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Freitag, 24. Mai 2019

Wir dokumentieren hier – anschließend an den letzten Teil der 68er-Reihe – die Aufnahme einer Diskussionsveranstaltung über Johannes Agnoli, sowie eine ältere Radiosendung über Agnoli.

1.) 50 Jahre Johannes Agnoli – Transformation der Demokratie

Im Dezember 2017 hat die Junge Panke Thomas Ebermann, Felix Klopotek und Jan Giolan von TOP B3rlin zu einer Diskussionsveranstaltung über Johannes Agnoli eingeladen. Thomas Ebermann und Felix Klopotek rekonstruieren die historischen Bedingungen, auf die Johannes Agnoli in seinem (gemeinsam mit Peter Brückner herausgegebenen) Buch Transformation der Demokratie reflektiert hat. Dabei geht es insbesondere um die Frage, inwiefern Elemente des Faschismus in den Wohlfahrtsstaat der Nachkriegszeit eingegangen sind und um den Zusammenhang mit der 68er-Bewegung. Jan Giolan geht auf die Frage ein, inwiefern Agnoli auch für eine Reflexion und Praxis im Umgang mit dem Aufstieg der AfD und des Rechtspopulismus fruchtbar gemacht werden kann. Die Diskussion dreht sich dann um Fragen der Bündnispolitik im Angesichts des Erstarkens rechter Bewegungen. In der Tageszeitung Neues Deutschland ist ein Bericht über den Abend erschienen.

Als der Politikwissenschaftler Johannes Agnoli und der Sozialpsychologe Peter Brückner im Jahr 1967 gemeinsam „Die Transformation der Demokratie“ veröffentlichten, trafen sie damit einen Nerv der beginnenden Revolte. Vor allem die Rezeption von Agnolis radikaler Kritik der parlamentarischen Demokratie innerhalb der außerparlamentarischen Bewegungen brachte der Schrift die Bezeichnung „APO-Bibel“ ein. Agnolis Auseinandersetzung mit dem Repräsentationsprinzip, das er als repressives Befriedungs- und Herrschaftsinstrument analysiert, mündet in die Kritik am konstruktiven Mitwirken in den Institutionen, das lediglich der Aufrechterhaltung der Verhältnisse sowie der Domestizierung der Opposition diene. Als „Staatsfeind auf dem Lehrstuhl“ bestand Agnoli auf Subversion, Destruktion und Aufklärung: „Es dient keinem Herrschaftssystem, wenn die Techniken des Herrschens den beherrschten zum Bewußtsein gebracht werden.“ Während Agnoli seine negationistische Staats- und Institutionenkritik am Beispiel der Grünen und der Linken Jahrzehnte später veranschaulichte und aktualisierte, scheint sie heutzutage angesichts der Angriffe auf die demokratischen Institutionen von Rechts fast anachronistisch. (via)

    Download: via AArchiv (mp3; 192 MB; 2:09:04 h) | via YouTube

2.) Johannes Agnoli – Ein Staatsfeind mit Lehrstuhl

Wir dokumentieren hier eine ältere Sendung von Context XXI. In der Sendung hat Stephan Grigat Auszüge von einer Gedenkveranstaltung für Johannes Agnoli zusammengestellt, die im Juni 2003 in Berlin stattgefunden hat und an der Michael Heinrich, Joachim Bruhn und Clemens Nachtmann beteiligt waren. Michael Heinrich führt aus, dass Agnoli keine Theorie des Staats, sondern eine Kritik des Staats als Form eines objektiven Zwangszusammenhangs formuliert hat. Joachim Bruhn schildert, auf welche Weise Agnoli sich auf den deutschen Idealismus bezogen hat. Clemens Nachtmann führt aus, was nach Agnoli eine Kritik der Politik bedeutet, geht darauf ein, inwiefern nach Agnoli Bestandteile des Nationalsozialismus in die BRD der Nachkriegszeit übergegangen sind und weist auf den Mangel hin, dass Agnoli die Differenz von Post-Faschismus und Post-Nationalsozialismus nicht ausreichend berücksichtigt habe.

