sich ja nichts Verwerfliches, aber eine Brille trübt nun einmal die Erkenntnis. "Israel als Heimstatt der Juden", das findest du gut. Aber die Brutalitäten daran, was das heisst -z.B. für die Leute, die dort auch hocken, aber ausdrücklich nicht für die Heimstatt vorgesehen sind, die siehst du nicht. Und du siehst auch nicht, dass Heimstatt der vornehme Ausdruck dafür ist, dass sich das ein Staat die Juden zum Volk gemacht hat und Volk zu sein ist - verdammt noch mal! - kein Glück sondern eine anstrengende und lebensgefährliche Sache. Und diese Volksbildung betreibt der Staat übrigens positiv und keineswegs aus Notwehr heraus. Er begreift sich ja gerade nicht als Staat der Nazi-Opfer sondern als Staat der Juden - von daher ist DIESE Verknüpung von NS-Verfolgung und Israel reine Ideologie.

Alles weitere, dass ein Marxist irgendeinem Juden den Tod wünscht oder sowas, was ich (nicht von dir, da bist du eine löbliche Ausnahme)schon oft genug gehört habe, das ist einfach nur widerlich. Da will man auf Basis der falschen Gleichung Israel = Antifa wen anderes als Schwein denunzieren, WEIL er sich diese FALSCHE Sichtweise nicht zu eigen gemacht hat und nicht, weil er im Ernst das vorhätte was man ihm an Antisemitismus usw. unterstellt.
Re: Heimat Israel -mg staatsfrage (Score:1)
von urmel_polanyi am 21.11.2003 10:58 Uhr (#14)
User #192 Info
in der disko über die mg-staatstheorie wird das theoretische wie polit-praktische dilemma vieler linker ansätze nur zu deutlich: irgendwie antinational wollen die meisten linken ja sein,aber wenn die umsetzung der antinationalen idee ansteht,wird halt gerne "realpolitik" vollzogen. das der staat + der kapitalismus insgesamt eine für die menschen ungünstige angelegenheit darstellt,ist meistens noch konsensual vereinbar,in der frage über israel wird es dann gelinde gesagt schon im ansatz "hybrid" : wer als linker den staat israel nicht gegen den antisemtischen mob verteidigen möchte,ist nach antideutscher lesart selber ein antisemit. <BR>die einrichtung staat abzulehnen,soll bei israel ausnahmsweise nicht gelten,wegen der these, das die nazivergnagenheit deutscher volkspolitik solche kritik verbieten würde. <BR> die antideutschen heldenflüge gegen durchgeknallte nationalbolschewisten in allen ehren gehalten, halte ich deren theorie nicht für beständig ausbaufähig ( obwohl das richtige mit einem falschen ansatz getan wurde). was ich bei dem mg-ansatz allerdings nicht verstehe,ist der nutzen der staatstheorie in einer welt,die nur in staatskonstruktionen organisiert ist - der kleinste gemeinsame nenner der weltorganisation wäre damit zwar gefunden,aber was folgt daraus genau ?
Re: Heimat Israel (Score:0)
von Pippi Langstrumpf am 20.11.2003 17:32 Uhr (#30)
das ist quasi prototypisch der unsinn, den ich in einem anderen kommentar schon angesprochen habe. zum beispiel zeigt sich hier wunderbar, dass es die mg nie schafft, die objektive funktion eines bürgerlichen staates mit den subjektiven beweggründen des staatspersonals zusammenzudenken. sie macht diesen unterschied einfach nicht und setzt beides unmittelbar in eins. da kommt dann notwendig eine art verschwörungstheorie bei heraus, weil das staatspersonal - als eins gedacht mit dem staat - die leute notwendig über seine waren interessen betrügen müsste, wenn die theorie stimmt.

tatsächlich ist auch israel ein kapitalistischer staat, was aber lediglich heißt, dass sich das personal den sachzwängen der israelischen nationalökonomie zu beugen hat; und dies auch tut, ohne darüber zu reflektieren. andererseits ist sich das israelische staatspersonal aber der funktion israels als "bewaffnetes ghetto" durchaus bewußt, d.h. es richtet seine politik in dem bewußtsein ein, letzten endes alleine zu stehen und weltweit keine unterstützung zu bekommen, wenn es angegriffen wird. natürlich sind auch israelis mittel des kapitals zu seiner verwertung, die regierung sieht sich aber gleichzeitig selbst als mittel zum schutz der israelis vor antisemitischer verfolgung. darin besteht der kern des zionismus nach auschwitz.

zudem, und das müsste auch der mg einleuchten, handelt es sich beim staat israel nicht um einen souverän, der seine macht durchgesetzt hat, sondern - im unterschied zu nahezu allen anderen nationalstaaten - um einen souverän in statu nascendi, der ständig von aussen in frage gestellt wird und eben faktisch über kein gewaltmonopol verfügt.

ich wiederhole mich, aber dies zu reflektieren ist voraussetzung dafür, den charakter der israelischen staatlichkeit zu begreifen.

der kleine antideutsche

Re: Heimat Israel (Score:2)
von derBorst am 20.11.2003 20:57 Uhr (#35)
User #61 Info | http://www.junge-linke.de/ | Last Journal: 24.04.2004 13:06 Uhr
"Soso" spricht polemisch für sich in Hinsicht zum Bestreiten des Gewaltmonopols.

Dann wäre es mir neu, dass Rassismus eine Sache ist, die in bürgerlichen Gesellschaften nur von "einigen Spinnern" betrieben wird. Er muss sicherlich nicht gleich in dem Todeswunsch der "Untermenschen" auftreten, das stimmt. Zu behaupten, dass bürgerlicher Rassismus sich darauf beschränkt, würde ich bestreiten. Schon das Ausländergesetz eines bürgerlichen Staates für eine vernünftige Sache zu erachten, reicht dafür.

Wenn die israelische Staatsgewalt nicht existieren würde, wären die Menschen dort wohl kaum dorthin gegangen...das würde ich behaupten und damit auch den Antisemitismus nicht unterschätzen.

Den Vorwurf hinsichtlich der "Gewalt an den Hals wünschen" meine ich ernst. Es ist kein Glück in einer Klassengesellschaft zu leben, auch nicht in Israel. Wenn ich das behaupte, bestreite ich doch NICHT die zwischen Unterschiede den nationalstaatlichen Vergesellschaftungen (auch die in spe wie jenseits vom Zaun) im allgemeinen. Es ist mir bloß zu albern, innerhalb der Unterschiede quasi tabellarisch zwischen guten und schlechten Vergesellschaftungen zu selektieren. Wozu?

