|
| |
von che2001 am Sonntag, 19. Mai 2013 17:23
Er war einer meiner Meister - Werke von Klee waren es, die mich dazu brachten, an der Verbrechensgeschichte des NS zu forschen und letzlich selbst zum Experten für die Genese der Rassenideologie zu werden.
Bei Hartmut findet sich eine Art Nachruf.
http://kritikundkunst.wordpress.com/2013/05/18/ernst-klee-gestorben/
von che2001 am Sonntag, 19. Mai 2013 16:55
Eine herrliche Wanderung gemacht durch eine Landschaft, die so ganz und gar anders ist als meine geliebten Berge.
Allerdings genausoviel Gegend.
Ein Moor wäre kein Moor, gäbe es keine Sümpfe, in denen irgendwelche Bäume rumstehen.
Bambi war auch unterwegs und zeigte sich auf nur geringer Distanz.
Ein Vorgeschmack auf den Sommer!
von rhizom am Samstag, 18. Mai 2013 22:40
von che2001 am Samstag, 18. Mai 2013 17:29
Wenn ich zurückreise in die Zeit, als ich selber noch zur Grundschule ging und mir ansehe, wie Lebenserwartung und das Verhältnis zu Altern und Altsein damals aussah und wie sich das heute verhält kommen mir so einige Überlegungen. Es ist wohlfeil, den aktuellen Jugendkult nur schlecht zu finden und zu beklagen, dass diese Gesellschaft sich mit Alter, Altern und dem Tod nicht auseinandersetze außer in Form von Demographie-Alarmismus, aber das greift zu kurz und ist zu einseitig....
von urmila am Freitag, 17. Mai 2013 14:27
Die Tage habe ich eine Einladung der Ministerpräsidentin des Freistaats Tühringen zu einem Gedenkakt für die Opfer des Nationalsozialismus (anlässlich des 100. Geburtstages von Rudolf Brazda, eines schwulen Überlebenden des Konzentrationslagers Buchenwald) bekommen (warum ich die bekommen habe, weiss ich nicht). Auf jeden Fall geht die Einladung darauf ein, dass Eingeladene potentiell nicht wissen, was sie anziehen sollen. In einer Ecke steht klein
Dunkler Anzug
Kurzes...
von rhizom am Freitag, 17. Mai 2013 05:36
I find it rather disturbing to see a map about “racial tolerance” shared over Facebook which is so deeply racist that it makes me wanna throw up.

First of all, it’s sheer bullshit. You cannot statistically compare reactions to a concept like “race” that operates differently in completely different regional contexts. For instance, in Germany (and perhaps throughout Europe) it’s inseparably connected with Nazi race ideology which sent millions of people to the gas chambers, whereas in the U.S. it’s kind of a politically neutral term made to denote “skin color.” Even funnier, if you go back to the past, race in the French context could denote something like class consciousness, for the aristocracy had invented itself as a “race” apart from the common people. And who knows exactly what race is made to denote in India, Africa or the Arab peninsula? But what we know exactly, especially from the German context, is that “racism” does not cease to exist with the concept of race becoming unutterable and culturally taboo. It can be replaced by terms like “culture” or “place of origin.”
So, after all, what is the ideological statement of this ridiculous map? Its assertion is that “fair-skinned” people are the vanguard of tolerance and enlightenment, whereas the dark-skinned are “still racist” to the fullest. Towards whom? We don’t know. Traditionally, racism is the ideology of white power over the other in the framework of colonial conquest, imperialism and the historical aftermath of slavery. What this map tries to accomplish then is to turn this power relationship upside down in order to renew the ideology of “white man’s burden” to civilize the backward (= darker-skinned) people, although, ironically, this time in the global fight against “racial prejudice.”
von che2001 am Donnerstag, 16. Mai 2013 21:18
Ich habe ja sowas von abgelacht, als ich das hier gelesen hatte:
http://netbitch1.twoday.net/stories/404098346/
von rhizom am Donnerstag, 16. Mai 2013 21:13
von urmila am Donnerstag, 16. Mai 2013 16:43
Die taz berichtet darüber, dass es bei der Eröffnung einer Grundschule (laut Schulwebseite war das 1999) diskutiert wurde, ob sie nach Maria Theresa Lehmann benannt werden soll. Lehmann wurde als Kind gemeinsam mit ihrer Familie, weil sie Sinti waren, deportiert. Das wurde abgelehnt laut taz:
"Doch Eltern und Lehrerkollegium entschieden mehrheitlich, man dürfe Kinder nicht mit dem grauenvollen Schicksal des Mädchens belasten."
Ich frage mich, ob der Name die Kinder wirklich...
von urmila am Donnerstag, 16. Mai 2013 09:30
Spiegel online bietet unter der Überschrift Leih-Geistliche: Indische Priester in der deutschen Provinz ein Video an. Das interessiert mich, da ich schon zu Christ_innen aus Indien geforscht habe, und schaue mir das Video an. Es fängt an mit Pater Aswin, über dessen indische Herkunft ich weniger erfahre, als mich interessieren würde. Dann geht es weiter mit Pater Roy aus Haiti und sein Engagement im Schützenverein. Fertig. Haben die ihren Bericht nicht angeschaut, bevor sie...
von urmila am Mittwoch, 15. Mai 2013 14:37
queer and the colony: conversation of nation, sex and home
mit Kyla Pasha, Lahore/Pakistan & Ponni Arasu, Chennai/ India
in Hamburg: Freitag, den 31. Mai 2013, 19.00 Uhr, Universität Hamburg, Hörsaal C, VMP 6 (eine Veranstaltung der AG Queer Studies )
in Berlin: Montag, 3. Juni 2013, 20.30 Uhr im Südblock, Admiralstr. 1-2, 10999 Berlin
Die queer-feministischen Aktivistinnen Ponni Arasu aus Indien und Kyla Pasha aus Pakistan unterhalten sich darüber, was es bedeutet queer...
