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Donnerstag, 11. März 2010

Irgendwo in einer der zahlreichen Israelkritik- und Finkelstein-Diskussionen bei Rhizom hat jemand gepostet, dass Israelsolidarität – jene unbedingte und kategorische – sich mittlerweile zum geistigen Wehrdienst entwickelt.
Der Satz trifft es ganz gut: Denn der Wehrdienst ist eine Übung in unbedingtem Gehorsam – und in Eigenverantwortlichkeit und Selbstbewusstsein: Soldaten sind bekanntermaßen Staatsbürger in Uniform und sollen eben keine Tötungsmaschinen sein. Dass die schlimmsten Tötungsmaschinen freilich solche sind, die nicht nur qua Abrichtung wüten, sondern dass auch im Bewusstsein moralischer Überlegenheit tun, ist ein alter Hut. Schon Hegel hat in einer wenig gelesenen, aber sehr instruktiven Stelle seiner Rechtsphilosophie den Soldaten als die Synthese des bedingungslos Staatshörigen und des auf eigene Faust handelnden, draufgängerischen, kurzum: todesmutigen Bourgeois beschrieben (Hegel tat dies freilich in apologetischer Absicht).
So zeichnet sich der geistige Wehrdienst nicht nur durch die Verinnerlichung der Staatsräson aus, sondern auch durch die Selbstgewissheit, man sei ungeheuer nonkonformistisch, autonom gegenüber der dumpfen Barbarei seiner Umwelt und also intellektuell dieser Umwelt überlegen.
Die große Wut, die jemandem wie Moshe Zuckermann entgegenschlägt, liegt nicht darin begründet, dass er vielleicht an einer pro-palästinensischen Veranstaltung zuviel teilgenommen hat, sondern darin, dass er diesen geistigen Wehrdienst als deutsche Selbstbespiegelung beschreibt und kritisiert und in ihr ganz und gar nicht einen adäquaten Zugriff auf die israelisch-palästinensische Realität sieht. Das ist natürlich schockierend zu erfahren, dass der Nonkonformismus der Israelsolidarität kaum etwas anderes ist als die individualisierte Staatsräson, die Veredelung der staatsbürgerlichen Persönlichkeit – weswegen umgekehrt Zuckermann vorgeworfen wird, er sei einer der Selfhaters. Die Selbstbespiegelung wird dem Kritiker selbst unterstellt, der in seiner Kritik nur seinen Hass auf… sich selbst? sein »Volk«? »seine« Nation? … sublimiert.
[Dieser Isrealsolidarität entspricht komplementär eine idealistische Israelkritik, die sich aus der »Verantwortung der eigenen Geschichte gegenüber«, also auch aus einem Ehrgefühl, legitimiert – gerade als Deutscher könne man nicht weggucken, wenn … Idealistisch ist diese Kritik deshalb, weil ihr eine imaginierte Staatsräson – eigentlich müsste dieser Staat sich doch ganz anders gegenüber Israel verhalten – zugrunde liegt.]
Die Israelsolidarität – jene unbedingte und kategorische – zeichnet sich generell und durchgängig durch ein entmischendes, trennendes Denken aus. Nichts hängt mit nichts zusammen, Schuld hat immer das Opfer. Ein Zusammenhang zwischen Besatzung und Terror? Unmöglich! Relativierend! Verharmlosend! Die Gründe für den Terror müssen bei den Terroristen selber liegen – in ihrem Islam (galten die Palästinenser nicht noch vor zehn Jahren als die säkularste arabisch-muslimische Community?), ihrem Fellachentum, ihrer generell antiwestlichen Identität – was auch immer! Dass Leute, die sich immer noch als Marxisten, Kommunisten oder zumindest Ideologiekritiker sehen, dermaßen geistig selbstverstümmeln, indem sie das Denken in Zusammenhängen – das ist Dialektik, Baby! – kappen, wer hätte das einst für möglich gehalten? (Die Frage ist rhetorisch.)

Im Folgenden bringen wir einen etwas älteren Text (2002), der vor allem eins ist: nicht originell. Er ist auch nicht »komplex« und erst recht nicht selbstquälerisch. Er ist sehr einfach und zugänglich – weil die »Basisbanalitäten«, ein mittlerweile arg strapazierter Begriff, einfach und jedermann/frau zugänglich sind. Eigentlich.
Der Text stammt von Ton Veerkamp, einem evangelischen Theologen, der jahrzehntelang Studentenpfarrer in Berlin war, und der sich selbst als Kommunist und Marxist begreift. Er hat einige schöne Bücher und Pamphlete geschrieben (»Autonomie und Egalität. Ökonomie, Politik und Ideologie in der Schrift«, 1993; »Der Gott der Neoliberalen«, 2005) und ist Mitherausgeber von »Texte und Kontexte«, einem Periodikum für Bibel-Exegese. Die Bibel wird von ihm konsequent sozialgeschichtlich ausgelegt im Hinblick auf die Klassenkämpfe, die in ihren Erzählungen aufgespeichert sind.

[Editorischer Hinweis: Der Essay ist eigentlich zu umfangreich für einen Blog-Eintrag. Wer nicht scrollen will, kann ihn sich hier herunterladen, kommt aber nicht umhin, ans Ende der TuK-Seite zu scrollen.]

Ton Veerkamp
Welches Israel?
(Mai 2002)

(abgedruckt in: TuK 93/94 [1–2/2002], 102–107)

1. Einige palästinensischen Freunde aus Gaza sagten, sie lebten als Schüler vor 1987 »wie die Könige«; sie konnten sich frei bewegen, fuhren nach dem Sabbat nach Tel Aviv, mal, um dort Geld zu verdienen, mal, um sich dort zu amüsieren. Wahr an dieser Erinnerung ist, daß vor 1987 das Leben verhältnismäßig ruhig war. Unterhalb dieser Erinnerung lag die Realität, daß die Ökonomie aller besetzter Gebiete in einer katastrophalen Verfassung war. Das wachsende Heer – der Ausdruck ist hier richtig – jugendlicher Arbeitsloser war schon damals das Symptom großer gesellschaftlicher Labilität. Der Ausbruch von Gewalt war nur eine Frage der Zeit.

2. Die israelische Politik hatte für diese Gebiete keine Konzepte, wie fast immer, wenn einer Besetzermacht nur daran gelegen war, besetzte Gebiete ruhig zu stellen und/oder sie als Kolonisierungsraum zu nutzen. Die Rechten Israels waren prinzipiell nicht willens, gesellschaftliche Konzepte zu entwickeln, darin unterschieden sie sich nicht von den Rechten überall sonst. In Gesellschaften, wo wirtschaftliche und soziale Probleme zu steigender Kriminalität führten, haben die Rechten immer nur eine Antwort: Null Toleranz und wegschließen. Weder der Likud-Block und die Szene rechts von ihm noch Teile der Arbeiterpartei waren für die Vorstellung zu gewinnen, dass das Ziel israelischer Politik sein müßte, auch palästinensische Jugendliche in Lohn und Brot zu bringen und dafür die politische Voraussetzung eines ernsthaft unternommenen Friedensprozesses zu schaffen. Die erste Intifada (1987–1993) war die Quittung.

3. In der Periode der ersten Intifada haben die Menschen vieles lernen müssen. Die Palästinenser, daß Israel eine auf Dauer angelegte staatlich verfaßte politische Wirklichkeit sei, die man anzuerkennen habe. Die Israelis, daß es ein palästinensisches Volk gibt, das über unverzichtbare politische Rechte verfügt. Für Yizchak Rabin war dies nicht nur Lippenbekenntnis, sondern er handelte nach dieser Einsicht. Ab 1993/94 begann das, was man »Friedensprozeß« nannte. Rabin stellte die politischen Voraussetzungen des Friedens in den Vordergrund; ob er die sozial-ökonomische Komponente als gleichrangig behandelt hätte, läßt sich nicht sagen. Er wurde ermordet, bevor er sein Werk hätte vollenden können. Aber niemand kann im Ernst davon ausgehen, Frieden sei möglich, wenn ein paar Kilometer weiter die Zone aussichtsloser Armut beginnt.

4. Auch für die palästinensische Autonomiebehörde war die Armut der Menschen nicht das Hauptproblem. Ihre Anfälligkeit für Korruption wird nicht nur von Israelis kritisiert, und die sogenannte Terrororganisation »Hamas« hat sich der sozialen Probleme stärker angenommen. Sie hat die Sozialeinrichtungen gegründet, die die Arafatbehörde nicht eingerichtet hat, aber hätte einrichten müssen. Die Autonomiebehörde hat durch ihr innenpolitisches Versagen die Radikalen stark gemacht. Die Unfähigkeit, gar der Unwille, die Ökonomie als den eigentlich entscheidenden Faktor anzusehen, ist nationalen, nationalistisch ausgerichteten Bourgeoisien überall gemeinsam. Das gilt für Arafat, es gilt auch für den Zionismus, der zwar kein Rassismus, aber auf alle Fälle ein bürgerlicher Nationalismus ist und darum auch dessen typische soziale Blindheit an den Tag legt.