I don't give a fuck about your war... or your president! Kurt Russel in "Escape from New York"

Re: Heimat Israel (Score:2)
von clandestino (kailof2000 at yahoo.de) am 20.11.2003 17:38 Uhr (#45)
User #134 Info | http://x-berg.de/journal.pl?op=display&uid=134 | Last Journal: 18.05.2004 0:37 Uhr
Das Israel eben den Doppelcharakter eines stinknormalen bürgerlichen Staates und eines Zufluchtsortes hat, das kann Leuten wie dir natürlich nicht in den Kopf gehen. Speziell Israel vorzuwerfen, innerhalb einer nationalstaatlich organisierten Welt auch nationalstaatlich organisiert und in dieser Hinsicht "wie alle anderen" (und nicht anders) zu sein, ist nur dumm; zudem ich auch garnicht das Gegenteil behauptet habe.

"Gebt euch nicht mit Leuten ab, die Bonnie und Clyde für Gewaltverbrecher halten" Diane DiPrima

Re: Aus dem Vorwort der Staatsableitung (Score:0)
von Pippi Langstrumpf am 21.11.2003 13:14 Uhr (#46)
... und hier noch der Link dazu: http://www.gegenstandpunkt.com/vlg/staat/staat_i.htm
Rationalisierung des Wahns (Score:2)
von pro_kommunismus (pro_kommunismus@yahoo.de) am 21.11.2003 11:20 Uhr (#75)
User #156 Info | http://www.freewebs.com/ka-bremen/ | Last Journal: 02.05.2004 11:42 Uhr
Wo hast du eigentlich das Gerücht aufgeschnappt, ein Wahn sei unerklärlich? Lies doch mal "Mein Kampf", da erfährst du lauter GRÜNDE dafür, wie einer darauf kommt, die Juden beseitigen zu wollen und zwar als Staatsprogramm. Und wieso lädt jemand Schuld auf sich, wenn er versucht, sich was zu erklären? Wie bist du denn drauf, die Welt in Sünder und Heilige zu sortieren statt dir die Zwecke zu erklären, die unterwegs sind? Ein gutes Gewissen mag ja ein sanftes Ruhekissen sein, aber weiterhelfen tut es einem nicht wirklich.

P.S.: Ich weiss sicher, dass ich bei dir auf taube Ohren stoße, weil du ja gar nicht sagst "NS ist unerklärbar" sondern "NS darf man nicht erklären, wenn man reinen Gewissens sein will". Damit bist du ja gerade immun gegen jede Erklärung gemacht und hast dich ganz auf das Feld des Glaubens, Hoffens uns Salbens begeben.
Re: Heimat Israel (Score:0)
von Pippi Langstrumpf am 20.11.2003 20:22 Uhr (#96)
was hat "soso" mir zu sagen? und, zu deiner anderen antwort auf mich, ich schreibe explizit, dass einige spinner in israel "tod den arabern" fordern. warum unterstellst du mir, ich fände das "verständlich? und deinen einwurf, ich würde den israelis dort unten "die gewalt" - in form des staates - "an den hals wünschen", nimmst du hoffentlich selbst nicht ernst. was glaubst du denn, würde den leuten da unten passieren, wenn die israelische staatsgewalt verschwände? es ist nicht zu fassen, dass - scheinbar(?) - reflektierte leute wie du vom antisemitismus der hamas und anderer islamfaschisten immer noch nichts wissen wollen und jedem hinweis auf diese gefahr mit dem vorwurf des rassismus begegnen. das korrespondiert wunderbar damit, dass du offensichtlich keine unterschiede zwischen rassismus und antisemitismus zu machen bereit bist.
Re:Fundis vs Fundis (Score:2)
von clandestino (kailof2000 at yahoo.de) am 20.11.2003 21:08 Uhr (#116)
User #134 Info | http://x-berg.de/journal.pl?op=display&uid=134 | Last Journal: 18.05.2004 0:37 Uhr
Und als wenn in Israel kein antiarabischer Rassismus, der den Tod von Arabern fordert, unterwegs ist. Oder ist das schon wieder "verständlich"?

Last but not least ist es echt erbärmlich, wenn man den israelischen Untertanen die Gewalt noch positiv an den Hals wünscht.

Das es rassistische Israelis gibt, die Arabern den Tod wünschen, hat er nicht abgestritten. Er hat lediglich gesagt, das dies eine marginalisierte Position sei im Gegensatz zum Antisemitismus unter Palästinensern, der dort von einer breiten Masse getragen werde. Kann ich selbst jetzt allerdings weder bestätigen noch abstreiten, ich weiß es nicht.
Ich seh auch nicht, wo er den Israelis die Staatsgewalt "auf den Hals wünscht" (so aus reiner Gemeinheit?), aber vielleicht könntest du´s ja auch belegen.

Ich bin nach wie vor der Ansicht, dass man Israel als Zufluchtsort verteidigen kann, ohne damit in eine Affirmation der bürgerlichen Herrschaft zu verfallen. Hält man einen Zufluchtsort für die Verfolgten des Antisemitismus für richtig und legitim, ist es zweitrangig, ob es sich dabei nun um einen bürgerlichen Staat oder eine riesige libertär-sozialistische Kibbuzgemeinde handelt, das berührt diesen Punkt überhaupt nicht. Deshalb würde ich auch erst garnicht damit anfangen, die bürgerliche Herrschaft in Israel irgendwie schön zu reden- die ist dort so beschissen wie auch sonstwo- oder das überhaupt großartig zur Debatte zu stellen (was das angeht, interessiert mich doch immer noch vor allem die bürgerliche Herrschaft hier vor Ort), denn das geht an dem, worauf es beim "Thema Israel" ankommt, komplett vorbei.
Warum sich also nicht gegen Antisemiten für den Zufluchtsort Israel aussprechen können? Weil es sich dabei eben auch um einen bürgerlichen Staat handelt? Demnach dürfte man sich auch nicht mit Opfern rassistischer und antisemitischer Gewalt seitens Deutscher solidarisch zeigen, wenn einem deren weltanschauliche Positionen nicht passen und das ist ganz offenkundig Blödsinn.

