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Donnerstag, 11. März 2010von ofenschlot am Donnerstag, 11. März 2010 11:37
Irgendwo in einer der zahlreichen Israelkritik- und Finkelstein-Diskussionen bei Rhizom hat jemand gepostet, dass Israelsolidarität – jene unbedingte und kategorische – sich mittlerweile zum geistigen Wehrdienst entwickelt. Im Folgenden bringen wir einen etwas älteren Text (2002), der vor allem eins ist: nicht originell. Er ist auch nicht »komplex« und erst recht nicht selbstquälerisch. Er ist sehr einfach und zugänglich – weil die »Basisbanalitäten«, ein mittlerweile arg strapazierter Begriff, einfach und jedermann/frau zugänglich sind. Eigentlich. [Editorischer Hinweis: Der Essay ist eigentlich zu umfangreich für einen Blog-Eintrag. Wer nicht scrollen will, kann ihn sich hier herunterladen, kommt aber nicht umhin, ans Ende der TuK-Seite zu scrollen.] Ton Veerkamp (abgedruckt in: TuK 93/94 [1–2/2002], 102–107) 1. Einige palästinensischen Freunde aus Gaza sagten, sie lebten als Schüler vor 1987 »wie die Könige«; sie konnten sich frei bewegen, fuhren nach dem Sabbat nach Tel Aviv, mal, um dort Geld zu verdienen, mal, um sich dort zu amüsieren. Wahr an dieser Erinnerung ist, daß vor 1987 das Leben verhältnismäßig ruhig war. Unterhalb dieser Erinnerung lag die Realität, daß die Ökonomie aller besetzter Gebiete in einer katastrophalen Verfassung war. Das wachsende Heer – der Ausdruck ist hier richtig – jugendlicher Arbeitsloser war schon damals das Symptom großer gesellschaftlicher Labilität. Der Ausbruch von Gewalt war nur eine Frage der Zeit. 2. Die israelische Politik hatte für diese Gebiete keine Konzepte, wie fast immer, wenn einer Besetzermacht nur daran gelegen war, besetzte Gebiete ruhig zu stellen und/oder sie als Kolonisierungsraum zu nutzen. Die Rechten Israels waren prinzipiell nicht willens, gesellschaftliche Konzepte zu entwickeln, darin unterschieden sie sich nicht von den Rechten überall sonst. In Gesellschaften, wo wirtschaftliche und soziale Probleme zu steigender Kriminalität führten, haben die Rechten immer nur eine Antwort: Null Toleranz und wegschließen. Weder der Likud-Block und die Szene rechts von ihm noch Teile der Arbeiterpartei waren für die Vorstellung zu gewinnen, dass das Ziel israelischer Politik sein müßte, auch palästinensische Jugendliche in Lohn und Brot zu bringen und dafür die politische Voraussetzung eines ernsthaft unternommenen Friedensprozesses zu schaffen. Die erste Intifada (1987–1993) war die Quittung. 3. In der Periode der ersten Intifada haben die Menschen vieles lernen müssen. Die Palästinenser, daß Israel eine auf Dauer angelegte staatlich verfaßte politische Wirklichkeit sei, die man anzuerkennen habe. Die Israelis, daß es ein palästinensisches Volk gibt, das über unverzichtbare politische Rechte verfügt. Für Yizchak Rabin war dies nicht nur Lippenbekenntnis, sondern er handelte nach dieser Einsicht. Ab 1993/94 begann das, was man »Friedensprozeß« nannte. Rabin stellte die politischen Voraussetzungen des Friedens in den Vordergrund; ob er die sozial-ökonomische Komponente als gleichrangig behandelt hätte, läßt sich nicht sagen. Er wurde ermordet, bevor er sein Werk hätte vollenden können. Aber niemand kann im Ernst davon ausgehen, Frieden sei möglich, wenn ein paar Kilometer weiter die Zone aussichtsloser Armut beginnt. 4. Auch für die palästinensische Autonomiebehörde war die Armut der Menschen nicht das Hauptproblem. Ihre Anfälligkeit für Korruption wird nicht nur von Israelis kritisiert, und die sogenannte Terrororganisation »Hamas« hat sich der sozialen Probleme stärker angenommen. Sie hat die Sozialeinrichtungen gegründet, die die Arafatbehörde nicht eingerichtet hat, aber hätte einrichten müssen. Die Autonomiebehörde hat durch ihr innenpolitisches Versagen die Radikalen stark gemacht. Die Unfähigkeit, gar der Unwille, die Ökonomie als den eigentlich entscheidenden Faktor anzusehen, ist nationalen, nationalistisch ausgerichteten Bourgeoisien überall gemeinsam. Das gilt für Arafat, es gilt auch für den Zionismus, der zwar kein Rassismus, aber auf alle Fälle ein bürgerlicher Nationalismus ist und darum auch dessen typische soziale Blindheit an den Tag legt. 5. Die Mehrheit der israelischen Bevölkerung hat die große und einmalige Chance, die ihr Rabin und Arafat eingeräumt hatten, wissentlich und willentlich nicht genutzt. Die Hetze gegen Rabins Politik in vielen Medien Israels bereitete den Nährboden für den Mord an Rabin. Die Bevölkerung Israels hatte die Wahl zwischen Peres, dem damaligen Erben Rabins, und der Reaktion in der Person Netanjahus; sie wählte mehrheitlich die Reaktion. Sie setzte ein beispielloses Bauprogramm für jüdische Siedlungen in den besetzten Gebieten in Gang und machte Arafat deutlich, daß für sie nur eins in Frage kam: Autonomie für eine Reihe von Gebieten, umgeben von jüdischen Siedlungen. Für die Sicherheit dieser Siedlungen wäre die israelische Armee zuständig, die dafür auch Bewegungsfreiheit in den Autonomiegebieten beansprucht. Wer das Autonomie nennen will, kann das tun; die meisten Menschen verstehen unter Autonomie freilich etwas anderes. Mit der Wahl Netanjahus war der Friedensprozeß eigentlich gestorben. Die gemäßigten Linken, die unter Ehud Barak eine Chance erhielten, müßten entweder die »vollendeten Tatsachen« Netanjahus aus der Welt schaffen, oder eine Politik ohne Profil und Konzept führen. Nicht die makabere Aktion Scharons, Ende September 2000 auf dem Tempelberg, sondern der Fehlschlag von Camp David einige Wochen früher war der Auslöser jener Tragödie, deren Zeugen wir heute sind. Clinton hätte nie die maßgeblichen Politiker nach Camp David einladen dürfen, bevor nicht das zu erzielende Abkommen unterschriftsreif gewesen wäre. Clinton hätte besser wissen können, denn der historische Handschlag Rabins und Arafats konnte 1993 nur deswegen zustande kommen, weil die Diplomatie im Vorfeld erfolgreich gearbeitet hatte. Die von Clinton grob fahrlässig geweckten Erwartungen brachen zusammen und damit alles, was seit 1992 mühsam ausgehandelt worden war und vielleicht, trotz Netanjahu und Barak, hätte gerettet werden können. Das Klima war inzwischen so sehr zugunsten der israelischen Reaktion umgeschlagen, daß Ehud Barak den Durchbruch, der in Taba, der Folgekonferenz nach dem Fehlschlag in Camp David, zum Greifen nahe war, nicht hätte absegnen können, ohne seine Chancen auf Wiederwahl endgültig begraben zu müssen. Seine Zurückhaltung hat ihm freilich ebenfalls nichts genützt. 