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Dienstag, 21. Mai 2013

Trauer um ein Bandmitglied der Doors, dessen eigenständige musikalische Entwicklung nie so richtig im Rampenlicht gestanden hatte. http://www.gmx.net/themen/unterhaltung/musik/28ae0zo-the-doors-musiker-gestorben#.hero.%22The%20Doors%22-Musiker%20gestorben.611.874

Montag, 20. Mai 2013

Die taz meldet: "Zwei neue Umfragen zu Steuererhöhungen und der Vermögensverteilung in Deutschland kommen zu gegenteiligen Ergebnissen. TNS Infratest ermittelte im Auftrag des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes eine Dreiviertelmehrheit in der Bevölkerung, die sich für eine stärkere Besteuerung hoher Einkommen und Vermögen ausspricht. Eine Emnid-Umfrage im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) zu den Steuerplänen der Opposition kommt hingegen...

Musik: Microphone Mafia (Hip Hop Köln) und Yahye Adan Dualle (Hip Hop Frankfurt) Kulturbeiträge: JoG und GRIPS-Theater Berlin Eintritt frei www.konferenz.jogspace.net/gala www.facebook.com/events/332921610167722/ Anlässlich der Innenministerkonferenz in Hannover, könnt ihr mit uns den Abschiebeminister 2013 wählen. Mit diesem Negativpreis zeichnen junge Flüchtlinge jährlich einen Landesinnenminister für besonders unmenschliche Flüchtlingspolitik aus. Paralell...

In Sardascht (iranische Region West-Aserbaidschan) sind am Sonntag, den 19.05.2013, zwei Angehörige der iranischen Bassidschi-Milizen bei einem Gefecht mit Peschwak-Kämpfern (eine kurdische Organisation) ums Leben gekommen. Heute wurden die beiden Toten in Beisein von Vertretern der Behörden und des zuständigen Imams in ihrem Heimatort bestattet.

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Irans neueste Rakete: H.araz (Der Talisman)

Irans Verteidigungsminister Ahmadi Wahidi präsentiert die neueste Errungenschaft der iranischen Raketenindustrie: Die Rakete H.araz. Wie er erklärt, stammt das Wort aus dem Arabischen und bedeutet soviel wie Talisman, der Böses abwehrt.
Was er nicht erklärt, ist die Tatsache, dass diese Rakete wie ihre Vorgänger im Wesentlichen ein Puzzle aus Teilen russischer, chinesischer und nordkoreanischer Produktion darstellen, den Iranern blieb die Aufgabe, das Puzzle zusammenzusetzen.
Der iranische Bestandteil am Ganzen ist der Name – ein arabischer!
Und echt iranisch ist wohl nur der Glaube daran, dass ein Talisman zur Abwehr des Bösen hilft. Seinerzeit hatte Ajatollah Chomeini an die Jugendlichen, die er als Kanonenfutter in den Krieg gegen den Iran schickte, mit Schlüsseln ausrüsten lassen, die ihnen das Tor zum Paradies öffnen sollten.

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Die ursprüngliche Bedeutung volkstümlicher Sprechweisen ist etwas, mit dem ich als Alltagshistoriker mich regelmäßig beschäftige und die ich hochinteressant finde. Als das öffentliche Waschen der Hausfrauen auf den Ratsbleichenum 1800 herum mehr und mehr von professionellen Waschfrauen übernommen wurde, die die Wäsche in den Haushalten, die in der Lage waren sie zu bezahlen abholten und dort auch wieder ablieferten erlangten diese Waschweiber eine wichtge...


Mohammad Bagher Qalibaf

Hell’s Angel for President
Der General der Pasdaran (Revolutionswächter), der ehemalige Polizeichef des Irans und jetzige Oberbürgermeister von Teheran gehört zu den Kandidaten für die kommenden Präsidentschaftswahlen, der die volle Unterstützung des Religiösen Führers Ajatollah Chamene‘i genießt. Wes Geistes Kind er ist, zeigte er kürzlich auf einer Veranstaltung vor Mitgliedern der paramilitärischen Bassidschi-Miliz, die vor knapp zwei Wochen in Teheran stattfand. Als ihn anwesende Bassidschis darauf ansprachen, sie hätten gehört, er habe sich von Mussawi und Karubi nicht energisch distanziert und hege Sympathien für sie, explodierte er fast und legte den Anwesenden dar, was er alles getan hat, um diese unglaubliche Unterstellung von sich zu weisen. Hier Auszüge aus seinen Äußerungen, die inzwischen auch auf CDs gebrannt wurden und im Land verbreitet werden:

