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Mittwoch, 29. Juni 2016


„Das Leben von Dscha’far Asim-Sade ist in Gefahr“, „Dscha’far Asim-Sade muss freigelassen werden“, „Peitschenhiebe und Strafen für Arbeiter, die für ihre Rechte kämpfen, sind unmenschlich und werden von uns nicht akzeptiert .“

Dscha’far Asim-Sade, Leiter der Freien Arbeitergewerkschaft des Irans, ist heute den 62. Tag im Hungerstreik.

Eine Gruppe von UnterstützerInnen hat sich heute vor dem Amtssitz von Staatspräsident Rouhani versammelt und für die Freilassung von Dscha’far Asim-Sade demonstriert. In der Gruppe waren VertreterInnen der Lehrergewerkschaft, Arbeitergewerkschaft, StudentInnen und weitere Personen, aus Organisationen, die sich für Menschrechte und Demokratie einsetzen.

Polizei und Männer in Zivil, d.h. vom Geheimdienst waren vor Ort, haben beobachtet und fotografiert. Sie wollten die Demonstration auflösen. Die Demonstranten ließen sich aber nicht so leicht vertreiben. Ohne ein Gespräch mit einer verantwortlichen Person würden sie nicht nach Hause gehen.

Schließlich erreichten sie ihr Ziel und ein Mitglied der Arbeitergewerkschaft, ein Mitglied der Lehrergewerkschaft und die Schwester von Dscha’far Asim-Sade durften im Büro des Staatspräsidenten ihr Anliegen vortragen. Sie baten angesichts seines schlechten Gesundheitszustands für die Freilassung von Dscha’far und sei es auch nur für kurze Zeit. Ihre Forderungen wurden an Rouhani weitergeleitet.

Im Anschluss sind alle zusammen zum Sina-Krankenhaus gegangen um Dscha’far Asim-Sade zu besuchen.

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Im Iran gibt es zwei große Probleme, die mit diesem Foto symbolisiert werden: Schmuggel und Armut.

Man sieht hier zwei Lastenträger – sogenannte Kulbaran, die große Kühlschränke der Fa. Haier über die Grenze tragen. Die Menschen sind aufgrund ihrer Armut gezwungen, ihr Leben zu riskieren. Die Grenzpolizei hat das Recht auf diese Menschen zu schießen, was jedes Jahr viele Tote fordert.

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Auf diesem Foto ist ein wichtiger Mann der iranischen Staatsanwaltschaft abgebildet. Es handelt sich um Amir Ghotbi, den Leiter der Abteilung für Kultur und Medien, einem guten Freund des Generalstaatsanwalts von Teheran, Abbas Dscha°fari Doulat-Abad.

Amir Ghotbis Abteilung ist zuständig für das Überwachen der in Zeitungen verbreiteten Inhalte. Aufgrund guter Kontakte zum iranischen Geheimdienst fällt ihm dies besonders leicht. Auf sein Konto gehen zahlreiche Verbote von iranischen Zeitungen wie Aseman, Shargh, Etemad, usw. Darüber hinaus hat er immer wieder Künstler jeglicher Kunstrichtung, sei es MalerInnen, KarikaturistInnen, MusikerInnen verfolgt. Zuletzt hat er sein Aufgabengebiet auch auf Sportler und Sportlerinnen ausgedehnt. Aufgrund seiner Aktivitäten können viele Kulturschaffende ihren Beruf nicht mehr ausüben oder sind vor Gericht gekommen.

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Am Montag, den 27.6.2016 ist die Menschenrechtsaktivistin Narges Mohammadi, die gegenwärtig im Ewin-Gefägnis in Teheran inhaftiert ist, in den Hungerstreik getreten.


Menschenrechtsaktivistin Narges Mohammadi mit ihren Kindern

In einem offenen Brief hat sie die Gründe dafür erklärt. Sie fordert seit langer Zeit die Erlaubnis der Gefängnisverwaltung und der Justizbehörden, mit ihren Kindern in Kontakt treten zu können, und sei es nur per Telefon. Dieses Recht wird ihr verwehrt.