"Gebt euch nicht mit Leuten ab, die Bonnie und Clyde für Gewaltverbrecher halten" Diane DiPrima

Re:Fundis vs Fundis (Score:2)
von derBorst am 20.11.2003 19:13 Uhr (#123)
User #61 Info | http://www.junge-linke.de/ | Last Journal: 24.04.2004 13:06 Uhr
"das ist zwar kein "verbrechen", aber das ende jeglicher kritik in kommunistischer absicht"

Na gut, dass der kleine Antideutsche die Definitionsmacht über kommunistische Kritik hat (aber nicht klärt, warum seine Kritik eine solche sein soll). Die größte intellektuelle Katastrophe ist dann der Vorwurf der "Äquidistanz" wie Antideutsche ihren tranformierten - falschen - Antifaschismus der uralt Antifa rechtfertigen als letzten Rettungsanker: "Immerhin [1] besser als [2]" 1=bürgerlich rationales irgendwas (z.B. Staat) 2=die antisemitische Barbarei [inkl. allem, was da runtersubsumiert wird]. So was albernes habe ich meinen Lebtag noch nicht gehört. Das ist keine kommunistische Kritik, das ist pures Vergleichen zum Selbstzweck.

Und als wenn in Israel kein antiarabischer Rassismus, der den Tod von Arabern fordert, unterwegs ist. Oder ist das schon wieder "verständlich"?

Last but not least ist es echt erbärmlich, wenn man den israelischen Untertanen die Gewalt noch positiv an den Hals wünscht.

I don't give a fuck about your war... or your president! Kurt Russel in "Escape from New York"

Re: Heimat Israel (Score:0)
von Pippi Langstrumpf am 20.11.2003 17:08 Uhr (#139)
Der Staat als Beschützer seines Volkes, da lachen ja die Hühner! Auch für den Judenstaat sind die Juden Mittel SEINER Souveränität und seiner staatlichen imperialistischen Interessen und ihr Leben und ihre Gesundheit Mittel der Ausbeutung durch israelische Kapitalisten. Das Wohl seiner Bürger ist dem Judenstaat (getrennt von ihren Funktionen) einen Dreck wert, sie haben als Mittel von Staat und Kapital herzuhalten. Es ist ja so ein Unsinn, dass augerechnet in Israel das Verhältnis von Volk und Führung auf dem Kopf stehen soll. Meine Vermutung ist, dass einige deutsche Linke überhaupt keine Vorstellung davon haben, was Staat und Volk eigentlich ausmacht, sonst käme diese Beliebigkeit bei der Betrachtung nicht heraus, also einmal den Staat für kritikabal zu halten (warum eigentlich? - warum "beschützt" der deutsche Staat nicht auch nur seine Bürger, wenn es darum bei Herrschaft geht, wenn sie dazu da ist, um die Schwachen zu beschützen... p.s.: fragt sich nur, wovor eigentlich?) und in ein anderes Mal als Beschützer seines Menschenmaterials zu imaginieren und abzufeieren.
Re: Heimat Israel (Score:1)
von Danny Ocean am 20.11.2003 17:29 Uhr (#142)
User #170 Info | http://www.rote-ruhr-uni.org/ | Last Journal: 14.05.2004 14:04 Uhr
Was haben deine Ausführungen mit clandestinos Anmerkungen zu tun? Hmmm... irgendwie haben wir wohl unterschiedliche Beiträge gelesen :-P

Bürgerliche Gesellschaft ist praktizierter Idealismus, das Subjekt ihr souveräner Ursprung. (Joachim Bruhn)

Re: Heimat Israel (Score:2)
von derBorst am 20.11.2003 19:16 Uhr (#156)
User #61 Info | http://www.junge-linke.de/ | Last Journal: 24.04.2004 13:06 Uhr
"und eben faktisch über kein gewaltmonopol verfügt." Soso.

I don't give a fuck about your war... or your president! Kurt Russel in "Escape from New York"

Re:Fundis vs Fundis (Score:0)
von Pippi Langstrumpf am 20.11.2003 14:32 Uhr (#185)
Komm mal runter vom hohen Ross. Viele Phrasen und Totschlagsargumente, aber keine inhaltlicher Ergänzung. Klar doch, ich bin "... ein Verbrecher und mit der Barbarei im Bunde..." Kleiner Antideutsche heute groß in Form
weitere stimmen (Score:2)
von clandestino (kailof2000 at yahoo.de) am 19.11.2003 22:42 Uhr (#190)
User #134 Info | http://x-berg.de/journal.pl?op=display&uid=134 | Last Journal: 18.05.2004 0:37 Uhr
Presser klärungen zum "Al Quds"-Tag, u.a. auch vom Student Coordination Committee For Democracy In Iran (Hintergrundinfos Iran).

"Gebt euch nicht mit Leuten ab, die Bonnie und Clyde für Gewaltverbrecher halten" Diane DiPrima

Fundis vs Fundis (Score:0)
von Pippi Langstrumpf am 20.11.2003 10:48 Uhr (#195)
Die Tatsache, dass der Iran versucht, das Thema Jerusalem für seine eigenen Zwecke zu missbrauchen und antisemitische Propaganda betreibt und fördert, -- mal aussen vorgelassen. Der Streit um Jerusalem, auf das Israelis und Palästinenser Anspruch erheben kann nicht allein mit dem Begriff "Antisemitismus" abgetan werden. Nicht jeder Anspruch der Palästinenser auf den Ostteil der Stadt ist antisemitisch motiviert oder trägt sich mit "Vernichtungsgedanken". Eine Teilung der Stadt wäre vielleicht keine schlechte Lösung,um den Verrückten beider Seiten den Wind aus den segeln zu nehmen. Die gibt es nämlich auch auf israelischer Seite.Man denke nur an die Gruppe von Siedlern, die Häuser im Ostteil der stadt besetzt und von dort aus die in der Nachbarschaft lebende Bevölkerung terrorisiert.Auch der derzeitige Regierungschef Scharon hat sich da ein Haus gekauft und es zu einer Festung ausbauen lassen. Auch in Israel wird übrigens ein Jerusalem- Tag gefeiert. Dieser soll an die Eroberung der arabischen Stadtteile 1967 erinnern und den Anspruch des Staates auf die Souveränität über die gesamte stadt unterstreichen. Auch dieser Tag wird übrigens weltweit begangen, so z.B. auch in Berlin mit einem Strassenfest in der Oranienburger Str. .
Re:Fundis vs Fundis (Score:2)
von derBorst am 20.11.2003 11:50 Uhr (#207)
User #61 Info | http://www.junge-linke.de/ | Last Journal: 24.04.2004 13:06 Uhr
"Nicht jeder Anspruch der Palästinenser auf den Ostteil der Stadt ist antisemitisch motiviert oder trägt sich mit "Vernichtungsgedanken"."

Aber in der Regel mit nationalistischen Schlüssen, die wohl nicht weniger falsch sind. "Unser Raum/Land" ist schon ziemlich albern. Ein komischer Schluss, wenn man doch als von der israelischen oder palästinensischen Staatsgewalt Betroffener doch "eigentlich nur" die Repression anklagt.