6. Die israelische Gesellschaft ist zutiefst gespalten; es gibt kein homogenes Israel. Es gibt in Israel viele, die wissen, daß die Politik der Rechten eine Katastrophe auch für Israel bedeutet. Die Entscheidung der israelischen Rechten, Scharon mit der Regierungsbildung zu beauftragen, war eine Entscheidung für den Krieg. Sie war auch eine Entscheidung für den Terror, weil alle hätten wissen können, was kommen mußte. Scharon brauchte die Entfachung des Terrors, um nach dessen Zerschlagung sich als Retter des Vaterlandes gegen seine vielen Konkurrenten bei den Rechten durchsetzen zu können. Arafat meinte auf die Entfachung des Terrors angewiesen zu sein, um die Gegner im eigenen Lager in Schach halten und Israel vielleicht doch zu wirklichen Konzessionen zwingen zu können. Er hätte wissen müssen, daß die Reaktion des Terrors von Scharon genau eingeplant war. Es geht nicht um moralische Verurteilung, weder was die eine, noch was die andere Seite betrifft. Es geht allein um die Frage, welche Politik effektiv sei. Die Effektivität einer Politik mißt man daran, ob die Mittel, die sie einsetzt, zum Ziel, das sie sich setzt, führen oder nicht. Wenn das Ziel »Friede für Israel« gewesen sein soll, dann war die Politik Scharons ein verheerender Fehlschlag: Der Staat Israel wurde gegründet, um allen jüdischen Menschen, die wo auch immer in der Welt bedrängt und verfolgt werden, die Möglichkeit zu geben, an einen Ort gehen zu können, wo ihre Sicherheit nicht länger bedroht ist. Tatsächlich ist gerade in Israel ihre Sicherheit mehr bedroht als zur Zeit irgendwo sonst in der Welt. Die bedrohliche Situation wird nicht nur durch den Terrorismus der Feinde, sondern auch und nicht weniger durch die friedensunfähige, gar friedensunwillige Politik der heutigen israelischen Regierung verursacht. Wahrscheinlich war Scharons Ziel nur, die Autonomiebehörde, die PLO und deren Symbolgestalt Arafat zu vernichten. Scharon hat, trotz der Zahl der Toten, die bei den Palästinensern seit September 2000 in die Tausende, bei den Israelis in die Hunderte geht, auch dieses Ziel nicht erreicht. Das Ziel, daß die Palästinenser zu erreichen suchten, die Anerkennung ihrer Wünsche nach einer vollständigen Autonomie, scheint unerreichbarer als je zuvor, trotz oder wohl gerade wegen der exzessiven Anwendung des Mittels des Terrors. Politischen Realitätssinn gibt es wohl nur auf der Seite der Friedenskräfte Israels; denn nur Israel kann etwas bewegen. Nur Israel kann agieren (wie Rabin zeigte); Arafat kann nur reagieren. 7. Irgendwann, Frühjahr 1942, erschossen zwei junge Männer aus der Amsterdamer Straße, wo ich als Kind wohnte, die Brüder Jan und Gerard Verleun, einen Deutschen, seine Frau und ihr Dienstmädchen in ihrer Wohnung. Der Mann war leitender Angestellter Fritz Sauckels, Arbeitsdienstbeauftragter der Nazis und als solcher oberster Sklavenjäger im besetzten Europa. Die jungen Männer wurden verhaftet, gefoltert und als Terroristen hingerichtet. Nach dem Krieg wurden die sterblichen Reste der beiden ausgegraben, eingesargt und in unserer Pfarrkirche christlich begraben. Der Pfarrer hielt eine Ansprache, in der er diese jungen Männer als leuchtendes Beispiel für die katholische Jugend darstellte. Über ihre Tat denke ich jetzt etwas anders. Sie war grausam und sinnlos, denn die Sklavenjagd in den Niederlanden ging weiter, und die Ermordung dieser Deutschen hat furchtbare Repressalien nach sich gezogen. Aber damals stand das überhaupt nicht zur Debatte, die beiden Männer waren Helden und Martyrer, und ihr Gedenkstein im Turm der Kirche ist bis heute zu sehen. Terrorismus ist immer die Waffe militärisch hoffnungslos Unterlegener gewesen. Terrorismus ist Mord, aber nicht nur, Terroristen sind Mörder, aber nicht nur. Terror muß aufhören, aber auch das, was Terror verursacht. Die beiden Brüder Verleun hatten ein politisches Motiv, und ihr Gegner war ein eindeutig ausgewiesener politischer Feind. Aber dessen Frau? Das Dienstmädchen? Der israelische Tourismusminister war ein politischer Gegner, was dessen Tötung nicht rechtfertigt, aber die Motivation begreiflich machen kann. Wer aber sind die Leute, die in einem Supermarkt einkaufen, die auf einen Bus warten, in einem Restaurant essen oder einfach nur über die Straße gehen? Jedenfalls hat diese »Politik« genau in das Konzept Scharons gepaßt und dazu geführt, daß aus den knapp über 50% Anhängern der Rechten jetzt 80% geworden sind. Andererseits: hätte Israel friedliches Verhalten der Palästinenser honoriert? Scharon und wohl die Welt außerhalb Palästinas hätte gesagt: »Die sind ruhig. Wo ist das Problem?« War der Terror doch die einzige Option gewesen? Diese Fragen sind nicht rhetorisch. 8. Im September 1993 bin ich mit einer Gruppe van knapp zwanzig ausländischen Studierenden nach Polen gefahren, um die wirtschaftlichen Probleme der »Transformationsländer« zu studieren. Ich habe darauf bestanden, im Laufe dieser Reise nach Auschwitz zu fahren, gerade weil in der Gruppe Studierende aus Palästina waren. Nach dem Besuch des Lagers Birkenau sagte mir ein ziemlich radikaler palästinensischer Kommilitone: »Das was die Deutschen mit den Juden gemacht haben, das haben die Juden nicht mit uns gemacht.« Er hatte begriffen, daß auch ein Palästinenser nicht sagen kann: »Die Juden sind unsere Nazis!« Das war weniger unser Verdienst, als vielmehr der Tatsache geschuldet, daß durch den beginnenden Friedensprozeß Palästinenser für solche Einsichten empfänglich werden konnten. Jetzt, fast neun Jahre später, ist an solche Dinge nicht mehr zu denken. 