von rhizom am Mittwoch, 15. Mai 2013 05:17
Der sechzehnte Ming-Kaiser, Xizong, der 1627 einunzwanzigjährig verstarb, war konventioneller und verteilte seine Aufmerksamkeiten auf zwei getrennte Paläste, einen für seine männlichen, den anderen für seine weiblichen Geliebten. [...] Aber Homosexualität war nicht auf Kaiser, Generäle und Höflinge beschränkt. Laut einem Ming-Kommentator wurden solche Beziehungen manchmal in die traditionelle konfuzianische Familienordnung integriert. Shen Defu (1578–1642) berichtet davon, wie männliche Paare in der südlichen Provinz Fujian häufig in einer Art von gleichgeschlechtlicher Ehe zusammenlebten:
“Fujianesische Männer sind extrem verliebt in männliche Schönheit. Egal wie reich oder arm, hübsch oder hässlich, sie alle finden einen Gefährten ihres Standes. Zwischen den beiden wird der ältere als ‘gebundener [adoptierter] älterer Bruder’ (qixiong), der jüngere als ‘gebundener jüngerer Bruder’ (qidi) bezeichnet. Wenn dieser ältere Bruder in das Haus des jüngeren geht, geben die Eltern des letzteren auf ihn acht und lieben ihn wie einen Schwiegersohn. Und die Unkosten des jüngeren Bruders, einschließlich jene seiner Heirat, werden alle vom älteren gedeckt. Sie lieben einander und schlafen noch im Alter von dreißig gemeinsam im selben Bett wie Ehemann und -frau.”
Obwohl solche Vereinigungen manchmal zwanzig Jahre dauern konnten, war es dennoch notwendig, dass die Männer heirateten, ihre konfuzianischen Familienpflichten erfüllten und den Ahnenkult aufrechterhielten. “In der ganzen Geschichte”, fragt ein Mann in einer Erzählung über männliche Liebe, “hat es da jemals einen Präzedenzfall zweier Männer gegeben, die ihr Leben gemeinsam beschlossen?” Nichtsdestoweniger war Shen Defu von der Hingabe beeindruckt, die solche Paare häufig zeigten. “Diese Passion kann so tief sein, dass es nicht ungewöhnlich ist, dass zwei Liebende, die es unmöglich finden, ihre Beziehung fortzusetzen, sich aneinander festbinden und gemeinsam ins Wasser gehen.” Diese fujianesischen Paarbildungen wurden häufig nanfeng (der südliche Brauch) genannt, in einem Kalauer auf das Wort nan, dass sowohl “männlich” als auch “südlich” bedeuten kann.
Unter der Ming-Dynastie entwickelte China seine ersten wichtigen Kontakte mit dem Westen, und zwei Zivilisationen lernten einander mit Erstaunen, Bewunderung und Abscheu kennen. Im Jahr 1557 errichteten portugiesische Händler eine Siedlung in Macao, und westliche Missionare unternahmen ihre ersten systematischen Anstrengungen, China zu bekehren. Diese katholischen Missionare, hauptsächlich spanische, italienische und portugiesische Jesuiten und Dominikaner, kamen aus Ländern, wo Sodomiten immer noch routinemäßig auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurden. Die chinesische Toleranz versetzte sie in einen tiefen Schockzustand. Für diese andächtigen Priester erschienen die Flammen der Inquisition unendlich wünschenswerter als die Flammen der Lust, ja sogar der Liebe und Zuneigung in einer solch heterodoxen Form.
Im Gepäck mit der neuen Wissenschaft der Renaissance führten europäische Besucher Formen des europäischen Aberglaubens mit: Der Dominikaner Gaspar da Cruz schrieb in einem 1569 publizierten Buch das Erdbeben, welches China zwölf Jahre zuvor erschüttert hatte, der chinesischen Indifferenz gegenüber der Sodomie zu. Der berühmteste wissenschaftliche Missionar in China, der angesehene Jesuit, Astronom und Mathematiker Matteo Ricci, teilte die Sorge seines Landsmanns über solche Verkommenheiten beinahe bis zum Punkt der Obsession. Ein paar Wochen nach seiner Ankunft im Jahr 1583 schrieb er jammernd an seinen Vorgesetzten über “die schreckliche Sünde, zu der hier jeder sehr tendiert und für die es weder Scham noch Hinderungsgrund zu geben scheint”. Als er die Zehn Gebote ein Jahr später ins Chinesische übersetzte, hatte Ricci keinerlei Bedenken, Exodus umzuschreiben. “Du sollst nicht ehebrechen” wurde zu “Du sollst keine verderbten, widernatürlichen oder schmutzigen Dinge tun”. Als er 1606 gebeten wurde, Beispiele westlicher Kunst für ein chinesisches Buch über Kalligraphie beizusteuern, wählte er drei Werke aus, die das Leben Christi illustrierten. Das vierte aber stellte die Zerstörung Sodoms dar, mit Riccis Kommentar: “Verderbte Sinnlichkeit und Schandhaftigkeit ziehen das himmlische Feuer auf sich.” Kurz vor seinem Tod im Jahr 1610 beklagte er sich einmal mehr, dass die widernatürliche Lust “weder vom Gesetz verboten noch für unerlaubt gehalten” werde, “ja nicht einmal ein Anlass für Scham” sei. “Man spricht in der Öffentlichkeit darüber und praktiziert sie überall, ohne dass jemand da wäre, dies zu verhindern.”
Wenn Ost und West sich in Gebieten unter spanischer Oberherrschaft begegneten, konnten die Ergebnisse tragisch sein. Im Jahr 1598 schrieb ein Staatsanwalt in Manila an Philipp II., dass die Sodomie unter chinesischen Händlern auf den Philippinen grassiere: “Eine Untersuchung wurde durchgeführt. Vierzehn oder fünfzehn Schuldige wurden festgenommen.” Die Chinesen jedoch verteidigten sich mit der Aussage, dass diese Praktik unter Männern in China nicht gerade unüblich sei. Trotz ihrer Ausflüchte wurden zwei von ihnen zum Tod auf dem Scheiterhaufen verdammt, die anderen ausgepeitscht und auf die Galeeren verurteilt. In den chinesischen Vierteln wurden Aushänge auf Chinesisch angebracht, die unter Androhung der Todesstrafe und der Einziehung des Besitzes vor diesem Schwerverbrechen warnten. 1617 nahm der Ming-Geograph Zhang Xie in seiner Studie über die Östlichen und Westlichen Ozeane von diesen Verbrennungen “auf einem Stapel Feuerholz” Kenntnis. Auf die Chinesen müssen solche drastischen Maßregelungen als Zeichen westlicher Barbarei gewirkt haben.