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Re:Fundis vs Fundis (Score:0)
von Pippi Langstrumpf am 20.11.2003 13:34 Uhr (#211)
Es ist aber falsch, sich angesichts zweier aggressiver Nationalismen auf eine der beiden Seiten zu stellen. Schließlich führen beide Seiten interessanter Weise einen nationalistischen und religiösen Diskurs. 1. Jeruslaem als Hauptstadt Palästinas. Oder als muslimisches Waqf. ( nach mehrheitlicher Auffassung der Korankommentatoren fand hier die Nachtreie Muhammads in den Himmel statt. 2. Jerusalem als " nach 200 Jahren wiedervereinigte" Hauptstatdt Israels, bzw. des jüdischen Volkes : oder als Standort des Tempels und anderer religiöser Dinge mehr. Wo also Nationalisten aufeinander einschlagen, sollte die Linke sich nicht die Position einer der Beiden zu eigen machen. Die spinnen die Römer ( Obelix)
Re:Fundis vs Fundis (Score:0)
von Pippi Langstrumpf am 20.11.2003 14:21 Uhr (#214)
Was du verkündest, ist ein sehr deutscher "Antinationalismus", der jede Nation und jeden Nationalismus angreift außer dem deutschen völkisch- antisemitischen und dessen Hilfstruppen wie z. B. den Djihadisten. Zwischen einem bürgerlichen Nationalismus westlicher Prägung und einem völkischen deutscher Provenienz, der die Tendenz zum eliminatoirischen Antisemitismus in sich trägt, liegen aber Welten. Wer das nicht wahrhaben will, wer träge, desinteressiert zu allem und jedem in eine pseudokritische Äquidistanz geht und damit implizit z. B. die westlichen Alliierten,die Befreier vom Nazifaschismus, mit den nationalsozialistischen Deutschen gleichsetzt ("sind doch alles Nationalisten, die aufeinander einschlagen"), ist ein Verbrecher und steht mit der Barbarei im Bunde, was sich auch so äußert, dass mensch Israel die Solidarität entzieht und den kategorischen Imperativ Adornos, "Denken und Handeln so einzurichten, dass Auschwitz nicht sich wiederhole", über den Haufen wirft.
Re:Fundis vs Fundis (Score:0)
von Pippi Langstrumpf am 20.11.2003 16:59 Uhr (#222)
das war ich nicht, worauf du dich beziehst. das mit dem "verbrecher" ist tatsächlich eine dumme phrase. grundsätzlich ist dem beitrag aber recht zu geben.

es ist natürlich einfach, sich mit einem "aggressive nationalismen, die aufeinander einprügeln" die welt zu erklären. es gibt aber sehr explizite unterschiede zwischen einem bürgerlichen staatsbürgernationalismus und einem volksgemeinschaftlichen, wie er von panarabischen und islamistischen bewegungen und staaten betrieben wird. dazu gehört unter anderem, dass in israel - von einigen spinnern abgesehen - niemand auf die idee kommt, "tod den arabern" zu fordern, während "tod den juden, treibt sie ins mehr" offizielles programm einer bewegung ist, die von gut der hälfte der palästinensischen bevölkerung offen unterstützt wird.

das tatsächliche totschlagargument ist also dein nationalismus-argument, weil es einem jede weitere analyse erspart, wenn man einmal festgestellt hat, dass nationalstaaten aus - oh wunder - nationalistischen beweggründen handeln.

wer dann noch, wie die mg, die solcherlei argumente erfunden hat, beim nahostkonflikt von "staatsterror" vs. "staatsgründungsterror" spricht, macht sich sich der rationalisierung antisemitischen wahns schuldig und dichtet sich gegen jede kritik des antisemitismus ab. das ist zwar kein "verbrechen", aber das ende jeglicher kritik in kommunistischer absicht (wenn mir diese phrase erlaubt ist).

diesmal wirklich: der kleine antideutsche

Re:Fundis vs Fundis (Score:2, Interesting)
von clandestino (kailof2000 at yahoo.de) am 20.11.2003 15:12 Uhr (#223)
User #134 Info | http://x-berg.de/journal.pl?op=display&uid=134 | Last Journal: 18.05.2004 0:37 Uhr
Was du verkündest, ist eine Gleichsetzung von Alliierten vs. Nazideutschland und israelischer Staat vs. palästinensische Fundis, die dein/e Vorrednerin nicht getätigt hat. Du schießt also ins Leere. Weniger Reflex und länger Nachdenken wäre eine Alternative.

"Gebt euch nicht mit Leuten ab, die Bonnie und Clyde für Gewaltverbrecher halten" Diane DiPrima

Re:Fundis vs Fundis (Score:2, Insightful)
von clandestino (kailof2000 at yahoo.de) am 20.11.2003 15:53 Uhr (#224)
User #134 Info | http://x-berg.de/journal.pl?op=display&uid=134 | Last Journal: 18.05.2004 0:37 Uhr
Wenn man sagt "Pfoten weg von Israel" heißt das erstmal nichts anderes, als die Existenz des Zufluchtsortes Israel für bedrohte Juden und Jüdinnen aus aller Welt gegen diejenigen zu verteidigen, die dessen Legitimität in Frage stellen und zwar völlig unabhängig davon, welche "Palästinenserpolitik" da nun gefahren wird oder ob ein Arschloch oder ein Engel an der Regierungsspitze steht, ob nun linke oder rechte Kräfte in Israel vorherrschen (was alles Dinge sind, mit denen man sich durchaus kritisch und jenseits des Antisemitismus beschäftigen kann). Mit einseitiger Stellungnahme zugunsten von Nationalismus oder religiös-historisch gefärbter Ansprüche hat das nix zu tun, sondern nur damit, ob man die Existenz eines Zufluchtsortes bedrohter Jüdinnen und Juden aus aller Welt angesichts des antisemitischen Terrors für verteidigenswert und richtig hält oder nicht. Ich halte das für richtig. Für falsch halte ich, sich als der bessere und am weitesten rechtsliegende israelische Politiker oder Militäroberste aufzuspielen, so wie identitätsmeiernde Antideutsche das machen, die auch gern mal von Bedeutung in der großen Weltpolitik wären, glücklicherweise aber keine Rolle spielen und das einer progressiven Entwicklung auf diesem Planeten zuliebe hoffentlich auch nie tun werden.

Aber wie auch immer: Der Al-Quds-Tag ist nicht als sinnvoller Beitrag zu Versöhnung und Einigung gedacht, sondern als antiisraelische/antisemitische Hetzveranstaltung und nichts weiter.