9. Die politische Vernunft sagt uns, Israel müsse sich und könne sich ohne Selbstaufgabe aus den besetzten Gebieten vollständig zurückziehen, alle jüdischen Siedlungen dort aufgeben, der Teilung des Landes und der Stadt zustimmen und den so entstehenden Staat völkerrechtlich anerkennen. Sodann müssen beide Staaten der Tatsache Rechnung tragen, daß sie ihre kollabierenden (in den besetzten Gebieten kaum noch vorhandenen) Volkswirtschaften nur gemeinsam wiederaufbauen können. Die materiellen Verbesserungen für das Leben müssen schnell greifbar werden, indem beide Staaten die Bekämpfung der Armut zum Hauptziel ihrer Politik machen. Sonst geschieht, was in Südafrika nach der Beseitigung der Apartheid geschehen ist: die Gewalt des Krieges weicht der Gewalt einer ausufernden Privatkriminalität. Im Gegensatz zur politischen Vernunft wissen wir, daß es vorerst keinen autonomen palästinensischen Staat geben wird, der diesen Namen verdient; daß es nach einer möglichen, kurzen oder längeren Periode des Abflauens der Gewalt eine dritte Intifada geben wird; daß die Vereinigten Staaten kein vorrangiges Interesse an der Beseitigung, allenfalls an der Eindämmung des Konfliktes haben; daß die arabischen Staaten den Konflikt brauchen, weil er ihnen eine weltpolitische Rolle zusichert, die sie ohne ihn gar nicht spielen können. Wir wissen also: das Morden wird weitergehen. Kein Friede für Israel, weil kein Friede für Palästina, kein Friede für Palästina, weil kein Friede für Israel. 10. Von Christinnen und Christen wird ein vorbehaltloses Bekenntnis zu bzw. »bedingungslose Solidarität« mit Israel gefordert. Solidarisch muß man mit den jüdischen Menschen sein, wo sie auch immer leben. Bedingungslos muß man alle die bekämpfen, die bei uns aus welchen offenen oder verdeckten Gründen auch jüdische Menschen verachten, verfolgen oder gar töten. Aber solidarisch mit einem Israel, wie es Scharon und seine Gesinnungsgenossen auf der rechten Seite wollen, kann und will ich nicht sein, weil ich dann alle meine politischen Grundüberzeugungen, nicht selten an der Schrift der Juden geschult, aufgeben müßte. Zumal dieses Israel nicht »an Leib«, eher »an der Seele bedroht« ist. Die physische Existenz Israels stand vielleicht 1967 auf dem Spiel, oder 1973 bzw. 1991 – wo ich übrigens auch einige Zweifel habe –, aber sicher nicht 2002. Zu ungleich ist der Kampf. Israel verfügt über einen Militärapparat, der in der Region unschlagbar ist, inklusive Massenvernichtungswaffen aller Gattungen (A, B und C), über eine Bestandsgarantie seitens der Vereinigten Staaten von Nordamerika, und es sieht vorerst nicht danach aus, daß sich daran etwas ändern wird. Arafat und die palästinischen Menschen haben Flinten und Sprengstoff; niemand in der arabischen Welt hat für sie etwas anderes als nur fade Lippenbekenntnisse übrig. Arafat kann Israel nicht bedrohen. Aber die physische Existenz israelischer Menschen ist bedroht und so auch die Seele des Gemeinwesens Israel. Die ständige Angst, mit dem Terror leben zu müssen, ist ein Grund. Aber die immer tiefer gehende Militarisierung von Wirtschaft und Gesellschaft führt zu einer Art von kollektiver Deformation. Man kann die anderen nur als Feind wahrnehmen, nicht als potentielle Partner bei der Gestaltung eines gemeinsamen Lebens in einem kleinen Land. Für Scharon & Co. sind die Palästinenser, oder »die Araber«, Fremde, Feinde, Bedrohliches. Die Rechten oktroyiert ihre Weltsicht der Gesellschaft auf, propagiert sie als die einzige »realistische« Sicht der Dinge, schließt eine andere Sicht als gefährliche Illusion aus wird und blockiert jeden Ausweg aus dem wirtschaftlichen Desaster und jede Heilung der seelischen Verstümmelungen. Der einzige Ausweg ist der Friede und das hebräische Wort »Schalom« bedeutet neben »Friede« auch »Heilung«. »Mit Scharon wird es keinen Frieden geben« (Daniel Barenboim). Dies bedroht die Seele Israels. 11. Die Frage ist daher, mit welchem Israel man solidarisch ist, mit König Jojakim, dessen unsinnige Militär- und Bündnispolitik Jerusalem ins Verderben führte, oder mit dem Propheten Jeremia, der gegen diese Politik den Mund aufmachte? Mit Ariel Scharon oder mit der israelischen Friedensbewegung und solchen, die das Fenster zum Frieden geöffnet haben, wie Jizchak Rabin? Die Zeitschrift Texte & Kontexte wurde unter anderem mit dem Ziel gegründet, den Antijudaismus in der christlichen Theologie, insbesondere in der Exegese, schonungslos zu bekämpfen. An dieser Zielstellung darf sich nichts ändern. Man darf aber nicht die Haltung einzunehmen, die der New Yorker Kardinal Spellman angesichts des amerikanischen Amoklaufs in Vietnam einnahm; er sagte: »Right or wrong: my country.« Man darf auch jetzt nicht sagen: »Right or wrong: Israel!« Die gegenwärtige Politik des Staates Israel – und die ist beileibe nicht identisch mit dem Judentum! – ist zu bekämpfen. Wo bleibt die offene und engagierte Unterstützung für die israelischen Friedenskräfte seitens jener Christen und Christinnen und ihrer Kirchen, die, wie der US-amerikanische Kongress »uneingeschränkte Solidarität« fordern? Wir haben all diese Jahre hindurch Tacheles geredet mit jenen palästinensischen Studierenden, die politischen Kampf mit Judenhaß verwechselten. Wer stellt die israelische Rechte und ihre Anhänger im Ausland zur Rede? (Up)
von Ernst am Donnerstag, 11. März 2010 11:06
Der Wiener Publizist Robert Misik referierte im Februar 2010 beim Rosa Luxemburg Club an der Uni Hamburg über aktuelle Religionskritik. Leider ist sein Vortrag ziemlich redundant und verbleibt argumentativ überwiegend auf einer ethisch-politischen Ebene. (50 Minuten) Download: mp3 via MF (17 MB), mp3 via FRN (23 MB) (Up)
von Machnow am Donnerstag, 11. März 2010 10:22
In den vergangenen Tagen gab es eine Serie von Nazianschlägen auf mindestens sechs Treffpunkte von Antifaschist_innen in Berlin. Allein in Neukölln gab es neben dem Angriff den Salvador-Allende-Club in der Nacht zum Dienstag vier weitere Anschläge, darunter eine Morddrohung am Haus eines_r bekannten Antifaschist_in. Das Projekt Friedel54 war ebenfalls betroffen. Außerdem sind zwei weitere [...] (Up)
Mittwoch, 10. März 2010von MoshMosh am Mittwoch, 10. März 2010 20:53
Zwei Veranstaltungen in Münster setzten sich im letzten Jahr mit einer Kritik des politischen Islam auseinander: 1. Kritische Tagung zur Debatte um den politischen Islam (organisiert von der Gruppe et2c in Münster): • Klaus Blees, Geschichte des islamischen Antisemitismus Download 2. 30 Jahre islamische Republik – der Iran zwischen religiöser Diktatur und Revolte (organisiert vom AStA der Uni Münster u.a.): • Inputreferat des Organisationskreises Download (Up)