da bin ich auch einer von denen, die mit dem Knüppel zuschlagen
„Ich saß im Jahr 78 (1999) auf einem 1000 ccm-Motorrad und war einer von denen, die mit dem Knüppel zugeschlagen haben. Den Brief der Pasdaran-Befehlshaber an die Spitze der Pasdaran (erg.: Chatami auszubremsen) habe ich verfasst. Als sich ’78 (1999) die Vorfälle im Studentenviertel ereigneten, war ich es, der den besagten Brief geschrieben hat. Ich und Herr Soleymani. Als sie (erg.: die Studenten) auf die Straße gingen, um zum Sitz des Religiösen Führers zu marschieren, war ich der Befehlshaber der Luftstreitkräfte der Pasdaran. Ein Bild von mir, wie ich auf einem 1000 ccm-Motorrad mit dem Knüppel in der Hand sitze, existiert noch. Ich war mit Hossein Chaleqi zusammen. Ich stand damals mitten auf der Straße, um die Leute einzusammeln (= festzunehmen).

und ich bin stolz darauf
Dort, wo es nötig ist, auf die Straße zu gehen und zuzuschlagen, da bin ich auch einer von denen, die mit dem Knüppel zuschlagen. Und ich bin stolz darauf. Ich habe nicht darauf geachtet, ob ich General bin oder Befehlshaber, und mich nicht gefragt, was hast du auf der Straße verloren?
Im Jahre 82 (2003) (erg.: als es weitere Studentenproteste gab), war ich 25 Tage lang auf der Straße mitten im Gefecht. Im Jahr 82 – nachdem das Studentenviertel in Brand gesteckt worde (erg.: auch das ein Werk der Pasdaran), und nach dem Vorfall von Tarascht (erg.: der Stadtteil, wo das Studentenviertel liegt), habe ich auf der Sitzung des Nationalen Sicherheitsrats mit den Anwesenden gestritten und scharfe Kritik geübt und mich nicht um die auf dieser Sitzung herrschenden Sitten gekümmert. Dort habe ich gesagt: „Jeder, der heute abend ins Studentenviertel geht und an den Aktionen teilnehmen will, den werde ich als Befehlshaber der NAJA (einer Polizei-Einheit) zerdrücken und die Leute einsammeln. Asis Dscha‘fari ist mein Zeuge (erg.: heute Oberbefehlshaber der Pasdaran).

Ich habe den Schießbefehl erwirkt
Mit meinem Auftritt auf der Sitzung habe ich den Nationalen Sicherheitsrat gezwungen, den Beschluss zu fassen, militärische Einheiten in das Studentenviertel zu entsenden und der NAJA den Schießbefehl zu erteilen.“

Anmerkung: Im Iran dürfen seit über 25 Jahren nur noch die Sicherheitskräfte 1000 ccm-Motorräder verwenden.

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Gestern ganz politisch unkorrekt den Rinder- und Lämmermörder gemacht: Barbeque. Heute dann Spargel satt, Bier, Weißwein, Tequila. Man gönnt sich ja sonst alles....

Wenn ich mir dieses Posting von vor 6 Jahren angucke muss ich hinsichtlich aktueller Blogdebatten innerlich schon ziemlich grinsen. http://che2001.blogger.de/stories/413958/#comments