    Download: via AArchiv (mp3; 26.5 MB; 57:47 min) | via YouTube

Weitere Beiträge zu Johannes Agnoli im Audioarchiv: Zur Aktualität von Johannes Agnolis ‚Transformation der Demokratie‘ | Das negative Potential – Gespräche mit Johannes Agnoli | Subversive Theorie

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Donnerstag, 23. Mai 2019

Zur Logik und Kritik der identitätspolitischen Konjunktur

Fr. 11. – So. 13. Oktober 2019  im Naturfreundehaus Hannover

Identitätspolitik war zunächst eine Strategie im Kampf um Anerkennung von diskriminierten gesellschaftlichen Gruppen und Lebensweisen und folgte insofern einer emanzipatorischen Motivation. Doch schon seit Jahren haben regressive Kollektividentitäten nationalistischen, völkischen und religionistischen Charakters wieder Konjunktur. Aber auch im linken und linksliberalen Spektrum ist die ursprüngliche „Dekonstruktion“ von Identitäten weitgehend in einen neuen Essentialismus umgekippt, der mit scharfen, zum Teil dogmatischen, Abgrenzungen einhergeht (so etwa in Teilen des Queerfeminismus und des Critical-Whiteness-Diskurses). In diesem Seminar soll der Zusammenhang zwischen „Identität“ und der warengesellschaftlichen Ordnung diskutiert werden. Die identitätspolitische Konjunktur in ihren unterschiedlichen Facetten wird aus verschiedenen Perspektiven analysiert und der Kritik unterzogen.

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Zur Logik und Kritik der identitätspolitischen Konjunktur

Fr. 11. – So. 13. Oktober 2019  im Naturfreundehaus Hannover

Identitätspolitik war zunächst eine Strategie im Kampf um Anerkennung von diskriminierten gesellschaftlichen Gruppen und Lebensweisen und folgte insofern einer emanzipatorischen Motivation. Doch schon seit Jahren haben regressive Kollektividentitäten nationalistischen, völkischen und religionistischen Charakters wieder Konjunktur. Aber auch im linken und linksliberalen Spektrum ist die ursprüngliche „Dekonstruktion“ von Identitäten weitgehend in einen neuen Essentialismus umgekippt, der mit scharfen, zum Teil dogmatischen, Abgrenzungen einhergeht (so etwa in Teilen des Queerfeminismus und des Critical-Whiteness-Diskurses). In diesem Seminar soll der Zusammenhang zwischen „Identität“ und der warengesellschaftlichen Ordnung diskutiert werden. Die identitätspolitische Konjunktur in ihren unterschiedlichen Facetten wird aus verschiedenen Perspektiven analysiert und der Kritik unterzogen.

 


Freitag 11.10.

16.30 Uhr: Begrüßung und Vorstellung

17.00 – 18.15 Uhr: Die gelebten Realitäten von Frauen und Mädchen.
Eine materialistische Kritik des Patriarchats (Vortrag von Koschka Linkerhand)

18.30 Uhr: Abendessen

19.30 – 21.00 Uhr: Diskussion des Vortrags

Samstag 12.10.

9.15 – 12.30 Uhr (Workshops):

  1. Die psychische Attraktivität des Nationalen (Dagmar Schediwy)
  2. Kein Realismus ohne Klassenkampf? Zur linkspopulistischen Kritik
    des Gegenwartstheaters (Martin Brandt)

12.30 Mittagessen

15.00 – 18.15 Uhr (Workshops)

  1. Identität und Interesse. Zur Logik linker Identitätspolitik (Julian Bierwirth)
  2. Die Rechten und ihre „Alternative Wahrheit“ (Peter Samol)
  3. Das Drama vom Geld und dem Juden. Geldwirtschaft und Antisemitismus
    in Shakespeares Drama „Der Kaufmann von Venedig“ (Hermann Engster)

18.15 Uhr Abendessen

20.00: Öffentliche Mitgliederversammlung des Förderverein Krisis e.V.

Sonntag 13.10.