von che2001 am Mittwoch, 10. März 2010 16:55
RADC Internship Guide An unpaid internship at Roma and Ashkalia Documentation Centre (RADC) is available for two international students, who have recently finished a second degree (Master level) in political science, international relations, or social sciences. RADC cannot offer either accommodation nor travel expenses, but only a stipend with amount of 200 euro per person per month. The interns will be tasked to support RADC with reporting, fund raising and proposal writing. Duration: April... (Up)
von che2001 am Mittwoch, 10. März 2010 14:56
Sehr geehrte LeserInnen, ich habe in den letzten Jahren zahllose Minderjährige bundesweit in Abschiebungshaftanstalten vertreten. Keine einzige Inhaftierung war rechtmäßig! Die höchstrichterliche Rechtsprechung ist da sehr konsequent! Es ist also nicht nur "unmenschlich und verantwortungslos, minderjährige unbegleitete Flüchtlinge in Abschiebhaft zu nehmen", wie Mehmet Yildiz zutreffend ausführt, sondern auch krass rechtswidrig, es sei denn, es wurde bundesweit... (Up)
von MoshMosh am Mittwoch, 10. März 2010 13:00
Der ganze Planet besteht aus Sinnscheiße. Warum muss man dann so tief in die Sinnscheiße-Bergwerke hinabsteigen, um unter entsetzlichen Qualen und unzähligen Opfern ein Material heraufzubefördern, das an der Oberfläche des Planeten in rauen Mengen herumliegt, wo man sich nur bücken müsste um es aufzuheben? Aber nur dadurch, dass wir die Sinnscheiße unter solchen entsetzlichen Qualen zu Tage fördern, erhält sie das wichtigste: Wert! In dem Hörspiel „Aufstand in den Sinnbergwerken“ von Matthias Schamp wird auf amüsante Art und Weise, bereichert mit phantastischen musikalischen Zwischenspielen, die Sinnlosigkeit der kapitalistischen Arbeit geschildert. Und doch gibt es Aussicht: Den Hauptfiguren wird die Sinnlosigkeit der ganzen Schufterei bewusst und sie fangen an, sich anderen Dingen zu widmen. Damit bekommt die Geschichte aber leider einen idealistischen Charakter: Dadurch, dass sie sich der ganzen Scheiße einfach bewusst werden und mit Hilfe der Metaphysik, gelingt es ihnen die Sinnscheiß-Gesellschaft aufzulösen. Wenn der Feind nicht eine Rückenkratzbürste in die Hände bekommen hätte… Download (mp3, stereo, 128 kbps, 49.4 MB, 53 m 55 s) (Up)
von Bikepunk 089 am Mittwoch, 10. März 2010 12:28
Das ist eine der kleinen Geschichten, die Birds of Immigrants erzählt – ein Kollektivblog, geschrieben von jungen Flüchtlingen die versuchen sich nach Europa durchzuschlagen. Eine ähnliche Ausrichtung hat Schengendangle:
Zwei blogs, die ich euch allen ans Herz legen will, und die dringend mehr Bekanntheit verdient haben. (Up)
von Ernst am Mittwoch, 10. März 2010 11:31
Bayern 2 Nachtstudio: Markus Metz und Georg Seeßlen beschreiben in ihrem Radio-Essay Aufstieg, Niedergang und erneuten Aufstieg des Intellektualismus und seiner Gegner. Eine Ideen- und Sozial-Geschichte der Intellektuellen, vom 19. Jahrhundert bis heute.Eher bildungsbürgerlich als gesellschaftskritisch, aber interessant. Download (33 MB, 48 m) (Up)
von schalom libertad am Mittwoch, 10. März 2010 08:42
From the conference “30 Years of the Islamic Revolution: The Tragedy of the Left” organized by the The Platypus Affiliated Society in November of last year.
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Dienstag, 09. März 2010von schorsch am Dienstag, 09. März 2010 22:28
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von Administrator am Dienstag, 09. März 2010 22:18
An der Südküste des Kaspischen Meeres und nordwestlich von Teheran gelegen, befindet sich der Talab Bojagh, ein iranischer Nationalpark. Auf seiner Fläche von 3000 Hektar beherbergt er zahlreiche Vogelarten. Die reichen Fischvorkommen werden wissenschaftlich beobachtet und untersucht. In der Nachbarschaft zum Nationalpark hat die Regierung vor einem Jahr Land an ein Bauunternehmen verkauft. Diese Firma kann machen was sie will und die lokale Behörde sieht weg. Ein großer Teil des Parks dient heute als Müllablageplatz. Es wird gesagt, dass diese Firma einem engen Bekannten von Ahmadinejad gehört. (Up)
von Administrator am Dienstag, 09. März 2010 21:46
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von Administrator am Dienstag, 09. März 2010 21:34
Das untere Bild zeigt Menschen, die sich in aller Seelenruhe neben einem Schild mit der Aufschrift „Betreten verboten“ niedergelassen haben. (Up)
von Administrator am Dienstag, 09. März 2010 21:27
Plakate wie dieses hängen in Iran an jedem belebten Platz. Es handelt sich um die Ankündigung von zwei Hinrichtungen in der Stadt Ahwaz samt genauem Datum und Ortsangabe. Die obere der beiden Hinrichtungsankündigungen kündigt für Morgen, Mittwoch, den 10. März 2010 (19.12.1388 nach iranischem Kalender) das Erhängen eines Menschen aufgrund von Drogenhandel an, die untere am 13. März 2010 (22.12.1388) die Hinrichtung eines Menschen der wg. eines bewaffneten Raubüberfalls und „mohareb“ (Gotteslästerung) verurteilt wurde. (Up)
von Butch Jonny am Dienstag, 09. März 2010 21:18
Vor vier Tagen heulte Fritz Felgentreu auf seiner Seite rum, daß es in Neukölln immer wieder zu Übergriffen autonomer Gruppen auf das Quartiersmanagement und sein Bürgerbüro kommt. Um diesen unhaltbaren Zustände einhalt zu gebieten und die No-Go-Area für anständige sozialdemokratisch blinde Bürger_innen zu durchbrechen, haben sich Nazis offenbar ein Herz gefaßt und zum vierten [...] (Up)
von Machnow am Dienstag, 09. März 2010 20:31
Nach der zweiten Sitzung zur inhaltlichen Konzeption der Ausstellung Flucht und Vertreibung sind zwei weitere Mitglieder_innen aus dem wissenschaftlichen Beirat ausgestiegen. Zum einen ist dies die Historikerin Prof. Dr. Kristina Kaiserová aus Ústí nad Labem. Außerdem zog sich die Publizistin Helga Hirsch, die dem Bund der Vertriebenen und Erika Steinbach nahe steht, [...] (Up)
von Administrator am Dienstag, 09. März 2010 20:20
Im Verlauf der letzten Woche wurden in grossen und kleinen Städten im ganzen Iran Vorbereitungen für den Frauentag getroffen. Die Regierung liess jedoch keine offiziellen Veranstaltungen zu und drohte denjenigen Frauen, die sich an das Verbot nicht halten wollten.
