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Sonntag, 04. Dezember 2016

taliban Seit dem 11. September 2001 war die Unterstellung einer angeblich „besonderen“ Homophobie eine der vielen Taktiken, hier lebende Muslime fremd zu machen. Waren die sozialwissenschaftlichen Belege für diese Unterstellung schon äußerst mager, so gilt dies umso mehr für die Kulturgeschichte des Islams. Im Unterschied zu ihrer Marginalisierung in der lyrischen Tradition Europas war gleichgeschlechtliche Liebe über Jahrhunderte einer der zentralen Topoi der persischen und arabischen Literatur, auch und gerade in der religiösen Liebesdichtung. Mag sich daran in den letzten hundert Jahren noch so viel ins Gegenteil verkehrt haben, stimmt die Wirklichkeit in vielen Ländern der sog. islamischen Welt doch bis heute nicht mit jener vereindeutigenden Konstruktion überein, die sie als bloßen Hort der Unterdrückung kennt.

Ironischerweise waren es daher auch nicht die »Zuwanderer«, sondern die Islamfeinde selbst, welche mit ihrem Kulturkampf gegen alles Fremde einen kulturellen Umschwung auslösten, der sich bald auch gegen die Emanzipation von Lesben, Schwulen und Transgenders richtete. So hat sich seit dem Aufstieg der AfD als führender rechtspopulistischer Kraft der Anteil der Deutschen, die es als „ekelhaft“ empfinden, wenn sich zwei „Homosexuelle“ küssen, innerhalb von nur zwei Jahren auf 40 Prozent verdoppelt. Das wirft ein bezeichnendes Licht auf den dünnen Firnis der Liberalität, der in den letzten Jahren schon etwas voreilig zum „Wesen“ der westlichen Kultur verdinglicht wurde.

Der Vortrag rekapituliert, ausgehend vom baden-württemberger „Muslimtest“, den Blick auf Muslim*innen in Deutschland, um im zweiten Teil die kulturelle Tradition und den historischen Wandel in der sog. islamischen Welt nachzuzeichnen. Abschließend werden anhand von Berichten und Reportagen die komplexen und widersprüchlichen Lebensverhältnisse u. a. in Afghanistan, Iran und Pakistan diskutiert.

Vortrag und Diskussion
Mi, 7. Dezember, 19 Uhr
Bunte Kuh (Bernkasteler Str. 78)
Veranstalterin: Antifa Nordost

Samstag, 03. Dezember 2016

Der folgende Artikel stammt vom derzeit im Exil lebenden türkischen Journalist Can Dündar. Er wurde im Oktober-Heft des ai-Journals 2016 veröffentlicht. Sämtliche Urheberrechte liegen bei Can Dündar.

Im Oktober 2016 schrieb Can Dündar im AI-Journal folgenden Gastbeitrag (Amnesty Journal Oktober 2016):

Die Pinguine und der Pool
Wie türkische Medien zum Schweigen gebracht werden. Ein Gastbeitrag von Can Dündar, dem ehemaligen -Chefredakteur der Tageszeitung „Cumhuriyet“.
„In der Türkei waren die Medien nie im eigentlichen Sinne frei. Doch eine derart drastische Knechtschaft gab es ebenfalls noch nie. Um diese starke Zwinge zu schaffen, die nicht einmal die Militärregime vor ihm zustande brachten, verfolgte Staatspräsident Erdoğan innerhalb von zehn Jahren eine dreistufige Strategie: Er übernahm zunächst die Kontrolle der Zentrumsmedien, dann baute er eine von ihm abhängige Medienmacht auf und schließlich brachte er die übrig gebliebenen
Oppositionellen zum Schweigen.

Es fing in Deutschland an
Die erste Stufe setzte 2007 in Deutschland ein. Im April durchsuchte die deutsche Polizei den Verein „Leuchtturm“ und die Europa-Vertretung des türkischen TV-Senders „Kanal 7″ in Frankfurt. Es hatte sich herausgestellt, dass der Löwenanteil der 41 Millionen Euro, die der Verein von Türken in Deutschland als Spenden eingesammelt hatte, zugunsten des regierungsnahen Senders Kanal 7 in die Türkei geschafft worden war. Die Zeitungen nannten das die „Veruntreuung des Jahrhunderts“. Türkische Staatsanwälte nahmen auch in der Türkei Ermittlungen auf. Der Fernsehsender, dem das überwiesene Geld zugeschanzt worden war, wurde durchsucht, die Verantwortlichen wurden festgenommen. Die Ermittlungen zeitigten in beiden Ländern allerdings unterschiedliche Ergebnisse:
In Deutschland wurden die Schuldigen verurteilt und inhaftiert. In der Türkei dagegen wurden die Staatsanwälte, die die Ermittlungen eingeleitet hatten, vom Dienst suspendiert und die Akten geschlossen.
Für Erdoğan, damals Premierminister, wurde dieser Fall zu einem Wendepunkt. Er begriff, dass er nicht zum Staatspräsidenten würde aufsteigen können, wenn er widerständige Medien nicht zerschlug und sich zugleich eine eigene Medienmacht aufbaute. Er krempelte deshalb unverzüglich die Ärmel hoch.