Vortrag und Diskussion mit Norbert Trenkle

Dienstag, 21.Mai um 19:30 Uhr, Trier, Mehrgenerationenhaus, Balduinstrasse 6

Warum Spekulation und Staatsverschuldung nicht die Ursache der Krise sind

Die öffentliche Debatte über die anhaltende Wirtschafts- und Finanzkrise zeichnet sich durch allgemeine Verwirrung aus: Der Volkszorn von links bis rechts macht wahlweise die »gierigen Banker« oder die »faulen Südländer« verantwortlich; die politische Klasse agiert wie ein Hobbyklempner, der hier und da ein paar Rohre flickt, während der Keller voll Wasser läuft; und die ehrlicheren Vertreter_innen der Volkswirtschaftslehre geben offen zu, dass ihre Disziplin vollkommen ratlos ist. Tatsächlich jedoch stellen sich die Ursachen der Krise, kritisch betrachtet, alles andere als rätselhaft dar. Das jahrzehntelange Aufblähen des Finanzüberbaus ist keinesfalls die Ursache der gegenwärtigen Kalamitäten, sondern stellte selbst wiederum den Versuch dar, eine fundamentale Strukturkrise aufzuschieben, die bereits in den 1970er Jahren ihren Ausgangspunkt hat. Der damals einsetzende Produktivkraftschub der dritten industriellen Revolution hat die Grundlagen der Kapitalverwertung unwiderruflich untergraben: die Vernutzung von lebendiger Arbeitskraft in der Produktion von Waren. Die Akkumulation von fiktivem Kapital an den Finanzmärkten verhalf dem kapitalistischen Weltsystem zwar noch einmal zu einem letzten großen Schub, doch der beruhte auf dem Ansaugen von zukünftigem Wert. Dieser Vorgriff auf die Zukunft stößt jetzt an seine Grenzen und es zeigt sich: Die Gesellschaft ist zu reich für den Kapitalismus.

Eine Veranstaltung der Autonomen Antifa Trier in Kooperation mit der Rosa Luxemburg Stiftung und dem Multikulturellen Zentrum Trier

Vortrag und Workshop von und mit Lothar Galow-Bergemann

Freitag, 24 Mai 2013, Simmersfeld, Nordschwarzwald
action, mond & sterne-camp

Geht es gegen „Banken, Heuschrecken und Spekulanten“, befinden sich
vermeintlich radikale Kapitalismuskritiker_innen häufig in trauter
Eintracht mit Finanzminister, Fernseher und Frau Meier. So wie diese
halten sie „die Gierigen, die den Hals nicht voll genug kriegen“ für die
Verursacher der Krise. Wer das kapitalistische Prinzip in „produktives
Kapital“ und „Finanzkapital“ aufspaltet, landet zwangsläufig bei der
Dämonisierung von Zirkulationssphäre und Finanzsektor. Eine alte
Krankheit – nicht nur der Linken. Will Antikapitalismus nicht reaktionär
und menschenfeindlich, sondern emanzipatorisch sein, muss er als erstes
erkennen, wohin der Wahn vom „Kampf der ehrlich Arbeitenden“ gegen die
„Gierigen, die die Völker aussaugen“ schon einmal geführt hat: nach
Auschwitz nämlich. Eine „Kritik“, die glaubt, „das eine Prozent“ sei am
Unglück der restlichen 99 Prozent schuld, phantasiert sich eine Welt
zusammen, die von bösen Strippenziehern beherrscht wird, welche überall
nach Krise und Krieg trachten. Den einen Tag glaubt sie, 09/11 sei von
der CIA organisiert worden, den andern wähnt sie „die ganze Welt am
Gängelband“ des israelischen Regierungschefs und den dritten kämpft sie
gegen „Bankster und Spekulanten“.

  • Über die Schnittmengen von regressivem Antikapitalismus,
  • Antisemitismus und Antizionismus.Warum ein reflektierter Antikapitalismus mit all dem nichts am Hut hat.
  • und warum er umso dringender nötig ist.

Grundzüge einer nicht-regressiven, reflektierten Kapitalismuskritik als
Voraussetzung gelingender Emanzipation sollen den Abschluss des Themas
bilden.

Vortrag und Workshop von und mit Lothar Galow-Bergemann (langjährig
freigestellter Personalrat, Publizist, Stuttgart,
www.emanzipationundfrieden.de)

http://emafrie.de/zinsen-zocker-zionisten-die-ganze-welt-am-gangelband-anti-capitalism-revisited/

 

Sonntag, 19. Mai 2013

Eine herrliche Wanderung gemacht durch eine Landschaft, die so ganz und gar anders ist als meine geliebten Berge. Allerdings genausoviel Gegend. Ein Moor wäre kein Moor, gäbe es keine Sümpfe, in denen irgendwelche Bäume rumstehen. Bambi war auch unterwegs und zeigte sich auf nur geringer Distanz. Sogar einen Pirol hörten wir singen, sahteten ihn aber nicht. Ich habe noch nie einen Bülowvogel in freier Wildbahn gesehen. Wahrlich ein herrlicher Tag. Ein...