Trotz dieser Drohungen und Verbote setzten die Frauen ihre Vorbereitungen fort. Sie organisierten Treffen in privaten oder halböffentlichen Kreisen, die über Mund-zu-Mund-Propaganda bekannt gemacht wurden. Insgesamt wurde der Frauentag im Iran am 7. und 8. März vorwiegend in kleineren Veranstaltungen gefeiert.
Am Sonntag, den 7. März versammelte sich in Teheran u.a. ein Gruppe von bekannten Frauen wie Nushin Ahmadi Khorasoni, Mansure Shojai und Sahra Rahnaward, etc.. Aufgrund der begrenzten Möglichkeiten, konnten nur die Vertreterinnen der verschiedenen Frauengruppen (Iranische Frauenvereine, Kommitte zu Betreuung von politischen Gefangenen, verschiedene Rechtsanwältinnen, Mütter für den Frieden, …) zusammen kommen. Im Anschluß an dieses Treffen wurde eine politische Erklärung mit sieben Forderungen veröffentlicht:
Gemäß den Berichten des Vereins zur Unterstützung der Familienangehörigen von politischen Gefangenen, sammelten sich am Montag Abend, kurz vor Einbruch der Dunkelheit, etwa 100 Menschen, vorwiegend Frauen, vor dem Ewin-Gefängnis. Gegen 20 Uhr war die Menge auf ca. 400 Frauen und Männer angewachsen. Eine Vertreterin der Gruppe der trauernden Mütter erklärte, dass ihre Gruppe sich am 8. März vor dem Ewin-Gefängnis versammele, um die VertreterInnen des Vereins zur Unterstützung der Familienangehörigen von politischen Gefangenen zu unterstützen. Ein Mann und seine Tochter hatten rote Blumen sowie Süssigkeiten mitgebracht. Die Tochter verteilte die Blumen an die trauernden Mütter und der Vater verschenkte die Süssigkeiten an alle Anwesenden. An diesem Abend sind zehn Gefangene freigelassen worden, leider war unter ihnen keine Frau. Ein Teil der Freigelassenen begab sich zu der Versammlung und zeigte das Victory-Zeichen, woraufhin die Menge klatschte.
Die Studentinnen der Universität Ghom versammelten sich am gestrigen Montag, den 8. März, um 14: 30 Uhr gegen Geschlechterapartheid und aus Respekt vor dem 8. März. Sie wurden dabei von Studenten unterstützt. Während des Verlaufs der Versammlung filmte und fotographierte der Geheimdienst um die Anwesenden einzuschüchtern, doch diese setzten ihren Protest ohne Angst fort. Der Leiter der Universität kam zu der Versammlung, bat um ruhiges Verhalten und machte das Angebot, dass eine Vertreterin oder ein Vertreter der Versammlung zu ihm kommen und in Ruhe seine /ihre Forderungen vorbringen könne. (Up)
von ofenschlot am Dienstag, 09. März 2010 19:55
Zur Erinnerung: »Indem Marx die Arbeitskraft ›variables‹ Kapital genannt hat, hat er eine begriffliche Verknüpfung zwischen der Schaffung des Mehrwerts und der despotischen Natur des kapitalistischen Produktionsprozesses geschaffen. Der von den Arbeitern in diesem Prozeß geschaffene Mehrwert ist nicht nur durch die Konsumtionsmittel für ihren Lebensunterhalt bestimmt, sondern auch durch die Menge und Intensität der Arbeit, die sie zu leisten gezwungen sind. Indem er die Arbeitsintensität seiner Arbeiter steigert, kann der individuelle Kapitalist zusätzliche Mehrarbeit herausholen. Wenn er mächtig genug ist, kann er deshalb die Höhe des Mehrwerts, den seine Arbeiter schaffen, variieren. Somit macht der Terminus ›variabel‹ aufmerksam, daß der tatsächlich geschaffene Mehrwert mit der relativen Stärke der Gegner im Produktionsprozeß variiert.« Aus: Bob Rowthorn, »Die neoklassische Volkswirtschaftslehre und ihre Kritiker – eine marxistische Betrachtung«, in: Winfried Vogt (Hg.), »Seminar: Politische Ökonomie«, Frankfurt/M. 1973, hier: S. 275. PS: Noch mal Rowthorn: Die Definition ist »von Marx so einfach und klar dargestellt, daß es unmöglich scheinen mag, daß irgend jemand, der auch nur den ersten Band des Kapitals gelesen hat, sie mißzuverstehen oder ihre Bedeutung nicht zu sehen in der Lage ist. Und doch haben Generationen von Ökonomen, linke wie rechte, genau das fertiggebracht. So stark ist die Macht der Tradition auf den Menschenverstand, eine Tradition, die darauf besteht, Marx so zu lesen, als wäre er einer der englischen klassischen Ökonomen.« (ebd.) (Up)
von rhizom am Dienstag, 09. März 2010 02:31
“Der 17-jährige David starb am Sonntag im Hamburger Gefängniskrankenhaus. Nachdem er bereits tagelang jegliche Nahrung verweigert hatte, wurde er dort ‘tot aufgefunden’. Er hatte sich erhängt. Der aus Georgien stammende David war ohne seine Erziehungsberechtigten eingereist und saß bereits seit Februar in Abschiebehaft, in die er als Jugendlicher eigentlich nicht gehörte. – Es gibt keinen Freitod hinter Gittern!” (via) (2)(Up)
von MoshMosh am Dienstag, 09. März 2010 00:03