5. Die Mehrheit der israelischen Bevölkerung hat die große und einmalige Chance, die ihr Rabin und Arafat eingeräumt hatten, wissentlich und willentlich nicht genutzt. Die Hetze gegen Rabins Politik in vielen Medien Israels bereitete den Nährboden für den Mord an Rabin. Die Bevölkerung Israels hatte die Wahl zwischen Peres, dem damaligen Erben Rabins, und der Reaktion in der Person Netanjahus; sie wählte mehrheitlich die Reaktion. Sie setzte ein beispielloses Bauprogramm für jüdische Siedlungen in den besetzten Gebieten in Gang und machte Arafat deutlich, daß für sie nur eins in Frage kam: Autonomie für eine Reihe von Gebieten, umgeben von jüdischen Siedlungen. Für die Sicherheit dieser Siedlungen wäre die israelische Armee zuständig, die dafür auch Bewegungsfreiheit in den Autonomiegebieten beansprucht. Wer das Autonomie nennen will, kann das tun; die meisten Menschen verstehen unter Autonomie freilich etwas anderes. Mit der Wahl Netanjahus war der Friedensprozeß eigentlich gestorben. Die gemäßigten Linken, die unter Ehud Barak eine Chance erhielten, müßten entweder die »vollendeten Tatsachen« Netanjahus aus der Welt schaffen, oder eine Politik ohne Profil und Konzept führen. Nicht die makabere Aktion Scharons, Ende September 2000 auf dem Tempelberg, sondern der Fehlschlag von Camp David einige Wochen früher war der Auslöser jener Tragödie, deren Zeugen wir heute sind. Clinton hätte nie die maßgeblichen Politiker nach Camp David einladen dürfen, bevor nicht das zu erzielende Abkommen unterschriftsreif gewesen wäre. Clinton hätte besser wissen können, denn der historische Handschlag Rabins und Arafats konnte 1993 nur deswegen zustande kommen, weil die Diplomatie im Vorfeld erfolgreich gearbeitet hatte. Die von Clinton grob fahrlässig geweckten Erwartungen brachen zusammen und damit alles, was seit 1992 mühsam ausgehandelt worden war und vielleicht, trotz Netanjahu und Barak, hätte gerettet werden können. Das Klima war inzwischen so sehr zugunsten der israelischen Reaktion umgeschlagen, daß Ehud Barak den Durchbruch, der in Taba, der Folgekonferenz nach dem Fehlschlag in Camp David, zum Greifen nahe war, nicht hätte absegnen können, ohne seine Chancen auf Wiederwahl endgültig begraben zu müssen. Seine Zurückhaltung hat ihm freilich ebenfalls nichts genützt.

6. Die israelische Gesellschaft ist zutiefst gespalten; es gibt kein homogenes Israel. Es gibt in Israel viele, die wissen, daß die Politik der Rechten eine Katastrophe auch für Israel bedeutet. Die Entscheidung der israelischen Rechten, Scharon mit der Regierungsbildung zu beauftragen, war eine Entscheidung für den Krieg. Sie war auch eine Entscheidung für den Terror, weil alle hätten wissen können, was kommen mußte. Scharon brauchte die Entfachung des Terrors, um nach dessen Zerschlagung sich als Retter des Vaterlandes gegen seine vielen Konkurrenten bei den Rechten durchsetzen zu können. Arafat meinte auf die Entfachung des Terrors angewiesen zu sein, um die Gegner im eigenen Lager in Schach halten und Israel vielleicht doch zu wirklichen Konzessionen zwingen zu können. Er hätte wissen müssen, daß die Reaktion des Terrors von Scharon genau eingeplant war. Es geht nicht um moralische Verurteilung, weder was die eine, noch was die andere Seite betrifft. Es geht allein um die Frage, welche Politik effektiv sei. Die Effektivität einer Politik mißt man daran, ob die Mittel, die sie einsetzt, zum Ziel, das sie sich setzt, führen oder nicht. Wenn das Ziel »Friede für Israel« gewesen sein soll, dann war die Politik Scharons ein verheerender Fehlschlag: Der Staat Israel wurde gegründet, um allen jüdischen Menschen, die wo auch immer in der Welt bedrängt und verfolgt werden, die Möglichkeit zu geben, an einen Ort gehen zu können, wo ihre Sicherheit nicht länger bedroht ist. Tatsächlich ist gerade in Israel ihre Sicherheit mehr bedroht als zur Zeit irgendwo sonst in der Welt. Die bedrohliche Situation wird nicht nur durch den Terrorismus der Feinde, sondern auch und nicht weniger durch die friedensunfähige, gar friedensunwillige Politik der heutigen israelischen Regierung verursacht. Wahrscheinlich war Scharons Ziel nur, die Autonomiebehörde, die PLO und deren Symbolgestalt Arafat zu vernichten. Scharon hat, trotz der Zahl der Toten, die bei den Palästinensern seit September 2000 in die Tausende, bei den Israelis in die Hunderte geht, auch dieses Ziel nicht erreicht. Das Ziel, daß die Palästinenser zu erreichen suchten, die Anerkennung ihrer Wünsche nach einer vollständigen Autonomie, scheint unerreichbarer als je zuvor, trotz oder wohl gerade wegen der exzessiven Anwendung des Mittels des Terrors. Politischen Realitätssinn gibt es wohl nur auf der Seite der Friedenskräfte Israels; denn nur Israel kann etwas bewegen. Nur Israel kann agieren (wie Rabin zeigte); Arafat kann nur reagieren.

7. Irgendwann, Frühjahr 1942, erschossen zwei junge Männer aus der Amsterdamer Straße, wo ich als Kind wohnte, die Brüder Jan und Gerard Verleun, einen Deutschen, seine Frau und ihr Dienstmädchen in ihrer Wohnung. Der Mann war leitender Angestellter Fritz Sauckels, Arbeitsdienstbeauftragter der Nazis und als solcher oberster Sklavenjäger im besetzten Europa. Die jungen Männer wurden verhaftet, gefoltert und als Terroristen hingerichtet. Nach dem Krieg wurden die sterblichen Reste der beiden ausgegraben, eingesargt und in unserer Pfarrkirche christlich begraben. Der Pfarrer hielt eine Ansprache, in der er diese jungen Männer als leuchtendes Beispiel für die katholische Jugend darstellte. Über ihre Tat denke ich jetzt etwas anders. Sie war grausam und sinnlos, denn die Sklavenjagd in den Niederlanden ging weiter, und die Ermordung dieser Deutschen hat furchtbare Repressalien nach sich gezogen. Aber damals stand das überhaupt nicht zur Debatte, die beiden Männer waren Helden und Martyrer, und ihr Gedenkstein im Turm der Kirche ist bis heute zu sehen. Terrorismus ist immer die Waffe militärisch hoffnungslos Unterlegener gewesen. Terrorismus ist Mord, aber nicht nur, Terroristen sind Mörder, aber nicht nur. Terror muß aufhören, aber auch das, was Terror verursacht. Die beiden Brüder Verleun hatten ein politisches Motiv, und ihr Gegner war ein eindeutig ausgewiesener politischer Feind. Aber dessen Frau? Das Dienstmädchen? Der israelische Tourismusminister war ein politischer Gegner, was dessen Tötung nicht rechtfertigt, aber die Motivation begreiflich machen kann. Wer aber sind die Leute, die in einem Supermarkt einkaufen, die auf einen Bus warten, in einem Restaurant essen oder einfach nur über die Straße gehen? Jedenfalls hat diese »Politik« genau in das Konzept Scharons gepaßt und dazu geführt, daß aus den knapp über 50% Anhängern der Rechten jetzt 80% geworden sind. Andererseits: hätte Israel friedliches Verhalten der Palästinenser honoriert? Scharon und wohl die Welt außerhalb Palästinas hätte gesagt: »Die sind ruhig. Wo ist das Problem?« War der Terror doch die einzige Option gewesen? Diese Fragen sind nicht rhetorisch.

8. Im September 1993 bin ich mit einer Gruppe van knapp zwanzig ausländischen Studierenden nach Polen gefahren, um die wirtschaftlichen Probleme der »Transformationsländer« zu studieren. Ich habe darauf bestanden, im Laufe dieser Reise nach Auschwitz zu fahren, gerade weil in der Gruppe Studierende aus Palästina waren. Nach dem Besuch des Lagers Birkenau sagte mir ein ziemlich radikaler palästinensischer Kommilitone: »Das was die Deutschen mit den Juden gemacht haben, das haben die Juden nicht mit uns gemacht.« Er hatte begriffen, daß auch ein Palästinenser nicht sagen kann: »Die Juden sind unsere Nazis!« Das war weniger unser Verdienst, als vielmehr der Tatsache geschuldet, daß durch den beginnenden Friedensprozeß Palästinenser für solche Einsichten empfänglich werden konnten. Jetzt, fast neun Jahre später, ist an solche Dinge nicht mehr zu denken.

9. Die politische Vernunft sagt uns, Israel müsse sich und könne sich ohne Selbstaufgabe aus den besetzten Gebieten vollständig zurückziehen, alle jüdischen Siedlungen dort aufgeben, der Teilung des Landes und der Stadt zustimmen und den so entstehenden Staat völkerrechtlich anerkennen. Sodann müssen beide Staaten der Tatsache Rechnung tragen, daß sie ihre kollabierenden (in den besetzten Gebieten kaum noch vorhandenen) Volkswirtschaften nur gemeinsam wiederaufbauen können. Die materiellen Verbesserungen für das Leben müssen schnell greifbar werden, indem beide Staaten die Bekämpfung der Armut zum Hauptziel ihrer Politik machen. Sonst geschieht, was in Südafrika nach der Beseitigung der Apartheid geschehen ist: die Gewalt des Krieges weicht der Gewalt einer ausufernden Privatkriminalität. Im Gegensatz zur politischen Vernunft wissen wir, daß es vorerst keinen autonomen palästinensischen Staat geben wird, der diesen Namen verdient; daß es nach einer möglichen, kurzen oder längeren Periode des Abflauens der Gewalt eine dritte Intifada geben wird; daß die Vereinigten Staaten kein vorrangiges Interesse an der Beseitigung, allenfalls an der Eindämmung des Konfliktes haben; daß die arabischen Staaten den Konflikt brauchen, weil er ihnen eine weltpolitische Rolle zusichert, die sie ohne ihn gar nicht spielen können. Wir wissen also: das Morden wird weitergehen. Kein Friede für Israel, weil kein Friede für Palästina, kein Friede für Palästina, weil kein Friede für Israel.