Ihre Kinder leben mit ihrem Mann zusammen im französischen Exil. Das Telefon ist die einzige Möglichkeit, mit ihren Kinder in Kontakt zu treten. Sie schreibt, dass das keine große Forderung sei, dass es nicht gegen das Gesetz oder irgendwelche Sicherheitsbestimmungen verstoße, mit ihren Kindern zu telefonieren. Es sei das gute Recht einer Mutter.

Narges Mohammadi hat vor ihrer jüngsten Festnahme im Mai 2015 als Vizepräsidentin für das Zentrum zur Verteidigung der Menschenrechte gearbeitet. Das ist das Institut der iranischen Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi.

Weitere Artikel zu Narges Mohammadi in diesem Blog

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Nationalismus, Neo-Autoritarismus und die Neubestimmung gesellschaftlicher Emanzipation

Fr. 30.9. – So. 2.10.2016    im   Tagungshaus Mühlrain (bei Kassel)

Während immer deutlicher wird, dass sich der destruktive Selbstlauf des globalisierten Kapitalismus jeder Kontrolle entzieht, wächst das Bedürfnis nach autoritären Antworten und regressven Kollektividentitäten. Immer mehr Menschen suchen Zuflucht in imaginierten Gemeinschaften nationalistischer, kulturalistischer oder religionistischer Prägung. Angesichts der empfundenen Ohnmacht gegenüber dem undurchschauten gesellschaftlichen Prozess verschafft diese Identifizierung ein Gefühl der Stärke und Sicherheit. Auch in der traditionellen Linken greifen solche regressiven Tendenzen um sich. Konnte vor einigen Jahren noch von einer „Krise der Politik“ gesprochen werden, so ist die Politik mittlerweile selbst zu einem eigenständigen, dynamischen Moment des Krisenprozesses geraten.

Das diesjährige Krisis-Seminar setzt sich mit dieser bedrohlichen Entwicklung auseinander und fragt, was ihr entgegengesetzt werden kann.

Freitag 30.9.

16.30 Uhr: Begrüßung und Vorstellung

17.00 – 18.30 Uhr: Vom „schlanken Staat“ zum „starken Mann“. Über die Logik der politischen Regression im Zeitalter des inversen Kapitalismus (Vortrag von Ernst Lohoff, Nürnberg)

18.30 Uhr: Abendessen

19.30 – 21.00 Uhr: Diskussion des Vortrags von Ernst Lohoff

Samstag 1.10.

9.00 – 12.30 Uhr (Workshops):

  1. Ausbruch aus dem Gehege von Markt und Staat. Kommunalisierung und Direkte Aktion gegen Krisenverwaltung und politische Regression. (Manfred Sohn, Göttingen)
  2. Die Nation als ideele Gesamtfamilie: Zu Form und Inhalt des Nationalismus (Oliver Lauenstein, Berlin)

Mittagessen

15.00 – 18.30 Uhr (Workshops)

  1. Commonismus. Von der Wertkritik zur Aufhebung des Kapitalismus (Stefan Meretz, Bonn)
  2. Von der Ohnmacht zum Allmächtigen. Islamismus im kapitalistischen Krisenprozess (Karl Heinz Lewed, Nürnberg)

18.30 Uhr Abendessen

Sonntag 2.10.

9.00 – 11.30 Uhr: Mutanten der Krise. Über die Transformation regressiver Identitäten und die Bedingungen gesellschaftlicher Emanzipation (Vortrag mit Diskussion von Norbert Trenkle, Nürnberg)

11.45 – 12.30 Uhr: Abschlussdiskussion

Mittagessen und Abreise

Organisatorisches:

Die Kosten für Unterkunft und Verpflegung betragen 75 € (Doppelzimmer) und 95 € (Einzelzimmer) sowie zum ermäßigten Beitrag 40 € (Selbsteinstufung). Da wir das Seminar ohne finanzielle Unterstützung durchführen, freuen wir uns über Spenden zusätzlich zum Tagungsbeitrag.

Um schnelle Anmeldung wird gebeten, da die Anzahl der Plätze begrenzt ist. Einzelzimmer stehen nur begrenzt zur Verfügung und werden nach Eingang der Anmeldungen vergeben. Tagesgäste sind willkommen und können gegen Bezahlung am Essen teilnehmen.