"Gebt euch nicht mit Leuten ab, die Bonnie und Clyde für Gewaltverbrecher halten" Diane DiPrima

Re: Aus dem Vorwort der Staatsableitung (Score:2)
von pro_kommunismus (pro_kommunismus@yahoo.de) am 21.11.2003 12:23 Uhr (#225)
User #156 Info | http://www.freewebs.com/ka-bremen/ | Last Journal: 02.05.2004 11:42 Uhr
1

Die vorliegende Analyse unterscheidet sich erheblich von den Schriften, die seit einem Jahrzehnt als Beitrag zur "Staatsableitungsdebatte" erscheinen. Sie i s t nämlich die Staatsableitung, beendet also jene unselige Debatte für all diejenigen, die ein Interesse an der Erklärung des Staates haben, weil sie objektives Wissen brauchen über Grund, Zweck und Verlaufsformen der politischen Herrschaft im Kapitalismus. Der Unterschied zur Literatur ü b e r die Staatsableitung, insbesondere zur Literatur über die einschlägigen Projekte, ist nicht schwer festzustellen, weswegen eine kurze Zusammenfassung genügt, um den Lesern Enttäuschungen zu ersparen.
Vorenthalten werden ihnen zunächst einmal Erörterungen über die Schwierigkeiten, die einer Ableitung des Staates im Wege stehen. Die methodologischen Veranstaltungen, mit denen linke Intellektuelle der Durchführung einer Staatstheorie ausweichen, fehlen gänzlich. Es wird also nicht im Jargon bürgerlicher Wissenschaftstheorie die Frage zum dreitausendsten Male gestellt, ob und wie eine Staatstheorie möglich sei; es werden auch keine Probleme problematisiert" welche von irgendwelchen Kategorien, Dimensionen, Ebenen der Theorie herstammen sollen und ihr Verhältnis zur "Empirie" und Geschichte zu hinterfragen gebieten. All diese "Ansätze" und "Fragestellungen" erfinden ja mit allerlei komplizierten Bedingungen, die den Staatstheoretikern angeblich das Leben so schwer machen, nur die Unmöglichkeit, zu einem objektiven Urteil über den im Titel erwähnten Gegenstand zu gelangen. Inzwischen ist man auch unter Linken dahin übereingekommen, das eigene Desinteresse an objektiver Wissenschaft zu einer "Schwierigkeit" umzulügen, die man dann auch noch der Sache, die man bespricht und doch nicht erklären will, als Eigenschaft andichtet – bis hin zu der genialen Leistung, den Staat als "komplex" und als "Struktur" vorzuführen.

Des weiteren hat uns im Unterschied zu denen, die uns der Arroganz bezichtigen, auch die Tatsache wenig belastet, daß d e r Staat gar nicht existiert, s o n d e r n nur "historisch gewordene" und höchst unterschiedliche Staatswesen. Wie der Name schon sagt, handelt es sich bei all den Staaten eben um Staaten, und deren gemeinsame Prinzipien erklärt eine Staatstheorie. Daß sich an Besonderheiten Allgemeines nicht finden lasse, halten wir für ein Gerücht, welches die albernste Form der öffentlichen Abdankung eines Theoretikers darstellt. Diejenigen, die den Unterschied zwischen englischem und deutschem Recht, zwischen italienischer und deutscher Sozialgesetzgebung bemühen, um sich den Begriff von Recht und Sozialstaat zu ersparen, werden mit diesem Begriff auch keine Besonderheiten richtig analysieren, weil sie ihn, wie er aus den westdeutschen Verhältnissen erschlossen wird, leugnen. Eine andere Abteilung linker Staatstheoretiker wird das Fehlen ihrer Fragestellungen ebenfalls registrieren, weil wir in theoretischen Angelegenheiten sehr dogmatisch sind und so praktische Erwägungen wie die Suche nach "Möglichkeiten und Grenzen staatlichen Handelns" für den Auftakt handfester Ideologien erachten. Wir sorgen uns auch nicht um "Struktur- und Funktionsprobleme", die diese Leute am Klassenstaat entdecken, um sich dann mit ihren Alternativen der vermeintlichen Nöte des herrlichen Gemeinwesens anzunehmen. Wenn sie schließlich auch noch von der "Dialektik von Reform und Revolution" anfangen, behaupten wir glatt, daß eine Veränderung des Staates mit Blick auf seine Funktionstüchtigkeit nichts Revolutionäres und auch nichts Dialektisches ist, deshalb keinem Proleten etwas bringt, genauso wie die Theorie, die diesem Interesse an dialektischen Reformen dient. Die These, daß der Staat s c h e i t e r t , wird man im folgenden auch nicht in einer anderen Version hören können. Wir wissen nichts von den guten Werken, die ihm aufgegeben sind und die er – sei es wegen seiner Abhängigkeit von ein paar Monopolisten, sei es wegen einem Defizit an Steuergeldern nicht ausführen kann. Deswegen ist unsere Analyse aber nicht unvollständig.
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Zur Vermeidung von Mißverständnissen sei noch vermerkt, worum es unserer unmaßgeblichen Meinung nach bei einer A b l e i t u n g geht, was ja den methodisch interessierten Menschen so viel Kopfzerbrechen macht. Erstens ist eine Ableitung ganz dasselbe wie die Erklärung einer Sache, unterscheidet sich also nicht ihrem Inhalt nach von wissenschaftlicher Argumentation, wie sie sonst stattfindet, sooft einer nach Gründen sucht. Zweitens ist eine Ableitung eine Form der Darstellung, die dem Inhalt gefundener Erklärungen entsprechend die Gedanken ordnet. Nicht in der Reihenfolge ihres historischen Auftretens, auch nicht in der Art und Weise, wie man über die verschiedenen Momente einer Sache stolpert, werden sie behandelt, sondern gemäß ihrem Zusammenhang. Wenn die Untersuchung der Massenmedien z.B. den Grund dafür, daß es sie so gibt, wie sie sind, in der Verpflichtung der Bürger auf das Gewaltmonopol des Staates ermittelt hat, so kommt die Analyse der demokratisch bewerkstelligten Zustimmung zum Staat vor die Öffentlichkeit zu stehen. Die einzelnen Momente des erklärten Gegenstandes erscheinen als Grund füreinander, und jede Bestimmung des Staates nimmt die Stelle vor derjenigen anderen ein, welche sie n o t w e n d i g macht. Zum Verdacht idealistischer Konstruktion hat Marx das Nötige gesagt. In der Anwendung des Wissens über die Welt des Kapitals, in der Agitation derer, die diese Welt aus den Angeln heben sollen, sind dieselben Argumente fällig wie in der Ableitung nur nimmt die theoretische Auseinandersetzung mit dem Adressaten ihren Ausgang an dessen aktuellem Interesse: in unserem Fall an den Taten des Staates, mit denen er sich gerade herumschlägt, über die er ein falsches Bewußtsein hat und zu denen er sich praktisch so verhält, daß sein Schaden garantiert ist. Während in der Ableitung die Maßnahmen des Staates aus ihrem G r u n d heraus notwendig werden, wird in ihrer politischen Anwendung aus der aktuellen Kollision von Staat und Bürger deren Grund erschlossen. Dies zur Frage, inwiefern eine Ableitung eine theoretische Waffe darstellt und wer sie nicht brauchen kann.
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Die Bestimmungen des Staates sind in Paragraphen gegliedert, die den allgemeinen Zweck der analysierten Maßnahme darstellen. In Zusätzen wird jeweils auf die Verlaufsformen dieser Maßnahme eingegangen, der entsprechende Gegensatz zwischen Staat und Bürger am Material der Bundesrepublik verfolgt; ein Verweis auf die historische Durchsetzung, d.h. auf die bestimmte Art der Kämpfe, die den heutigen Staat hervorgebracht haben, findet schon deswegen statt, weil es in der Linken üblich ist, alles gut zu finden, weil es erkämpft werden mußte: Die zum jeweiligen Stoff gehörigen Ideologien bilden den Abschluß des Paragraphen. Während die faschistischen Konsequenzen der Demokratie mitbehandelt werden, kommen die Besonderheiten von Nationen, die sich dem Wirken kapitalistischer Staaten nach außen verdanken, dort vor, wo sie in einer Ableitung hingehören, in der Fortsetzung staatlicher Gewalt zum Imperialismus.
Re:Rationalisierung des Wahns (Score:0)
von Pippi Langstrumpf am 23.11.2003 19:16 Uhr (#281)
du hast einen coolen mg-jargon drauf, pro-kommunismus. besonders das mit den "zwecken", die "unterwegs sind" ist herrlich. ansonsten orakelst du in das, was ich gesagt habe aber einiges rein. du triffst nur einen einzigen punkt, und da muss ich dir widersprechen. es geht weder um heilige noch schurken, es geht auch nicht um unerklärbarkeit, es geht um den mechanismus der rationalisierung. und genau das tust du auch: rationalisieren. auschwitz war zutiefst irrational in seinen zwecken. in seinen mitteln war es höchst rational. wenn du aber die zwecke, die sich die nazis gesetzt haben, einfach so stehen lässt: "lauter GRÜNDE dafür, wie einer darauf kommt, die Juden beseitigen zu wollen ", erklärst du damit gar nichts, sondern verfällst in plumpe tautologie. das ist viel eher ein ruhekissen, als den sachverhallt anzuerkennen, dass das staatsprogramm des ns eben darin bestand ohne jegliche rationale gründe 11 millionen menschen umbringen zu wollen.
Re:Rationalisierung des Wahns (Score:3, Interesting)
von derBorst am 24.11.2003 0:49 Uhr (#282)
User #61 Info | http://www.junge-linke.de/ | Last Journal: 24.04.2004 13:06 Uhr
"dass das staatsprogramm des ns eben darin bestand ohne jegliche rationale gründe 11 millionen menschen umbringen zu wollen."