10. Von Christinnen und Christen wird ein vorbehaltloses Bekenntnis zu bzw. »bedingungslose Solidarität« mit Israel gefordert. Solidarisch muß man mit den jüdischen Menschen sein, wo sie auch immer leben. Bedingungslos muß man alle die bekämpfen, die bei uns aus welchen offenen oder verdeckten Gründen auch jüdische Menschen verachten, verfolgen oder gar töten. Aber solidarisch mit einem Israel, wie es Scharon und seine Gesinnungsgenossen auf der rechten Seite wollen, kann und will ich nicht sein, weil ich dann alle meine politischen Grundüberzeugungen, nicht selten an der Schrift der Juden geschult, aufgeben müßte. Zumal dieses Israel nicht »an Leib«, eher »an der Seele bedroht« ist. Die physische Existenz Israels stand vielleicht 1967 auf dem Spiel, oder 1973 bzw. 1991 – wo ich übrigens auch einige Zweifel habe –, aber sicher nicht 2002. Zu ungleich ist der Kampf. Israel verfügt über einen Militärapparat, der in der Region unschlagbar ist, inklusive Massenvernichtungswaffen aller Gattungen (A, B und C), über eine Bestandsgarantie seitens der Vereinigten Staaten von Nordamerika, und es sieht vorerst nicht danach aus, daß sich daran etwas ändern wird. Arafat und die palästinischen Menschen haben Flinten und Sprengstoff; niemand in der arabischen Welt hat für sie etwas anderes als nur fade Lippenbekenntnisse übrig. Arafat kann Israel nicht bedrohen. Aber die physische Existenz israelischer Menschen ist bedroht und so auch die Seele des Gemeinwesens Israel. Die ständige Angst, mit dem Terror leben zu müssen, ist ein Grund. Aber die immer tiefer gehende Militarisierung von Wirtschaft und Gesellschaft führt zu einer Art von kollektiver Deformation. Man kann die anderen nur als Feind wahrnehmen, nicht als potentielle Partner bei der Gestaltung eines gemeinsamen Lebens in einem kleinen Land. Für Scharon & Co. sind die Palästinenser, oder »die Araber«, Fremde, Feinde, Bedrohliches. Die Rechten oktroyiert ihre Weltsicht der Gesellschaft auf, propagiert sie als die einzige »realistische« Sicht der Dinge, schließt eine andere Sicht als gefährliche Illusion aus wird und blockiert jeden Ausweg aus dem wirtschaftlichen Desaster und jede Heilung der seelischen Verstümmelungen. Der einzige Ausweg ist der Friede und das hebräische Wort »Schalom« bedeutet neben »Friede« auch »Heilung«. »Mit Scharon wird es keinen Frieden geben« (Daniel Barenboim). Dies bedroht die Seele Israels.

11. Die Frage ist daher, mit welchem Israel man solidarisch ist, mit König Jojakim, dessen unsinnige Militär- und Bündnispolitik Jerusalem ins Verderben führte, oder mit dem Propheten Jeremia, der gegen diese Politik den Mund aufmachte? Mit Ariel Scharon oder mit der israelischen Friedensbewegung und solchen, die das Fenster zum Frieden geöffnet haben, wie Jizchak Rabin?

Die Zeitschrift Texte & Kontexte wurde unter anderem mit dem Ziel gegründet, den Antijudaismus in der christlichen Theologie, insbesondere in der Exegese, schonungslos zu bekämpfen. An dieser Zielstellung darf sich nichts ändern. Man darf aber nicht die Haltung einzunehmen, die der New Yorker Kardinal Spellman angesichts des amerikanischen Amoklaufs in Vietnam einnahm; er sagte: »Right or wrong: my country.« Man darf auch jetzt nicht sagen: »Right or wrong: Israel!« Die gegenwärtige Politik des Staates Israel – und die ist beileibe nicht identisch mit dem Judentum! – ist zu bekämpfen. Wo bleibt die offene und engagierte Unterstützung für die israelischen Friedenskräfte seitens jener Christen und Christinnen und ihrer Kirchen, die, wie der US-amerikanische Kongress »uneingeschränkte Solidarität« fordern? Wir haben all diese Jahre hindurch Tacheles geredet mit jenen palästinensischen Studierenden, die politischen Kampf mit Judenhaß verwechselten. Wer stellt die israelische Rechte und ihre Anhänger im Ausland zur Rede?

Der Wiener Publizist Robert Misik referierte im Februar 2010 beim Rosa Luxemburg Club an der Uni Hamburg über aktuelle Religionskritik. Leider ist sein Vortrag ziemlich redundant und verbleibt argumentativ überwiegend auf einer ethisch-politischen Ebene. (50 Minuten)

Download: mp3 via MF (17 MB), mp3 via FRN (23 MB)

In den vergangenen Tagen gab es eine Serie von Nazianschlägen auf mindestens sechs Treffpunkte von Antifaschist_innen in Berlin. Allein in Neukölln gab es neben dem Angriff den Salvador-Allende-Club in der Nacht zum Dienstag vier weitere Anschläge, darunter eine Morddrohung am Haus eines_r bekannten Antifaschist_in. Das Projekt Friedel54 war ebenfalls betroffen. Außerdem sind zwei weitere [...]

Mittwoch, 10. März 2010

Zwei Veranstaltungen in Münster setzten sich im letzten Jahr mit einer Kritik des politischen Islam auseinander:

1. Kritische Tagung zur Debatte um den politischen Islam (organisiert von der Gruppe et2c in Münster):

• Klaus Blees, Geschichte des islamischen Antisemitismus
• Udo Wolter, Universalistischer Rassismus, getarnt als “Islamismuskritik”?
• Jörg Sundermeier, Unser guter Islamist – der Islamwissenschaftler Tariq Ramadan

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bei et2c

2. 30 Jahre islamische Republik – der Iran zwischen religiöser Diktatur und Revolte (organisiert vom AStA der Uni Münster u.a.):

• Inputreferat des Organisationskreises
• Wahied Wahadat-Hagh zu einer Staatsanalyse des Iran
• Stephan Grigat zum deutsch-iranischen Verhältnis

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bei revolte im iran

RADC Internship Guide An unpaid internship at Roma and Ashkalia Documentation Centre (RADC) is available for two international students, who have recently finished a second degree (Master level) in political science, international relations, or social sciences. RADC cannot offer either accommodation nor travel expenses, but only a stipend with amount of 200 euro per person per month. The interns will be tasked to support RADC with reporting, fund raising and proposal writing. Duration: April...

Sehr geehrte LeserInnen, ich habe in den letzten Jahren zahllose Minderjährige bundesweit in Abschiebungshaftanstalten vertreten. Keine einzige Inhaftierung war rechtmäßig! Die höchstrichterliche Rechtsprechung ist da sehr konsequent! Es ist also nicht nur "unmenschlich und verantwortungslos, minderjährige unbegleitete Flüchtlinge in Abschiebhaft zu nehmen", wie Mehmet Yildiz zutreffend ausführt, sondern auch krass rechtswidrig, es sei denn, es wurde bundesweit...

Der ganze Planet besteht aus Sinnscheiße. Warum muss man dann so tief in die Sinnscheiße-Bergwerke hinabsteigen, um unter entsetzlichen Qualen und unzähligen Opfern ein Material heraufzubefördern, das an der Oberfläche des Planeten in rauen Mengen herumliegt, wo man sich nur bücken müsste um es aufzuheben? Aber nur dadurch, dass wir die Sinnscheiße unter solchen entsetzlichen Qualen zu Tage fördern, erhält sie das wichtigste: Wert!

In dem Hörspiel „Aufstand in den Sinnbergwerken“ von Matthias Schamp wird auf amüsante Art und Weise, bereichert mit phantastischen musikalischen Zwischenspielen, die Sinnlosigkeit der kapitalistischen Arbeit geschildert. Und doch gibt es Aussicht: Den Hauptfiguren wird die Sinnlosigkeit der ganzen Schufterei bewusst und sie fangen an, sich anderen Dingen zu widmen. Damit bekommt die Geschichte aber leider einen idealistischen Charakter: Dadurch, dass sie sich der ganzen Scheiße einfach bewusst werden und mit Hilfe der Metaphysik, gelingt es ihnen die Sinnscheiß-Gesellschaft aufzulösen. Wenn der Feind nicht eine Rückenkratzbürste in die Hände bekommen hätte…

Download (mp3, stereo, 128 kbps, 49.4 MB, 53 m 55 s)

we came till skopia
and my mobile said :

T-mobile welcomes you to the Republic of Macedonia! For assistance please call 0038970122! Have a pleasant stay in our contry!

we were happy and they did welcome us very well as very special gueast. But the police kicked us out of the border, back to greece

i am an unlucky man.