Adresse: Tagungshaus Mühlrain, Zum Mühlrain 1, 34593 Knüllwald-Niederbeisheim, Telefon: 05685-2790190. Web: http://tagungshaus-muehlrain.com

Die Anfahrt mit dem Zug erfolgt zum Bahnhof Malsfeld. Von dort gibt es bei Bedarf einen Abholservice. Sagt daher bitte spätestens zwei Tage vorher Bescheid, wann ihr anreist: krisisweb@yahoo.de

______________________________________________________________________________

Anmeldung zum Krisis-Seminar Vorwärts in die Regression?

per Mail an krisisweb@yahoo.de oder

postalisch an Krisis e.V., Postfach 81 02 69, 90247 Nürnberg

Name:

Adresse:

O im Doppelzimmer (75 €)

O im Einzelzimmer (95 €)

O zum ermäßigten Beitrag (40 €)

O als Tagesgast am:

O ich esse nur vegetarisch / vegan (bitte unterstreichen

Die Kosten für Übernachtung und Verpflegung bitte bis zum 21.9.2016 überweisen:

Förderverein Krisis IBAN: DE97 7601 0085 0300 1148 59, Postbank Nbg. BIC: PBNKDEFF

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Im Jahre 2009 bekam der unter der Verantwortung von Jason Reitman gedrehte Film Up in the Air den Golden Globe für das beste Drehbuch. In der Hauptrolle agiert George Clooney als Ryan Bingham, der einen ganz bizarren Job ausübt: er reist durch die Welt und kündigt den Mitarbeiter*innen von Firmen, die sich den damit verbundenen emotionalen Stress nicht selber aufbürden wollen. Am Ende nun kommt es, wie es kommen muss: auch seine Stelle wird wegrationalisiert und die Frau, die seine (und die Stelle seiner Kollegen) übernimmt, setzt ihn vor die Tür.

Der Film verweist dabei auf eine gesellschaftliche Entwicklung, die in den letzten Jahren und Jahrzehnten vor unseren Augen vor sich gegangen ist. Allerdings geht der Trend dabei weniger zum Ausschluss der Menschen aus dem Arbeitsleben (wie die Metapher von der Kündigung nahelegt), sondern zu deren zunehmend prekären Einbindung in Verhältnisse, die immer stärker als verunsichernd und beängstigend wahrgenommen werden.

Auch in den Sozialwissenschaften ist dieser Trend nicht unbemerkt geblieben. Oliver Nachtwey hat nun mit Die Abstiegsgesellschaft. Über das Aufbegehren in der regressiven Moderne eine Studie veröffentlicht, in der er unterschiedliche Aspekte dieser Entwicklungen zusammenzubringen versucht. Das Ergebnis kann sich lesen lassen.

Das 233 Seiten fassende Buch ist aus einer von wertkritischer Krisentheorie inspirierten Perspektive heraus insbesondere deshalb interessant, weil Nachtwey bei seiner Darstellung der kapitalistischen Modernisierung einen Bruch in den 1970er Jahren verortet. Bis dahin lasse sich der kapitalistische Modernisierungsprozess als Fortschrittsgeschichte verstehen. Insbesondere in den Jahren nach dem 2. Weltkrieg habe sich eine „soziale Moderne“ herausgebildet, die immer weitere Teile der Menschen integriert und ihnen damit verbesserte Lebenschancen ermöglicht habe. In diesem Sinne beschreibt Nachtwey die Kämpfe der Arbeiter*innen-Bewegung als einen (in weiten Teilen und sehr lange) erfolgreichen Kampf um Integration in diese Gesellschaft. Eine verstärkte tarifliche und gesetzliche Absicherung der Einzelnen ermöglichte eine steigende Lebensqualität mit stetig steigenden Löhnen, Arbeitsschutz auf hohem Niveau, Mitbestimmung über Betriebsräte etc. Im Zuge dessen habe sich ein tarifvertraglich abgesichertes Normalarbeitsverhältnis herausgebildet, das lange Zeit als selbstverständlich galt.