Das ist zunächst eine sehr rationale Aussage über den von Dir konstatierten "deutschen Wahn". Machst Du Dich damit nicht gar mitschuldig, dass Du Dich diesem Wahn rational näherst? Das finde ich, gehört sich nicht! Du unverschämter Laubub! Autoritärer Charakter! ... Quatsch? Eben!

Zudem: Selbst wenn die Nazis so einem Wahn unterlegen haben, also ihr nationales Interesse aus lauter Fehlschlüssen speisten...also wie Postone schrieb, statt Nachschub an die Front zu bringen, die Vernichtungslager betrieben, was soll das genau bringen? Das ist deutsche, amerikanische, französische, arabische, japanische, kanadische Alltäglichkeit. Mit dem glücklichen Unterschied, dass Juden nicht ins Gas geschickt werden. Aber wenn ein bürgerlicher Politiker sagt, dass Arbeitgeber dazu da sind, Arbeitsplätze zu schaffen, das wäre ihr soziale Rolle usw. dann ist irrational wie nichts. Und nun? Was sagt das über die gesellschaftlichen "Zwecke, die da unterwegs sind". Nichts. Was wird gesagt, wenn man diese Reden von George Bush, die ständig vom Bekämpfen des Bösen handeln, als wohl ganz offenkundig irrational betitelt? Irrationalität hörst Du beim Bäcker, in der Uni, bei Aldi und im bundesdeutschen Parlament. Und?

I don't give a fuck about your war... or your president! Kurt Russel in "Escape from New York"

Re:Journalism Made In Germany (Score:1)
von abc am 22.11.2003 3:09 Uhr (#466)
User #150 Info
Kann deine Hörerlebnisse nur bestätigen. Radio Eins (meiner Wahrnehmung nach, der in Berlin meistgehörte) Sender wird bzgl USA-Bashing immer unerträglicher. Wenn nach den tendenziös-friedensdeutschen Nachrichten die NDW-Band "Mia" zum 100sten Mal mit "Was es ist" dudelt und danach der bekloppte Moderator für den von RadioEins präsentierten Michael Moore -"Hey Dude, where is my Country?"-Auftritt wirbt: (sinngemäß) "... die US-Amerikaner haben praktisch keinen Zugang zu kritischen Medien - ganz einfach weil es diese nicht gibt! Michael Moore will sich damit nicht abfinden und hat deswegen diese Filme und Bücher gemacht!". Spätestens dann schalte ich rüber zu BBC-World-Service. Weitere unerträglich "alternativ"-deutsche (TV)Sendungen sind beispielsweise "extra3" (NDR) und "Kanzlerbungalow" (WDR). Die genannten Sender und Sendungen überschneiden sich auch personell und haben anscheinend einen internen Wettbewerb ausgeschrieben, wer den perfidesten AntiAmerika-Beitrag unters Hörervolk bringt.
Flugblatt von Morgenland, Inc., zur Demo heute (Score:0)
von Pippi Langstrumpf am 21.11.2003 14:12 Uhr (#476)
... diesmal in Istanbul