Das ist eine der kleinen Geschichten, die Birds of Immigrants erzählt – ein Kollektivblog, geschrieben von jungen Flüchtlingen die versuchen sich nach Europa durchzuschlagen. Eine ähnliche Ausrichtung hat Schengendangle:

schengendangle is the Blog of people like me, who come to Europe with the hope to finaly escape and find a new home. We are refugees trying to reach the less worse country, the one where we have a chance to get asylum. To achieve that, we are forced to cross the external borders of Europe and the internal ones. We cannot travel on the normal way like a tourist. We don’t have passports. In this world we have to travel in the darkness, in small dinghies, hidden inside and under lorries and by whatever means you might think of or you might not imagine at all.

This Blog is the attempt to fight back against inequalities by telling our stories. The Schengen Treaty gives some people the possibility of free movement in Europe but for others it makes it more difficult if not impossible to travel. It takes our human rights as people only because we are not European citizens. Dangle we call it when we hide underneath a lorry, between the tires – we the unseen of Europe.

Zwei blogs, die ich euch allen ans Herz legen will, und die dringend mehr Bekanntheit verdient haben.

Bayern 2 Nachtstudio:

Markus Metz und Georg Seeßlen beschreiben in ihrem Radio-Essay Aufstieg, Niedergang und erneuten Aufstieg des Intellektualismus und seiner Gegner. Eine Ideen- und Sozial-Geschichte der Intellektuellen, vom 19. Jahrhundert bis heute.
Eher bildungsbürgerlich als gesellschaftskritisch, aber interessant. Download (33 MB, 48 m)

From the conference “30 Years of the Islamic Revolution: The Tragedy of the Left” organized by the The Platypus Affiliated Society in November of last year.

Danny Postel: The central question, which I will approach indirectly, is whether the 1979 Islamic Revolution in Iran was a tragedy for the Left.

In the conventional narrative of the Iranian Left the answer to our question has long been, “Yes.” The 1979 Revolution was a failure insofar as it was hijacked by one faction of a broader coalition that included the Iranian revolutionary Left. The faction in question was the Islamist or Khomeinite faction, which, once it gained control, proceeded to decimate, destroy, murder, imprison, and drive into exile its erstwhile comrades. There is a lot of truth to this leftist narrative, but it is only part of the story. It is largely self-exculpatory and elides the role the Iranian Left played in its own immolation. An account of this self-defeat can be found in Maziar Behrooz’s book, Rebels with a Cause: The Failure of the Left in Iran, a salutary and, indeed, definitive reconsideration of the history of the pre-revolutionary Iranian Left.

As Maziar explains, the Iranian Left, or at least certain key fractions of it, helped fashion the noose the Islamists ultimately hung them with. According to Behrooz, the Khomeinites were able to do this in large part because the Tudeh party, the Fadaiyan Majority, and many other Iranian Marxist parties, whatever their differences with the Islamists, shared with them a profound hostility toward liberalism. Like [Ruhollah al-Musavi] Khomeini’s followers, dominant trends on the Iranian Left viewed democratic rights, civil liberties, and women’s rights as no more than elements of what they described interchangeably as “western,” “colonial,” or “bourgeois” ideology.

On the basis of Behrooz’s analysis of the critical failings of the Iranian Left, I would say we must revise the Iranian Left’s usual answer to the question and answer it instead in the negative. No, the 1979 Islamic Revolution in Iran was not a tragedy for the Left, for tragedies befall innocence; they happen to people who have no idea of, and are not responsible for, the fate that awaits them.

This raises another question: Is it in fact a tragedy that the Stalinists and Maoists who made up the great majority of the left in Iran in the 1960s and 1970s did not take power? After all, virtually all Iranian leftists of the 1960s and 1970s were either Stalinist or Maoist. In light of this, I would argue that what followed in the wake of the 1979 Revolution was not so much a tragedy for the Iranian Marxist “Left” then in existence, as it was a tragedy for the project of the Left per se. For the genuinely leftist project of internationalism and human emancipation, the profoundly authoritarian, repressive, reactionary, and proto-fascist regime that emerged out of the Revolution and has ruled Iran ever since is certainly tragic but also, and more accurately, catastrophic. But what are the lessons to be learned?

There are both external and internal factors in the destruction of the Iranian Left. The external factors are obviously the brutality of the Islamists who took over and Iran’s strategic position in the Cold War rivalry between the U.S. and USSR. These factors are certainly important, but Behrooz’s book rightly zeroes in on the internal factors. Of these, he considers the Left’s tunnel-vision anti-imperialism most essential. Khomeini’s gang may have disdained professedly secular, rational socialists, but on the Left the argument went that, because they were anti-American and anti-imperialist, the Khomeinites were “objectively progressive.”

We now know that the Left’s was a demented, disfigured, ultimately catastrophic argument, one that had lethal consequences for those who propounded it. There was nothing progressive about Khomeini’s anti-imperialism. It was authoritarian and regressive, as is [Iranian President Mahmoud] Ahmadinejad’s anti-imperialism today. Whether Khomeini’s rhetoric was truly anti-imperialist is open to debate—but to the extent it was, it amounted to no more than an anti-imperialism of fools.

What were some of the consequences of the Iranian Marxist Left’s view that the anti-imperialist, anti-American rhetoric of the Khomeinites was “objectively progressive”? As mentioned earlier, it led to a rejection of the demands for human rights advanced by feminists, democratic liberals, and nationalists. Rather than sympathizing with and advancing their demands, many on the Left in Iran in 1979 regarded feminism as a bourgeois colonial ideology. Because of this many Iranian Marxists sided with extreme reactionary forces within the new Islamic government as they repressed feminism, beating women and suppressing their demands. Similarly, when newspapers were shut down, many Iranian Marxists defended not their right to publish their views, but the regime’s supposed responsibility to close them down! Here again the logic was the same: Liberal and nationalist newspapers were neo-colonial and bourgeois. Such actions, justified in the name of anti-imperialism, constituted a catastrophic turn down the dark ally of anti-liberalism. The Left mistakenly viewed liberalism as part of a toxic, global, colonial project rather than viewing it, as Marx himself did, as being necessary but insufficient—or, better, insufficient but bloody necessary — to the project of socialism and liberation.

The anti-liberal “radicalism” the Iranian Marxists shared with the Khomeinites was reactionary. But what can this teach us today, as we watch the protests in the streets of Tehran? After all, less than 24 hours ago, we witnessed the largest protests since the fall of the Shah. Clearly, we are again living in a historic moment, and so we should discuss some of the parallels and discontinuities between 1978–79 and today, the most obvious similarity being that, once again, hundreds of thousands, if not millions of Iranians have taken to the streets to voice their demands.

Where there has been some affinity between Platypus’s perspective and my own is in our shared critique of the authoritarian Left, the myopic anti-imperialism of those like MRzine, the online organ of Monthly Review magazine, or an organization like international ANSWER, which held a demonstration in solidarity with the Islamic Republic of Iran in June here in Chicago, defending Hugo Chavez and his position that the demonstrations in Iran are tools for imperial intervention, that the elections were wholly legitimate, and that Ahmadinejad is a revolutionary comrade that deserves the Left’s support.

Where my perspective diverges from Platypus’s is in our respective angles on what is happening in Iran today, particularly with respect to the Green or democratic movement that has developed in response to the June election results. As Chris Cutrone made clear already in his article in the August 2009 issue of the Platypus Review, he dismisses the Green Movement in Iran as still too…something. Actually I do not think Chris developed any definite criticism, but made only rhetorical gestures. So, I hope to hear an argument about where he stands now on the Green Movement in Iran. But from what I have heard so far from him, he shares the tunnel-vision anti-imperialism of the Left that supports Ahmadinejad and rejects the Green Movement. No doubt, be has reasons of his own for rejecting the Green Movement, but what he shares with the defenders of Ahmadinejad is a hostility to the pluralistic, democratic liberalism already articulated by the Green Movement. Though it is true that this movement remains somewhat inchoate, a work-in-progress, and is even now still forming its platform or agenda, the broad ideological outlines are clear.

I think there is a real danger in failing to recognize the emancipatory potential—not the fully articulated emancipatory program, granted, but the clear emancipatory promise and potential—in the Green Movement. It is a mistake to blind oneself to this promise or to reject it simply because it is articulated within the logic and framework of the Islamic Republic, or because it does not speak the anti-capitalist language of the Western Left and lacks a developed critique of neoliberalism. This latter point, which I take to be Platypus’s position, represents a species of left imperialism. To decline to sign on and support the Green Movement because they do not speak the language of socialist revolution is to cram the complex and fluctuating on-the-ground reality in Iran today into the preconceived categories of the Western Left. Such an attempt to fit that movement into our agenda constitutes a disfigured left imperialism that fundamentally misunderstands Iran today.

Dienstag, 09. März 2010

Weltfrauentag: Der 8. März 2010 im Iran.

An der Südküste des Kaspischen Meeres und nordwestlich von Teheran gelegen, befindet sich der Talab Bojagh, ein iranischer Nationalpark. Auf seiner Fläche von 3000 Hektar beherbergt er zahlreiche Vogelarten. Die reichen Fischvorkommen werden wissenschaftlich beobachtet und untersucht.

In der Nachbarschaft zum Nationalpark hat die Regierung vor einem Jahr Land an ein Bauunternehmen verkauft. Diese Firma kann machen was sie will und die lokale Behörde sieht weg. Ein großer Teil des Parks dient heute als Müllablageplatz. Es wird gesagt, dass diese Firma einem engen Bekannten von Ahmadinejad gehört.