Diese Entwicklung habe in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts einen Knacks bekommen, weil der Kapitalismus aufgrund einer Überproduktionskrise (!) seine eigene ökonomische Basis nicht mehr erhöhen konnte. Die nicht mehr investierbaren Geldern seien daher an die Finanzmärkte geflossen und haben dort zu den Entwicklungen geführt, die heute unter dem Begriff Finanzmarktkapitalismus diskutiert würden. Ganz ausdrücklich betont er, die traditionelle linke Sicht, die in der Ausdehnung der Finanzmärkte die Ursache für die Krise sieht, sei falsch und drehe die Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge um. Tatsächlich sei sie die Folge der Überproduktionskrise und somit ein Krisenlösungsversuch innerhalb der kapitalistischen Moderne. Im Zuge dieser Entwicklung seien die Wachstumsraten jedoch zusammengebrochen, so dass wir heute faktisch in einem Postwachstumkapitalismus leben.

Dieser Postwachstumskapitalismus nun zeichne sich (neben den marginalen Wachstumsmargen) durch eine Reihe von Strukturmerkmalen aus, von denen hier drei kurz benannt werden sollen. Zum einen kommt es zu einem relativen Aufstieg von bislang gesellschaftlich marginalisierten Gruppen. Für Frauen, Migrant*innen und Homosexuelle etwa haben sich die Teilhabe-Chancen in den letzten 40 Jahren durchaus verbessert. Diese Entwicklung wird jedoch von der gegenteiligen Dynamik begleitet, dass sich die Unterschiede zwischen Arm und Reich vergrößert haben. Wir haben es also mit dem doppelten Prozess zu tun, dass die soziale Ungleichheit auf einer horizontalen Ebene (zwischen den Geschlechtern, den Ethnien, den sexuellen Orientierungen etc.) abnimmt, während sie auf einer vertikalen Ebene (zwischen Klassen, Schichten und Milieus) zunimmt. Damit einhergehend nimmt auch die soziale Ungleichheit zwischen Frauen zu, während gleichzeitig die soziale Ungleichheit zwischen Frauen und Männern (zumindest relativ) abnimmt.

Ein zweites Strukturmerkmal dieser neuen Epoche stellt die Desintegration dar. Während in der „sozialen Moderne“ gesellschaftliche Institutionen und Sicherheiten aufgebaut wurden, werden diese nun wieder abgeräumt. Die Menschen werden dabei jedoch (zumindest in Deutschland und in der überwiegenden Zahl der Fälle) nicht einfach aus dem Prozess herausgeworfen, sondern bleiben prekär integriert. Dabei sind jedoch die Angst vor der Exklusion und das Bemühen um die Aufrechterhaltung des prekären Inklusionsstatus die vorherrschenden Antriebsmomente der postmodern verunsicherten Arbeitssubjekte.

Das dritte Strukturmerkmal wird in den Politikwissenschaften unter der Überschrift „Postdemokratie“ diskutiert: in weiten Teilen der Gesellschaft hat sich die Wahrnehmung eingeschlichen, dass die Demokratie zwar formal noch existiert, an diese Existenz aber kaum reale Einflussmöglichkeiten gebunden sind. Die integrativen Funktionen der
Staatsbürgerschaft, die aus den Menschen einst einen politischen Souverän machen sollten, werden mehr und mehr durch die vereinzelnden Strukturen der Marktbürgerschaft abgelöst. Das politische Geschehen wird zunehmend als Verwaltung von Sachzwängen wahrgenommen und die Bürger*innen, die als Arbeitssubjekte in zunehmend prekäre Lebens- und Arbeitsverhältnisse eingebunden werden, nehmen dies als einen Ausschlussmechanismus wahr: Obwohl sie sich solche Mühe geben und alles tun, was von ihnen verlangt wird, scheint sich doch niemand für sie zu interessieren.