Samstag, 18. Mai 2013

Freitag, 17. Mai 2013

Die Tage habe ich eine Einladung der Ministerpräsidentin des Freistaats Tühringen zu einem Gedenkakt für die Opfer des Nationalsozialismus (anlässlich des 100. Geburtstages von Rudolf Brazda, eines schwulen Überlebenden des Konzentrationslagers Buchenwald) bekommen (warum ich die bekommen habe, weiss ich nicht). Auf jeden Fall geht die Einladung darauf ein, dass Eingeladene potentiell nicht wissen, was sie anziehen sollen. In einer Ecke steht klein Dunkler Anzug Kurzes...

I find it rather disturbing to see a map about “racial tolerance” shared over Facebook which is so deeply racist that it makes me wanna throw up.

First of all, it’s sheer bullshit. You cannot statistically compare reactions to a concept like “race” that operates differently in completely different regional contexts. For instance, in Germany (and perhaps throughout Europe) it’s inseparably connected with Nazi race ideology which sent millions of people to the gas chambers, whereas in the U.S. it’s kind of a politically neutral term made to denote “skin color.” Even funnier, if you go back to the past, race in the French context could denote something like class consciousness, for the aristocracy had invented itself as a “race” apart from the common people. And who knows exactly what race is made to denote in India, Africa or the Arab peninsula? But what we know exactly, especially from the German context, is that “racism” does not cease to exist with the concept of race becoming unutterable and culturally taboo. It can be replaced by terms like “culture” or “place of origin.”

So, after all, what is the ideological statement of this ridiculous map? Its assertion is that “fair-skinned” people are the vanguard of tolerance and enlightenment, whereas the dark-skinned are “still racist” to the fullest. Towards whom? We don’t know. Traditionally, racism is the ideology of white power over the other in the framework of colonial conquest, imperialism and the historical aftermath of slavery. What this map tries to accomplish then is to turn this power relationship upside down in order to renew the ideology of “white man’s burden” to civilize the backward (= darker-skinned) people, although, ironically, this time in the global fight against “racial prejudice.”

Donnerstag, 16. Mai 2013

Die taz berichtet darüber, dass es bei der Eröffnung einer Grundschule (laut Schulwebseite war das 1999) diskutiert wurde, ob sie nach Maria Theresa Lehmann benannt werden soll. Lehmann wurde als Kind gemeinsam mit ihrer Familie, weil sie Sinti waren, deportiert. Das wurde abgelehnt laut taz: "Doch Eltern und Lehrerkollegium entschieden mehrheitlich, man dürfe Kinder nicht mit dem grauenvollen Schicksal des Mädchens belasten." Ich frage mich, ob der Name die Kinder wirklich...

Spiegel online bietet unter der Überschrift Leih-Geistliche: Indische Priester in der deutschen Provinz ein Video an. Das interessiert mich, da ich schon zu Christ_innen aus Indien geforscht habe, und schaue mir das Video an. Es fängt an mit Pater Aswin, über dessen indische Herkunft ich weniger erfahre, als mich interessieren würde. Dann geht es weiter mit Pater Roy aus Haiti und sein Engagement im Schützenverein. Fertig. Haben die ihren Bericht nicht angeschaut, bevor sie...

Mittwoch, 15. Mai 2013

queer and the colony: conversation of nation, sex and home mit Kyla Pasha, Lahore/Pakistan & Ponni Arasu, Chennai/ India in Hamburg: Freitag, den 31. Mai 2013, 19.00 Uhr, Universität Hamburg, Hörsaal C, VMP 6 (eine Veranstaltung der AG Queer Studies ) in Berlin: Montag, 3. Juni 2013, 20.30 Uhr im Südblock, Admiralstr. 1-2, 10999 Berlin Die queer-feministischen Aktivistinnen Ponni Arasu aus Indien und Kyla Pasha aus Pakistan unterhalten sich darüber, was es bedeutet queer...