Die größte Strafe aller Zeiten
Im Januar 2007 war die deutsche Axel-Springer-Gruppe mit -einem über die Deutsche Bank transferierten Betrag zum 25-prozentigen Anteilseigner der Doğan Yayın Holding geworden, der größten Mediengruppe der Türkei. Die türkische Regierung ärgerte sich wegen der Ermittlungen sowohl über die Deutschen als auch über die Doğan-Gruppe, weil sie täglich Schlagzeilen zu den Ermittlungen brachte. Nun war die einmalige Chance für Vergeltung da. Der Doğan-Holding wurden zwanzig Steuerbeamte auf den Hals geschickt, die 330 Tage lang die Bücher des Unternehmens prüften. Am Ende wurde in zwei Wellen die größte Steuerstrafe in der Geschichte der türkischen Republik gegen die Doğan-Gruppe verhängt: Rund drei Milliarden Dollar. Damit waren die „Leuchtturm“-Ermittlungen gerächt.
(Anmerkung: Dies könnte auch erklären, warum die BILD, die sich eigentlich nicht für die Menschenrechte einsetzt, zu den vehementen Erdogan-Kritikern in Deutschland gehört.)
Diese Strafe sorgte dafür, dass in den Sendern und Publikationsorganen der Doğan-Gruppe nie wieder über Veruntreuung und Korruption berichtet wurde, zugleich war die Botschaft bei allen anderen Medienbetreibern angekommen: „Seid auf der Hut!“ Und zwar so nachhaltig, dass die Medienunternehmer, die der Reihe nach die renommiertesten Zeitungen der Türkei aufkauften, fortan bei Erdoğan persönlich anfragten, wen sie als Chefredakteur einsetzen sollten. Er verkündete dann die genannten Namen stolz in der Presse. Natürlich wurden auch die Listen mit Personen, die gefälligst aus den Medien entfernt -werden sollten, den neuen
Medienmogulen von Ministern und Beratern persönlich überreicht. So entstanden die sogenannten „Pinguin-Medien“.

Pinguin-Medien
Seit drei Jahren werden in der Türkei von Regierungsseite übernommene Medien als „Pinguin-Medien“ bezeichnet. Warum, werden Sie fragen, wurden sie nicht beispielsweise nach Straußen, sondern ausgerechnet nach Pinguinen benannt? Lassen Sie mich das erklären: In der Nacht, als sich der Protest, der sich am Widerstand gegen die Rodung der Bäume im Istanbuler Gezi-Park 2013 entzündet hatte, über die ganze Türkei ausdehnte, sendete der wichtigste Nachrichtensender des Landes eine Dokumentation über Pinguine. Während Medien in aller Welt live aus Istanbul berichteten, richteten die türkischen Fernsehsender ihre Kameras auf das Leben am Pol, dies war exemplarisch. Wie Sie sich denken können, gehörte der Sender, der die Dokumentation über Pinguine sendete, die zum Symbol einer Epoche werden sollten, zu eben jener Mediengruppe, die Erdoğan mit der Supersteuerstrafe belegt hatte. Seither werden Medien, die vor der Realität die Augen verschließen und Selbstzensur zur Sende- bzw. Publikationspolitik machen, als „Pinguin-Medien“ bezeichnet.

Pool-Medien
Doch die Zentrumsmedien zum Schweigen gebracht zu haben, reichte Erdoğan noch nicht. Nun ging es um Stufe 2: Es galt, umso lauter zu reden, wenn andere schweigen, sich selbst darzustellen und auch jene zum Schweigen zu bringen, die eventuell noch reden würden. Die Medien, die diese Aufgabe übernahmen, wurden nun „Pool-Medien“ genannt. Warum, werden Sie fragen, „Pool-Medien“ und nicht zum Beispiel „regierungstreue Medien“? Lassen Sie mich auch das erläutern: Die Gezi-Proteste fanden im Mai und Juni 2013 statt. Erdoğan, damals Premierminister, trommelte im August ihm nahestehende Unternehmer zusammen und „befahl“
ihnen, eine der führenden Mediengruppen der Türkei zu kaufen. Die Unternehmer waren zunächst abgeneigt, doch als Gegenleistung wurden ihnen die 22-Milliarden-Euro-Ausschreibung für den dritten Istanbuler Flughafen sowie einige weitere Ausschreibungen in den Sektoren Eisenbahn, Brücken, Staudämme und U-Bahn versprochen. Angesichts der Summen, die sie verdienen würden, waren die verlangten Medieninvestitionen Peanuts. Damit war Abhilfe für ihre Unlust geschaffen. Mit insgesamt 630 Millionen Dollar von sechs Unternehmern wurde ein Kapitalpool gebildet. Das Geld wurde in einem gepanzerten Fahrzeug zur Bank gebracht, die „Pool-Medien“ waren gegründet. Die Fernsehsender und Zeitungen dieser vor drei Jahren aufgekauften Mediengruppe rühmen noch heute einhellig die Regierung und verdammen die Oppositionellen. Und die Unternehmen, denen die Mediengruppe heute gehört, wachsen aufgrund der ihnen zugeschanzten Ausschreibungen weiter.