Die Diskussion über und eine Analyse der Mode ist mit dem Ende der Poplinken, abgesehen von der lookism-Debatte, scheinbar aus der radikalen Linken verschwunden. Man ist mittendrin, jedoch unfähig die aktuellen Phänomene auf den Begriff zu bringen. Mit reichlicher Verspätung wurde in mehreren Zeitschriften in der letzten Zeit jedoch über das Phänomen der Emo-Kultur diskutiert. Hier zwei entgegengesetzte Beiträge, die sich mit Emo auseinandersetzen: 1. Martin Büsser: Emo – Portrait einer neuen Jugendbewegung Martin Büsser, Mitherausgeber des Sammelbandes „Emo – Portrait einer Szene“ hielt am 04.03.2010 im Red Roxx in Erfurt einen Vortrag, in dem er anhand des Sammelbandes und den damit verbundenen Feldforschungen die Emos gegen ihre Feinde verteidigte. Er stellt darin „zwei Geschichten“ der Emo-Kultur vor – einmal als eine Bewegung die sich in den 80er Jahren aus der Punk- und Hardcoreszene entwickelte und sich in Abgrenzung zu ihr befand und einmal als eher diffuses massenkulturelles Phänomen, welches seit der Jahrtausendwende Beachtung fand und sich mehr oder weniger unabhängig von der ursprünglichen Emo-Bewegung konstituierte. Büsser stellt dabei die affekthafte Feindschaft gegenüber den Emos in einen Zusammenhang mit einer allgemein vorherrschenden Homophobie und spricht sich für die Emo-Kultur aus. Download: 2. Magnus Klaue: Verführerische Kälte – Zur Ästhetik des Dandyismus und ihre postmoderne Abschaffung Magnus Klaue übt in diesem Vortrag, den er am 04.02.2010 in der ACC Galerie in Weimar im Rahmen der Reihe Kunst | Spektakel | Revolution gehalten hat, Kritik an Martin Büssers Rezeption der Emo-Kultur und wirft ihm vor diese zu affirmieren ohne sie zu interpretieren. Er grenzt dabei die Begriffe „Emotionalität“ und „Empfindsamkeit“ von dem der Sinnlichkeit ab: „Die Ideologie der Empfindsamkeit lügt sich Sinnlichkeit zur Sensivität zurecht“ und stellt dem Emo schließlich die Figuren des Dandys und der Vamp entgegen, von denen die Emokultur „wesentliche Attribute borgt, den sie jedoch zugleich um seine Radikalität bringt.“ Die anschließende Diskussion dreht sich vor Allem um Klaues Kritik an den Konzepten Queer, Androgynität und Polyamorie. Download: (Up)
Montag, 08. März 2010von rhizom am Montag, 08. März 2010 22:35
(Up)
von Ernst am Montag, 08. März 2010 21:43
Radio Island aus Leipzig hat ein Feature über Phänomene »männlichen Theorie- und Aktionsmackertums« in der sog. linken Szene gemacht. Zu Wort kommen Menschen aller Geschlechter, darunter auch – mit sehr interessanten Überlegungen – Bini Adamczak. Download (15 MB) (Up)
von Ernst am Montag, 08. März 2010 20:35
Unter dem Titel »feminismus = geschichtsbewusstsein« wird in dieser Sendung des Querfunk Karlsruhe auszugsweise das 1986 veröffentlichte Buch »Die Entstehung des Patriarchats« von Gerda Lerner verlesen. Hauptthema (bzw. -gegenstand der Kritik) ist die Nichtbeachtung der Frauen in der Geschichtsschreibung. Die Sendung ist eine Stunde lang und enthält Musik. Download: mp3, stereo, 128 kbit/s (55 MB) oder mp3, mono, 48 kbit/s (21 MB) (Up)
von ofenschlot am Montag, 08. März 2010 16:50
Ein Kommentar von Lysis/Rhizom, der es verdient, extra herausgestrichen zu werden, weil ihm die Relativierung der Ideologiekritik zugunsten einer materialistischen Durchdringung der Wirklichkeit gut gelingt. Diesem Kommentar ging ein anderer vorher mit einem dieser klassischen Paranoia-Sätz: »Jede Kritik hat auch ihren Subtext, also: Jede Kritik wird aus einem bestimmten Interesse heraus artikuliert.« Überdruss stellt sich ein, es ist doch so, dass man das zähe Gekäse um Subtexte und hinterweltlerische (sic!) Interessen nur noch schwer ertragen kann! Was Lysis nicht bzw. nur implizit sagt (ist aber kein Mangel seiner Antwort): Man gelangt dadurch in einen infiniten Regress, »schlechte Unendlichkeit« (Hegel). Denn haben die Interessen, der »Subtext«, nicht selbst wieder einen »Subtext«? Ich finde nicht, dass es um den Subtext, sondern dass es um den Text geht. Ich brauche keine Hermeneutik des Verdachts, um zu zeigen, warum die Islamkritik von PI [Politcally Incorrect] rassistisch ist. Dazu reicht eine Analyse der manifesten Verdrehungen und inhärenten Essenzialisierungen völlig aus. Erst wenn man gezeigt hat, dass auf der sachlichen Ebene etwas nicht stimmt, dass also der rationale Charakter, den man einer Äußerung von Haus aus unterstellt, objektiv verletzt ist, kann man sich sekundär den psychologischen Beweggründen zuwenden, die dieser Verletzung subjektiv zugrundeliegen. Die Realkritik hat der Ideologiekritik logisch immer vorauszugehen. Sie ist ihr Fundament. Erst musste Marx zeigen, dass die bürgerliche Nationalökonomie eklatante Widersprüche aufweist, bevor er die bewusstseinsimmanenten Gründe für diese analytischen Auslassungen benennen konnte. (Up)
von Administrator am Montag, 08. März 2010 14:33
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von che2001 am Montag, 08. März 2010 11:52
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von Ernst am Montag, 08. März 2010 10:23
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von ofenschlot am Montag, 08. März 2010 10:07
Einige Archivfunde (und zwei Ankündigungen): 1) Der synkretistische Archivar Clara123 hat auf seiner Scribd-Seite einen ebenso seltenen wie auf den ersten Blick obskuren Text aus der bordigistischen Tradition veröffentlicht: »Dynamik sozialer Produktionsformen« 2) Weil wir nun mal die Bordiga-Beauftragten auf Blogsport sind, kommen wir nicht darum herum, auf zwei weitere wie immer: erstklassig übersetzte Veröffentlichungen aus dem Fundus vom Alten Maulwurf hinzuweisen. Dort sind vor wenigen Wochen zwei Grundlagentexte Bordigas aus dem Jahr 1958 erstmals (deutschsprachig und) für alle zugänglich gemacht worden. Beide Referate eignen sich hervorragend als Einführung in Bordigas Rekonstruktionsbemühungen in revolutionärer Absicht. Sie stehen exemplarisch für die kommunistische Position. Bordiga hatte sich in den Jahren zuvor intensiv mit den Stalinisten und weiteren Marxverbesserern resp. -tötern (u.a. Cornelius Castoriadis) auseinandergesetzt, er hatte zahlreiche parteistrategische Papiere verfasst und formanalytische Untersuchungen die Methode Karl Marx’ betreffend vorgelegt (was er »Invarianz« genannt hat und was ihm von einigen Blaulicht-Radikalen bis heute als Scholastik angekreidet wird). 