Übers. aus Louis Crompton, Homosexuality and Civilization (Cambridge, MA; London, 2003), 226-228.
von che2001 am Dienstag, 14. Mai 2013 21:45
Junge Flüchtlinge protestieren bei der Innenministerkonferenz in Niedersachsen
21. bis 24. Mai 2013 | Hannover: Jugendliche fordern ein Bleiberecht für geduldete
Flüchtlinge, veranstalten ein Protestprogramm und wählen den Abschiebeminister 2013
Anlässlich der Innenministerkonferenz (IMK) in Hannover veranstalten die Jugendlichen ohne Grenzen (JoG) und ihre Bündnispartner am 22.05.2013 ab 17 Uhr am Hauptbahnhof eine bundesweite Demonstration unter dem Motto: „WIR...
von nestormachno am Dienstag, 14. Mai 2013 21:35
DIE TÜRKEI – EIN KRISENGEWINNER?
„Erstmals seit 19 Jahren steht die Türkei beim IMF nicht in der Kreide. Die Begleichung aller Schulden wird von Ankara als historischer Wendepunkt und als Spiegel weltwirtschaftlicher Gewichtsverlagerungen betrachtet. … Die gegenüber dem IMF aufgetürmten Schulden, die im Nachzug zur Finanzkrise des Jahres 2001 rund 23,5 Mrd. $ betrugen, konnten in den vergangenen Jahren stetig abgebaut und am Dienstag vollumfänglich getilgt werden. … Noch vor wenigen Jahren sah es nicht danach aus, als ob die langjährige Kreditbeziehung zu einem raschen Ende kommen würde.“ … 2009 wurde monatelang „verhandelt, ehe man in Ankara vor dem Hintergrund anhaltend hoher Kapitalzuflüsse zum Schluss kam, auf den IMF nicht länger angewiesen zu sein.“ …
Die Türkei ist inzwischen „vom Schuldner zum Gläubiger mutiert. So hat die Türkei dem IMF im Juni vergangenen Jahres eine Unterstützung von 5 Mrd. $ zugesichert, und zwar zur Eindämmung der Euro-Krise. Dass Ankara damit indirekt Brüssel zu Hilfe kommt, wird in der türkischen Regierung … mit einem nicht zu knappen Mass an Genugtuung registriert.“ NZZ, 14.5. 2013
Ein Staat, der zwischen Griechenland und Zypern liegt, und der EU nicht angehört, hat keine Schwierigkeiten, sich zu finanzieren, sondern ist sogar in der Lage, den in Turbulenzen geratetenen Euro zu stützen, wenngleich diese Hilfe angesichts der Summe, um die es geht, eher symbolischen Charakter hat.
Aber gerade diese Symbolik hats in sich: Das Land, dem seit Jahren bei seinen Beitrittsverhandlungen mit der EU immer wieder auf die Zehen gestiegen wird, gibt satt und selbstzufrieden kund, daß es eigentlich die ganze EU nicht braucht und außerhalb von ihr besser fährt. Gleichzeitig wird der EU großmütig Hilfe gewährt und damit zum Ausdruck gebracht, daß man sie als Handelspartner durchaus schätzt und weiter erhalten möchte.
Dem einstigen Erzrivalen Griechenland, der in einer politisch wie ökonomisch völlig auswegslosen Situation steckt, zeigt man damit so nebenbei, daß er mit „Europa“ aufs falsche Pferd gesetzt hat. Und den Griechisch-Zyprioten, die seinerzeit in einem Referendum die Wiedervereinigung der Insel abgelehnt haben, daß man darüber jetzt beinahe dankbar ist, und sie jetzt allein in der Patsche sitzen, die die EU ihnen verursacht hat.
Zur Rückerinnerung: Die EU nahm 2004 mit Zypern ein Land auf, dessen territorialer Status nicht geklärt war. Der Umstand, daß dies kein Hindernis war, weist darauf hin, daß es offenbar ein starkes Interesse gab, Zypern dabei zu haben. Gegenüber den postsozialistischen Staaten, deren wirtschaftliche Entwicklung eher schleppend verlief, stellte Zypern in den Augen der EU eine echte Verstärkung dar, mit einem Zahlungsbilanzüberschuß und einer quasi Hartwährung. All das dank seines heute angeblich „überdimensionierten“ Banksektors.
Warum steht die Türkei so gut da? Ist der Traum Turgut Özals aufgegangen, der meinte, das 21. Jahrhundert müßte das Jahrhundert der Türkei werden? Er zielte dabei auf den Ausbau der Handelsbeziehungen mit den turksprachigen und ölreichen Nachfolgestaaten der Sowjetunion und der – nicht nur – ökonomischen Vermittlerrolle zwischen Orient und Okzident. Das Erstarken der Türkei ist also ausgelöst worden durch die Auflösung der SU.
Die Türkei hat sich offenbar im Osten durchaus zahlungskräftige Märkte erschlossen und darüber z.B. ihre Bekleidungsindustrie, die durch die EU-Konkurrenz seinerzeit schwer in Mitleidenschaft gezogen worden war, wieder in die Höhe gebracht. Ebenso hat sie auch ihren Finanzsektor saniert und ausgebaut, indem sie mit Know-How über modernes Bankwesen den türkischen Brüdern und Schwestern im Osten unter die Arme gegriffen hat. Als Urlaubsparadies gewinnt sie seit zwei Jahrzehnten ständig an Bedeutung, nicht nur für Gäste aus der EU, sondern auch Rußlands und anderer GUS-Staaten. Schließlich ist sie ein Gewinner der Krisen im Nahen Osten, wo sie inzwischen als sicherer Hafen für Vermögen angesehen wird, das von seinen Besitzern aus dem jeweiligen Land geschaffen wird.