Der sechzehnte Ming-Kaiser, Xizong, der 1627 einunzwanzigjährig verstarb, war konventioneller und verteilte seine Aufmerksamkeiten auf zwei getrennte Paläste, einen für seine männlichen, den anderen für seine weiblichen Geliebten. [...] Aber Homosexualität war nicht auf Kaiser, Generäle und Höflinge beschränkt. Laut einem Ming-Kommentator wurden solche Beziehungen manchmal in die traditionelle konfuzianische Familienordnung integriert. Shen Defu (1578–1642) berichtet davon, wie männliche Paare in der südlichen Provinz Fujian häufig in einer Art von gleichgeschlechtlicher Ehe zusammenlebten:

    “Fujianesische Männer sind extrem verliebt in männliche Schönheit. Egal wie reich oder arm, hübsch oder hässlich, sie alle finden einen Gefährten ihres Standes. Zwischen den beiden wird der ältere als ‘gebundener [adoptierter] älterer Bruder’ (qixiong), der jüngere als ‘gebundener jüngerer Bruder’ (qidi) bezeichnet. Wenn dieser ältere Bruder in das Haus des jüngeren geht, geben die Eltern des letzteren auf ihn acht und lieben ihn wie einen Schwiegersohn. Und die Unkosten des jüngeren Bruders, einschließlich jene seiner Heirat, werden alle vom älteren gedeckt. Sie lieben einander und schlafen noch im Alter von dreißig gemeinsam im selben Bett wie Ehemann und -frau.”

Obwohl solche Vereinigungen manchmal zwanzig Jahre dauern konnten, war es dennoch notwendig, dass die Männer heirateten, ihre konfuzianischen Familienpflichten erfüllten und den Ahnenkult aufrechterhielten. “In der ganzen Geschichte”, fragt ein Mann in einer Erzählung über männliche Liebe, “hat es da jemals einen Präzedenzfall zweier Männer gegeben, die ihr Leben gemeinsam beschlossen?” Nichtsdestoweniger war Shen Defu von der Hingabe beeindruckt, die solche Paare häufig zeigten. “Diese Passion kann so tief sein, dass es nicht ungewöhnlich ist, dass zwei Liebende, die es unmöglich finden, ihre Beziehung fortzusetzen, sich aneinander festbinden und gemeinsam ins Wasser gehen.” Diese fujianesischen Paarbildungen wurden häufig nanfeng (der südliche Brauch) genannt, in einem Kalauer auf das Wort nan, dass sowohl “männlich” als auch “südlich” bedeuten kann.

Unter der Ming-Dynastie entwickelte China seine ersten wichtigen Kontakte mit dem Westen, und zwei Zivilisationen lernten einander mit Erstaunen, Bewunderung und Abscheu kennen. Im Jahr 1557 errichteten portugiesische Händler eine Siedlung in Macao, und westliche Missionare unternahmen ihre ersten systematischen Anstrengungen, China zu bekehren. Diese katholischen Missionare, hauptsächlich spanische, italienische und portugiesische Jesuiten und Dominikaner, kamen aus Ländern, wo Sodomiten immer noch routinemäßig auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurden. Die chinesische Toleranz versetzte sie in einen tiefen Schockzustand. Für diese andächtigen Priester erschienen die Flammen der Inquisition unendlich wünschenswerter als die Flammen der Lust, ja sogar der Liebe und Zuneigung in einer solch heterodoxen Form.

Im Gepäck mit der neuen Wissenschaft der Renaissance führten europäische Besucher Formen des europäischen Aberglaubens mit: Der Dominikaner Gaspar da Cruz schrieb in einem 1569 publizierten Buch das Erdbeben, welches China zwölf Jahre zuvor erschüttert hatte, der chinesischen Indifferenz gegenüber der Sodomie zu. Der berühmteste wissenschaftliche Missionar in China, der angesehene Jesuit, Astronom und Mathematiker Matteo Ricci, teilte die Sorge seines Landsmanns über solche Verkommenheiten beinahe bis zum Punkt der Obsession. Ein paar Wochen nach seiner Ankunft im Jahr 1583 schrieb er jammernd an seinen Vorgesetzten über “die schreckliche Sünde, zu der hier jeder sehr tendiert und für die es weder Scham noch Hinderungsgrund zu geben scheint”. Als er die Zehn Gebote ein Jahr später ins Chinesische übersetzte, hatte Ricci keinerlei Bedenken, Exodus umzuschreiben. “Du sollst nicht ehebrechen” wurde zu “Du sollst keine verderbten, widernatürlichen oder schmutzigen Dinge tun”. Als er 1606 gebeten wurde, Beispiele westlicher Kunst für ein chinesisches Buch über Kalligraphie beizusteuern, wählte er drei Werke aus, die das Leben Christi illustrierten. Das vierte aber stellte die Zerstörung Sodoms dar, mit Riccis Kommentar: “Verderbte Sinnlichkeit und Schandhaftigkeit ziehen das himmlische Feuer auf sich.” Kurz vor seinem Tod im Jahr 1610 beklagte er sich einmal mehr, dass die widernatürliche Lust “weder vom Gesetz verboten noch für unerlaubt gehalten” werde, “ja nicht einmal ein Anlass für Scham” sei. “Man spricht in der Öffentlichkeit darüber und praktiziert sie überall, ohne dass jemand da wäre, dies zu verhindern.”