3) Deconstructing Gerhard Scheit. Über die ebenso kuriose wie konsequente Zins-Apologetik Gerhard Scheits, einem an und für sich belesenen Theaterwissenschaftler, der in höchster Not zum Chefphilosophen der Antideutschen hochgejubelt wurde, haben wir uns an anderer Stelle schon ausgelassen. Sehr ernst (allzu ernst?) nimmt sie Ulrich Enderwitz, ein früherer Genosse Scheits, und überführt sie in einem gründlich-erschöpfenden Analyse des »negativen Antisemitismus«. Auf diese Abrechnung mit Scheit werden wir demnächst noch eingehen. 4) Seit einiger Zeit online ist das gesamte Heftarchiv der Prokla (früher: Probleme des Klassenkampfs). Ehe gefeixt wird, wie implizit hirnrissig es ist, von den Problemen des Klassenkampfes zu reden – als ob damit ein notwendiger Mangel der revolutionären Theorie ausgedrückt werden sollte, den es fortlaufend – akademisch betreut – zu bearbeiten gälte, muss aber auch gesagt werden: Es sind dort bis etwa Mitte der 80er Jahre verdammt viele verdammt gute (vulgo: brauchbare) Texte erschienen. Hier eine kleine Handreichung: * Wolfgang Müller /Christel Neusüss: »Die Sozialstaatsillusion und der Widerspruch von Lohnarbeit und Kapital« (1970/71. Für alle, die die einschlägige TOP-/Um’s Ganze-Broschüre bereits gelesen haben, noch lesen wollen, nie zu lesen vorhaben.) * Hans Ulrich: »Die Einschätzung von kapitalistischer Entwicklung und Rolle des Staates durch den Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsverbund« (1973. Der Name ist vermutlich ein Pseudonym. Grundlegende, historisch aufgezäumte Gewerkschaftskritik.) * Anwar Shaikh: »Eine Einführung in die Geschichte der Krisentheorien« (1978. Der maßgebliche Aufsatz. Wann immer heutzutage, zumal in Deutschland, ein Marxist eine Einführung in die Krisenthematik bei Marx gibt und dazu auch auf die Ideologien eingeht, die Marx mal mehr, mal weniger implizit kritisiert, kann man sich sicher sein: insgeheim referiert er oder sie Shaikh.) * Eberhard Seifert: »Die Räte-Kommunistische Tradition von ›Ökonomie der Zeit‹. Wider die Halbheiten der neuerlichen Erledigungen der Marx’schen Phrase von der ›Parallele zur Warenproduktion‹« (1983. Ein bemerkenswerter Irrläufer der marxistisch-akademischen Schwundevolution: Eine Auseinandersetzung mit negristischen Positionen aus, nomen est omen, rätekommunistischer Perspektive.) * Paul Mattick: »Wert und Kapital« (Deutsche Erstveröffentlichung 1984, der posthume Text stammt aus der zweiten Hälfte der 70er Jahre und gibt einen Einstieg, sehr komprimiert, in Matticks vor allem krisentheoretisch fundierte Ökonomiekritik.) 5) Der Marx der 1850er Jahre ist vergleichsweise gut erforscht. Das muss auch so sein, weil er in diesem für ihn so produktiven Jahrzehnt seine autonome Kritik der politischen Ökonomie herausarbeitet. Wie sehr dabei die empirische, ja: journalistische Auseinandersetzung mit den Kriegen und Krisen seiner Zeit im Mittelpunkt stand, kann man in zwei ergiebigen Studien nachvollziehen: Zum einen Sergio Bolognas »Geld und Krise. Marx als Korrespondent der New York Daily Tribune 1856-57« (1973, übersetzt und veröffentlicht von den Wildcat-Genossen, gespiegelt von der Homepage der FreundInnen der klassenlosen Gesellschaft – Bologna ist der wichtigste Historiker der italienischen Operaisten); zum anderen »Weltmarkt – Revolution – Staatenwelt. Zum Problem einer Theorie internationaler Beziehungen bei Marx und Engels« von Hartmut Soell, einem, Achtung! jetzt bitte nicht schockiert tun!, sozialdemokratischen Historiker (der Aufsatz erschien 1972 in dem Archiv für Sozialgeschichte der Friedrich-Ebert-Stiftung). Während Bologna den Zusammenhang von Wertkritik und Klassenkampf aufzeigt (eigentlich eine Selbstverständlichkeit, heute aber aus den wohlbekannten Gründen eine Seltenheit), arbeitet Soell die Grundzüge einer genuin marx’schen Imperialismuskritik resultierend aus seinen anti-bonapartistischen, anti-zaristischen, anti-preußischen Diplomatieanalysen. (Up)
von Butch Jonny am Montag, 08. März 2010 08:00
Zum Feministischen Kampftag gibt es heute militant musikalische Perlen. Ich konnte mich nicht richtig entscheiden, deshalb verlinke ich ein paar mehr Tracks. Der sichtbare ist schon beinah ein Klassiker. Der zweite wird es bestimmt auch. Nach soviel Postpunk gibts jetzt aber feministischen HipHop. Den gibts übrigens auch in in Cuba. Das [...] (Up)
Sonntag, 07. März 2010von che2001 am Sonntag, 07. März 2010 23:10
Hmm. Also die hier angegebenen Sexfrequenzen wären nach meinen Maßstäben ja ausgesprochen hoch, zumindest, wenn Sex mit einem anderen Menschen als sich selbst gemeint ist. In meinem Leben ist Sex eher so fast gänzlich bedeutungslos. Die Frequenz bei mir bemisst sich in Jahren, und die Qualität - nun ja, manches Mal dachte ich schon "ein Glas Bier hätte jetzt mehr gebracht". Die meist überbewertete Nebensache der Welt halt. Gut, wahrscheinlich sind die meisten Mensche... (Up)
von Ernst am Sonntag, 07. März 2010 19:10
Zum Themenkreis Irrationalismus und Esoterik fand 2005 eine Veranstaltungsreihe in Göttingen statt. Die Gruppe »Gegenstrom«, die diese ausrichtete, stellt auch die Audiodokumentationen der Vorträge zum Download bereit.