„In Istanbul wurden am 15.11.2003 zwei Bombenanschläge gegen zwei Synagogen verübt“ sagen die Nachrichten. Bei dem Anschlag auf der Hauptsynagoge am Galata starben 25 Menschen. Über 300 wurden verletzt, zum Teil schwer. „Es könnte schlimmer sein“ sagen die Nachrichten. Grund: Zu diesem Zeitpunkt befanden sich 300-400 Besucher in der Synagoge! Gestern neue Anschläge: Diesmal 27 Menschen (Tendenz steigend), über 450 Verletzte. Ja, es kann schlimmer sein. „Keine Deutschen unter den Opfer“ sagen in Deutschland die Nachrichten. Aufatmen. Nur Juden. Und Muslime. Höchstens die obligatorische Verständnisfrage taucht ab und zu auf: „warum Muslime?“.
      Der Populärsoziologe Ulrich Beck feiert die Anschläge als „Globalisierung der Emotionen“ und versäumt es nicht die Heimatfront zur Bereitschaft aufzurufen: „Auch in Deutschland wird der immer labile historische Kompromiss des friedlichen, um Versöhnung ringenden Zusammenlebens von Juden und Nicht-Juden nun durch die Globalisierung der Emotionen unterspült, die durch die transnationale Verinnerlichung des israelisch-palästinensischen Konflikts ausgelöst wird.“

      Wir können nicht mehr davor warnen, Verständnis bei der Ermordung von Juden aufzubringen. Denn es ist längst da. Etablierter Gestank in den Massenmedien, in den Kommentaren, literarisch verarbeitet und theoretisch untermauert durch die intellektuellen, die linken, die liberalen Avantgarden. Formierte (klerikalfaschistische) und unformierte (europäische Mordkollektive, Zivilgesellschaften genannt) haben bereits Stellung bezogen.

      Die Anschläge haben auf die Ermordung von Juden gezielt und auf die Bestrafung derjenigen, die nicht nur keine Juden angreifen, sondern gemeinsam mit ihrer Regierung eine nicht-antisemitische Haltung einnehmen (sogar mit Israel kooperieren!). Die Ermordung von muslimische Menschen in Istanbul war kein "Kollateralschaden" der Täter sondern ein kalkuliertes Ziel.
      In Deutschland, in Europa und in der ganzen Welt fanden an diesen Tagen und finden seit einiger Zeit Massendemonstra-tionen statt. Nicht wegen der Anschläge. Versteht sich. Trotz der Anschläge. Es waren ja bloß die üblichen Anschläge gegen Juden und ihre Freunde. Nicht mal gewöhnungsbedürftig und auch als Wunsch längst nicht mehr nach Ausdruck suchend. Die Meute ist aufgebracht, marschiert auf den Strassen Deutschlands, Europas wg. Studiengebühren, wg. Globalisierung, wg. Sparmaßnahmen, wg. dem Castor. Es ist eine bewusste und ausdrückliche Entscheidung. Die Terminwahl, beispielsweise, für eine „Kommunismuskonferenz“, bei der großen Wert auf ihren „internationalen“ Charakter gelegt wurde, auf den 9. November mag als Zufall erscheinen. Es ist es nicht. Es sollte nicht vergessen werden, was der hervorgekehrte „Internationalismus“ stets in der Lage war zu tun, und wozu er auch in Zukunft bereit sein wird, wenn die Faktizität des mörderischen Antisemitismus sich nicht behaglich mit der „sozialen Frage“ verbinden lassen sollte.

      Die Anschläge haben höchstens motivierende Wirkung, sie vermitteln das Gefühl, in der großen Bewegung von Antiglobalisierung und Judenmord, von kommunistischem Eifer und antisemitischen Ekstasen, von Studenten- und Mauerbauproteste dabei zu sein, „mitzuwirken“. In der großen Familie der neue Protestbewegung angekommen und aufgenommen zu sein. Arbeitsteilig.

      Am 21.11.2003, um 18.00 (Heinrichplatz, Kreuzberg) demonstrieren wir unsere Wut und Abscheu gegen die neuen antisemitischen Mordanschläge in Istanbul und gedenken an die Menschen, die ihre Leben verlieren mussten, weil sie Juden waren, weil sie mit Juden zusammengelebt haben, weil sie in ihrer Nähe sich befanden, weil sie kein Problem damit hatten.
      Wir demonstrieren gleichzeitig gegen das antisemitische Mordkollektiv, das sich lange schon an die Arbeit gemacht hat, heute in Gestalt von klerikal-faschistischen Gruppen und ihren europäischen Klakeure , morgen als irgendein anderer Verein mit irgendeinem Schwerpunkt.

      Unsere Aufgabe ist und bleibt es, dort wo wir leben und wirken, dafür zu sorgen, dass Jüdinnen und Juden nicht nur keiner Bedrohung ausgesetzt werden, sondern auch sich am sichersten fühlen können. Wir stellen uns entschieden gegen die Allianz von deutschen und nichtdeutschen Antisemiten, gegen den Wahn von Mordkollektiven in all seine Bewegungs- und Protestformen.
      „Es lebe das christliche Europa, das freudenstrahlend dabeisteht, wenn Islamisten Juden in Europa in die Luft jagen, denn dann kann man endlich diese lästigen Kopftuchträger aus dem Land jagen und die Juden am besten nach Israel. Dann wird Europa endlich frei sein, wie man sich das ja schon so oft und früher erträumt hat. Die Juden sind euer Unglück, und die Muslime gleich dazu.“ (Aus „Kein Strassenfest mehr“ von Natan Sznaider, Professor für Soziologie am Academic College in Tel Aviv.)

Morgenland, Inc., 21.11.2003

Re:Journalism Made In Germany (Score:1)
von Danny Ocean am 21.11.2003 14:56 Uhr (#477)
User #170 Info | http://www.rote-ruhr-uni.org/ | Last Journal: 14.05.2004 14:04 Uhr
Die Reaktion einiger deutscher Medien auf die Anschläge ist geradezu ekelerregend. Zu beobachten ist u.a. dass gerade sogenannte Linksliberale kein Problem damit haben, aus den Morden der vergangenen Tage eine ihnen genehme Verschwörungstheorie zu stricken. Im öffentlich-rechtlichen Radio Eins (RBB) fühlte sich gestern ein Moderator dazu berufen über die "wahren Nutznießer" der Anschläge zu spekulieren. Er fragte also die London-Korrespondentin, sinngemäß, ob denn nicht die Anschläge dem aktuellen Bush-Blair-Treffen zu Gute kämen. Auch als die Korrespondentin ihm einen verbalen Vogel zeigte, konnte er von den geradezu bröckers'schen Assoziationen nicht ablassen... Das nennt man dann wohl "engagierten Investigativjournalismus" :-(