Der Aufstieg der Türkei ist auch ein Ergebnis des Abstiegs Europas: Die Türkei kann es sich leisten, der EU nicht beizutreten. Sie macht auch kein Hehl daraus. Im Gegenteil. Die Ambitionen der Türkei gehen auf Schaffung eines Gegengewichtes, eines losen Bündnisses islamischer Staaten, denen sie sich als gelungene Mischung von religiöser Tradition und wirtschaftlichem Aufschwung präsentiert und als Führungsmacht anträgt. Das ist zwar derzeit noch Zukunftsmusik, und hängt davon ab, wie sich die Lage in Syrien, dem Iran und anderen Staaten der Region entwickelt. Und auch davon, wie die USA mit dergleichen Ambitionen umgehen werden.
Aber die Weichen sind gestellt …
von Administrator am Dienstag, 14. Mai 2013 20:31
Im ganzen Iran gibt es den Maulbeerbaum. Er tritt in verschiedenen Arten auf: es gibt weiße, rote und schwarze Maulbeeren. Die rote und schwarze Maulbeere werden frisch gegessen. Auch den Saft dieser Beeren kann man von Straßenhändlern kaufen. Die weiße Maulbeere gibt es zusätzlich als getrocknete Frucht.
Viele Bäume stehen auf der Straße. Kinder ernten sie ab und verkaufen sie als fliegende Händler. So tragen sie ein wenig zum Familieneinkommen bei.

Ein Kind ist auf den Baum geklettert und schüttelt die Äste.

Hier sammeln die Kinder die heruntergefallenen Früchte ein.

Maulbeeren aus der Nähe betrachtet.

Er freut sich, dass er so ein wenig Brot nach Hause bringen kann.

Der Verkauf am Straßenrand.
Bookmark speichern oder einem Freund mailen
von rhizom am Dienstag, 14. Mai 2013 16:55
von rhizom am Dienstag, 14. Mai 2013 07:34
Gerade eine der ersten intellektuellen Erfahrungen meiner Jugend wieder aufgefrischt: die Lektüre von Nietzsches “Der Antichrist”. Das ist noch immer eine der interessanteren religionsfeindlichen Schriften, weil seine Kritik im Grunde gar nicht entlang einer atheistischen Argumentation verläuft. Dass Gott eine Illusion ist, versteht sich für den Mann sowieso von selbst. Es geht ihm vielmehr um einen religionspsychologischen Vergleich, der die Ambiguität des jüdischen und islamischen Glaubens herausstreicht, um sie in den Dienst einer Kritik am zum Erbrechen “guten Gott” der Christenheit zu stellen, dem nicht ganz zufällig eine ebenso boshaft lustfeindliche und verfolgungsträchtige Kirche korrespondiert. Die Kritik am Christentum gibt Nietzsche eine für seine Zeit sehr ungewöhnliche Stoßrichtung, was die Zurückweisung des europäischen Ethnozentrismus und seines Überlegenheitsgefühls gegenüber den “Culturen” der Anderen betrifft, so etwa auch im historischen Vergleich mit den peinlichen Randbemerkungen von Marx über den Islam, die eine ideologisch verkommene Gestalt wie Stephan Grigat unlängst aus den Tiefen der MEW hervorgebuddelt hat, um mit diesem blödsinnigen argumentum ad verecundiam die rassistischen und imperialistischen Ressentiments seiner “anti”deutschen Leser_innen zu befriedigen.
Als solcher Autoritätsbeweis funktioniert Nietzsche glücklicherweise gerade nicht. Der Mann ist völlig zurecht als ein lupenreiner Reaktionär verschrien. Er bietet zwar durchaus Ansatzpunkte für eine emanzipative Lektüre, weil er stringenter als alle marxistischen Ideologiekritiker die Interessenabhängigkeit jeder Form von Wissen bloßlegte. Und ebenso, weil seine Verachtung für die christliche “Sklavenmoral” auch eine Kritik an der Staatsuntertänigkeit der deutschen Arbeiterschaft impliziert, sofern sie sich von Appellen an das gute Gewissen einer fiktiven Allgemeinheit die Perspektive einer Besserung ihres materiellen Loses erhofft. Diese Möglichkeit, Nietzsche gegen den Strich zu lesen, ändert jedoch wenig daran, dass er selbst vor allem mit einem beschäftigt war: den Protestantismus als überkommene Legitimationsideologie der Eliten des deutschen Kaiserreichs durch ein neues, aggressives und dem Zeitalter des Imperialismus weitaus angemesseneres System zu verdrängen: den bürgerlichen Sozialdarwinismus und seine Idee von Herrschaft als dem natürlichen Vorrecht des Stärkeren. Seine Schrift “Der Antichrist” lässt sich so zwar leicht als eine Kritik am christlichen Antijudaismus lesen, ist aber zur gleichen Zeit an allen Ecken und Enden bereits mit den substitutiven Formen des modernen Antisemitismus durchsetzt.
Wer daher im Folgenden die reaktionären Untertöne bemängelt, der möge versichert sein, dass sich hinter meinen Auslassungspunkten die überhaupt erst richtig schlimmen Sudeleien verbergen. Und doch ist das Ganze auf seine Weise ausgesprochen lesenswert:
Die Menschheit stellt nicht eine Entwicklung zum Besseren oder Stärkeren oder Höheren dar, in der Weise, wie dies heute geglaubt wird. Der “Fortschritt” ist bloss eine moderne Idee, das heisst eine falsche Idee. Der Europäer von Heute bleibt, in seinem Werthe tief unter dem Europäer der Renaissance; Fortentwicklung ist schlechterdings nicht mit irgend welcher Nothwendigkeit Erhöhung, Steigerung, Verstärkung. [...]