Die Propagandamaschine
Die Resultate dieser Medienstrategie stellten sich prompt ein: Im Wahlkampf vor den Parlamentswahlen vom November 2015 bekam der Vorsitzende der Regierungspartei mehr Redezeit als alle Vorsitzenden der anderen Parteien zusammen. Wie das beim staatlichen Fernsehen aussah? Innerhalb von 25 Tagen -erhielten Staatspräsident und Premierminister 59 Stunden Sendezeit, die Vorsitzenden der drei Oppositionsparteien aber nur insgesamt 6,5 Stunden. Welchen Sender man auch einschaltete, Erdoğan war überall. Diese Propaganda-Offensive hatte ihren Anteil daran, dass die Regierung mehr als 40 Prozent der Wählerstimmen erhielt.

Die Überbleibsel
Kommen wir zur dritten Stufe der Strategie. Dabei geht es um uns. Wir, die aller Drangsalierung zum Trotz nicht schweigen, sondern weiter couragiert reden und schreiben: ein paar Zeitungen, ein paar Fernsehsender und eine Handvoll Journalisten, die sich hartnäckig für ihren Beruf einsetzen. Erdoğan hat versucht, einen Teil dieser Kräfte durch Beleidigungsklagen zu verschrecken. Seine Anwälte, die jede Kritik an ihm als Beleidigung auffassen, strengten mehr als 2.000 Prozesse gegen jeden an, der ein Wort gegen Erdoğan sagte. Wer sich dennoch nicht „bessern“ wollte, wurde damit bedroht, „einen hohen Preis zu zahlen“ und hatte von der Regierung ermunterte Attacken zu befürchten, es kam zu tätlichen Angriffen, Prügeln und Schüssen. Schließlich ergriff die Regierung beim militärischen Umsturzversuch im Juli 2016 die Gelegenheit beim Schopfe, bootete Justiz und Parlament vollständig aus und leitete eine Hexenjagd gegen die Medien ein. Sie schloss mehr als 100 Presseeinrichtungen und steckte mehr als 100 Journalisten ins Gefängnis. Sie verwandelte die Türkei in das weltgrößte Gefängnis für Journalisten.

Pinguine im Pool
Soweit die Geschichte der Übernahme der türkischen Medien. Ist es nun unmöglich geworden, etwas anderes zu sagen als die Regierung und oppositionelle Texte zu schreiben? Nein, das nicht. Aber Zeitungen, die kritisch berichten, müssen damit rechnen, geschlossen zu werden. Journalisten, die abweichende Äußerungen wagen, riskieren Haftstrafen. Angesichts dieser Aussichten ziehen es die meisten Pinguine vor, im schmutzigen Pool zu schwimmen – und keinen Fuß auf vermintes Terrain zu setzen, indem sie sich mit Veruntreuung, Korruption, der kurdischen Sache oder der Repressionspolitik beschäftigen.“

Aus dem Türkischen von Sabine Adatepe.

Quelle
http://www.amnesty.de/journal/2016/oktober/die-pinguine-und-der-pool?destination=node%2F3031

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Wenn die EU die Beitrittsgespräche mit der Türkei aussetzen oder gar abbrechen solle, hätte dies auf die Realpolitik in Ankara vermutlich keine großen Auswirkungen, sagte der Politologe Ismail Küpeli im DLF. In der Symbolpolitik würde die Türkei sicherlich einen Weg weg von der Europäischen Union beschreiten.

Oliver Ramme: Im Europaparlament zeichnet sich ein Votum ab, welches auf ein Einfrieren der Beitrittsverhandlungen zielt. Schadet sich die EU damit selber? Vor allem aber: Wie nimmt man das in Ankara wahr? Darüber möchte ich jetzt mit Ismail Küpeli sprechen. Er ist Politikwissenschaftler an der Ruhr-Uni in Bochum. Guten Abend, Herr Küpeli.

Ismail Küpeli: Guten Abend.

Ramme: Es ist ja nicht bindend, was das EU-Parlament beschließt am Donnerstag.

Küpeli: Richtig.

Ramme: Aber es ist ein deutliches Signal. Gehen wir von einem Einfrieren aus. Wer hätte den größeren Schaden, die EU oder die Türkei?
“Beide Seiten müssen für sich entscheiden, was sie aus dem Signal machen.”

Küpeli: Ich glaube, einen größeren Schaden hätten beiden Seiten nicht, weil wie Sie ja wirklich sagen: Es handelt sich erst mal um ein Signal, bei dem beide Seiten für sich entscheiden müssen, was sie aus dem Signal machen. Die türkische Seite kann das durchaus ignorieren, aber die türkische Seite kann auch den Beschluss dazu nutzen, um mehr Stimmung zu machen gegen die EU und auch gegen die europäische Politik. Danach sieht es aus und wenn man sich die Äußerungen von Erdogan und anderen führenden AKP-Politikern anschaut, dann ist das bereits in Vorbereitung, dass man den Abbruch der Verhandlungen quasi zu Lasten der EU vollziehen will. […]

Weiterlesen: “Die Türkei orientiert sich bereits in andere Richtungen” (Deutschlandfunk 22. November 2016)

Viele linke PolitikerInnen und AktivistInnen in der Türkei entstammen Familien mit einer linken Geschichte. Viele dieser Linken gelten als Kurden, Jesiden, Aleviten, Atheisten oder Christen nicht als Teil der türkischen Staatsnation, deren Mitglieder dem sunnitischen Islam angehören. So ist etwa der HDP-Kovorsitzende Selahattin Demirtas ein Zaza-sprachiger Kurde und auch etliche andere HDP-Abgeordnete entstammen Minderheiten.