Bürgerliche Gesellschaft ist praktizierter Idealismus, das Subjekt ihr souveräner Ursprung. (Joachim Bruhn)

Re:Journalism Made In Germany (Score:2)
von clandestino (kailof2000 at yahoo.de) am 21.11.2003 15:33 Uhr (#478)
User #134 Info | http://x-berg.de/journal.pl?op=display&uid=134 | Last Journal: 18.05.2004 0:37 Uhr
Zum Kotzen auch der Auftritt des obligatorischen "Islamexperten" beim gestrigen "heute journal", der immer dann aus seiner Box springt, wenn Fundamentalisten Anschläge verüben (ist doch logisch: Moslems=Terroristen -> Islamexperte=Terrorismusexperte). Sein diesmaliger Name ist mir entfallen, ist bei der kompletten Austauschbarkeit dieser "Experten" aber auch nicht groß von Belang. Das ging etwa so: Muslime sind latent pro-islamistisch, sind der "westlich-rationellen Vernunft, wie ich es mal nennen möchte" kaum bis garnicht zugänglich und daher immer leichte Beute von Propagandisten des "Steinzeit-Islam". Klaus Kleber, kreidebleich: "Wie kann sich die westliche Zivilisation dagegen verteidigen?!" Auftritt Otto Schily...

"Gebt euch nicht mit Leuten ab, die Bonnie und Clyde für Gewaltverbrecher halten" Diane DiPrima

Re:@kleiner Antideutscher (Score:2)
von clandestino (kailof2000 at yahoo.de) am 21.11.2003 15:58 Uhr (#479)
User #134 Info | http://x-berg.de/journal.pl?op=display&uid=134 | Last Journal: 18.05.2004 0:37 Uhr
Der kleine Antideutsche bin ich zwar nicht, aber egal...
Du sagst dann "sie haben ja auch keinen anderen Staat, besser einen wo sie Mittel sind als einen wo man sie gleich um die Ecke bringen will!". Und genau an dieser Stelle wird die Sache krumm. Weil sowohl du als auch ich keine Staatenlenker mit Armeen sind, MÜSSENTEN WIR UNS EIGENTLICH AUCH NICHT ALS SOLCHE IMAGINIEREN, also Überlegungen darüber anstellen, welche Rolle in der Staatenwelt Israel zugedacht werden könnte. Nicht einmal die MG könnte Israel seine Existenz betreiten, sowenig wie du sie Israel geben kannst. Das ist mal das eine. Du denkst wie ein wirklicher Politiker, machst dir eine Betrachutungsweise zu eigen, die nur in der Phantasie besteht - so ähnlich wie ein Kommentator in der Zeitung, der sich auch immer in die Rolle des Außenministers denkt und von da aus kluge Ratschläge verbreitet.
In einer beschissen zugerichteten Welt, in der man überall als Mittel für Staat und Kapital herzuhalten hat, in der aber eben vorrangig jüdische Menschen (gleich dahinter rangieren die „Judenfreunde“) Ziel antisemitischen Terrors sind: Da gibt es wohl nicht nur nichts moralisches Haltbares, sondern auch nichts Vernünftiges gegen die Entscheidung um ihrer Existenz bangender jüdischer Menschen einzuwenden, sich jenes bürgerliche Nationalghetto unter den vielen als Wohnort auszusuchen, in dem sie davor sicher sind, vom „Volk“ zum allgemeinen Abschuß freigegeben zu werden. Der „Preis“ für diese Sicherheit- Mittel für den israelischen Nationalstaat zu sein- ist nicht höher als der für den legalen Aufenthalt in anderen bürgerlichen Staaten, wo diese Sicherheit aber nicht existiert. Israel hat in diesem Sinne sehr wohl die Funktion eines Zufluchtsortes, auch wenn das nicht Hauptzweck des bürgerlichen Staates Israel sein mag (wobei es ihn ohne den Wunsch nach einem Zufluchtsort für verfolgte Juden und Jüdinnen, praktisch: der zionistischen Bewegung, überhaupt nicht geben würde).
Daher finde ich es- wie schon gesagt- richtig, das dieser Ort existiert. Dieser Standpunkt macht die Sache aber ganz und garnicht „krumm“. „Krumm“ wird´s erst, wenn Leute aus Ohnmachts-Frustrationen heraus anfangen, sich als Wohltäter aufzuspielen, eine süßlich stinkende Liebe für „ihre“ Opfer (sie nennen das freilich „Solidarität“) zu entwickeln und aus dem Nahostkonflikt ein realpolitisches Kasperletheater für die Befriedigung privater Machtgeilheit zu machen; denn wie du ja sagst: “Nicht einmal die MG könnte Israel seine Existenz betreiten, sowenig wie du sie Israel geben kannst. Das ist mal das eine. Du denkst wie ein wirklicher Politiker, machst dir eine Betrachutungsweise zu eigen, die nur in der Phantasie besteht.“ Aber gegen den alltäglichen Antisemitismus am deutschen Mittagstisch vorzugehen, wenn sich mal wieder engagiert und einstimmig über die neuesten Nachrichten aus Nahost „ausgetauscht“ und sich vermeintlich unverfänglich in „Israelkritik“ ergangen wird („Wir Deutschen haben wenigstens aus dem Holocaust gelernt, aber die Juden kapieren´s einfach nie“) und zu sagen "Pfoten weg von Israel": das ist nicht "krumm", das ist richtig.

"Gebt euch nicht mit Leuten ab, die Bonnie und Clyde für Gewaltverbrecher halten" Diane DiPrima

Re:Journalism Made In Germany (Score:1, Interesting)
von Pippi Langstrumpf am 21.11.2003 18:40 Uhr (#484)
interessant ist auch die massenmediale motivforschung z.b. für mögliche anschlagsursachen, anstatt die anschläge als das zu nehmen,was sie sind: terrorrmittel,um ziele mit perfiden mitteln durchzusetzen. diese ziele werden aber nicht behandelt.
iss schon komisch, überall rennen jetzt antiimperiale anwälte durch die medien, um mittelalterliche ideologien zu verkaufen.
Re:@kleiner Antideutscher (Score:0)
von Pippi Langstrumpf am 21.11.2003 18:49 Uhr (#486)
clandestinos wohlmeinende einschätzung israels teile ich aus genau diesen gründen. nicht nur am dummdeutschen mittagstisch macht sich die perfide lehre der deutschen aus auschwitz bemerkbar,sondern auch in grossen teilen der linken ist diese haltung verankert - sozusagen der sieg des sauerbratens über den nica-kaffee.