„Frauen mit nicht korrekter islamischer Kleidung haben keinen Eintritt. Tiere, egal ob Haustiere oder wilde Tiere, dürfen nicht hinein.“


„Unglaublich aber wahr: kein Eintritt für ledige Männer“, „Alles für 4000 Tuman“ (ca. 2,5 Euro)


Das obere Bild zeigt eine kleine Zeltstadt unter einem Plakat mit der Aufschrift „Zelten verboten“.

Das untere Bild zeigt Menschen, die sich in aller Seelenruhe neben einem Schild mit der Aufschrift „Betreten verboten“ niedergelassen haben.

Plakate wie dieses hängen in Iran an jedem belebten Platz. Es handelt sich um die Ankündigung von zwei Hinrichtungen in der Stadt Ahwaz samt genauem Datum und Ortsangabe. Die obere der beiden Hinrichtungsankündigungen kündigt für Morgen, Mittwoch, den 10. März 2010 (19.12.1388 nach iranischem Kalender) das Erhängen eines Menschen aufgrund von Drogenhandel an, die untere am 13. März 2010 (22.12.1388) die Hinrichtung eines Menschen der wg. eines bewaffneten Raubüberfalls und „mohareb“ (Gotteslästerung) verurteilt wurde.

Vor vier Tagen heulte Fritz Felgentreu auf seiner Seite rum, daß es in Neukölln immer wieder zu Übergriffen autonomer Gruppen auf das Quartiersmanagement und sein Bürgerbüro kommt. Um diesen unhaltbaren Zustände einhalt zu gebieten und die No-Go-Area für anständige sozialdemokratisch blinde Bürger_innen zu durchbrechen, haben sich Nazis offenbar ein Herz gefaßt und zum vierten [...]

Nach der zweiten Sitzung zur inhaltlichen Konzeption der Ausstellung Flucht und Vertreibung sind zwei weitere Mitglieder_innen aus dem wissenschaftlichen Beirat ausgestiegen. Zum einen ist dies die Historikerin Prof. Dr. Kristina Kaiserová aus Ústí nad Labem. Außerdem zog sich die Publizistin Helga Hirsch, die dem Bund der Vertriebenen und Erika Steinbach nahe steht, [...]


Ein Tag vor dem 8. März 2010 in Teheran

Im Verlauf der letzten Woche wurden in grossen und kleinen Städten im ganzen Iran Vorbereitungen für den Frauentag getroffen. Die Regierung liess jedoch keine offiziellen Veranstaltungen zu und drohte denjenigen Frauen, die sich an das Verbot nicht halten wollten.


Ein Tag vor dem 8. März 2010 in Teheran

Trotz dieser Drohungen und Verbote setzten die Frauen ihre Vorbereitungen fort. Sie organisierten Treffen in privaten oder halböffentlichen Kreisen, die über Mund-zu-Mund-Propaganda bekannt gemacht wurden. Insgesamt wurde der Frauentag im Iran am 7. und 8. März vorwiegend in kleineren Veranstaltungen gefeiert.


Ein Tag vor dem 8. März 2010 in Teheran

Am Sonntag, den 7. März versammelte sich in Teheran u.a. ein Gruppe von bekannten Frauen wie Nushin Ahmadi Khorasoni, Mansure Shojai und Sahra Rahnaward, etc.. Aufgrund der begrenzten Möglichkeiten, konnten nur die Vertreterinnen der verschiedenen Frauengruppen (Iranische Frauenvereine, Kommitte zu Betreuung von politischen Gefangenen, verschiedene Rechtsanwältinnen, Mütter für den Frieden, …) zusammen kommen.

Im Anschluß an dieses Treffen wurde eine politische Erklärung mit sieben Forderungen veröffentlicht:

  1. Diskriminierung von Frauen muss aus allen Gesetzen insbesondere aus dem Familienrecht und dem Strafrecht … verschwinden.
  2. Der Iran muss die Internationale Konvention gegen jegliche Diskriminierung von Frauen unterschreiben
  3. Es muss ein Weg gefunden werden um Gewalt in der Familie sowie die gesetzliche, gesellschaftliche und politische Gewalt in der iranischen Gesellschaft zu beseitigen.
  4. Chancengleichheit für Frauen in allen Bereichen, in der Politik, der Verwaltung, etc.
  5. Schluß mit der Separierung der Geschlechter, egal ob in den Universitäten, der Öffentlichkeit oder sonstwo
  6. Freiheit für friedliche Aktivitäten für die Rechte der Frauen
  7. Die politischen Gefangenen, auch die Frauen, müssen freigelassen werden.


8. März 2010 vor dem Ewin-Gefängnis

Gemäß den Berichten des Vereins zur Unterstützung der Familienangehörigen von politischen Gefangenen, sammelten sich am Montag Abend, kurz vor Einbruch der Dunkelheit, etwa 100 Menschen, vorwiegend Frauen, vor dem Ewin-Gefängnis. Gegen 20 Uhr war die Menge auf ca. 400 Frauen und Männer angewachsen. Eine Vertreterin der Gruppe der trauernden Mütter erklärte, dass ihre Gruppe sich am 8. März vor dem Ewin-Gefängnis versammele, um die VertreterInnen des Vereins zur Unterstützung der Familienangehörigen von politischen Gefangenen zu unterstützen. Ein Mann und seine Tochter hatten rote Blumen sowie Süssigkeiten mitgebracht. Die Tochter verteilte die Blumen an die trauernden Mütter und der Vater verschenkte die Süssigkeiten an alle Anwesenden.

An diesem Abend sind zehn Gefangene freigelassen worden, leider war unter ihnen keine Frau. Ein Teil der Freigelassenen begab sich zu der Versammlung und zeigte das Victory-Zeichen, woraufhin die Menge klatschte.


Protest gegen Geschlechterapartheid am 8. März 2010 an der Universität Ghom

Die Studentinnen der Universität Ghom versammelten sich am gestrigen Montag, den 8. März, um 14: 30 Uhr gegen Geschlechterapartheid und aus Respekt vor dem 8. März. Sie wurden dabei von Studenten unterstützt. Während des Verlaufs der Versammlung filmte und fotographierte der Geheimdienst um die Anwesenden einzuschüchtern, doch diese setzten ihren Protest ohne Angst fort. Der Leiter der Universität kam zu der Versammlung, bat um ruhiges Verhalten und machte das Angebot, dass eine Vertreterin oder ein Vertreter der Versammlung zu ihm kommen und in Ruhe seine /ihre Forderungen vorbringen könne.

Zur Erinnerung:

»Indem Marx die Arbeitskraft ›variables‹ Kapital genannt hat, hat er eine begriffliche Verknüpfung zwischen der Schaffung des Mehrwerts und der despotischen Natur des kapitalistischen Produktionsprozesses geschaffen. Der von den Arbeitern in diesem Prozeß geschaffene Mehrwert ist nicht nur durch die Konsumtionsmittel für ihren Lebensunterhalt bestimmt, sondern auch durch die Menge und Intensität der Arbeit, die sie zu leisten gezwungen sind. Indem er die Arbeitsintensität seiner Arbeiter steigert, kann der individuelle Kapitalist zusätzliche Mehrarbeit herausholen. Wenn er mächtig genug ist, kann er deshalb die Höhe des Mehrwerts, den seine Arbeiter schaffen, variieren. Somit macht der Terminus ›variabel‹ aufmerksam, daß der tatsächlich geschaffene Mehrwert mit der relativen Stärke der Gegner im Produktionsprozeß variiert.«

Aus: Bob Rowthorn, »Die neoklassische Volkswirtschaftslehre und ihre Kritiker – eine marxistische Betrachtung«, in: Winfried Vogt (Hg.), »Seminar: Politische Ökonomie«, Frankfurt/M. 1973, hier: S. 275.

PS: Noch mal Rowthorn: Die Definition ist »von Marx so einfach und klar dargestellt, daß es unmöglich scheinen mag, daß irgend jemand, der auch nur den ersten Band des Kapitals gelesen hat, sie mißzuverstehen oder ihre Bedeutung nicht zu sehen in der Lage ist. Und doch haben Generationen von Ökonomen, linke wie rechte, genau das fertiggebracht. So stark ist die Macht der Tradition auf den Menschenverstand, eine Tradition, die darauf besteht, Marx so zu lesen, als wäre er einer der englischen klassischen Ökonomen.« (ebd.)

“Der 17-jährige David starb am Sonntag im Hamburger Gefängniskrankenhaus. Nachdem er bereits tagelang jegliche Nahrung verweigert hatte, wurde er dort ‘tot aufgefunden’. Er hatte sich erhängt. Der aus Georgien stammende David war ohne seine Erziehungsberechtigten eingereist und saß bereits seit Februar in Abschiebehaft, in die er als Jugendlicher eigentlich nicht gehörte. – Es gibt keinen Freitod hinter Gittern!” (via)

(2)

Die Diskussion über und eine Analyse der Mode ist mit dem Ende der Poplinken, abgesehen von der lookism-Debatte, scheinbar aus der radikalen Linken verschwunden. Man ist mittendrin, jedoch unfähig die aktuellen Phänomene auf den Begriff zu bringen. Mit reichlicher Verspätung wurde in mehreren Zeitschriften in der letzten Zeit jedoch über das Phänomen der Emo-Kultur diskutiert. Hier zwei entgegengesetzte Beiträge, die sich mit Emo auseinandersetzen:

1. Martin Büsser: Emo – Portrait einer neuen Jugendbewegung

Martin Büsser, Mitherausgeber des Sammelbandes „Emo – Portrait einer Szene“ hielt am 04.03.2010 im Red Roxx in Erfurt einen Vortrag, in dem er anhand des Sammelbandes und den damit verbundenen Feldforschungen die Emos gegen ihre Feinde verteidigte. Er stellt darin „zwei Geschichten“ der Emo-Kultur vor – einmal als eine Bewegung die sich in den 80er Jahren aus der Punk- und Hardcoreszene entwickelte und sich in Abgrenzung zu ihr befand und einmal als eher diffuses massenkulturelles Phänomen, welches seit der Jahrtausendwende Beachtung fand und sich mehr oder weniger unabhängig von der ursprünglichen Emo-Bewegung konstituierte. Büsser stellt dabei die affekthafte Feindschaft gegenüber den Emos in einen Zusammenhang mit einer allgemein vorherrschenden Homophobie und spricht sich für die Emo-Kultur aus.