Anders bei HDP-Kochefin Figen Yüksekdag, die vergangene Woche ebenso wie Demirtas festgenommen wurde. […]

Weiterlesen: Neues Deutschland (7. November 2016)

Die Festnahmen der HPD-Abgeordneten und Parteivorsitzenden wurden seit Monaten vorbereitet

Erwartbar und doch unerträglich – das türkische Regime hatte den jüngsten Angriff auf die oppositionelle HDP von langer Hand vorbereitet, dennoch hofften viele, dass es nicht so weit kommen würde. Dabei gingen den Verhaftungen von Freitag bereits diverse Festnahmen voraus. In den vergangenen Wochen und Monaten wurden Dutzende BürgermeisterInnen von der linken und prokurdischen HDP abgesetzt und teilweise inhaftiert. Jüngster Höhepunkt der Repression war die Verhaftung der BürgermeisterInnen der größten kurdischen Stadt Diyarbakir vor einer guten Woche. […]

Weiterlesen: Neues Deutschland (5. November 2016)

“Einzige prokurdische Stimme im Parlament zum Schweigen gebracht”

Auch Ismail Küpeli, Politikwissenschaftler an der Ruhr-Uni Bochum und spezialisiert auf den Kurdenkonflikt, befürchtet einen Bürgerkrieg. “Die Festnahmen der HDP-Parteivorsitzenden und zahlreicher führender HDP-Abgeordneter bedeutet für die Demokratie in der Türkei, dass die einzige linke und prokurdische Stimme im Parlament zum Schweigen gebracht wird. Damit wird der parlamentarische Weg für die Kurden geschlossen. Mehr und mehr Kurden werden sich für den bewaffneten Weg entscheiden”, so Küpeli. […]

Weiterlesen: Experten erwarten nach Festnahmen Bürgerkrieg in der Türkei (Der Westen 4. November 2016)

Kritische Berichterstattung ist unter Erdogan kaum mehr möglich – jetzt wurde ein Kanal gegründet, der keine Redaktionsräume braucht

Recep Tayyip Erdogan räumt seit dem Putschversuch Mitte Juli knallhart auf, er selber spricht von »Säuberungen«. Mehr als 160 Medien und Verlage sind geschlossen worden, mehr als 100 Journalisten sitzen in Haft. Das Instrument dafür: Der Ausnahmezustand, der Regierung und Präsident weitreichende Vollmachten gibt – und der die Schließung von Medien erlaubt, falls diese »die nationale Sicherheit bedrohen«.

Zudem werden jeden Tag Dutzende Staatsbedienstete entlassen, zahlreiche Oppositionelle festgenommen und verhaftet und der Krieg in den kurdischen Gebieten fordert ebenfalls Tag für Tag neue Opfer.

Die jetzigen Angriffe auf die Tageszeitung »Cumhuriyet« zeigen, dass sich inzwischen niemand mehr sich sicher fühlen kann. Selbst die »Cumhuriyet«, die älteste Tageszeitung der Türkei und eine Institution in der Türkischen Republik, könnte zerschlagen werden – so das Signal an die Bevölkerung und an das Ausland. […]

Weiterlesen: Neues Deutschland (2. November 2016)

Donnerstag, 01. Dezember 2016

FIDEL CASTRO RUZ, 1926 – 2016

Die Reaktion der westlichen Leitmedien auf das Ableben des Máximo Lider ist gemischt und eine gewisse Unzufriedenheit klingt aus den Meldungen hervor.
Sich so richtig freuen und eine große Fiesta machen wie die Exilkubaner in Miami, schickt sich erstens nicht für pietätvolle Schmierfinken, und die Freude ist auch getrübt, weil eben mit Fidel Castros Tod das System, das er mit aufgebaut hat, nicht verschwindet. Im Gegenteil. Sein allem Anschein nach recht rüstiger Bruder bekräftigt seine Entschlossenheit, so weiterzumachen wie bisher, und er hat offenbar ein Team, das ihn dabei kräftig unterstützt.

Der sehr kindische, aber demokratisch durchgesetzte Führerkult blamiert sich hier wieder einmal. Es hängt nicht an einer Person, ob in Kuba Kommunismus, Versorgungswirtschaft oder Marktwirtschaft herrscht. Die kubanische Form Staat zu machen beruht auf einem relativ breiten Konsens in Regierung und Bevölkerung und war nicht ein Spleen eines durchgeknallten Alleinherrschers. Nicht nur, daß die Führungsmannschaft kein Zeichen von Schwäche zeigt – auch in der Bevölkerung bahnt sich offenbar kein Aufruhr an, obwohl die Medienfuzis mit Taschenlampe und Lupe nach Zeichen von „Widerstand“ suchen.