Zu dem gleichen Schlusse nöthigt eine Kritik des christlichen Gottesbegriffs. — Ein Volk, das noch an sich selbst glaubt, hat auch noch seinen eignen Gott. In ihm verehrt es die Bedingungen, durch die es obenauf ist, seine Tugenden, — es projiciert seine Lust an sich, sein Machtgefühl in ein Wesen, dem man dafür danken kann. Wer reich ist, will abgeben; ein stolzes Volk braucht einen Gott, um zu opfern … Religion, innerhalb solcher Voraussetzungen, ist eine Form der Dankbarkeit. Man ist für sich selber dankbar: dazu braucht man einen Gott. — Ein solcher Gott muss nützen und schaden können, muss Freund und Feind sein können, — man bewundert ihn im Guten wie im Schlimmen. Die widernatürliche Castration eines Gottes zu einem Gotte bloss des Guten läge hier ausserhalb aller Wünschbarkeit. Man hat den bösen Gott so nöthig als den guten: man verdankt ja die eigne Existenz nicht gerade der Toleranz, der Menschenfreundlichkeit … Was läge an einem Gotte, der nicht Zorn, Rache, Neid, Hohn, List, Gewaltthat kennte? dem vielleicht nicht einmal die entzückenden ardeurs des Siegs und der Vernichtung bekannt wären? Man würde einen solchen Gott nicht verstehn: wozu sollte man ihn haben? — Freilich: wenn ein Volk zu Grunde geht; wenn es den Glauben an Zukunft, seine Hoffnung auf Freiheit endgültig schwinden fühlt; wenn ihm die Unterwerfung als erste Nützlichkeit, die Tugenden der Unterworfenen als Erhaltungsbedingungen in’s Bewusstsein treten, dann muss sich auch sein Gott verändern. Er wird jetzt Duckmäuser, furchtsam, bescheiden, räth zum “Frieden der Seele”, zum Nicht-mehr-Hassen, zur Nachsicht, zur “Liebe” selbst gegen Freund und Feind. Er moralisirt beständig, er kriecht in die Höhle jeder Privattugend, wird Gott für Jedermann, wird Privatmann, wird Kosmopolit … Ehemals stellte er ein Volk, die Stärke eines Volkes, alles Aggressive und Machtdurstige aus der Seele eines Volkes dar: jetzt ist er bloss noch der gute Gott. [...] Mit demselben Instinkte, mit dem die Unterworfenen ihren Gott zum “Guten an sich” herunterbringen, streichen sie aus dem Gotte ihrer Überwinder die guten Eigenschaften aus; sie nehmen Rache an ihren Herrn, dadurch dass sie deren Gott verteufeln. — Der gute Gott, ebenso wie der Teufel: Beide Ausgeburten der décadence. — Wie kann man heute noch der Einfalt christlicher Theologen so viel nachgeben, um mit ihnen zu dekretiren, die Fortentwicklung des Gottesbegriffs vom “Gotte Israels”, vom Volksgotte zum christlichen Gotte, zum Inbegriff alles Guten sei ein Fortschritt? [...]
Der christliche Gottesbegriff — Gott als Krankengott, Gott als Spinne, Gott als Geist — ist einer der corruptesten Gottesbegriffe, die auf Erden erreicht worden sind; er stellt vielleicht selbst den Pegel des Tiefstands in der absteigenden Entwicklung des Götter-Typus dar. Gott zum Widerspruch des Lebens abgeartet, statt dessen Verklärung und ewiges Ja zu sein! In Gott dem Leben, der Natur, dem Willen zum Leben die Feindschaft angesagt! Gott die Formel für jede Verleumdung des “Diesseits”, für jede Lüge vom “Jenseits”! In Gott das Nichts vergöttlicht, der Wille zum Nichts heilig gesprochen! … [...]
Hier wird der Leib verachtet, die Hygiene als Sinnlichkeit abgelehnt; die Kirche wehrt sich selbst gegen die Reinlichkeit (– die erste christliche Massregel nach Vertreibung der Mauren war die Schliessung der öffentlichen Bäder, von denen Cordova allein 270 besass). Christlich ist ein gewisser Sinn der Grausamkeit, gegen sich und Andre; der Hass gegen die Andersdenkenden; der Wille, zu verfolgen. [...] Christlich ist der Hass gegen den Geist, gegen Stolz, Muth, Freiheit, libertinage des Geistes; christlich ist der Hass gegen die Sinne, gegen die Freuden der Sinne, gegen die Freude überhaupt … [...]
Wenn der Islam das Christenthum verachtet, so hat er tausend Mal Recht dazu: [...] Das Christenthum hat uns um die Ernte der antiken Cultur gebracht, es hat uns später wieder um die Ernte der Islam-Cultur gebracht. Die wunderbare maurische Cultur-Welt Spaniens, uns im Grunde verwandter, zu Sinn und Geschmack redender als Rom und Griechenland, wurde niedergetreten – ich sage nicht von was für Füssen — warum? weil sie vornehmen, weil sie Männer-Instinkten ihre Entstehung verdankte, weil sie zum Leben Ja sagte auch noch mit den seltnen und raffinirten Kostbarkeiten des maurischen Lebens! … Die Kreuzritter bekämpften später Etwas, vor dem sich in den Staub zu legen ihnen besser angestanden hätte, — eine Cultur, gegen die sich selbst unser neunzehntes Jahrhundert sehr arm, sehr “spät” vorkommen dürfte. [...]
Hiermit bin ich am Schluss und spreche mein Urtheil. Ich verurtheile das Christenthum, ich erhebe gegen die christliche Kirche die furchtbarste aller Anklagen, die je ein Ankläger in den Mund genommen hat. Sie ist mir die höchste aller denkbaren Corruptionen, sie hat den Willen zur letzten auch nur möglichen Corruption gehabt. Die christliche Kirche liess Nichts mit ihrer Verderbniss unberührt, sie hat aus jedem Werth einen Unwerth, aus jeder Wahrheit eine Lüge, aus jeder Rechtschaffenheit eine Seelen-Niedertracht gemacht. Man wage es noch, mir von ihren “humanitären” Segnungen zu reden! Irgend einen Nothstand abschaffen gieng wider ihre tiefste Nützlichkeit, — sie lebt von Nothständen, sie schuf Nothstände, um sich zu verewigen … Der Wurm der Sünde zum Beispiel: mit diesem Nothstande hat erst die Kirche die Menschheit bereichert! [...] “Humanitäre” Segnungen des Christenthums! Aus der humanitas einen Selbst-Widerspruch, eine Kunst der Selbstschändung, einen Willen zur Lüge um jeden Preis, einen Widerwillen, eine Verachtung aller guten und rechtschaffenen Instinkte herauszuzüchten! — Das wären mir Segnungen des Christenthums! — Der Parasitismus als einzige Praxis der Kirche; mit ihrem Bleichsuchts-, ihrem “Heiligkeits”-Ideale jedes Blut, jede Liebe, jede Hoffnung zum Leben austrinkend; das Jenseits als Wille zur Verneinung jeder Realität; das Kreuz als Erkennungszeichen für die unterirdischste Verschwörung, die es je gegeben hat, — gegen Gesundheit, Schönheit, Wohlgerathenheit, Tapferkeit, Geist, Güte der Seele, gegen das Leben selbst …
Diese ewige Anklage des Christenthums will ich an alle Wände schreiben, wo es nur Wände giebt, — ich habe Buchstaben, um auch Blinde sehen zu machen … Ich heisse das Christentum den Einen grossen Fluch, die Eine grosse innerlichste Verdorbenheit, den Einen grossen Instinkt der Rache, dem kein Mittel giftig, heimlich, unterirdisch, klein genug ist, — ich heisse es den Einen unsterblichen Schandfleck der Menschheit …
von Ernst am Montag, 13. Mai 2013 22:08
Indizien für eine Rape Culture
Zündfunk Generator-Sendung von Laura Freisberg und Julia Fritzsche über die Allgegenwart sexualisierter Gewalt, Vergewaltigungsmythen und Schuldumkehr.