9.15 – 11.30 Uhr: Bodenlos Identitär. Zum „linken Populismus“ von Chantal Mouffe
und seiner falschen Kritik (Vortrag und Diskussion mit Norbert Trenkle)

11.45 – 12.15 Uhr: Abschlussdiskussion

12.30 Mittagessen und danach Abreise

 


Organisatorisches

Die Kosten für Unterkunft und Verpflegung betragen 75 € (Dreierzimmer), 90 € (Doppelzimmer) und 110 € (Einzelzimmer). Geringverdienende (Selbsteinstufung) zahlen einen ermäßigten Beitrag von 45 € (bei Bedarf auch geringer). Außerdem freuen wir uns über Spenden zusätzlich zum Tagungsbeitrag zur Finanzierung des Seminars. Bettwäsche und Handtücher können ausgeliehen werden: Bettwäsche 4,50 € pro Set und Handtücher 1,50 € pro Stück. Ansonsten bitte selber mitbringen.

Um schnelle Anmeldung wird gebeten. Einzelzimmer stehen nur begrenzt zur Verfügung und werden nach Eingang der Anmeldungen vergeben. Tagesgäste sind willkommen und können gegen Kostenbeitrag  am Essen teilnehmen (pro Essen 6 €). Bitte auch als Tagesgast anmelden. Wer lieber in einem Hotel übernachten möchte, findet ganz in der Nähe zwei günstige Möglichkeiten: Hotel zur Eiche und Hotel Eilenriede. Ihr könnt dann als Tagesgast an den Essen im Seminarhaus teilnehmen.

Das Tagungshaus befindet sich mitten in Hannover, im Stadtpark Eilenriede, nur 6 Stadtbahn-stationen vom Hauptbahnhof entfernt: Naturfreundehaus Hannover, Hermann-Bahlsen-Allee 8, 30655 Hannover, Tel.: 0511 – 69 14 93, www.naturfreundehaus-hannover.de/ .
Infos zur Anfahrt finden sich hier:
www.naturfreundehaus-hannover.de/unser_haus_anreise/stadtplan

 


Anmeldung zum Krisis-Seminar Das große Identitätärä

Mail: krisisweb@yahoo.de oder
postalisch: Krisis e.V
., Postfach 81 02 69, 90247 Nürnberg

Name:

Adresse:

O im Dreibettzimmer (75 €)

O im Doppelzimmer (90 €)

O im Einzelzimmer (110 €)

O zum ermäßigten Beitrag (45 €)

O als Tagesgast am:

O ich esse nur vegetarisch / vegan (bitte unterstreichen)

Die Kosten für Übernachtung und Verpflegung bitte bis zum 5.10.2019 überweisen: Förderverein Krisis IBAN: DE97 7601 0085 0300 1148 59, Postbank Nbg. BIC: PBNKDEFF

 


Kurzbeschreibung der Workshops und Vorträge

Freitag, 17.00 – 18.15 Uhr/ 19.30 – 21.00 Uhr

Die gelebten Realitäten von Frauen und Mädchen. Eine materialistische Kritik des Patriarchats

Vortrag von Koschka Linkerhand

Mit berechtigtem Schrecken stehen Feministinnen vor dem frauenfeindlichen Rechtsruck, der sich in vielen Ländern und in vielen Teilen der Gesellschaft abzeichnet. Offensichtlich ist es nötiger denn je, globale Perspektiven von Frauenunterdrückung und Frauensolidarität ins Auge zu fassen und das Geschlechterverhältnis in engem Zusammenhang mit den Produktionsverhältnissen zu analysieren. Hier kann auf den materialistischen Feminismus zurückgegriffen werden, den Theoretikerinnen seit Simone de Beauvoir erarbeitet haben. Das Patriarchat als ein Herrschaftsverhältnis zwischen Frauen und Männern dient dabei als zentrale Analysekategorie.

Heute ist klar, dass weitere, vielfältige Unterdrückungskategorien in die feministische Analyse einbezogen werden müssen und dass Identitätspolitik – nicht nur von Frauen – ein notwendiger Teil linker Politik sein muss. Wie kann eine materialistische Patriarchatskritik Ausgangspunkt für eine zeitgemäße feministische Theorie sein, die realpolitisch handlungsfähig macht – gerade vor der utopischen Perspektive, dass Patriarchat und Kapitalismus endlich abgeschafft werden müssen?