Diese Enttäuschung darüber, daß sich mit Fidels Abgang gar nix ändert, prägt die Schlagzeilen.

Castro tot – Kuba leider immer noch sozialistisch

Und was jetzt, Kuba? Immer noch „Sozialismus oder Tod“? titelt „Die Welt“ vor 4 Tagen. Ärgerlich ist dabei, daß die Frage beantwortet ist, und zwar nicht im Sinne der „Welt“: Der Sensenmann hat nur Castro geholt, den Sozialismus hat er dortgelassen.
In der gleichen Diktion geht es weiter:
„Es ist die Stunde Null in Havanna.“
Zum Leidewesen der „Welt“ eben nicht.
„Fidel Castro wurde von vielen Kubanern vergöttert“
– völlig zu Unrecht, wie die „Welt“ weiß.
„ – doch er war auch das größte Hindernis für einen Neubeginn.“
Vielleicht wurde er genau dafür so geschätzt?
„Doch über einem neuen Anfang liegen bereits Schatten.“
Womöglich wird aus diesem angestrebten „neuen Anfang“ gar nix.

Besondere Anstrengungen, Castro und sein Kuba schlechtzureden, macht das „El País“, dessen Korrespondent bereits vor Jahren wegen seiner regierungsfeindlichen Ansichten und Tätigkeit der Insel verwiesen worden war.
Fidel ist ein Mythos, eine Erfindung, deren Schöpfer und Darsteller er in einem ist.“
Leider verschwindet dieser vom „El País“ geschmähte Mythos nicht mit seinem Darsteller …
„Sein Sozialismus ist ein Mythos: wir sehen den Zusammenbruch des sowjetischen Modells.“
Leider ist er in Kuba nicht zusammengebrochen …
„Genauso ist es mit demjenigen vom souveränen Vaterland: um dieses von der US-Abhängigkeit zu lösen, unterwarf er es der sowjetischen Abhängigkeit“,
die der kubanische Sozialismus leider auch überlebt hat.
„Fidel Castro: ein disproportioniertes ökonomisches Erbe“
Man fragt sich nur, disproportioniert für wen?
„Cuba ist eine seltene Kombination von sozialen Indikatoren der 1. Welt mit wirtschaftlichen Indikatoren der 3. Welt“
So kann man es ausdrücken, daß die Kubaner nicht so arm sind, wie sie laut „El País“ eigentlich sein müßten.
„Laut dem vom UNO-Programm für Entwicklung (UNDP) erstellten Index für Menschliche Entwicklung steht Kuba in ganz Lateinamerika und der Karibik immer noch an erster Stelle, was Erziehung betrifft, und an zweiter bezüglich der Lebenserwartung.“
Na super, sollte man meinen. Von wegen Mythos, Abhängigkeit, Zusammenbruch usw.!
„Nun ja, diese Erfolgsstory kann man auch als Scheitern betrachten, wenn man einen anderen Gesichtspunkt einnimmt und sich fragt: wieso ist ein Land mit solchen außerordentlichen Fortschritten auf sozialem Gebiet wirtschaftlich so arm?“
Wir von „El País“ wollen es auf jeden Fall als Ungehörigkeit betrachten, wenn ein Land wie Kuba sich ein Unterrichts- und Bildungssystem leistet, von dem manche Armen in Spanien nur träumen können.
Letztlich, so dieser luzide Artikel, gibt es dort weder Kapital noch Eigeninitiative und das ist unerhört.

Auch ein Nachruf im „Spiegel“ windet sich und wirft ihm Betrug an seinen Idealen vor – der übliche billige Trick derer, die meinen Gesellschaftskritik sei schön, hätte aber folgenlos zu bleiben:
„Er galt als moderner Revolutionär, der Kuba von der Diktatur befreit hatte und in ganz Lateinamerika zum Vorbild wurde mit seinem Versprechen einer gerechteren Gesellschaft. Doch seine moralische Weste hatte längst Risse bekommen: In seinem Land wurden Dissidenten verfolgt, Bürger bespitzelt, wurde Mangel verwaltet.“
Na und? möchte man fragen. Das ist offenbar kein Widerspruch gegenüber dem ohnehin zweifelhaften Ideal von „Gerechtigkeit“.
„Über den Golf von Mexiko hinweg beteiligte Castro sich an der großen Auseinandersetzung seiner Zeit: Kommunismus gegen Kapitalismus, das kleine Kuba mittendrin.“
Und immer noch kommunistisch, obwohl nicht mehr mittendrin!
„Seiner Ideologie schwor er nie ab, auch wenn sie sein Land zurückwarf.“
„Zurück“ gegenüber was? Haiti? Oder dem Glamour, das Puff der USA zu sein, wie unter Batista? Der Ärger darüber, daß in Kuba nicht marktwirtschaftlich produziert und kalkuliert wird, ist unüberhörbar.