Triggerwarnung: Sowohl im Einführungstext, als auch im Feature wird sexuelle Gewalt plastisch beschrieben.
Im Sommer 2012 haben zwei Fotoball-Stars eine bewusstlose 16-Jährige wie eine lebendige Puppe von Party zu Party geschleppt und sie mehrfach vergewaltigt. Die Stationen dieser Nacht sind festgehalten auf Fotos, Twitter-Meldungen und SMS. Etliche Zeugen unternahmen nichts. Der Football-Tainer deckte die beiden jugendlichen Täter im Nachhinein. Und die Medien beklagten das zerstörte Leben der beiden Footballstars.
„Rape Culture“ nennen das Beobachter – und meinen damit eine Gesellschaft, die sexuelle Gewalt duldet, verharmlost oder befördert und die Verantwortung auf die Opfer verschiebt. In Deutschland taucht der Begriff „Rape Culture“ in den letzten Jahren zunehmend in feministischen Blogs auf. Massive Kritik an der „Rape Culture“ übt seit 2011 die weltweite Slut-Walk-Bewegung, die gegen falsche Vorstellungen von sexueller Gewalt auf die Straße geht. Denn spätestens seit der deutschen Sexismusdebatte zu Beginn des Jahres 2013 wurde wieder klar: Schuldzuweisungen wie „Hättest Du doch die Bluse zugemacht!“ sind noch immer salonfähig.
Leben auch wir in einer „Rape Culture“? Was hat es mit dem Begriff auf sich? Ist es nur ein feministischer Kampfbegriff für den Wahnsinn, den Frauen täglich erleben? Oder ist es die treffende Bezeichnung für unsere Gesellschaft?
Der Zündfunk Generator spricht darüber mit Anne Wizorek und Julia Brilling, die im Netz anonym sexuelle Übergriffe sammeln, Birte Rohles von Terre des Femmes und Lorena Palasi vom Slut Walk München sowie der Filmwissenschaftlerin Andrea Kuhn und dem Historiker Hiram Kümper, der Vergewaltigungskulturen in der alteuropäischen Kulturgeschichte untersucht hat.
Download: via BR2 | via RS.com (1 h, 55 MB)
Tags: Feature, Feminismus, Geschlechterverhältnisse, Gesellschaftskritik, Gewalt, Julia Fritzsche, Laura Freisberg, sexuelle Gewalt, Vergewaltigung
von che2001 am Montag, 13. Mai 2013 20:26
Osman Tijani Abschiebung erneut
Im Februar diesen Jahres erklärten wir dass: Osman Tijani Leben in großer Gefahr ist, wir zeigten, dass die Sudanesischen Sicherheitskräfte planen ihn umzubringen als Teil eines organisierten Genozids gegen Menschen aus Darfour, die insbesondere gegen Aktivisten wie Osman Tijani.
Siehe hierzu: http://www.thevoiceforum.org/node/3066
Wir unternahmen dies, als Antwort auf die Vorbereitungen zur Abschiebung durch die deutsche Regierung in Sachsen Anhalt,...
von Administrator am Montag, 13. Mai 2013 18:55
tür auf
einer raus
einer rein
nächster sein
(ernst jandl)
Ernst Jandl trifft den richtigen Ton, auch wenn er nicht den iranischen Wahlkampf charakterisieren wollte.

Ahmadineschad ist links zu sehen, Mascha‘i rechts
Ahmadineschad wählt seinen Nachfolger
Am Samstag, den 11. Mai 2013, ist Esfandyar Rahim Mascha‘i, der Vater von Ahmadineschads Schwiegertochter und Berater des Präsidenten, in der letzten Stunde vor Ablauf des Anmeldeschlusses für die Kandidatur zu den Präsidentschaftswahlen im iranischen Innenministerium erschienen. Vor der Tür des Ministeriums sprach er nochmals vor seinen Anhängern und wiederholte seine zusammengeschusterte These vom „Mahdawismus“, dem Warten auf einen Erlöser, als einer alten iranischen Tradition, die noch aus der Zeit des Manichäismus stamme und auch ins Judentum und Christentum eingeflossen sei. Er hatte schon früher in der Öffentlichkeit die Ansicht vertreten, dass der Islam seinen Universalcharakter verloren habe, man könne deshalb nicht von einem islamischen Iran sprechen, vielmehr gebe es einen iranischen Islam. Mit dieser nationalistischen Botschaft versucht Mascha‘i sich als Nachfolger für das Amt von Ahmadineschad zu profilieren. Die heftige Reaktion der Geistlichkeit auf diese unorthodoxen Vorstellungen dienen ihm als willkommene Wahlkampfhilfe.