Siehe auch: Colin Goldner im Interview mit Trotzfunk, Radio Unerhört Marburg: Teil 1, Teil 2. (Bearbeitung hier) (Up)
von che2001 am Sonntag, 07. März 2010 15:22
Ah, herrlich, wenn der Winter immer so aussähe kann er von mir aus noch sehr lange dauern. Gerade eine wunderbare Wanderung durch das nahe Moorgebiet gemacht. (Up)
von Bikepunk 089 am Sonntag, 07. März 2010 13:36
Am kommenden Dienstag ist eine Abendveranstaltung mit dem Autor Nanni Balestrini im Gasteig. Zu meiner grossen Überraschung gibts Genoss_innen, denen der Name nichts sagt, deshalb in aller Kürze: Balestrini hat 68 in Italien die Gruppe Potere Operaio mitgegründet und musste 79 nach Frankreich ins Exil, da ihm die Mitgliedschaft in den Brigate Rosse vorgeworfen wurde. Zusammen mit Primo Moroni schrieb er „Die goldene Horde“, meines Wissens nach das Standardwerk über die Autonomia. In seinen Romanen geht es um verschiedene soziale und politische Bewegungen – „Wir wollen alles“ behandelt die grossen Streiks bei Fiat, das Hooligan-Epos „I Furiosi“ (Die Wütenden) beschreibt die Fankultur des AC-Milan und das kleinkriminelle Milieu darum. Am bekanntesten dürfte „Die Unsichtbaren“ (Gli Invisibli) sein, dass der Generation 77 – der ersten Welle Autonomer Politik in Italien – ein Denkmal setzt. Ein kurzer Auszug:
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von Machnow am Sonntag, 07. März 2010 13:08
Mit der Odenwaldschule, dessen Homepage seit heute offline zu sein scheint, versinkt auch die protestantisch verwurzelte, nationalistisch konnotierte Reformpädagogik und ihre Kreise vollends im Mißbrauchsstrudel. Sind bei katholischen Bildungsinstituten vor allem Züchtigung und Gewalt die ausschlaggebenden Methoden, arbeitet das reformatorische Landerziehungsheime offenbar mit erotischen Methoden. Die Zirkel scheinen hierbei als Familie konstruiert und in [...] (Up)
von Ernst am Sonntag, 07. März 2010 11:55
Zwei Gespräche über Gentrification:
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Samstag, 06. März 2010von rhizom am Samstag, 06. März 2010 23:08
Mag sein, dass der Menschenrechtsdiskurs die letzte Schwundstufe internationaler Solidarität und globaler Gesellschaftskritik ist – ich finde das folgende Video trotzdem ziemlich anrührend. *Schnief* (Up)
von che2001 am Samstag, 06. März 2010 21:52
Köstlich! "Außenminister Westerwelle macht sich Sorgen um arbeitsunwillige HartzIV-Emfänger. Er fände es gut, wenn sie Berlin von Schnee und Eis befreien würden. Aber dann sähe man erstens, in welchem Zustand Berlin sich tatsächlich befindet, und die Hartz IV-Empfäünger würden woanders tatsächlich gebraucht, nämlich vor und im Fernseher." nämlich einerseits als Konsumenten vom Unterschichts-TV, andererseits als Vorführobjekte... (Up)
von Machnow am Samstag, 06. März 2010 19:26
Es ist erschreckend und interessant zugleich, was der Rechtsanwalt und Sonderermittler Thomas Pfister zu den Zuständen im Benediktinergymnasium Kloster Ettal zu berichten weiß. Kinder und Jugendliche wurden, so berichten zahlreiche Opfer, willkürlich sowie kollektiv von den Patres bestraft. Bis in die 90iger Jahre war körperliche Züchtigung, wie die ARD berichtet, Teil der pädagogischen Konditionierung [...] (Up)
von Butch Jonny am Samstag, 06. März 2010 16:01
Nach dem Schmock Guido hat sich nun eine weitere Langzeitparlamentarierin chauvinistisch arrogant geäußert. Die komplett von Steuermitteln köstlich lebende Spitzenkandidatin der NRW-SPD Hannelore Kraft, die ihren Lebensabend entspannt entgegenschauen kann, forderte im Spiegel dazu auf Langzeitarbeitslose für gemeinnützige Arbeit etwa in Altenheimen oder Sportvereinen einzusetzen. Die stellvertretende SPD_Vorsitzende will, daß die faulen Säcke im [...] (Up)
Freitag, 05. März 2010von Ernst am Freitag, 05. März 2010 17:16
Die Jugendinitiative gegen Antisemitismus und Rassismus dokumentiert ein Referat Claudia Barths von November 2009 zur Kritik irrationaler Welterklärungen und deren Beziehung zu Antisemitismus und Rassismus. Insbesondere wird die Anthroposophie Gegenstand der Kritik sowie allerlei Wiedergeburts- und Karmaglauben. (1:55 h) Download: kleine Fassung (40 MB), Original (105 MB!) (Up)
von nachdenklich am Freitag, 05. März 2010 16:39
In einer Pressemeldung des Polizeipräsidiums Mittelfranken heißt es: „Der zum Beschuldigten gewordene Mann (er wird wegen Vortäuschens einer Straftat angezeigt) legte nach hochnotpeinlicher Vernehmung ein Geständnis ab. “ Ich hoffe mal, es ist nur die Unkenntnis über die Bedeutung des Begriffes „hochnotpeinlich“, die hier demonstriert wird. Ansonsten müsste man wohl annehmen, dass in der Nürnberger Polizeiwache Folter angewendet wird. Wenn ersteres zutrifft, ist das hoffentlich dem Autor der PM sehr peinlich. (Up)
von Bikepunk 089 am Freitag, 05. März 2010 14:27
Bei der gestrigen Veranstaltung um die Kameradschaft-Süd, ihre Bombenbaupläne und was aus den einzelnen Nazis geworden ist, kam mal wieder die Frage nach Jessica F. auf. Anlass für mich, das was in antifaschistischen Kreisen zum Thema Aussteiger_innen erarbeitet wurde, nochmal zugänglich zu machen. Ich beziehe mich hierbei vor allem auf einen Artikel im Antifaschistischen Infoblatt.
Anders formuliert: Das ist harte, inhaltliche Arbeit, die die Ausstiegswillige zu leisten hat, und die er oder sie auch transparent machen muss. Passiert das nicht, dann ist es auch unangebracht von Ausstieg zu reden – es gibt halt eine_n organisierte_n Nazi weniger, eine_n Bürger_in mit Nazieinstellung mehr. Der Umgang mit Ex-Faschos wird durch zwei Punkte verkompliziert: Zum einem das Verhältnis, das mensch zum Ex-Nazi hat. Das AIB dazu:
Offenbar schreiben sie hier für organisierte Antifas, die eine austiegswillige Person betreuen. Das gleiche Problem stellt sich aber auch, wenn der Kontakt eher informell ist, beim weggehen oder auf Arbeit. Fehlt die persönliche Distanz, geht der Blick für die ideologische Auseinandersetzung verloren. Ein weiterer wichtiger Punkt ist, das gerade linke Räume auch ein Schutzraum sein wollen: Wer mal Stress mit Nazis hatte, kann sich besser entspannen wenn garantiert keine da sind. Natürlich wäre es gut, wenn mehr Läden – und nicht nur explizit linke – das so handhaben würden. Zur Zeit ist das in München nicht so. (Up)
von Machnow am Freitag, 05. März 2010 11:52
Erika Steinbach, die bis heute die Oder-Neiße-(Friedens-)Grenze aufgrund von ungeklärten Eigentumsfragen als unnötig ansieht, behauptet seit Jahren gerne, daß im Bund der Vertriebenen (BdV) nicht mehr Nazis wären als im Rest der Gesellschaft. Da das offenbar nicht mehr ausreicht, um politisch zu punkten, hat sie sich neuerdings darauf versteift, daß im BdV mehr Widerstandskämpfer [...] (Up)
von Mathilde am Freitag, 05. März 2010 09:21
Schmock ist die Bezeichnung für einen Menschen, der durch ein rechthaberisches, belehrendes oder durch ein opportunistisches Verhalten negativ auffällt. Der Schmock ist nach langläufiger Auffassung häufig eitel oder arrogant. Gleichzeitig gilt er aber als mäßig intelligent, nicht gerade gutaussehend und wenig geistreich. Die Bezeichnung dürfte nach diesem Verständnis auch sehr gut auf [...] (Up)
Donnerstag, 04. März 2010von Bikepunk 089 am Donnerstag, 04. März 2010 15:08
Wer am Samstag nicht nach Nürnberg fährt: In München ist eine Demo zum internationalen Frauentag. Los gehts um 12:30 am Stachus, Männer sind willkommen. (Up)
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