Auch die „New York Times“ läßt sich nicht lumpen und erinnert daran, daß sie sich seit 1959 auf einen Nachruf für Fidel Castro vorbereitet hat, x Entwürfe verfaßt wurden, und jetzt können sie ihn endlich schreiben.
„Es gab eine Menge Prophezeiungen auf Unruhen, die bei Fidels Tod ausbrechen würden, aber diese Aussichten verblaßten, als er die Amtsgeschäfte erfolgreich seinem Bruder Raúl übergab.“
Wieder nix! Kein Hoffnungsschimmer!
„Castros Tod entblößt einen Generationskonflikt in Havanna.“
Man wartet auf Enthüllungen. Allerdings vergeblich.
„Nach Jahrzehnten von nicht eingelösten Versprechen bezüglich Wirtschaftswachstum könnte Castros Tod inner- und außerhalb Kubas Gräben bezüglich des einzuschlagenden Weges aufreißen.“
Der Wunsch ist unüberhörbar, daß es doch so kommen möge, obwohl nichts dafür spricht.
„Eine unabhängige Bloggerin … erwartet, daß Fidels Tod zu mehr Meinungsvielfalt bei der Führung führen könnte.“
Wow, die aufständische Jugend meldet sich zu Wort!
„Viele junge Leute zeigten keine sichtliche Regung, als Fidels Tod bekannt wurde. Am Sonntag verbrachten sie den Tag wie gewöhnlich und meinten, daß sich mit Fidels Abgang wenig ändern würde.“
Das befürchtet die NYT auch.

Also, die Begeisterung der Journaille hält sich in Grenzen. Fidel ist alt geworden und in Ehren gestorben, und das „Regime“ in Kuba wankt nicht.
Man kann zur Tagesordnung übergehen und sich anderen Themen widmen.
___________________

Siehe dazu auch noch:

DEMOKRATISCHER PERSONENKULT 2014

Dienstag, 29. November 2016

Offener Brief von Golroch Irani für Arash Sadeghi und internationale Menschenrechtsorganisationen.


Arash Sadeghi und Golroch Irani

An alle internationale Menschenrechtsorganisationen!

Obwohl mehr als ein Monat des Hungerstreiks meines Mannes Arash Sadeghi vergangen ist und obwohl seine gesundheitliche Situation so problematisch ist, dass er mehrmals Magenbluten hatte und die Ärzte der kleinen provisorischen Gesundheitsstation im Gefängnis eine sofortige Verlegung in ein Krankenhaus empfohlen haben, haben die Zuständigen im Gefängnis nicht reagiert und ihm die Krankenhausbehandlung versagt.

Diesen Hungerstreik hat mein Mann als Protest gegen meine Festnahme begonnen, weil die Revolutionswächter – Organisation mich grundlos festgenommen hatte, um auf ihn noch mehr Druck auszuüben. Sie haben mich vor Gericht gebracht und ich wurde zu sechs Jahren Haft verurteilt. Mein Mann muss 19 Jahre im Gefängnis bleiben. Obwohl der Staatsanwalt meinen Prozess und die verhängte Strafe für fehlerhaft hält, traut er sich nicht, das Verfahren neu zu eröffnen, aus Angst vor den Revolutionswächtern.

In diesen Tagen ist die Gesundheit meines Mannes sehr angegriffen und er liegt im Sterben. Für seine gesundheitliche Situation sind die Judikative und die Revolutionswächter verantwortlich. Ich bitte alle internationalen Menschenrechtsorganisationen, aktiv zu werden gegen den leisen Tod meines Mannes. Lassen Sie nicht zu, dass mein Mann einfach stirbt!

Golroch Ebrahimi Irani (Frau von Arash Sadeghi)

An meinem Mann Arash Sadeghi!

Frei denkende Menschen haben eine stolze Geschichte.

Niemand kann das freie Denken knebeln.

Während uns so viel Unterdrückung von den Machthabern auferlegt wird,

werden wir von Tag zu Tag stärker und machen weiter.

Mit jedem Ein- und Ausatmen, gehen wir einen Schritt vorwärts

in den Morgen.

Dafür ertragen wir die Trennung.

Du bist weit entfernt hinter einer Mauer

und kämpfst mit dem Tod.

Ich weiß wenig von dir.

Die Liebe zu dir durchströmt meinem Körper und meinen Gedanken.

Ich sehe nur deine Liebe.

Und mehr und mehr glaube ich an deine Ehrbarkeit.

Ich weiss, uns ist Ungerechtigkeit widerfahren,

und du schreist mit deinem Leben dagegen an.

Der Morgen, den wir erwarten, ist unterwegs.

Du musst bleiben, bis der Morgen der Freiheit anbricht.

Wir werden unsere Fahne hochhalten

und in das Licht der Freiheit schauen.

Ich bewundere deinen Widerstand, mein lieber Arash!

Du musst bleiben, weil ich dich liebe.

Für immer mit dir zusammen

Golroch

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Montag, 28. November 2016

Im Süden des Landkreises Tabas (Iranische Zentralwüste) liegt das Dorf Nayband. Hier einige Fotos

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Wie berichtet, wurde Ahmad Montaseri wegen der Veröffentlichung der Tonbandaufnahme, in der sein Vater Ajatollah Montaseri das Gefängnismassaker von 1988 kritisierte, zu 21 Jahren Gefängnis verurteilt, wovon er 6 Jahre absitzen muss. Außerdem darf er 3 Jahre lang nicht das Gewand eines Geistlichen tragen.