Download:
bei freie-radios.net (mp3, stereo, 128 kbps, 24.1 MB, 26 m 20 s)
oder hier (48 kbps, 9 MB)
oder inklusive Diskussion bei mediafire (mp3, stereo, 128 kbps, 72.6 MB, 1 h 19 m 17 s)

2. Magnus Klaue: Verführerische Kälte – Zur Ästhetik des Dandyismus und ihre postmoderne Abschaffung

Magnus Klaue übt in diesem Vortrag, den er am 04.02.2010 in der ACC Galerie in Weimar im Rahmen der Reihe Kunst | Spektakel | Revolution gehalten hat, Kritik an Martin Büssers Rezeption der Emo-Kultur und wirft ihm vor diese zu affirmieren ohne sie zu interpretieren. Er grenzt dabei die Begriffe „Emotionalität“ und „Empfindsamkeit“ von dem der Sinnlichkeit ab: „Die Ideologie der Empfindsamkeit lügt sich Sinnlichkeit zur Sensivität zurecht“ und stellt dem Emo schließlich die Figuren des Dandys und der Vamp entgegen, von denen die Emokultur „wesentliche Attribute borgt, den sie jedoch zugleich um seine Radikalität bringt.“ Die anschließende Diskussion dreht sich vor Allem um Klaues Kritik an den Konzepten Queer, Androgynität und Polyamorie.

Download:
bei freie-radios.net (mp3, stereo, 128 kbps, 46.1 MB, 50 m 18 s) oder inklusive Diskussion bei mediafire (mp3, stereo, 128 kbps, 68.6 MB, 1 hour 14 m 54 s)
Nachbearbeitet (lauter, 48 kbps): Vortrag (50 m, 17 MB), Diskussion ( 25 m, 8 MB) | zum Ankündigungstext

Montag, 08. März 2010

Jean Baudrillard explained in two minutes:

Radio Island aus Leipzig hat ein Feature über Phänomene »männlichen Theorie- und Aktionsmackertums« in der sog. linken Szene gemacht. Zu Wort kommen Menschen aller Geschlechter, darunter auch – mit sehr interessanten Überlegungen – Bini Adamczak. Download (15 MB)

Unter dem Titel »feminismus = geschichtsbewusstsein« wird in dieser Sendung des Querfunk Karlsruhe auszugsweise das 1986 veröffentlichte Buch »Die Entstehung des Patriarchats« von Gerda Lerner verlesen. Hauptthema (bzw. -gegenstand der Kritik) ist die Nichtbeachtung der Frauen in der Geschichtsschreibung. Die Sendung ist eine Stunde lang und enthält Musik.

Download: mp3, stereo, 128 kbit/s (55 MB) oder mp3, mono, 48 kbit/s (21 MB)

Ein Kommentar von Lysis/Rhizom, der es verdient, extra herausgestrichen zu werden, weil ihm die Relativierung der Ideologiekritik zugunsten einer materialistischen Durchdringung der Wirklichkeit gut gelingt. Diesem Kommentar ging ein anderer vorher mit einem dieser klassischen Paranoia-Sätz: »Jede Kritik hat auch ihren Subtext, also: Jede Kritik wird aus einem bestimmten Interesse heraus artikuliert.« Überdruss stellt sich ein, es ist doch so, dass man das zähe Gekäse um Subtexte und hinterweltlerische (sic!) Interessen nur noch schwer ertragen kann! Was Lysis nicht bzw. nur implizit sagt (ist aber kein Mangel seiner Antwort): Man gelangt dadurch in einen infiniten Regress, »schlechte Unendlichkeit« (Hegel). Denn haben die Interessen, der »Subtext«, nicht selbst wieder einen »Subtext«?
Dabei kann es doch so einfach und klar sein! Man lese:

Ich finde nicht, dass es um den Subtext, sondern dass es um den Text geht. Ich brauche keine Hermeneutik des Verdachts, um zu zeigen, warum die Islamkritik von PI [Politcally Incorrect] rassistisch ist. Dazu reicht eine Analyse der manifesten Verdrehungen und inhärenten Essenzialisierungen völlig aus. Erst wenn man gezeigt hat, dass auf der sachlichen Ebene etwas nicht stimmt, dass also der rationale Charakter, den man einer Äußerung von Haus aus unterstellt, objektiv verletzt ist, kann man sich sekundär den psychologischen Beweggründen zuwenden, die dieser Verletzung subjektiv zugrundeliegen. Die Realkritik hat der Ideologiekritik logisch immer vorauszugehen. Sie ist ihr Fundament. Erst musste Marx zeigen, dass die bürgerliche Nationalökonomie eklatante Widersprüche aufweist, bevor er die bewusstseinsimmanenten Gründe für diese analytischen Auslassungen benennen konnte.

Rotfrontgolferinnenbund
Ein interessanter Zusammenschluss: Lokomotive Golf – Ein proletarischer Golfverein

findet sich auf dem Opablog: http://opablog.twoday.net/topics/DDR-Stimmen


Und schon etwas älter:
Die Bundeskanzlerin und CDUTV zur Kritik der Demokratie

Einige Archivfunde (und zwei Ankündigungen):

1) Der synkretistische Archivar Clara123 hat auf seiner Scribd-Seite einen ebenso seltenen wie auf den ersten Blick obskuren Text aus der bordigistischen Tradition veröffentlicht: »Dynamik sozialer Produktionsformen«
Der Text ist 1974 veröffentlicht worden in der deutschsprachigen Zeitschrift »Faden der Zeit«, von der Mitte der 70er Jahre bloß zwei Ausgaben erschienen (lustigerweise Nr. 4 & 5 – nicht etwa 1 & 2 …). Sehr wahrscheinlich handelt es sich hier nicht um den Hauptstrom des sogenannten Bordigismus, wie er sich in Deutschland offensichtlich in der Zeitschrift »Kommunistisches Programm« ausgedrückt hat. Die »Dynamik sozialer Produktionsformen« ist nichts weniger als eine Tour de Force durch die Produktionsweisen, die der kapitalistischen vorhergehen. Was diese taugt, werden wir herausfinden und demnächst auf diesem Blog kommentieren.

2) Weil wir nun mal die Bordiga-Beauftragten auf Blogsport sind, kommen wir nicht darum herum, auf zwei weitere wie immer: erstklassig übersetzte Veröffentlichungen aus dem Fundus vom Alten Maulwurf hinzuweisen. Dort sind vor wenigen Wochen zwei Grundlagentexte Bordigas aus dem Jahr 1958 erstmals (deutschsprachig und) für alle zugänglich gemacht worden.
»Das revolutionäre Programm der kommunistischen Gesellschaft beseitigt jede Form des Eigentums am Boden, an den Produktionsanlagen und an den Produkten der Arbeit« (vorgetragen auf der Turiner Versammlung der Internationalen Kommunistischen Partei am 1. Juni 1958)
»Der ursprüngliche Inhalt des kommunistischen Programms besteht in der Annulierung des Individuums als ökonomischem Subjekt, Inhaber von Rechtstiteln und Akteur der Menschheitsgeschichte« (vorgetragen auf der Versammlung der Internationalen Kommunistischen Partei in Parma am 20. September 1958)

Beide Referate eignen sich hervorragend als Einführung in Bordigas Rekonstruktionsbemühungen in revolutionärer Absicht. Sie stehen exemplarisch für die kommunistische Position. Bordiga hatte sich in den Jahren zuvor intensiv mit den Stalinisten und weiteren Marxverbesserern resp. -tötern (u.a. Cornelius Castoriadis) auseinandergesetzt, er hatte zahlreiche parteistrategische Papiere verfasst und formanalytische Untersuchungen die Methode Karl Marx’ betreffend vorgelegt (was er »Invarianz« genannt hat und was ihm von einigen Blaulicht-Radikalen bis heute als Scholastik angekreidet wird).
Offensichtlich war 1958 aller Schutt beiseitegeräumt und die Schutthaufen waren wohl sortiert auf ihre (Un-)Brauchbarkeit hin. Als Abschluss dieser orthodox-häretischen Bestimmungen revolutionärer Politik folgten die beiden oben genannten Grundsatz-Referate. Jedes Ende ist ein Anfang – und so markieren sie zugleich die Einführung in den wissenschaftlichen Kommunismus wie in das theoretische Werk Bordigas.