Ali Akbar Dschawanfekr macht einen Rückzieher
Mascha‘i war nicht allein ins Rennen gezogen. Zuvor hatte Ali Akbar Dschawanfekr, Chef der staatlichen Zeitung Iran und Verantwortlichen der Nachrichtenagentur IRNA sowie Medienberater von Ahmadineschad, erklärt, er wolle sich um das Amt bewerben. Dies, obwohl er in die Mühlen der Justiz geraten ist und schon aus dem Grund keine Aussicht hatte, dass ihn der Wächterrat als Kandidaten zulassen würde. Aber die Registrierung genügte, um im Vorfeld Wahlkampf für das Lager um Ahmadineschad zu machen. Einen Tag nach der Registrierung von Mascha‘i beim Innenministerium, am Sonntag, den 12. Mai, zog Dschawanfekr seine Registrierung zurück.
Rahimi hält es genauso
Mohammad Resa Rahimi, Vize-Präsident unter Ahmadineschad, hielt es genauso. Er war u.a. in verschiedene Finanzskandale verwickelt. Kaum hatte er sich als Kandidat registrieren lassen, veröffentlichte die zuständige Ermittlungsbehörde in den Medien Unterlagen, aus denen hervorging, dass Rahimi eine Veruntreuung von 450 Mio Tuman zur Last gelegt wird. Mit anderen Worten, auch er hätte unter diesem Vorwand vom Wächterrat problemlos abgelehnt werden können. Und so zog auch er am 12. Mai seine Registrierung zugunsten von Mascha‘i zurück.
Der Religiöse Führer: Nebelkerzen statt Weihrauch
Auf Seiten von Ajatollah Chamene‘i war man bemüht, diverse Kandidaturen vorzuschieben, um sich nicht in die Karten blicken zu lassen. So hatten Haddad Adel, der Vater der Frau von Modschtaba Chamene‘i und somit Schwiegervater des Sohns von Ajatollah Chamene‘i, kandidiert, ebenso der ehemalige iranische Außenminister Ali Akbar Welajati (er ist in Deutschland im Zusammenhang mit der Mordaffäre Mykonos in Berlin bekannt). Auch er hatte sich im Auftrag des Führers als Kandidat beworben. Dritter im Bunde war Bagher Qalibaf, der Oberbürgermeister von Teheran, ein Scharfmacher erster Güte, was einen nicht wundert, wenn man weiß, dass er ein General der Revolutionswächter und zeitweilig der oberste Chef der iranischen Polizei war. Sie hatten zu dritt Wahlkampf betrieben und im voraus erklärt, dass sie dann zwei von ihnen zugunsten des Dritten zurücktreten würden, wenn klar sei, wem Ajatollah Chamene‘i den Vorzug geben würde.
Es kam anders
So wurde bekannt, dass Sa‘id Dschalili, Vorsitzender des Obersten nationalen Sicherheitsrats des Irans und der iranische Unterhändler in den Atomverhandlungen mit der EU, sich am Freitag als Kandidat registrieren ließ. Einen Tag später gaben Ali Akbar Welajati und Haddad Adel bekannt, dass sie ihre Kandidatur zurückziehen, von Qalibaf ist noch nichts bekannt. Der rasche Rückzug bedeutet jedenfalls, dass Dschalili die volle Unterstützung des Ajatollahs genießt. Was das bedeutet, wird sich noch zeigen. Denn im Vorwahlkampf hatte das Trio Qalibaf-Welajati-Adel schon feststellen müssen, dass sie nirgendwo viel Publikum anzogen, wenn es nach den abgegebenen Stimmen ginge, könnte sich der Kandidat schon jetzt begraben lassen. Aber wir wissen ja…
Und die Reformisten?
Ex-Präsident Chatami hat schon im Vorfeld bekannt gegeben, dass er keinen Sinn darin sieht, zu kandidieren, er hätte eh nichts zu sagen, wenn er gewählt würde. Und auch zum Ablauf der Wahlen meinte er ganz realistisch, selbst wenn seine Kandidatur vom Wächterrat zugelassen würde, bekämen sie nicht mehr Stimmen, als ihnen zugedacht ist.

Suchbild: Wer findet den Ajatollah zwischen den Kameras und Mikrophonen?
Ajatollah Rafsandschani steigt ein
Ja, und es gibt noch einen Kandidaten der letzten Minute, Ali Akbar Rafsandschani, auch er Ajatollah.
Während er seine Emissäre ausschickte, der eine ging bis in den Irak zu Ajatollah Sistani, der andere, Dr. Ali Mottahari (Parlamentsabgeordneter), suchte gleich fünf Ajatollahs auf, u.a. den einflussreichen Ajatollah Tabassi in Maschhad, hielt er sich öffentlich stets zurück und meinte, ohne Einwilligung des Religiösen Führers (Ajatollah Chamene‘i) werde er nicht kandidieren, das schade nur der Sache. Und noch in den letzten Minuten vor Wahlschluss sagte er, er werde nur kandidieren, wenn der Religiöse Führer nicht dagegen sei (er hat seine Bedingung also abgeschwächt). Wie Mascha‘i inszenierte er seine Registrierung als eine Überraschung der letzten Stunde, und so trafen sich die beiden Wahlkampfrivalen im Innenministerium. Dass seine Entscheidung nicht in den letzten Minuten gefallen ist, wie seine Anhänger glauben machen wollen, kann man daran erkennen, dass seine Leibwächter die Sicherheit im Innenministerium schon am Vortag abcheckten. Wie man sieht, traut hier keiner keinem, die Herrschaften wissen ja, mit wem sie es zu tun haben.
Auch noch eine weitere „Überraschung“ wartete auf Ajatollah Rafsandschani – eine Zahl von über Tausend jungen Anhängern, die vor dem Innenministerium in gut einstudiertem Chor die Kandidatur Rafsandschanis anpriesen und ihn gar zum Erretter (Nadschi) stilisierten. Spontan war das nicht. Auch wurden diese Anhänger nicht von der Polizei behindert oder vertrieben.
Chatami erklärte bald nach Bekanntwerden der Kandidatur von Rafsandschani, dass er darüber hoch erfreut sei.
Bookmark speichern oder einem Freund mailen
von Administrator am Montag, 13. Mai 2013 17:11
von Administrator am Montag, 13. Mai 2013 17:07

Effat Mar‘aschi, die Ehefrau von Ajatollah Rafsandschani
Effat Mar‘aschi, die Ehefrau von Ajatollah Rafsandschani, wurde anlässlich der ersten Gerichtsverhandlung gegen ihren Sohn Mehdi, von iranischen Reportern interviewt. Effat Mar‘aschi kritisierte zum einen gegen die Vorwürfe der Justiz gegen ihre Familie, sie würden nicht zutreffen.