Ahmad Montaseri

In einer ersten Reaktion erklärt Ahmad Montaseri, dass er nach der Gerichtsverhandlung angesichts des Verhaltens des Richters von einem Freispruch ausging. Es sei auffällig, dass bis zur Verkündung des Urteils längere Zeit verging und im Urteil selbst Dinge angesprochen wurden, die in der Verhandlung überhaupt nicht zur Debatte standen – zum Beispiel der Vorwurf des Geheimnisverrats. Er geht deshalb davon aus, dass dieses Urteil von oben diktiert wurde und die Verkündung deshalb solange dauerte. Er wird gegen das Urteil in Berufung gehen, wozu er zwanzig Tage Zeit hat. Er sagte auch: Wenn sie ihn einsperren, wird das nur dazu führen, dass die anderen Tonbänder noch schneller in die Öffentlichkeit gelangen…

http://news.gooya.com/politics/archives/2016/11/220643.php
vom 8. Adhar 1395 (28. November 2016

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Ahmad Montaseri, der Sohn des verstorbenen Ajatollahs Montaseri, wurde jetzt wegen „Handlungen gegen die nationale Sicherheit“ und wegen „Propaganda gegen das System“ zu 21 Jahren Gefängnis verurteilt. Außerdem wurde ihm für drei Jahre untersagt, die Kleidung eines Geistlichen zu tragen, weil er die Ehre dieser Berufskleidung entwürdigt habe. Seine Schuld bestand darin, ein Tonband zu veröffentlichen, in dem sein Vater, Ajatollah Montaseri, das Gefängnismassaker von 1988, das auf Anweisung von Ajatollah Chomeini verübt wurde, vor der zuständigen „Säuberungskommission“ scharf kritisierte. Ahmad Montaseri wurde angekreidet, dieses Tonband sei von den arabischen Staaten und von den Volksmodschahedin gegen den Iran ausgeschlachtet worden. Weil der Bruder von Ahmad Montaseri als „Märtyrer“ gestorben ist und Ahmad Montaseri selbst schon fortgeschrittenen Alters und zudem nicht vorbestraft ist, muss er „nur“ sechs Jahre von den 21 Jahren absitzen.
Die harte Strafe ist nicht verwunderlich: Die Täter von damals sind noch heute an der Macht.

http://news.gooya.com/politics/archives/2016/11/220612.php
vom 7. Adhar 1395 (27. November 2016)
ahmade montazeri be habse tulani wa xal°-e leba:s mahkum shod

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Der Bruder von Rahele Rahemi-Pur, Hossein Rahemi-Pur, war 1362 (1983) zusammen mit seiner schwangeren Frau inhaftiert worden. Seine Frau entband im Gefängnis. Als die Angehörigen Nachforschungen über den Verbleib des Kindes anstellten, hieß es, es sei gestorben. Auch Hossein Rahemi-Pur starb im Gefängnis. Die Mutter des Kindes wurde später aus der Haft entlassen. Die intensiven Nachforschungen der Angehörigen nach dem Ort der Bestattung der beiden Toten blieben ohne Erfolg, ihnen wurde nur gedroht, wenn sie so weiter machten, verschwänden sie selbst im Gefängnis. Jetzt ist Rahele Rahemi-Pur, eine iranische Menschenrechtsaktivisten, selbst im Gefängnis. Sie hat nun von der iranischen Justiz verlangt, aufzuklären, wo ihr Bruder und dessen Kind geblieben sind. Dafür hat sie jetzt eine Vorladung von der Kammer des Revolutionstribunals in Teheran erhalten, und zwar von dessen berüchtigten Vorsitzenden Salawati. Ein schlechtes Omen. Als diese Nachricht bekannt wurde, traten fünf Institutionen der Vereinten Nationen, die sich für die Menschenrechte einsetzen, an die iranische Regierung und forderten sie auf, von Repressalien gegen die Menschenrechtlerin abzusehen.

http://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=120434
vom 5. Adhar 1395 (25. November 2016)
panj nehade sazmane melal: karzar aleyhe rahele rahemi-pur-ra motewaqqef konid

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da:d-zan (Ausrufer) gesucht: eine Stellenanzeige…

In einem Land, in dem schon seit längerem ein großes Firmensterben um sich greift – und der Iran gehört zu der Sorte, ist es naturgemäß schwer, Arbeitsplätze oder Ausbildungsplätze zu finden. Das bedeutet nicht, dass es in solchen Gesellschaften nichts zu tun gibt, aber meistens ohne Fachausbildung, ohne Kontrollen, ohne Gewerkschaften. Alles geradezu ein kapitalistisches Wunderland, sollte man meinen.