Diese neue soziale Konstitution bezeichnet Nachtwey im Anschluss an Ulrich Beck als „regressive Moderne“: obwohl die allgemeinen (Form-)Bestimmungen der modernen, kapitalistischen Gesellschaft noch immer hegemonial seien, sei es in der Realität immer weniger möglich, die einst daran geknüpften relativen Emanzipationsversprechen zu realisieren. Die Rolltreppe, so veranschaulicht er diese Überlegung, fahre nicht mehr wie in der „sozialen Moderne“ nach oben, sondern nach unten. Sicherlich gebe es noch immer die Möglichkeit von sozialem Aufstieg, aber die sei nur unter erschwerten Bedingungen und in seltenen Ausnahmefällen möglich. Der gesellschaftliche Trend hingegen treibe in Richtung Prekarisierung und einem damit verbundenen gesellschaftlichen Abstieg. Daher nennt Nachtwey diese Gesellschaft auch eine „Abstiegsgesellschaft“.

Da es weniger Ausschluss (Exklusion) als vielmehr die Prekarisierung des Eingebundenseins in die kapitalistische Gesellschaft ist, die Nachtwey problematisiert, tritt der eingangs gezogene Vergleich mit Up in the Air auch nur sehr bedingt zu. Wesentlich anschaulicher finden sich die Auswirkungen dieser Entwicklung auf die realen Arbeitsprozesse und Lebensweisen der postmodern-verunsicherten Subjekte im 2001 von Ken Loach unter die Titel The Navigators in die Kinos gebrachten Film über die Privatisierung der britischen Eisenbahn dargestellt. Hier führt die zunehmende Verschlechterung der Arbeitsbedingungen und die allgemeine Verunsicherung der Arbeitenden schließlich zum Tod eines Kollegen – dessen wahre Todesursache diese im Anschluss zu vertuschen suchen, um ihre eigenen prekarisierten Jobs nicht zu gefährden.

Nachtwey erklärt nun aus dem Zusammenwirken der drei Strukturmerkmale dieser Abstiegsgesellschaft (die Widersprüchliche Dynamik gesellschaftlichen Auf- und Abstiegs, die Desintegrationstendenz und die Postdemokratie) die Ausgangssichtuation für eine zunehmende Verhaltensunsicherheit bei den Individuen. Einerseits sei sowohl eine Krise der Demokratie als auch eine Krise der Ökonomie zu diagnostizieren – andererseits gäbe es aber keine emanzipatorische Antwort auf diese Herausforderung. Die neuen Protestbewegungen (er benennt die neue Streikbewegung mit der GdL, den Verdi-Erzieherinnen, Cockpit etc. sowie den Organizing-Kampagnen der Gewerkschaften; Occupy inkl. Podemos und Syriza; die Stuttgarter Wutbürger; Pegida) seien eine Reaktion auf diese Verunsicherung. Hier sei es für die Linke nun wichtig, emanzipatorische Auswege aufzuzeigen, damit die vorhandene Unsicherheit und zunehmende Verzweiflung nicht in reaktionären Krisenlösungsstrategien stecken bleibe.

Vor dem Hintergrund der von der Krisis-Gruppe entwickelten Krisentheorie mag es der Arbeit von Nachtwey an vielen Stellen an begrifflicher Schärfe mangeln, doch trotz allem verweist sie sehr anschaulich auf Brüche in der kapitalistischen Gesellschaft, die ersichtlich auf den fundamentalen Krisenprozess zurückzuführen sind. Zudem stellt sie viele Zusammenhänge zwischen ökonomischen, politischen und ideologischen Veränderungen her und weist so viele Anknüpfungspunkte auch für eine tiefergehende Analyse auf.

Oliver Nachtwey: Die Abstiegsgesellschaft – Über das Aufbegehren in der regressiven Moderne
Frankfurt am Main : Suhrkamp 2016
264 Seiten

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Montag, 27. Juni 2016


Dscha’far Asim-Sade, Leiter der Freien Arbeitergewerkschaft des Irans, im Gefängnis

Dscha’far Asim-Sade, Leiter der Freien Arbeitergewerkschaft des Irans (Ettehadiye-ye Azad-e Kargaran-e Iran), war am 10. Esfand 1393 (Anfang 2015) von der 15. Kammer des Revolutionstribunals in Teheran vom berüchtigten Richter Salawati zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt worden. Er ist seit sechzig Tagen im Hungerstreik, um gegen das unfaire Gerichtsurteil zu protestieren. Derzeit wird er mit Infusion ernährt, heute ist er ohnmächtig geworden. Sein Gesundheitszustand ist besorgniserregend. Der Generalstaatsanwalt von Teheran, Abbas Dscha°fari Doulat-Abad hat am Samstag gegenüber der Ehefrau des Gefangenen erklärt, er werde nichts für den Gefangenen tun, auch wenn er sterbe.