Dann machte sie noch eine überraschende Äußerung zur möglichen Kandidatur von Ajatollah Rafsandschi bei den kommenden Präsidentschaftswahlen: „Der Ajatollah wird die Wahlkampfarena sicher nicht betreten.“ Und sie fügte hinzu: „Es gibt keine Wahlen. Denen fällt es doch nicht schwer, die Stimmen auszutauschen.“ (Entexa:ba:ti wojud nada:rad. Magar bara:ye inha: ka:ri da:rad ke ray-ha:-ra: ‚avaz konand).
Kommentar: Offensichtlich hat der Ajatollah nicht auf seine Frau gehört, denn am Samstag hat er seine Kandidatur bekannt gegeben. Dabei hat seine Frau völlig Recht. Die Herrscher lassen so viele Stimmen einwerfen, wie es ihnen passt, bei den letzten Wahlen wurde schließlich auch im voraus angeordnet, wieviel Stimmen Ahmadineschad zu bekommen habe. So hat Ahmadineschad persönlich erklärt, er habe 16 Millionen Stimmen bekommen (die Wirklichkeit liegt wohl eher bei 4), aber der Ajatollah (Chamene‘i) habe angeordnet, es sollten mindestens 24 Millionen werden, die 8 Millionen hat der Herr also nachlegen lassen.
Bookmark speichern oder einem Freund mailen
von Administrator am Montag, 13. Mai 2013 16:46
von Administrator am Montag, 13. Mai 2013 16:40
von Administrator am Montag, 13. Mai 2013 16:31
Ali Nuriyani betrieb eine BMW-Vertretung im Iran, die Autos und Ersatzteile dieser Marke im Iran vertrieb. Nach seinen Angaben wurde er von Vertretern der gemeinnützigen Stiftung „Bonyad Schah Abdol-Asim“ in Schahre Rey angesprochen, die Anteile von seiner Vertretung erwerben wollten. Nuriyani ging darauf ein und musste feststellen, dass die von der Stiftung betriebene Investment-Firma Rey Investment Co. es darauf abgesehen hatte, die entscheidende Mehrheit der Anteile zu erwerben. Dem Druck konnte er sich nicht widersetzen, so dass jetzt die Rey Investment Co. die Vertriebstätigkeit der Firma Nuriyani kontrolliert. Der Direktor von Rey Investment Co. ist Mohammad Reyschahri, ehemaliger Geheimdienstminister und enger Vertrauter von Ajatollah Chamene‘i.
Die Firma BMW hat darauf hingewiesen, dass sie seit 2009 keine Vertriebslizenz mehr mit einem Partner im Iran hat und sich bewusst ist, dass die Importtätigkeit über Drittländer durch Personen ausgeführt wird, die Ajatollah Chamene‘i nahestehen.
Quelle:
http://www.ibtimes.com/irans-supreme-leader-ayatollah-khamenei-multi-billionaire-bmw-car-dealer-1233899
http://www.spiegel.de/politik/ausland/iran-ajatollah-chamenei-hat-bmw-haendler-enteignen-lassen-a-897881.html
Bookmark speichern oder einem Freund mailen
von Administrator am Montag, 13. Mai 2013 16:05
Im Rahmen des Vorwahlkampfs ist Ajatollah Haschemi Rafsandschani kürzlich mit provokanten Äußerungen aufgetreten, die zu Protesten unter den iranischen Abgeordneten geführt haben. So erklärte der ehemalige iranische Staatspräsident Rafsandschani, dass der Iran mit Palästina nichts zu tun habe, wenn die Araber unbedingt mit Israel Krieg haben wollten, dann sei das ihre Sache, der Iran dagegen sei nicht auf Krieg mit Israel aus.
Und dann griff Rafsandschani noch ein weiteres zentrales Thema des iranischen Systems auf – die „Unschuld“ des religiösen Führers, ein Konzept, das gewisse Ähnlichkeit mit der päpstlichen „Unfehlbarkeit“ hat. Er meinte, im schiitischen Islam gebe es genau 14 „unschuldige“, also fehlerlose Menschen, nämlich den Propheten Mohammad und seine Tochter Fateme, sowie die 12 Imame. Angesichts der Tatsache, dass Ajatollah Chomeini sich gern als Imam darstellte und auch Ajatollah Chamene‘i sich gern auf dieses Erbe berief, wonach der religiöse Führer der Stellvertreter Gottes auf Erden sei und folglich als einziger Gottes Willen richtig deuten könne (das ist das Kernstück der Herrschaft des Rechtsgelehrten – Welajat-e Faqih), sind solche Äußerungen starker Tobak für die Führung.
Die Reaktion blieb nicht aus: Ruhollah Hosseinian, Parlamentsabgeordneter für Teheran und bis jetzt ein eifriger Unterstützer von Ahmadineschad, attackierte Rafsandschanis Worte mit dem Hinweis darauf, dass die Freiheit Palästinas einer der großen Wünsche von Imam Chomeini gewesen sei. Er meinte, dass Rafsandschani mit seinen Worten bewiesen habe, dass er als Kandidat für diese Wahlen nicht geeignet sei. Ruhollah Hosseinian sammelte die Unterschriften von 90 Abgeordneten, die wie er die Auffassung vertraten, dass Rafsandschani einer Kandidatur nicht würdig sei.
Bookmark speichern oder einem Freund mailen
von urmila am Montag, 13. Mai 2013 15:20
Eine 53jährige Frau soll nach 23 Jahren in Deutschland ohne ihre Familie in ein Land abgeschoben werden, dass sie nicht kennt und dessen Sprache sie nicht beherrscht. Die taz berichtet.
"Nun soll die 53-Jährige von ihrer Familie getrennt werden. Zwar habe der Staat laut Grundgesetz die Familie zu schützen und zu fördern, argumentiert der Kreis Borken.
Aber bei der Entscheidung über aufenthaltsbeendende Maßnahmen seien nur die familiären Bindungen von Personen...
|
|