Wenn Ost und West sich in Gebieten unter spanischer Oberherrschaft begegneten, konnten die Ergebnisse tragisch sein. Im Jahr 1598 schrieb ein Staatsanwalt in Manila an Philipp II., dass die Sodomie unter chinesischen Händlern auf den Philippinen grassiere: “Eine Untersuchung wurde durchgeführt. Vierzehn oder fünfzehn Schuldige wurden festgenommen.” Die Chinesen jedoch verteidigten sich mit der Aussage, dass diese Praktik unter Männern in China nicht gerade unüblich sei. Trotz ihrer Ausflüchte wurden zwei von ihnen zum Tod auf dem Scheiterhaufen verdammt, die anderen ausgepeitscht und auf die Galeeren verurteilt. In den chinesischen Vierteln wurden Aushänge auf Chinesisch angebracht, die unter Androhung der Todesstrafe und der Einziehung des Besitzes vor diesem Schwerverbrechen warnten. 1617 nahm der Ming-Geograph Zhang Xie in seiner Studie über die Östlichen und Westlichen Ozeane von diesen Verbrennungen “auf einem Stapel Feuerholz” Kenntnis. Auf die Chinesen müssen solche drastischen Maßregelungen als Zeichen westlicher Barbarei gewirkt haben.

Übers. aus Louis Crompton, Homosexuality and Civilization (Cambridge, MA; London, 2003), 226-228.

Dienstag, 14. Mai 2013

DIE TÜRKEI – EIN KRISENGEWINNER?

„Erstmals seit 19 Jahren steht die Türkei beim IMF nicht in der Kreide. Die Begleichung aller Schulden wird von Ankara als historischer Wendepunkt und als Spiegel weltwirtschaftlicher Gewichtsverlagerungen betrachtet. … Die gegenüber dem IMF aufgetürmten Schulden, die im Nachzug zur Finanzkrise des Jahres 2001 rund 23,5 Mrd. $ betrugen, konnten in den vergangenen Jahren stetig abgebaut und am Dienstag vollumfänglich getilgt werden. … Noch vor wenigen Jahren sah es nicht danach aus, als ob die langjährige Kreditbeziehung zu einem raschen Ende kommen würde.“ … 2009 wurde monatelang „verhandelt, ehe man in Ankara vor dem Hintergrund anhaltend hoher Kapitalzuflüsse zum Schluss kam, auf den IMF nicht länger angewiesen zu sein.“ …
Die Türkei ist inzwischen „vom Schuldner zum Gläubiger mutiert. So hat die Türkei dem IMF im Juni vergangenen Jahres eine Unterstützung von 5 Mrd. $ zugesichert, und zwar zur Eindämmung der Euro-Krise. Dass Ankara damit indirekt Brüssel zu Hilfe kommt, wird in der türkischen Regierung … mit einem nicht zu knappen Mass an Genugtuung registriert.“ NZZ, 14.5. 2013

Ein Staat, der zwischen Griechenland und Zypern liegt, und der EU nicht angehört, hat keine Schwierigkeiten, sich zu finanzieren, sondern ist sogar in der Lage, den in Turbulenzen geratetenen Euro zu stützen, wenngleich diese Hilfe angesichts der Summe, um die es geht, eher symbolischen Charakter hat.
Aber gerade diese Symbolik hats in sich: Das Land, dem seit Jahren bei seinen Beitrittsverhandlungen mit der EU immer wieder auf die Zehen gestiegen wird, gibt satt und selbstzufrieden kund, daß es eigentlich die ganze EU nicht braucht und außerhalb von ihr besser fährt. Gleichzeitig wird der EU großmütig Hilfe gewährt und damit zum Ausdruck gebracht, daß man sie als Handelspartner durchaus schätzt und weiter erhalten möchte.
Dem einstigen Erzrivalen Griechenland, der in einer politisch wie ökonomisch völlig auswegslosen Situation steckt, zeigt man damit so nebenbei, daß er mit „Europa“ aufs falsche Pferd gesetzt hat. Und den Griechisch-Zyprioten, die seinerzeit in einem Referendum die Wiedervereinigung der Insel abgelehnt haben, daß man darüber jetzt beinahe dankbar ist, und sie jetzt allein in der Patsche sitzen, die die EU ihnen verursacht hat.