http://www.akhbar-rooz.com/article.jsp?essayId=74362
vom 7. Tir 1395 (27. Juni 2016)
shast ruze e°tesabe ghad_a: emruz, doshanbeye hafte tir, ja°far °azim-zade bihush shode

https://fa.wikipedia.org/wiki/%D8%AC%D8%B9%D9%81%D8%B1_%D8%B9%D8%B8%DB%8C%D9%85_%D8%B2%D8%A7%D8%AF%D9%87

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Hodschat ol-Eslam Ali-Akbar Nateq Nuri

Ali-Akbar Nateq Nuri, ehemaliger Innenminister des Irans von 1981-1985, ehemaliger Parlamentspräsident, gescheiterter Präsidentschaftskandidat gegen Chatami bei den Wahlen von 1997, heute Mitglied des Rats zur Wahrung der Interessen des Systems und Leiter des Sonderermittlungsbüros des Religiösen Führers der Islamischen Republik Iran ist wahrlich niemand, den man als Reformpolitiker bezeichnen könnte. Umso schwerer wiegen seine jüngsten Äußerungen, die am Sonntagabend von der Nachrichtenagentur ISNA verbreitet wurden. Er hatte sie anlässlich des 21. Tags des Fastenmonats Ramadan am Grab von Ajatollah Chomeini gemacht, dem Begründer der Islamischen Republik. Er sagte: „In den 37 vergangenen Jahren ging es bei uns in vielen Dingen bergab. Angesichts dieser Tatsache können wir nicht behaupten, dass wir ein Modell für andere sind.“
Das klingt anders, als die Worte des Oberbefehlshabers der Pasdaran oder des Religiösen Führers Ajatollah Chamene’i. Ajatollah Chamene’i hatte vor fünf Jahren sogar ein Institut mit dem Namen „Markaze Olguye Eslamiye Iraniye Pishrafte“ ins Leben gerufen, was soviel heißt wie: Zentrum des fortgeschrittenen iranischen islamischen Modells. Das Zentrum hat inzwischen vier Konferenzen zu diesem Thema abgehalten, Geld ist ja da.
Als Leiter des Sonderermittlungsbüros des Religiösen Führers hat Nateq Nuri zudem Kontakt mit allen möglichen Menschen, die an der korrupten Justiz scheitern und sich an seine Behörde als letzte Rettung wenden. Er scheint dabei soviel Einblicke in den real existierenden Islamischen Staat gewonnen zu haben, dass er – allen islamistischen Idealen zum Trotz – zumindest verstanden hat, dass dieses System zum Vorzeigen wenig hergibt.
So sagt er auch: „Heutzutage erleben wir auch, dass ständig die eine Gruppe schlecht über die andere Gruppe redet, und die andere Gruppe schlecht über die eine. Unter solchen Umständen sagen die normalen Menschen: Die sind doch alle korrupt.“

http://www.radiofarda.com/content/f8-nategh/27822729.html
vom 7. Tir 1395 (27. Juni 2016)
Nateq Nuri: Dar besyari az masa’el seyre qahqara’i dashte‘im

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Vergangenen Donnerstag war es in Maschhad zu einer Versammlung in der „Proma“-Passage in Maschhad gekommen, zu der Jugendliche über Telegram-Messenger aufgerufen hatten. Eine Reihe Teilnehmer wurden festgenommen und wieder freigelassen, nachdem sie „Reue“ gezeigt hatten, ein 19-Jähriger und ein 20-Jähriger wurden als „Aufrufer“ in Haft genommen. Sie sollen erklärt haben, sie hätten den Teheranern nur zeigen wollen, dass man in Maschhad so was auch auf die Beine bekomme. In Teheran hatten Jugendliche unlängst in der Kurusch-Passage eine ähnliche Aktion gestartet.
Anmerkung: Soweit die Angaben über Telegram-Messenger bei wikipedia.de richtig sind, ist die Plattform Telegram-Messenger gegen polizeistaatliche Verfolgung anfällig:
„Die versendeten Nachrichten werden unverschlüsselt auf dem Speicher des Gerätes abgelegt und können daher von einem Angreifer mit Zugriff auf das Gerät ohne weiteres ausgelesen werden.“ Wie man sieht, reicht es, eine Reihe von Teilnehmern festzunehmen und deren Handys einzusammeln, dann muss man nur noch die Speicher auslesen…