 

Samstag 9.15 – 12.30 Uhr

Die psychische Attraktivität des Nationalen

Workshop mit Dagmar Schediwy

Die Kritik rechter Einstellungen beschränkt sich häufig auf eine Analyse ihrer ideologischen Konstrukte. In diesem Workshop soll jedoch versucht werden, den psychischen Mechanismen, die die Bezugnahme auf die Nation für die Subjekte attraktiv machen, auf die Spur kommen. Dabei werden wir zum einen die einschlägigen Erklärungsmuster für rechtspopulistische/-extreme Haltungen analysieren. An fünf Beispielen werden wir anschließend diskutieren, welche psychische Gratifikation eine nationale Identifikation für die Individuen hat.

 

Kein Realismus ohne Klassenkampf? Zur linkspopulistischen Kritik des Gegenwartstheaters

Workshop mit Martin Brandt

Die programmatische Debatte um einen „neuen Realismus“ hat mittlerweile auch die Bühnen des Theaters erreicht, wo der Theatermann und #aufstehen-Politiker Bernd Stegemann für die Darstellung der Realität und gegen die gegenwärtige postdramatische Inszenierungspraxis agitiert. Der marxistische Realismus-Begriff, in welchem das Politische und Ästhetische konvergieren, diente in den historischen Debatten stets dazu, eine adäquate Darstellung der jeweiligen Realität zu finden.

Zwar fordert auch die Debatte um einen neuen Realismus im Theater eine mit der Postdramatik einhergehende Identitätsfixierung heraus, indem sie an die Totalität kapitalistischer Vergesellschaftung erinnert. Doch wie soll der Realismus den Kapitalismus und dessen gegenwärtige Krise adäquat begreifen, wenn er letztere lediglich als Fehlhandlungen gieriger Spekulanten interpretiert? Der Workshop will anhand von Bernd Stegemanns Lob des Realismus (2015) sowohl die Bedeutung der regressiven Kritik am Finanzkapital als auch den in dieser Kritik häufig reklamierten Klassenstandpunkt für eine zeitgenössische Ästhetik hinterfragen und eruieren, was ein krisenbewusster Realismus jenseits identitätspolitischer Vereinseitigungen leisten müsste.

 

Samstag 15.00 – 18.15 Uhr

Identität und Interesse. Zur Logik linker Identitätspolitik

Workshop mit Julian Bierwirth

In den letzten Jahren ist viel über Identitätspolitik gestritten worden. Insbesondere bestimmte Lesarten der Queer Politics und Critical Whiteness standen dabei im Fokus der Auseinandersetzung. Als Reaktion darauf hat sich eine Debatte um eine „Neue Klassenpolitik“ herausgebildet, in der nun wieder handfeste materielle Interessen in den Mittelpunkt der eigenen Praxis gerückt werden sollen. Bei genauerer Betrachtung entpuppt sich jedoch auch diese erneute Hinwendung zu einer imaginierten „Klasse“ als höchst identitär. In diesem Workshop wollen wir diese und andere Aspekte linker Identitätspolitik vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen und ökonomischen Transformationen der letzten Jahrzehnte diskutieren und kritisieren.

 

Die Rechten und ihre „Alternative Wahrheit“

Workshop mit Peter Samol

Wer sich mit den Äußerungen rechter Zeitgenossinnen und Zeitgenossen befasst, bekommt schnell den Eindruck, dass diese in einer ganz anderen Welt zu leben scheinen. Das kommt nicht von ungefähr, denn Rechte haben Schwierigkeiten mit Befunden wissenschaftlicher Erkenntnis und ganz allgemein mit rational begründetem Denken. Stattdessen geben sie einer „gefühlten“, „tieferen“, „eigentlichen“ Wahrheit den Vorzug. Dieser Weltsicht liegt ein Muster zu Grunde, das sich spätestens mit Schopenhauer im abendländischen Denken etabliert hat. Es handelt sich um die dunkle Rückseite der Aufklärung, auf die sich die Rechte bis heute bezieht.