Zur Rückerinnerung: Die EU nahm 2004 mit Zypern ein Land auf, dessen territorialer Status nicht geklärt war. Der Umstand, daß dies kein Hindernis war, weist darauf hin, daß es offenbar ein starkes Interesse gab, Zypern dabei zu haben. Gegenüber den postsozialistischen Staaten, deren wirtschaftliche Entwicklung eher schleppend verlief, stellte Zypern in den Augen der EU eine echte Verstärkung dar, mit einem Zahlungsbilanzüberschuß und einer quasi Hartwährung. All das dank seines heute angeblich „überdimensionierten“ Banksektors.

Warum steht die Türkei so gut da? Ist der Traum Turgut Özals aufgegangen, der meinte, das 21. Jahrhundert müßte das Jahrhundert der Türkei werden? Er zielte dabei auf den Ausbau der Handelsbeziehungen mit den turksprachigen und ölreichen Nachfolgestaaten der Sowjetunion und der – nicht nur – ökonomischen Vermittlerrolle zwischen Orient und Okzident. Das Erstarken der Türkei ist also ausgelöst worden durch die Auflösung der SU.
Die Türkei hat sich offenbar im Osten durchaus zahlungskräftige Märkte erschlossen und darüber z.B. ihre Bekleidungsindustrie, die durch die EU-Konkurrenz seinerzeit schwer in Mitleidenschaft gezogen worden war, wieder in die Höhe gebracht. Ebenso hat sie auch ihren Finanzsektor saniert und ausgebaut, indem sie mit Know-How über modernes Bankwesen den türkischen Brüdern und Schwestern im Osten unter die Arme gegriffen hat. Als Urlaubsparadies gewinnt sie seit zwei Jahrzehnten ständig an Bedeutung, nicht nur für Gäste aus der EU, sondern auch Rußlands und anderer GUS-Staaten. Schließlich ist sie ein Gewinner der Krisen im Nahen Osten, wo sie inzwischen als sicherer Hafen für Vermögen angesehen wird, das von seinen Besitzern aus dem jeweiligen Land geschaffen wird.

Der Aufstieg der Türkei ist auch ein Ergebnis des Abstiegs Europas: Die Türkei kann es sich leisten, der EU nicht beizutreten. Sie macht auch kein Hehl daraus. Im Gegenteil. Die Ambitionen der Türkei gehen auf Schaffung eines Gegengewichtes, eines losen Bündnisses islamischer Staaten, denen sie sich als gelungene Mischung von religiöser Tradition und wirtschaftlichem Aufschwung präsentiert und als Führungsmacht anträgt. Das ist zwar derzeit noch Zukunftsmusik, und hängt davon ab, wie sich die Lage in Syrien, dem Iran und anderen Staaten der Region entwickelt. Und auch davon, wie die USA mit dergleichen Ambitionen umgehen werden.

Aber die Weichen sind gestellt …

Im ganzen Iran gibt es den Maulbeerbaum. Er tritt in verschiedenen Arten auf: es gibt weiße, rote und schwarze Maulbeeren. Die rote und schwarze Maulbeere werden frisch gegessen. Auch den Saft dieser Beeren kann man von Straßenhändlern kaufen. Die weiße Maulbeere gibt es zusätzlich als getrocknete Frucht.

Viele Bäume stehen auf der Straße. Kinder ernten sie ab und verkaufen sie als fliegende Händler. So tragen sie ein wenig zum Familieneinkommen bei.


Ein Kind ist auf den Baum geklettert und schüttelt die Äste.


Hier sammeln die Kinder die heruntergefallenen Früchte ein.


Maulbeeren aus der Nähe betrachtet.


Er freut sich, dass er so ein wenig Brot nach Hause bringen kann.


Der Verkauf am Straßenrand.

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"People demand freedom of speech as a compensation for the freedom of thought which they seldom use." (Sören Kierkegaard)

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