3) Deconstructing Gerhard Scheit. Über die ebenso kuriose wie konsequente Zins-Apologetik Gerhard Scheits, einem an und für sich belesenen Theaterwissenschaftler, der in höchster Not zum Chefphilosophen der Antideutschen hochgejubelt wurde, haben wir uns an anderer Stelle schon ausgelassen. Sehr ernst (allzu ernst?) nimmt sie Ulrich Enderwitz, ein früherer Genosse Scheits, und überführt sie in einem gründlich-erschöpfenden Analyse des »negativen Antisemitismus«. Auf diese Abrechnung mit Scheit werden wir demnächst noch eingehen.

4) Seit einiger Zeit online ist das gesamte Heftarchiv der Prokla (früher: Probleme des Klassenkampfs). Ehe gefeixt wird, wie implizit hirnrissig es ist, von den Problemen des Klassenkampfes zu reden – als ob damit ein notwendiger Mangel der revolutionären Theorie ausgedrückt werden sollte, den es fortlaufend – akademisch betreut – zu bearbeiten gälte, muss aber auch gesagt werden: Es sind dort bis etwa Mitte der 80er Jahre verdammt viele verdammt gute (vulgo: brauchbare) Texte erschienen. Hier eine kleine Handreichung:

* Wolfgang Müller /Christel Neusüss: »Die Sozialstaatsillusion und der Widerspruch von Lohnarbeit und Kapital« (1970/71. Für alle, die die einschlägige TOP-/Um’s Ganze-Broschüre bereits gelesen haben, noch lesen wollen, nie zu lesen vorhaben.)

* Hans Ulrich: »Die Einschätzung von kapitalistischer Entwicklung und Rolle des Staates durch den Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsverbund« (1973. Der Name ist vermutlich ein Pseudonym. Grundlegende, historisch aufgezäumte Gewerkschaftskritik.)

* Anwar Shaikh: »Eine Einführung in die Geschichte der Krisentheorien« (1978. Der maßgebliche Aufsatz. Wann immer heutzutage, zumal in Deutschland, ein Marxist eine Einführung in die Krisenthematik bei Marx gibt und dazu auch auf die Ideologien eingeht, die Marx mal mehr, mal weniger implizit kritisiert, kann man sich sicher sein: insgeheim referiert er oder sie Shaikh.)

* Eberhard Seifert: »Die Räte-Kommunistische Tradition von ›Ökonomie der Zeit‹. Wider die Halbheiten der neuerlichen Erledigungen der Marx’schen Phrase von der ›Parallele zur Warenproduktion‹« (1983. Ein bemerkenswerter Irrläufer der marxistisch-akademischen Schwundevolution: Eine Auseinandersetzung mit negristischen Positionen aus, nomen est omen, rätekommunistischer Perspektive.)

* Paul Mattick: »Wert und Kapital« (Deutsche Erstveröffentlichung 1984, der posthume Text stammt aus der zweiten Hälfte der 70er Jahre und gibt einen Einstieg, sehr komprimiert, in Matticks vor allem krisentheoretisch fundierte Ökonomiekritik.)

5) Der Marx der 1850er Jahre ist vergleichsweise gut erforscht. Das muss auch so sein, weil er in diesem für ihn so produktiven Jahrzehnt seine autonome Kritik der politischen Ökonomie herausarbeitet. Wie sehr dabei die empirische, ja: journalistische Auseinandersetzung mit den Kriegen und Krisen seiner Zeit im Mittelpunkt stand, kann man in zwei ergiebigen Studien nachvollziehen: Zum einen Sergio Bolognas »Geld und Krise. Marx als Korrespondent der New York Daily Tribune 1856-57« (1973, übersetzt und veröffentlicht von den Wildcat-Genossen, gespiegelt von der Homepage der FreundInnen der klassenlosen Gesellschaft – Bologna ist der wichtigste Historiker der italienischen Operaisten); zum anderen »Weltmarkt – Revolution – Staatenwelt. Zum Problem einer Theorie internationaler Beziehungen bei Marx und Engels« von Hartmut Soell, einem, Achtung! jetzt bitte nicht schockiert tun!, sozialdemokratischen Historiker (der Aufsatz erschien 1972 in dem Archiv für Sozialgeschichte der Friedrich-Ebert-Stiftung). Während Bologna den Zusammenhang von Wertkritik und Klassenkampf aufzeigt (eigentlich eine Selbstverständlichkeit, heute aber aus den wohlbekannten Gründen eine Seltenheit), arbeitet Soell die Grundzüge einer genuin marx’schen Imperialismuskritik resultierend aus seinen anti-bonapartistischen, anti-zaristischen, anti-preußischen Diplomatieanalysen.

Zum Feministischen Kampftag gibt es heute militant musikalische Perlen. Ich konnte mich nicht richtig entscheiden, deshalb verlinke ich ein paar mehr Tracks. Der sichtbare ist schon beinah ein Klassiker. Der zweite wird es bestimmt auch. Nach soviel Postpunk gibts jetzt aber feministischen HipHop. Den gibts übrigens auch in in Cuba. Das [...]

Sonntag, 07. März 2010

Hmm. Also die hier angegebenen Sexfrequenzen wären nach meinen Maßstäben ja ausgesprochen hoch, zumindest, wenn Sex mit einem anderen Menschen als sich selbst gemeint ist. In meinem Leben ist Sex eher so fast gänzlich bedeutungslos. Die Frequenz bei mir bemisst sich in Jahren, und die Qualität - nun ja, manches Mal dachte ich schon "ein Glas Bier hätte jetzt mehr gebracht". Die meist überbewertete Nebensache der Welt halt. Gut, wahrscheinlich sind die meisten Mensche...

Zum Themenkreis Irrationalismus und Esoterik fand 2005 eine Veranstaltungsreihe in Göttingen statt. Die Gruppe »Gegenstrom«, die diese ausrichtete, stellt auch die Audiodokumentationen der Vorträge zum Download bereit.
Ich habe wie üblich kleinere Versionen der Vorträge erstellt und archiviert. Im Einzelnen handelt es ich um folgende Referate und Referent_innen:

Siehe auch: Colin Goldner im Interview mit Trotzfunk, Radio Unerhört Marburg: Teil 1, Teil 2. (Bearbeitung hier)

Ah, herrlich, wenn der Winter immer so aussähe kann er von mir aus noch sehr lange dauern. Gerade eine wunderbare Wanderung durch das nahe Moorgebiet gemacht.

Am kommenden Dienstag ist eine Abendveranstaltung mit dem Autor Nanni Balestrini im Gasteig. Zu meiner grossen Überraschung gibts Genoss_innen, denen der Name nichts sagt, deshalb in aller Kürze: Balestrini hat 68 in Italien die Gruppe Potere Operaio mitgegründet und musste 79 nach Frankreich ins Exil, da ihm die Mitgliedschaft in den Brigate Rosse vorgeworfen wurde. Zusammen mit Primo Moroni schrieb er „Die goldene Horde“, meines Wissens nach das Standardwerk über die Autonomia. In seinen Romanen geht es um verschiedene soziale und politische Bewegungen – „Wir wollen alles“ behandelt die grossen Streiks bei Fiat, das Hooligan-Epos „I Furiosi“ (Die Wütenden) beschreibt die Fankultur des AC-Milan und das kleinkriminelle Milieu darum. Am bekanntesten dürfte „Die Unsichtbaren“ (Gli Invisibli) sein, dass der Generation 77 – der ersten Welle Autonomer Politik in Italien – ein Denkmal setzt. Ein kurzer Auszug:

unser Zentrum war mitten in der STadtund das ganze umliegende Viertel war praktisch von uns besetzt die Leute der Szene schweiften dort umher auf den Bänken des kleinen Parks lagerten den ganzen Tag über Genossen etwa zweihundert Meter entfernt war ein Kaufhaus das tagtäglich von Gruppen von Genossen heimgesucht wurde irgendwann beschloss die Geschäftsleitung gegen diese täglichen schamlosen Raubzüge etwas zu unternehmen und stellte massenhaft Wärter auf die rannten eines Tages hinter ein paar Genossen her die Lebensmittel geklaut hatten rannten auch noch draußen auf der Strasse hinter ihnen her und die Genossen rannten zum Zentrum und schrien laut einen Augenblick lang herrschte Großalarm alle rannten hinaus mit den Fahnen die in Wirklichkeit Spatenstiele waren mit einem roten Stofffetzen dran

auf so etwas waren die Wächter nicht gefasst sie machten vor den ersten roten Fahnen Halt kehrten um und rannten zurück sie hatten jedoch den Namen einer Genossin rausgefunden und zeigten sie an und aus Angst vor unserer Reaktion foderten sie zwei Auto mit Bullen an die von nun an vor dem Eingang standen daraufhin ließen sich die Genossinnen eine schöne Aktion einfallen sie zogen sich alle elegant an und gingen zu zwanzig dreißig ins Kaufhaus und als sie drin waren schlenderten sie mit Rasierklingen durch die Bekleidungsabteilung und ritsch ratsch Jacken Pullover Röcke Hoen Mäntel Capes es war verheerend Schäden in Millionenhöhe und dann gingen sie selenruhig wieder hinaus keiner hatte etwas gemerkt die Polizeiautos standen noch zwei Wochen vor dem Eingang und währenddessen gingen die Leute in einen anderen Supermarkt klauen und dann ging hier wieder alles von vorne an

[…]

In der Zwischenzeit war jedoch ein anderes Problem aufgetaucht das uns plötzlich zu schaffen machte das war das Heroinproblem das immer weitere Kreise zog und auch in die Bewegung einzudringen begann tagelang diskutierten und diskutierten wir darüber ist ja klar das denen an der Macht diese Situation gerade recht kommt die schon einen Haufen Tote gefordert und viele zu Zombies gemacht hat die nun mit Spritze und Löffel an den Brunnen auf den Plätzen herumhängen klar das dem Heroin am ehesten diejenigen verfallen die das System am meisten ablehnen und es nicht mehr ertragen können das Heroin bietet uns ein individualistisches und selbstzerstörerisches Ventil für unseren Wunsch nach Veränderung für die Wut die wir in uns haben

Mit der Odenwaldschule, dessen Homepage seit heute offline zu sein scheint, versinkt auch die protestantisch verwurzelte, nationalistisch konnotierte Reformpädagogik und ihre Kreise vollends im Mißbrauchsstrudel. Sind bei katholischen Bildungsinstituten vor allem Züchtigung und Gewalt die ausschlaggebenden Methoden, arbeitet das reformatorische Landerziehungsheime offenbar mit erotischen Methoden. Die Zirkel scheinen hierbei als Familie konstruiert und in [...]