Die Webseite peykeiran hat eine Meldung der staatlichen Nachrichtenagentur Mehr über einige Berufe veröffentlicht, die in der Islamischen Republik Iran heutzutage ausgeübt werden. Manche Berufe sind schon älter, manche existieren in Abwandlung auch hierzulande, andere muten schon recht fremd an.
Wir führen hier die persischen Bezeichnungen und die deutschen Erklärungen auf:

sharr-xar – (sharr – Bandit, Verbrecher, Schurke, xar – von xaridan, kaufen)
Ein Gläubiger, der die Schulden nicht eintreiben kann, wendet sich an so eine Person, die mit Gewalt, Messer und anderen Formen der Erpressung (Kindesentführung etc.) den Schuldner dazu bringt, die Schulden zu begleichen. Ein solcher Schuldeneintreiber hat gewöhnlich keine Angst davor, ins Gefängnis zu kommen. Für seine „Mühen“ erhält er einen Teil des eingetriebenen Geldes. Im „zivilisierten“ Deutschland übernehmen zwielichtige Anwaltsfirmen diese Funktion, die z.B. windige Rechnungen von Internet-Anbietern unter Androhung von Prozessen eintreiben.

da:d-zan (Rufer, Schreier)
Wer seine Pizza oder seine Ware auf der Straße anpreisen will, mietet sich für einen Tag so einen Ausrufer.

tra:kt-paxsh-kon (Flyer-Verteiler)
Verteilt die Werbeflyer einer Firma, auch hier ein gängiger, aber nicht eben einträglicher Beruf, der meistens von Schülern ausgeübt wird.

pla:k-mahw-kon (Nummernschild-Auslöscher)
In der Hauptstadt Teheran gibt es diverse Bereiche, in die keine Autos fahren dürfen. Wer es trotzdem tut, wird geblitzt und muss dann eine Strafe zahlen. Um dies zu umgehen, warten an solchen Stellen Personen mit ausufernden Mänteln, die vor oder hinter dem Auto hergehen, je nachdem, wo die Kamera steht, und so dafür sorgen, dass zwar ein Foto vom Auto gemacht wird, aber das Nummernschild verdeckt ist.

ja:-ye pa:rk-gir (Parkplatz-Besetzer)
Leute, die Parkplätze mit irgendwas vollstellen und dann gegen Entgelt den (nicht ihnen gehörenden) Platz freigeben, wenn jemand einen Parkplatz sucht. Wäre sicher auch in Konstanz eine einträgliche Beschäftigung.

gerye-kon-e mara:sem tarh.im (Trauerfrau, Trauermann)
Leute, die auf Begräbnissen kräftig und laut weinen und klagen und die Verdienste des Verstorbenen preisen. Solche Personen werden gern auf Staatsbegräbnissen angeheuert.

dast-forush (Straßenverkäufer)
Wer seine Ware bei sich trägt und auf der Straße verkauft, heute in Teheran besonders häufig in der Metro und in den Metro-Stationen. Sind recht aufdringlich.

hamra:h-e bimar (Krankenbegleiter)
Wenn die Angehörigen arbeiten müssen und sich nicht um den im Krankenhaus liegenden Patienten kümmern können, heuern sie die Dienste eines Krankenbegleiters an. Er verrichtet auch nicht-medizinische Hilfleistungen, z.B. Begleitung zur Toilette u.ä. Angesichts der starken Einsparungen im öffentlichen Gesundheitswesen in Deutschland sollten wir uns nicht wundern, wenn der Beruf hier bald auch auftaucht. Man sieht, man kann von Entwicklungsländern lernen…

sha:hed-e da:dga:h (Gerichtszeuge)
Unfall, Überfall, Ehestreit? Sie suchen einen Zeugen? Alles zu kaufen.

do°a:-newis (Gebetsschreiber)
Ein alter Beruf. Diese Leute schreiben einen Koranspruch oder ein Gebet auf ein Stück Papier. Wer krank ist, wirft den Zettel in ein Glas Wasser und trinkt das Wasser aus, dann wird er wieder gesund. Es gibt Bücher, in denen diverse Gebete stehen, die helfen, dass man Arbeit findet, gesund wird, die Ernte reich ausfällt etc.

noubat-forushi (Schlangensteher)
Wer etwas bei der Deutschen Botschaft oder auf der Bank zu erledigen hat, muss warten. Es sei denn, er kauft sich den Platz in der Warteschlange bei einer entsprechenden Person.

ka:r-ra:h-benda:z (der die Sache auf den Weg bringt)
Eine Person, die als Vermittler tätig wird, wenn man zum Beispiel später zum Militärdienst will oder als Student eine Wohnung benötigt u.s.w.

rang-ka:r-e morakkaba:t (Zitrusfrüchte-Anmaler)
Mitunter sieht die Schale von Orangen oder Zitronen farblich nicht so attraktiv aus, wie man sich selbige vorstellt. Dafür gibt es diese Art von Malern, die die Schalen färben. Wenn die Früchte dann noch in einem Netz verkauft werden, merkt man das nicht gleich. Evtl. kann man es am Geruch feststellen, aber das benötigt Erfahrung. Wer es beim Einkaufen eilig hat, hat das Nachsehen.

Quelle

http://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=120423
vom 5. Adhar 1395 (25. November 2016)
ba ajibtarin mashaghele kadhebe iran ashna shawid

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"People demand freedom of speech as a compensation for the freedom of thought which they seldom use." (Sören Kierkegaard)

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