Im Workshop soll den Spuren der „Alternativen Wahrheit“ von Schopenhauer bis heute sowie ihrer Wirkung bei der Neuen Rechten nachgegangen werden.

 

Das Drama vom Geld und dem Juden. Geldwirtschaft und Antisemitismus in Shakespeares Drama „Der Kaufmann von Venedig“

Workshop mit Hermann Engster

Die Investitionen in kostspielige, aber höchst profitable Handelsfahrten nach Übersee im 16. Jahrhundert erforderten die Entwicklung einer historisch neuartigen Kreditwirtschaft (Marx, Das Kapital, Bd. III). Da Kreditgeschäfte gegen Zins Christen verboten sind, wird das Geldverleihen zumeist von Juden betrieben. Shakespeare sind die ökonomischen Notwendigkeiten nicht bewusst; er behandelt in seinem Drama das Problem als religiösen Konflikt und lädt diesen mit der bösartigen Judenkarikatur des Geldverleihers Shylock antisemitisch auf. Sein Drama ist zwar kein Pogromstück, doch stellt die unbestreitbare anti-jüdische Tendenz jedes Theater im Bewusstsein der Shoah vor unüberwindliche Probleme. – Die religiös-moralisch vordergründige und politisch-ökonomisch untergründige Problematik des Stücks soll anhand von Textpassagen aus dem Shakespeare-Stück, philosophisch-theologischen Manifesten und Marx‘ Analysen herausgearbeitet werden.

 

Sonntag, 9.15 – 11.30 Uhr

Bodenlos Identitär. Zum „linken Populismus“ von Chantal Mouffe und seiner falschen Kritik

Vortrag von Norbert Trenkle

Die „postmarxistische“ Theoretikerin Chantal Mouffe plädiert für einen „linken Populismus“ als Gegenpol zum rechten Vormarsch. Dahinter steht eine Theorie des Politischen, die sich zwar vordergründig gegen jeden „Essentialismus“ wendet, zugleich aber das Bedürfnis „des Menschen“ nach kollektiven Identitäten ontologisiert und zur Grundlage jeglichen politischen Handelns erklärt. Konnte diese Form der Identitätspolitik in der kurzen Blütezeit des flexibilisierten Kapitalismus noch als progressiv erscheinen, so treten in dessen Krise ihre problematischen Züge deutlich in den Vordergrund. Mit der extremen Rechten teilt sie nicht nur die auf Carl Schmitt zurückgehenden politiktheoretischen Grundannahmen, sondern auch ein regressives Bild des Kapitalismus, das diesen auf die Herrschaft von Eliten und „Plutokraten“ reduziert.

Demgegenüber werden neuerdings wieder die „materiellen Interessen“ als Grundlage für eine emanzipative Politik ins Spiel gebracht (z.B. „Neue Klassenpolitik“). Doch dieser Versuch läuft in Leere. Denn zum einen sind Identität und Interesse nur komplementäre Kategorien innerhalb der kapitalistischen Vergesellschaftungsform; nämlich die beiden Seiten des verdinglichten Handlungsbezugs der abstrakten Individuen aufeinander und auf ihren gesellschaftlichen Zusammenhang. Zum anderen stellt die Konjunktur der Identitätspolitik bereits eine Reaktion auf die objektiv-historische Krise der Interessenspolitik dar, die sich nicht zurückdrehen lässt. Die neuerliche Anrufung „der Klasse“ ist daher genauso bodenlos fiktional wie ein „linker Populismus“. Emanzipatives Handeln muss sich jenseits von Identität und Interesse verorten.

 

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Mittwoch, 22. Mai 2019

PORTUGAL GIBT ALS ERSTES LAND DER EUROZONE SCHULDTITEL IN CHINESISCHER WÄHRUNG AUS

Das Ziel ist, in einen Markt mit großer Liquidität einzusteigen

Portugal wird das erste Land der Eurozone, das Schultitel in chinesischer Währung ausgibt, nachdem China dafür grünes Licht gegeben hat. Das bestätigte der Staatssekretär für Finanzen, Ricardo Mourinho.