Zwei Gespräche über Gentrification:

  1. Mit Andrej Holm: Mythos Gentrification?
  2. Mit Roger Behrens: Jenseits der Stadt; Über Gentrification und urbane Bewegung
(Beide in kleineren Fassungen hier.)

Samstag, 06. März 2010

Mag sein, dass der Menschenrechtsdiskurs die letzte Schwundstufe internationaler Solidarität und globaler Gesellschaftskritik ist – ich finde das folgende Video trotzdem ziemlich anrührend. *Schnief*

Köstlich! "Außenminister Westerwelle macht sich Sorgen um arbeitsunwillige HartzIV-Emfänger. Er fände es gut, wenn sie Berlin von Schnee und Eis befreien würden. Aber dann sähe man erstens, in welchem Zustand Berlin sich tatsächlich befindet, und die Hartz IV-Empfäünger würden woanders tatsächlich gebraucht, nämlich vor und im Fernseher." nämlich einerseits als Konsumenten vom Unterschichts-TV, andererseits als Vorführobjekte...

Es ist erschreckend und interessant zugleich, was der Rechtsanwalt und Sonderermittler Thomas Pfister zu den Zuständen im Benediktinergymnasium Kloster Ettal zu berichten weiß. Kinder und Jugendliche wurden, so berichten zahlreiche Opfer, willkürlich sowie kollektiv von den Patres bestraft. Bis in die 90iger Jahre war körperliche Züchtigung, wie die ARD berichtet, Teil der pädagogischen Konditionierung [...]

Nach dem Schmock Guido hat sich nun eine weitere Langzeitparlamentarierin chauvinistisch arrogant geäußert. Die komplett von Steuermitteln köstlich lebende Spitzenkandidatin der NRW-SPD Hannelore Kraft, die ihren Lebensabend entspannt entgegenschauen kann, forderte im Spiegel dazu auf Langzeitarbeitslose für gemeinnützige Arbeit etwa in Altenheimen oder Sportvereinen einzusetzen. Die stellvertretende SPD_Vorsitzende will, daß die faulen Säcke im [...]

Freitag, 05. März 2010

Die Jugendinitiative gegen Antisemitismus und Rassismus dokumentiert ein Referat Claudia Barths von November 2009 zur Kritik irrationaler Welterklärungen und deren Beziehung zu Antisemitismus und Rassismus. Insbesondere wird die Anthroposophie Gegenstand der Kritik sowie allerlei Wiedergeburts- und Karmaglauben. (1:55 h)

Download: kleine Fassung (40 MB), Original (105 MB!)

In einer Pressemeldung des Polizeipräsidiums Mittelfranken heißt es:

„Der zum Beschuldigten gewordene Mann (er wird wegen Vortäuschens einer Straftat angezeigt) legte nach hochnotpeinlicher Vernehmung ein Geständnis ab. “

Ich hoffe mal, es ist nur die Unkenntnis über die Bedeutung des Begriffes „hochnotpeinlich“, die hier demonstriert wird. Ansonsten müsste man wohl annehmen, dass in der Nürnberger Polizeiwache Folter angewendet wird. Wenn ersteres zutrifft, ist das hoffentlich dem Autor der PM sehr peinlich.

Bei der gestrigen Veranstaltung um die Kameradschaft-Süd, ihre Bombenbaupläne und was aus den einzelnen Nazis geworden ist, kam mal wieder die Frage nach Jessica F. auf. Anlass für mich, das was in antifaschistischen Kreisen zum Thema Aussteiger_innen erarbeitet wurde, nochmal zugänglich zu machen.

Ich beziehe mich hierbei vor allem auf einen Artikel im Antifaschistischen Infoblatt.
Nazi-Ideologie ist keine einfache Ansammlung von Glaubenssätzen, sondern eine bestimmte Art die Welt und die Leute darin zu deuten und zu bewerten – zum Beispiel das alles in rassistischen Kategorien gedeutet wird, die Überhöhung von Härte und Hierarchie, die positive Bewertung des historischen NS, der Antisemitismus, nach dem immer „die Juden“ schuld sind. Diese Denke legt niemand über Nacht ab, vielmehr muss sich der Ex-Nazi einen neuen Zugang zur Welt erarbeiten. Die vielen Widersprüche in der NS-Ideologie würden dafür eine Handhabe bieten.
Aus irgendwelchen Gründen – keine Zeit, persönliche Streits, Beziehung – den organisierten Kontakt zu Nazis aufzgeben, bedeutet nicht, dass sich derjenige auf diesen Reflektionsprozess einläst. Dementsprechend das AIB:

Ein Ausstieg muss davon gekennzeichnet sein, dass die betroffene Person von sich aus ihre Ideologie als in allen Punkten falsch, menschenverachtend und nicht mehr länger vertretbar erkennt. Die ideologische Grundeinstellung muss als Hauptproblem angesehen werden, nicht deren Ausdruck, Glaubwürdigkeit oder Aktionsform. Es sollte davon ausgegangen werden, dass AussteigerInnen nicht von heute auf morgen ihre gesamten Überzeugungen über Bord werfen können. Ein Ausstieg bedeutet also, einen langen und schwierigen Prozess einer ideologischen Entwicklung durchzumachen, an dessen Ende nur die Konsequenz bleibt, sich selbstverständlich und konsequent gegen seine ehemaligen »Kameraden« zu stellen.

Anders formuliert: Das ist harte, inhaltliche Arbeit, die die Ausstiegswillige zu leisten hat, und die er oder sie auch transparent machen muss. Passiert das nicht, dann ist es auch unangebracht von Ausstieg zu reden – es gibt halt eine_n organisierte_n Nazi weniger, eine_n Bürger_in mit Nazieinstellung mehr.

Der Umgang mit Ex-Faschos wird durch zwei Punkte verkompliziert: Zum einem das Verhältnis, das mensch zum Ex-Nazi hat. Das AIB dazu:

Die Person(en), die einen Aussteiger direkt betreuen, müssen bereit sein, sich dabei kontrollieren zu lassen; sie sollten sich mit einem größeren Zusammenhang koordinieren und kurzschließen und sich dabei auch zugestehen können, daß über einen persönlichen Kontakt zu dem Aussteiger/der Aussteigerin die notwendige Distanz verloren geht. Das gilt insbesondere, wenn der Kontakt den Charakter einer Freundschaft annimmt. Solange ein Aussteiger/eine Aussteigerin nicht öffentlich und unumkehrbar mit seinen/ihren Nazizusammenhängen und mit der entsprechenden Ideologie gebrochen hat, kann es keine Gründe für persönliche Freundschaften geben

Offenbar schreiben sie hier für organisierte Antifas, die eine austiegswillige Person betreuen. Das gleiche Problem stellt sich aber auch, wenn der Kontakt eher informell ist, beim weggehen oder auf Arbeit. Fehlt die persönliche Distanz, geht der Blick für die ideologische Auseinandersetzung verloren.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist, das gerade linke Räume auch ein Schutzraum sein wollen: Wer mal Stress mit Nazis hatte, kann sich besser entspannen wenn garantiert keine da sind. Natürlich wäre es gut, wenn mehr Läden – und nicht nur explizit linke – das so handhaben würden. Zur Zeit ist das in München nicht so.

Erika Steinbach, die bis heute die Oder-Neiße-(Friedens-)Grenze aufgrund von ungeklärten Eigentumsfragen als unnötig ansieht, behauptet seit Jahren gerne, daß im Bund der Vertriebenen (BdV) nicht mehr Nazis wären als im Rest der Gesellschaft. Da das offenbar nicht mehr ausreicht, um politisch zu punkten, hat sie sich neuerdings darauf versteift, daß im BdV mehr Widerstandskämpfer [...]

Schmock ist die Bezeichnung für einen Menschen, der durch ein rechthaberisches, belehrendes oder durch ein opportunistisches Verhalten negativ auffällt. Der Schmock ist nach langläufiger Auffassung häufig eitel oder arrogant. Gleichzeitig gilt er aber als mäßig intelligent, nicht gerade gutaussehend und wenig geistreich. Die Bezeichnung dürfte nach diesem Verständnis auch sehr gut auf [...]

Donnerstag, 04. März 2010

Wer am Samstag nicht nach Nürnberg fährt: In München ist eine Demo zum internationalen Frauentag. Los gehts um 12:30 am Stachus, Männer sind willkommen.

 


"People demand freedom of speech as a compensation for the freedom of thought which they seldom use." (Sören Kierkegaard)

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