http://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=111372
vom 6. Tir 1395 (26. Juni 2016)
dastgiriye da°wat-konandegane mitinge daheye haftadi-haye mashhad

https://de.wikipedia.org/wiki/Telegram_Messenger

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Mehr als 200 Arbeiter der Polyacryl-Werke von Isfahan haben sich am Sonntag vor der Sicherheitsbehörde (Farmandari) des Kreises Mobareke versammelt, um gegen die ausstehenden Löhne und Prämien für dieses Jahr und einen Teil des letzten Jahrs zu protestieren und um die Behörde um Unterstützung bei ihren Forderungen zu bitten. Von den ausstehenden Lohnzahlungen sind sowohl Arbeiter mit 1-Jahr-Arbeitsverträgen und Leiharbeiter betroffen, also ein Personenkreis, der sich besonders schlecht wehren kann. Umso beachtlicher, dass sich die Betroffenen trotzdem an die Öffentlichkeit wagten, denn eine Entlassung ist unter den herrschenden Bedingungen im Iran kein Problem.

http://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=111344
vom 6. Tir 1395 (26. Juni 2016)
kargarane poli akril moqabele farmandariye mobareke tajammo° kardand

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Gespräche zwischen Türkei und Syrien über die Kurden – Iran im Hintergrund?

Laut Meldungen der iranischen Nachrichtenagentur IRNA kam es vergangenen Freitag und Samstag (24./25. Juni 2016) in der Region Mahabad zu einer bewaffneten Auseinandersetzung zwischen den iranischen Pasdaran und Kämpfern der Demokratischen Partei Kurdistans im Iran DPK/I. Laut Darstellung der staatlichen IRNA seien die Kurden „zur Durchführung propagandistischer und terroristischer Aktivitäten“ in die Dörfer gegangen und dabei von den Pasdaran enttarnt worden. Darauf sei es zu einem Gefecht zwischen den bewaffneten Kräften gekommen.
Anmerkung: Der Hergang wird von den iranischen Amtsstellen ähnlich dargestellt wie in der Vorwoche in Oschnawije. Demnach sind die Vertreter der DPK/I in die Dörfer gegangen, wurden entdeckt und von den Pasdaran angegriffen. Sollte die amtliche Darstellung in diesem Punkt zutreffen, würde das für ein ausgebautes Spitzelsystem des iranischen Staats sprechen, was nach 37 Jahren an der Macht freilich auch kein großes Kunstwerk wäre. Beachtlich ist vielmehr, dass der Staat die Kurden in den 37 Jahren nicht klein gekriegt hat, obwohl es an Brutalität und Massakern nicht fehlte.
Die bewaffneten Angriffe gingen nach amtlicher Darstellung in beiden Fällen von den Pasdaran aus. Dies könnte ein weiteres Indiz auf ein koordiniertes Vorgehen zwischen den Regierungen der Türkei, Syriens und des Irans gegen die Kurden sein. So berichtet die kurdische Webseite kurdpress am 25.06.2016 von geheimen Treffen zwischen Türkei und Syrien in Algerien, unter der Aufsicht des Irans.

http://news.gooya.com/politics/archives/2016/06/214090.php
vom 5. Tir 1395 (25. Juni 2016)
dar-giriye mosallahane beyne sepah wa hezbe demokrat dar kordestan edame darad

http://www.kurdpress.ir/En/NSite/FullStory/News/?Id=13548#Title=%0A%09%09%09%09%09%09%09%09Syria%20and%20Turkey%20have%20been%20in%20talks%20in%20Algeria%0A%09%09%09%09%09%09%09
vom 25.06.2016
Syria and Turkey have been in talks in Algeria