Portugal – das sich auch in Euro und Dollar verschuldet – wird eine Anleihe auf 3 Jahre in der Höhe von 2 Milliarden Renminbi ausgeben, was 260 Millionen Euro entspricht. Die Ausgabe wird nächste Woche beginnen. Es ist noch nicht ganz klar, zu welchen Kosten, aber es wird angenommen, etwas über dem Euro-Anleihen (mit einem Zinsfuß von -0,222%).“

!!!
Portugal, noch vor einigen Jahren unter der Fuchtel der Troika, Ende 2018 mit einer Staatsverschuldung von 121,5 % des BIP, an 3. Stelle (bei relativer Verschuldung) hinter Griechenland und Italien
zahlt Negativzinsen bei Verschuldung in Euro!
EZB sei Dank!

„Obwohl das Volumen der Anleihe klein ist, erlaubt die nunmehr erteilte Genehmigung in Zukunft auch Anleihen größeren Umfangs. »Unser Ziel ist, in diesen groß dimensionierten Markt mit seiner umfassenden Liquidität hineinzukommen und damit unsere Investorenbasis zu erweitern,« sagte Mourinho der Zeitung Eco.

China ist bereits der größte Investor von außerhalb der EU in Portugal, mit Schlüsselbeteiligungen in den Sektoren Elektrizität, Wasser, Banken, Versicherungen und Gesundheit. Kürzlich mißlang die 100 %-Übernahme des größten Elektrizitätsversorgers Portugals, der EDP, wo sie bereits 25 % besitzen“ (– obwohl die chinesischen Investoren dafür mehr als 9 Mrd. Euro locker gemacht hätten.)

„Beim letzten Besuch des chinesischen Präsidenten letzten Dezember in Portugal unterschrieb er mit dem portugiesischen Ministerpräsidenten António Costa ein Abkommen über die Teilnahme an der »Neuen Seidenstraße« unter Einbeziehung des Hafens von Sines.“

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Diese neuen Anleihen werden ganz lieblich Panda Bonds genannt.

Was heißt das für China? Es bereitet sich weiter vor, erstens den Renminbi zu einer Weltwährung zu machen und zweitens den Euro dabei zu stützen.

Was heißt es für Portugal?
Es versucht, sich vom Euro-Kredit und der EZB ein Stück weit frei zu machen.

Was heißt es für die EU?
Der Euro wird durch China gestützt. Es wird immer schwieriger, sich der Abhängigkeit von China zu entziehen, während der Big Brother aus den USA genau das immer stärker fordert.

Dienstag, 21. Mai 2019

Eine Reihe von Mitarbeitern der Teheraner U-Bahn versammelte sich heute Morgen, Dienstag, 21. Mai 2019, vor einem Gebäudeblock des Teheraner U-Bahn-Versorgungsunternehmens, um gegen die Einstellung und Beendigung ihrer offiziellen Verträge zu protestieren. Laut Ensaf-News kamen rund 200 U-Bahn-Mitarbeiter zusammen.


Protest von U-Bahn-Beschäftigten in Teheran

Einer der Demonstranten sagte dem Ensaf News-Korrespondenten: „Sie machen uns alle unglücklich, wir hatten einen offiziellen Vertrag, aber jetzt behandeln sie uns schlecht und geben uns nur noch kurze Verträge und halbieren unser Gehalt.“

Geheimdienstleute der U-Bahn erlaubten Journalisten nicht, sich dem Protest anzuschließen.

Ungefähr zwanzig Polizisten mit Motorrädern trafen nach wenigen Minuten ein und verschwanden später wieder.

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Montag, 20. Mai 2019


Behruz Kamalwandi (erster von links)

Behruz Kamalwandi, Pressesprecher der Atomenergiebehörde des Irans, hat angekündigt, dass der Iran ab heute seine Produktion von angereichertem Uran (mit einem Gehalt von 3,67% des Isotops U-235) vervierfacht und deshalb bald den vertraglich vereinbarten Grenzwert von 300 Kilogramm erreichen werde. Er wies darauf hin, dass der Iran die Grenzen auch überschreiten könne, und forderte die westeuropäischen Staaten auf, lieber vorher zu handeln.
Wesentlich interessanter als Behruz Kamalwandi ist der Auftritt seines Nachbarn in der Mitte:

Hat er Rinderpest? Oder ist die Luft in Teheran so schmutzig? Oder hat er im Labor mit Uran gespielt?
Diejenigen im Iran, die diese Show inszeniert haben, verdienen einen Preis für unfreiwillige Komik.

https://www.radiofarda.com/a/iran_increased_low_enrich_uranium_fourfold/29952980.html
vom 20. Mai 2019
iran mizane toulide uranyume ba ghanaye payinra chahar barabar afzayesh dad

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Heute sind Eisenbahner in Tabris in den Streik getreten, um die Auszahlung der ausstehenden Löhne einzufordern. Die verantwortlichen Vorgesetzten sind bislang auf ihre Forderungen nicht eingegangen, haben die Arbeiter nur vertröstet und belogen und versucht sie einzuschüchtern.

https://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=183032
vom 30. Ordibehescht 1398 (20. Mai 2019)
°aks / e°tesabe kargarane xate rah-ahane tabriz

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Bektash Abtin, Resa Chandan-Mahabadi und Keyvan Bazhan

Die drei Mitglieder des iranischen Schriftstellerverbandes Bektash Abtin, Resa Chandan-Mahabadi und Keyvan Bazhan wurden vergangenen Mittwoch (15. Mai 2019) von der 28. Kammer des Revolutionstribunals in Teheran unter dem Vorwurf der „Propaganda gegen das System“ und der „kriminellen Vereinigung, die gegen die Sicherheit des Landes gerichtet ist“, zu je sechs Jahren Gefängnis verurteilt. Gegen dieses Urteil haben 900 Angehörige der schreibenden Berufe im Iran in einem offenen Brief an die Justiz und die Exekutive protestiert. Sie fordern die Freilassung der drei Schriftsteller.

http://www.akhbar-rooz.com/article.jsp?essayId=93323
vom 29. Ordibehescht 1398 (19. Mai 2019)
sadha newisande xahane laghwe ahkame zendane se °ozwe kanune newisandegane iran shodand

https://www.radiofarda.com/a/iranian-writers-reza-khandan-mahabadi-baktash-abtin-and-keyvan-bajan/29952755.html
vom 20. Mai 2019
bayaniyeye 900 newisande: hokme se °ozwe kanune newisandegan azadikosh ast

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Seit 19 Tagen (Stand 19. Mai 2019) ist die Studentin der Sozialwissenschaften Marsiye Amiri, die an der Hochschule für Sozialwissenschaften in Teheran studiert und zugleich als Journalistin für die Zeitung Sharq news arbeitet, in Haft. Es ist nur bekannt, dass sie sich im Evin-Gefängnis in einer Zelle in Einzelhaft befinden. Am Sonntag haben sich eine Reihe von Studierenden an der Hochschule für Sozialwissenschaften versammelt, um gegen die anhaltende Inhaftierung von Marsiye Amiri zu protestieren.

https://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=182956
vom 29. Ordibehescht 1398 (19. Mai 2019)
tajammo°e daneshjuyane daneshgahe °olume ejtema°iye daneshgahe tehran be edameye bazdashte marziye amiri + °aks

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Vom Europawahlkampf habe ich diesmal besonders wenig mitgekriegt. Zumindest die Plakate gaben einem diesmal kaum was in die Hand, um die Positionen der Parteien einordnen zu können. Mein persönlicher Höhepunkt/Tiefpunkt war ein Stand der SPD, der damit glänzte, junge Migranten belgische Waffeln verkaufen zu lassen. Das konkurrierte hart mit einem Stand der Linkspartei, die einen irgendwie symbolischen Europaspielplatz aufgebaut hatten. Dafür hat ihr Wahlprogramm 60 Seiten. Wer hat das schon sonst?
Da hat mir dann doch eher eingeleuchtet, was Peter Decker vom GegenStandpunkt „ganz höflich“ Ende April in Nürnberg zu sagen hatte: Die Abschrift gibt es hier (von mir leicht aufgehübscht)

 


"People demand freedom of speech as a compensation for the freedom of thought which they seldom use." (Sören Kierkegaard)

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