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Hassan Nasrollah

Hassan Nasrollah, der Führer der Hisbollah im Libanon, hat kürzlich angesichts neuer finanzieller Sanktionen der USA gegen seine Organisation erklärt:
„Die neue Runde von US-Sanktionen wird keinen Einfluss auf die Organisation haben, denn die Hisbollah deckt ihre finanziellen Bedürfnisse nicht über die libanesischen Banken, sondern erhält die Mittel direkt aus dem Iran.“
Laut einer Meldung von AFP soll Hassan Nasrollah letzten Freitag gegenüber dem in Beirut ansässigen Sender Al-Manar (Der Leuchtturm) erklärt haben: „Hinsichtlich des Budgets der Hisbollah halten wir nichts geheim. Unsere Einnahmen, unsere Ausgaben, alles was gegessen und getrunken wird, die Raketen und die anderen Fernwaffen, alles erhalten wir aus dem Iran.“

http://news.gooya.com/politics/archives/2016/06/214089.php
vom Samstag, 5. Tir 1395 (25. Juni 2016)
Hassan Nasrollah: ta zamani ke iran pul darad, ma ham pul darim

https://de.wikipedia.org/wiki/Al-Manar

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Auch im Iran gibt es eine Reihe von Nationalparks, in denen Pflanzen oder Tiere unter Schutz stehen. Und auch im Iran gilt: Ein Gesetz gilt nichts, wenn man die Einhaltung nicht überwacht. Also gibt es in den Parks Ranger oder Nationalparkwächter.
Hamid-Resa Childar, der Kommandant der Wacheinheit der iranischen Umweltschutzbehörde, erklärte, dass sie 5000 Kräfte zu wenig hätten. Das führt dazu, dass die Angestellten im Monat 18 Schichten zu 24 Stunden (!) schieben müssen statt vereinbarten 10. Und von 256 Überstunden bekommen sie nur 60 bezahlt.
Die Arbeitslosigkeit muss schon verheerend sein, wenn man sich darauf einlässt.
Aber genau aus dem selben Grund nützen auch die Wächter wenig. Denn die Wilderer, die Gegenspieler, leben im selben Land und sind in der gleichen Lage.
Da hilft kein Appell an den Umweltschutz und kein Spruch, dass wir die Erde nur von unseren Kindern geliehen haben. Hier geht es um einen Kampf ums Überleben zwischen den größten Raubtieren, den Menschen. Die Wilderer zögern nicht, auf die Wächter zu schießen, und haben in den letzten zwei Tagen drei Ranger erschossen.
Der Kampf zwischen Wächtern und Wilderern erfolgt mit ungleichen Spießen. Denn es ist schon passiert, dass ein Wächter im Gefecht einen Wilderer erschossen hat. Darauf bekam er es mit dessen Angehörigen zu tun, die nach den Gesetzen der Scharia das Recht haben, Gleiches mit Gleichem zu vergelten. Selbst wenn der Park-Ranger nicht hingerichtet wird, es kann ihm eine lange Gefängnisstrafe blühen, und solche Fälle sind bekannt.
Anmerkung: Auch nach deutschem Recht müsste ein Ranger die Verhältnismäßigkeit der Mittel wahren, was in der Regel bedeutet, dass er keinen Wilderer erschießen dürfte, wenn er nicht in Notwehr handelt.

http://www.radiofarda.com/content/f14-3-environmental-guards-killed-in-iran-in-3-days/27820061.html
vom 7. Tir 1395 (27. Juni 2016)
qatle se mohitbane irani dar do ruz be daste shekarchiyane gheyre qanuni

http://www.radiofarda.com/media/photogallery/f3-hunters-killed-environment-protectors/27822624.html
Quelle der Karikatur: tofang-ra zamin begod_ar : Leg das Gewehr nieder

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Freitag, 24. Juni 2016

BREXIT

Ich richte hier einmal eine Pinnwand zum Brexit ein, weil der wird sicher viele beschäftigen.

Alles, was zur EU und deren Zentrifugalkräften zu sagen ist, habe ich bereits im Dezember geschrieben, da hat sich nichts geändert.

 


"People demand freedom of speech as a compensation for the freedom of thought which they seldom use." (Sören Kierkegaard)

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